Online-MegazineInterview

THE MIDNIGHT GHOST TRAIN

»Mein Atem und mein Leben«

THE MIDNIGHT GHOST TRAIN

Das Stoner-/Southern-/Blues-Rock-Trio THE MIDNIGHT GHOST TRAIN aus Kansas ist zur Zeit auf Europa-Tour und hat sein neues Album "Cold Was The Ground" im Gepäck. Das Album sollte in keiner Rock-/Blues-/Stoner-Sammlung fehlen und sei besonders allen Bass-Liebhabern ans Herz gelegt.
Alles Grund genug, mal ein paar Worte mit der Band zu wechseln.
So geschehen beim "Hell Over Esslingen", wo Sänger/Gitarrist Steve Moss sich gerne Zeit nahm, um Rock Hard Rede und Antwort zu stehen.

Steve, beginnen wir mit den Basics, kannst du uns was über die Bandgründung erzählen?

»Ok, ich kam vom Planeten Mars mit einer Idee... Hahaha, nein, natürlich nicht... Ein sehr enger Freund von mir ist an einem Asthma-Anfall gestorben. Dieses Ereignis hat bei mir den starken Drang ausgelöst, etwas in seinem Gedenken zu machen, aber nicht nur deshalb, sondern auch, weil ich zu der Zeit überhaupt nichts mit meinem Leben anfing.«

Eine Art Weckruf?

»Ja, genau, ein Wachrütteln... Also gründete ich die Band und von Anfang an war ich sehr besessen davon, dass alles funktionieren soll. Das ist sechs Jahre her. Also zum einen gibt es uns als Erinnerung an meinen verstorbenen Freund und zum anderen, weil es wirklich an der Zeit war, den Arsch hochzukriegen und etwas zu schaffen. Damals war ich Lehrer und kündigte meinen Job um Rock 'n' Roll zu spielen, beziehungsweise zu leben.«

War es immer hundertprozentiger Einsatz, oder gab es den Gedanken, dass das alles eine blöde Idee war?

»Nein, von Anfang an war es 10000-prozentige Hingabe, wir touren ungefähr neun Monate im Jahr, sind immer unterwegs... Ohne absoluten Einsatz geht das nicht.«

War die Anfangszeit sehr schwer?

»Aber ja, ich kündigte meinen Job, machte einen Haufen Schulden und versuchte, Musik zu machen.«

Und alles drumherum selbst zu organisieren?

»Ja, es war heftig... Aber trotzdem liebe ich es und würde um nichts in der Welt etwas anderes machen wollen.«

Lass uns über euer neues Album „Cold Was The Ground“ sprechen. Verglichen mit den Vorgängern, habt ihr euch beachtlich weiterentwickelt...

»Ja, total...«

Es ist intensiv und authentisch.

»Ja, es ist viel besser als was wir zuvor gemacht haben. Wir haben einen neuen Bassisten...«

Genau, darauf wollte ich zu sprechen kommen, weil auf dem Album ein starker Fokus auf Bass liegt, was mir persönlich sehr gefällt.

»Mir auch, haha, es ist seine Art, Bass zu spielen, die das Album so gut macht, das hatten wir auf den vorigen Alben nicht. Seit Mike Boyne zur Band gehört, sind wir so viel besser geworden.«



Also war er der "Missing Link"?

»Auf alle Fälle! Er hat einen großen Anteil am Sound dieses Albums.«

Ihr hattet im Laufe der Zeit doch einige Line-up-Wechsel...

»Ja, es waren ein paar. Mein Drummer und ich sind sehr wählerisch. Es muss wirklich alles passen und Mike ist "the man", wie jeder beim Anhören der neuen Songs feststellen kann.«

Schreibt ihr gemeinsam die Songs?

»Ja, wir schreiben nicht nur unsere eigenen Parts, sondern erarbeiten alles gemeinsam... Wir haben alle das gleiche Ziel, einen tollen Song zu schreiben, da ist es normal, dass ich mit einer Idee für einen Drumbeat ankomme oder der Drummer mit einer Bassline. Wir sind beim Songwriting nicht auf unsere Instrumente reduziert, sondern wollen gemeinsam das bestmögliche Ergebnis erzielen.«

Beim Durchhören eurer neuen Songs gab es diesen Song mit "padam padam padam", bei dem ich sofort an Edith Piaf denken musste. Was hat es damit auf sich?

»Haha, gut erkannt. Edith Piaf ist eine große Inspiration für mich. Dieser Song war eine Improvisation. Ich habe den ganzen Track in einem Durchlauf aufgenommen. Der Text kam ganz spontan aus meinem Kopf. Ich liebe Edith Piaf, sie hat meine Art zu singen beeinflusst. Der Song heißt übrigens 'Little Sparrow', was ihr Spitzname war. Es ist also sowohl eine Hommage an Edith als auch ein Impro-Song, der am wenigsten harte Track auf dem Album, haha, aber ich wollte ihn unbedingt mit dabei haben. Du wirst bestimmt nicht viele Heavy-Bands finden, die auf Edith Piaf verweisen, haha, aber sie ist wirklich eine meiner Lieblingssängerinnen. Ihre Stimme ist so ungewöhnlich und inspirierend.«


Dann bleiben wir doch gleich beim Thema Inspirationen. Wer sind deine anderen?

»Blues und Jazz sind die Haupteinflüsse. Muddy Waters, Skip James, Lightnin' Hopkins, Blind Willie Johnson. Der Titel des Albums stammt übrigens von einem Johnson-Song namens 'Dark Was The Night - Cold Was The Ground'.
Tom Waits natürlich, so viele Musiker beziehen sich auf ihn. Selbst die, die ihn nicht kennen, sind von ihm inspiriert, hahaha, er ist "the man". Was wir spielen, ist eigentlich Blues und Jazz, nur eben richtig heavy und schnell.«

Was ist das Beste am Musikerdasein?

»Auf der Bühne stehen. Noch mehr als das Musikmachen an sich, liebe ich das Performen, das ist mein absolutes Highlight.«

Aha, deshalb das exzessive Touren?

»Genau, hahaha.«

Wie sieht es mit den nicht so angenehmen Seiten des Banddaseins aus, gibt es welche für dich?

»Haha, willst du mich verarschen? Ob es welche gibt? Die Liste ist lang, aber trotzdem wiegt eine Stunde auf der Bühne alles auf. In 'Little Sparrow' rede ich davon, wie das Musikmachen einem vieles wegnimmt: Beziehungen, Freundschaften, etc. Mein ganzes Leben dreht sich nur noch um Musik, vieles hat da keinen Platz mehr, aber mir ist es das wert. Es nimmt dir alles, ruiniert deinen Körper, etc., aber wenn du es so sehr liebst und es pure Leidenschaft ist, steckt man vieles weg, man kann gar nicht anders. Ich mache das, weil ich nichts anderes mehr machen will und kann, es ist mein Atem und mein Leben. Aber weil es so tief aus der Seele kommt, treffen einen Niederlagen umso härter... Und doch ist es das wert.«

Hast du überhaupt noch Zeit und Muße für andere Dinge? Hobbys?

»Ja, ich schaue sehr gerne und viel Baseball an. Außerdem habe ich zwei Hunde, sie sind mein ein und alles. Ich würde mich jederzeit für sie opfern, sie sind wirklich das Beste, was mir je passiert ist. Und ich gehe gerne angeln und schaue Filme. Aber die Hunde sind am Wichtigsten.«

Und jetzt sind sie zu Hause und vermissen dich bestimmt schrecklich...

»Ja, meine armen Babys, aber sie sind gut versorgt. Ich vermisse sie auch sehr.«

Wer oder was kann dich auf die Palme bringen ?

»Die Deutschen... Haha, war nur ein Witz. Im Ernst: Es gibt viel, was mich nervt.«

Was steht ganz oben auf der Nerv-Liste?

»Das ist echt schwierig, weil es so viel gibt, was mich tierisch aufregt. Im Musikbusiness oder allgemein?«

Allgemein.

»Ok, allgemein: Menschen! Dumme Menschen (O-Ton: "stupid fucking people"). Ich weiß, dass ich mich da mehr entspannen sollte, aber manchmal platzt mir dann doch der Kragen. Ich habe mit so vielen dummen Menschen zu tun, vor allem in diesem Business, das geht mir voll auf den Sack und manchmal muss ich meinem Ärger dann Luft machen. Das bekommt dann meistens die Band ab, die armen Jungs, haha.
Aargh, dumme Menschen... Ich komme ursprünglich aus New York, habe das New Yorker Temperament und kann sehr direkt sein. Wenn ich denke, dass jemand ein Vollidiot ist, dann sage ich es ihm ins Gesicht.
Aber andererseits kann ich auch sehr nett sein. Es kommt immer darauf an, haha.«

Was sind deine drei Alltime-Favourite-Songs?

»'(Looking For) The Heart Of Saturday Night' von Tom Waits, 'Girl From Northern Country' – von Bob Dylan und 'Dark Was The Night - Cold Was The Ground' von Blind Willie Johnson. Fertig, haha.«

Hahaha, das ging schnell. Gab es einen Gig, der dir immer in Erinnerung bleiben wird?

»Ja, das Roadburn Festival war großartig. Und wir hatten vor vielen Jahren einen Gig in Nashville, es waren wenige Leute da, aber wir sind über uns hinausgewachsen, es war toll. Wir haben damals ein neues Level der Live-Performance erreicht, trotz der wenigen Zuschauer. Das war cool, aber Roadburn war die beste Konzert-Erfahrung bis jetzt.«

Wohin wird euch das Touren dieses Jahr noch führen?

»Frag lieber, wo wir nicht spielen, haha. Nach dieser Europa-Tour gehts wieder auf Tour in den USA, dann wieder Europa zum Hellfest und anderen Gigs, dann Südamerika und wahrscheinlich auch Australien, dann wieder USA und Ende des Jahres Europa.«

Wow, das sind tatsächlich schon wieder neun Monate Tour.

»Ja, verdammt lang... Erinnere mich bloß nicht nochmal daran, hahaha.«

OK, letzte Frage: Du hast einen Wunsch frei, was wünscht du dir?

»Dass meine Hunde für immer leben... Das wäre mein Wunsch.«

Cool, das kam ja auch wie aus der Pistole geschossen.

»Ja, weil es einfach war.«

Danke für deine Zeit und alles Gute für die Tourneen!

 

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