Online-MegazineInterview

MARS RED SKY

Metamorphosen und andere Tricks

MARS RED SKY

MARS RED SKY veröffentlichen dieser Tage nicht nur ihre EP „Providence“, sondern legen auch noch ihr drittes Studioalbum „Apex III – Praise For The Burning Soul“ nach. Wie es dazu kam und wie die Veröffentlichungen zusammen hängen, verrieten uns Sänger und Gitarrist Julien, sowie Schlagzeuger Matgaz im Interview.

Anfang des Jahres habt ihr die 3-Track-EP „Providence“ veröffentlicht. Warum habt ihr euch dazu entschlossen, die physischen Versionen auf 500 Ten-Inches und 500 CDs zu limitieren?

Mat: »Die Idee zu der EP kam uns, weil wir einen Song nicht mit auf unser Album nehmen konnten, sonst hätte die Musik nicht auf eine Schallplatte gepasst. Das war nicht einfach, denn wir lieben sie alle. 'Shot In Providence' war der, den wir weglassen mussten, und um ihm einen besonderen Platz zu geben, haben wir ihn auf die A-Seite der EP gepackt. Und auf der B-Seite wollten wir eine andere Seite unserer Musik zeigen, mit dem experimentellen Track 'The Homesick Deaf' und 'Saphire Vessel', das quasi eine Erweiterung von 'The Winery' ist, wo wir einige Freunde und unsere Kinder spielen und singen lassen. Für uns ergibt das alles Sinn. Es ist ein besonderes Format, wir dachten es sollte limitiert sein, um es noch exklusiver zu machen.«

Euer neues Studioalbum „Apex III – Praise For The Burning Soul“ erscheint im Februar. Wie kommt es, dass Album und EP so nah hintereinander veröffentlicht werden?

Mat: »Wir betrachten die EP als eine Erweiterung des Albums, auch wenn sie vorher erscheint. Und wir mögen die Vorstellung etwas vor dem Album zu veröffentlichen, wie eine Single oder so, um hallo zu sagen. Es ist nur etwas mehr als eine Single, denke ich.«

Von Februar bis April spielt ihr eine ausgedehnte Tour. Wie könnt ihr das mit euren regulären Jobs und eurem Privatleben vereinbaren? Könnt ihr bereits von der Musik leben?

Mat: »Julien und ich sind Vollzeitmusiker und Jimmy hat noch einen Job neben der Band, aber er kann auch auf Tour arbeiten. MARS RED SKY trägt etwas zu unserem Einkommen bei, auch wenn das nicht unser Hauptziel ist. Wir haben alle andere Projekte als Solokünstler oder angestellte Musiker.«

Wie seht ihr als französische Band eure lokale Szene? Ist es schwierig, einen Fuß in das Musikbusiness zu setzen mit Psychedelic Stoner Rock, wie ihr ihn spielt?

Mat: »Frankreich ist nicht gerade weltbekannt für seine Rock'n'Roll-Szene, so viel ist sicher, aber natürlich gibt es – wie in jedem Land – eine Underground-Szene und es ist möglich dein Ding zu machen, wenn du so viel live spielst, wie du kannst und wenn du nicht nur in deinem Land tourst, sondern überall, wo du kannst. Obwohl wir aus Frankreich kommen, verstehen wir uns als europäische Band. Wir mögen diese Vorstellung. Heutzutage ist es einfacher, mit Leuten des Kontinents in Kontakt zu kommen, Konzerte möglich zu machen und die Leute dazu zu bringen, deine Musik mit ihren Freunden zu teilen.«

Jimmy: »Wir können einige gute Bands aus unserer Heimatstadt Bordeaux nennen, wie etwa Darcha, Mandala, Libido Fuzz.«

Ihr habt in der Vergangenheit sehr gute Reviews für eure Alben bekommen. Beeinflusst das eure Arbeit als Band in irgendeiner Weise?

Mat: »Ich denke ein gutes oder schlechtes Review würde keinen von uns beim Schreiben von Musik beeinflussen. Aber natürlich ist es toll, etwas über unsere Arbeit zu lesen, vor allem wenn die Leute wirklich verstehen, was wir erreichen möchten oder uns sogar einen neuen Blick auf das eröffnen, was wir tun. Wir wollen uns nicht wiederholen. Wir möchten nicht das immer gleiche Album machen. Wir möchten immer versuchen, neue Idee zu entwickeln, Dinge zu verschmelzen. Auch wenn wir natürlich unseren Sound beibehalten, unsere Art und Weise sozusagen.«



Eure Songs sind oft sehr lang und ausschweifend. Ist das eine bewusste Entscheidung, die ihr beim Songwriting trefft, oder ein natürlich Prozess?

Mat: »Zu allererst spielen wir in sehr langsamen Tempi, es braucht also mehr Zeit als ein schneller Punk-Song. Und außerdem, ja, wir mögen es ausgedehnt und lassen unsere Ideen in verschiedene Richtungen führen. Es ist okay, wenn die Leute das Progressive Rock nenne, denn wir sind Fans von King Crimson, Pink Floyd, frühen Genesis, Gong... Und es ist auch ein Teil unserer Persönlichkeiten. Ich könnte mir Julien nicht in einer Speed-Metal-Band vorstellen, wo er durch die Luft springt, während er auf der Gitarre shreddert!«

Eure Songtexte erzählen oft recht seltsame Geschichten. Woher nehmt ihr die Inspiration zu solchen Texten?

Julien: »Die Texte kommen immer, nachdem die Musik bereits gut ausgearbeitet ist, denn ich mag es mit Melodien zu spielen, die Gesangslinien auf schöne und befriedigende Art mit den Akkordfolgen oder Riffs und Rhythmus-Figuren interagieren zu lassen. Da kommen der Sound und die Worte heraus und diese wenigen Worte geben normalerweise die Richtung für den Text vor. Ich lese viel Fiktion, Romane, Gedichte und wenn ich auf eine Beschreibung stoße, eine Kombination von Worten, die mir gefällt oder etwas Gesagtes, das ich mag, dann schreibe ich es in ein Notizbuch und nehme es später wieder auf und überarbeite es, wenn es zu einem Text passt. Die Themen der Songs sind oft seltsam und kryptisch, weil es verschiedene Ebenen gibt, viele Stufen der Interpretation. Manchmal denke ich mir komplette Geschichten aus, aber werfe ein paar persönliche Elemente ein; Erfahrungen oder Gefühle und verkleide sie mit Metamorphosen und anderen Tricks. Ich mag es einfach sehr, mit Worten zu spielen, Bilder zu kreieren, indem ich Worte oder Ideen zusammensetze, die auf den ersten Blick nicht gemeinsam haben, und dadurch etwas völlig anderes zu erschaffen.«

Heutzutage gehen eine Menge Bands zurück zu den psychedelischen Sounds der Siebziger. Was war eure Inspiration, diesem Pfad zu folgen und ihn mit Doom- und Stoner-Einflüssen zu mischen?

Mat: »Ich denke nicht, dass es ein bewusster Prozess ist. Es ist einfach das, was passiert, wenn unser verschiedenen musikalischen Hintergründe aufeinander treffen. Davon kommt eigentlich nichts aus der Stoner- und Doom-Szene. Wir kommen eher aus der Neuzigerjahre-Alternative-Punk-Rock-Ecke und natürlich sind wir mit den Sounds der Siebziger und Achtziger aufgewachsen. Die Grundidee der Band war es, schwere Gitarrenriffs zu spielen und melodischen Klargesang drauf zu setzen, was wir immer noch tun, nur mit neuen Elementen. Darum nennen wir uns Heavy Rock Psychedelic. Das ist präzise genug und lässt Raum für Fantasie. Black Garfunkel oder Simon Sabbath hätte ebenso gut unser Name sein können.«

Ihr bringt sehr regelmäßig neue Alben raus. Oft folgt darauf eine ausgedehnte Tour. Was ist für MARS RED SKY wichtiger, das Tourleben oder neue Alben aufzunehmen?

Mat: »Diese beiden Dinge sind verbunden. Du machst Alben, dann bewirbst du sie auf Tour oder bevor es ins Studio geht, stehst du auf der Bühne und spielst die Songs bereits, es ist also ein Kreislauf. Konzerte sind der Kern des Prozesses. Da teilst du deine Musik wirklich mit den Leuten und triffst großartige Personen. Und heutzutage ist es der Hauptweg, um eine Band aufzubauen und am Leben zu erhalten. Aber ich muss dazu sagen: ich liebe es als Musiker um Studio zu sein. Wenn ich könnte, würde ich da noch mehr Zeit verbringen.«

Die letzten Jahre waren sehr erfolgreich für euch. Gibt es irgendetwas bestimmtes, dass ihr als Band noch machen möchtet?

Mat: »Wir haben immer noch eine Menge mit unserer Musik zu sagen. Natürlich gibt es immer noch Orte, wo wir noch nicht gespielt haben, aber gerne spielen würden. Wir waren noch nie in Asien oder Australien. Und wir hätten sehr gerne einen Swimmingpool in der Mitte unseres Proberaums, mit ein paar Fischen darin!«

 

http://www.marsredsky.net

www.facebook.com/marsredskyband

 

Pics: Sandra Basso (Promo)

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

COLOR HAZE + GREENLEAF + MARS RED SKY + ELECTRIC MOON + THE VINTAGE CARAVAN + GLOWSUN + DEAD LORD + MUTINY ON THE BOUNTY + THE GRAND ASTORIA + WUCAN + u.v.m.05.08.2016
bis
06.08.2016
Beelen, Am PlattenladenKRACH AM BACHTickets
SAINT VITUS + JOHN GARCIA + SLEEP + LOWRIDER + TOUNDRA + SATAN'S SATYRS + COSMIC DEAD + ECSTATIC VISION + MARS RED SKY + SAMSARA BLUES EXPERIMENT + u.v.m.28.04.2017
bis
30.04.2017
Berlin, Astra KulturhausDESERTFESTTickets