Online-MegazineInterview

CENTURIAN

Mehr Blut auf den Altar!

CENTURIAN

CENTURIAN plus neuer Drummer gleich Nox. Nox plus neuer Drummer gleich wieder CENTURIAN. Kling kurios, ist aber so. Im Heftinterview hat Gitarrist Ron Oorthuis die Logik dahinter erklärt: Nox waren schwarzmetallischer, jetzt geht es wieder zurück zum satanischen Death Metal der ersten beiden CENTURIAN-Alben. „Liber Zar Zax“ erschien 2001 bereits auf Label Listenable, die auch Nox unter Vertrag hatten und jetzt „Contra Rationem“ auf CD und gar Vinyl betreuen.

Dank „Contra Rationem“ wird der Bedarf an eurer früheren Diskographie wieder steigen, aber die unter ihren eigenen Bands nicht unumstrittenen Fullmoon Productions haben 2012 endgültig aufgehört zu existieren.

»Hell’s Headbangers werden die „Of Purest Fire“-MCD und unser Debüt „Choronzonic Chaos Gods“ in den USA auf CD und Vinyl wiederveröffentlichen, in Europa nehmen sich Hammerheart der Sache an. Jon (alias Thorns – Anm. btj) von Fullmoon hat mir die Rechte daran zurückübertragen. Er hat in der Vergangenheit einiges für CENTURIAN getan. Wir können uns nicht über ihn beschweren und es gibt einige andere Typen, die sich Labelmanager nennen und die Bezeichnung Arschloch eher verdient haben. «

Wer ist in 'Thou Shallt Bleed For The Lord Thy God' adressiert? Ist es eine Kriegserklärung von eurer Seite?

»In den letzten Jahren war ich viel auf Reisen, zumeist in Ägypten, Marokko und der Türkei. Man muss nicht extra betonen, dass die meisten Menschen dort sehr gläubig sind. Sie zeigen dass, in dem sie beim Gebet immer über den Boden kratzen, wenn sie den Kopf herunterbeugen “bis sich ein Zeichen der Anbetung von selbst enthüllt“. Dieses Zeichen ist in erster Linie eine Stirnwunde. Das lustige daran ist, dass einige dabei bescheißen und eine falsche Wunde, mit einem scharfen Gegenstand weiter auskratzen. Ich war davon fasziniert und beschloss einen Text über dieses Phänomen zu schreiben. Kurz gefasst handelt der Song von Verehrung durch ein Blutopfer. Damit könnte jeder Gläubige Diener gemeint sein, inklusive mir. Mehr Blut auf den Altar!«

Schreibt ihr in 'Crown Of Bones' die Geschichte von Jesus und der Dornenkrone neu, oder ist der Titel nur ein Wortspiel?

»Darin geht es überhaupt nicht um Jesus. Die Knochenkrone ist eine Metapher dafür, den totalen Zugang zum Grab zu haben, vom Tod persönlich gewährt.«

Wir firm bist du in Bibelkunde – hältst du es mit der Maxime: Kenne deinen Feind?

»Ich mag es, Phrasen aus der Bibel zu entlehnen und ihnen meinen eigene Wendung zu geben. Wie in 'Sin Upon Man', wo ich die Bibelworte nutze um zu erklären, dass es keine andere Sünde als Gott gibt. Sobald ich die Bibel lese, kann ich mir nicht helfen – ich fühle mich beleidigt und abgestoßen. Noch mehr aber von der Heuchelei ihrer Kundschaft. Und es ist tatsächlich die Institution Kirche, die mich beinahe kotzen lässt. Deren schmutzige Rituale sind schlicht demütigend. «

Wer spricht die einleitenden Worte von 'Antinomian'?

»Das ist Charles Manson. Der Titel bedeutet, 'Gegen das Gesetz'. Kein Gesetz sollte sich zwischen meine Vorstellung von richtig und falsch schieben. Antinomianismus ist der Weg des Individualisten, der sich selbst um seine Belange kümmert.«

Aber das berühmte „Do what thou wilt“ hat doch auch Einschränkungen. Willst du zurück zum Recht des physisch Stärkeren?

»Ich ziele auf gar nichts ab, was mit den Codes anderer zusammenhängt.«

Handelt 'Feast Of The Cross' von Kannibalismus?

»Der Titel feiert das Nox-Kreuz, welches innerhalb des Labyrinths auf der Booklet-Rückseite von „Contra Rationem“ zu finden ist. Dieses Symbol repräsentiert den wahren Willen. Um dieses Kreuz zu erreichen, habe ich dieses Labyrinth aus drei Wegen kreiert um darüber zu meditieren. Folge dem Pfad!«

Taugt Judas als Held? Immerhin war er Apostel und ohne seinen Verrat hätte es womöglich keine Kreuzigung gegeben – und ohne Märtyrertod nicht die traurige und schreckliche Erfolgsgeschichte des Christentums.

»Innerhalb des Albumkonzepts ist Judas eine Metapher für jemanden, der etablierte Moralvorstellungen und Werte erschüttert. «

Verneinst du, dass Jesus und die Apostel gelebt haben?

»Ich akzeptiere es als historischen Fakt, aber nicht mehr.«

Du hast gesagt, dass du  nicht erwartest, dass die jemand folgt. Was ist der „will of the totch“?

»Diese Metapher steht dafür, dass Gottes Licht seine Gefolgsleute in die Irre führt. Es ist mein Reflektieren über Menschen, die sich auf Gottes Plan verlassen, ohne ihn in Frage zu stellen. Es geht also um Personen, die dem System in blindem Gehorsam folgen.«

Einer eurer Brasilien-Gigs fand letztes Jahr im Rahmen des Cogumelo Festivals statt. Was bedeuten dir die alten Veröffentlichungen dieser Firma?

»Diese Konzerte waren die wertvollsten, die wir je gegeben haben. Die Fans dort waren extrem passioniert und haben mitgesungen. Ich wusste, dass wir dort Fans haben, aber nicht ansatzweise, dass es so viele sind. Ich habe viele Die-Hards mit CENTURIAN-Tätowierungen getroffen, teilweise mit komplett gestochenen Albumcovern. Die Tour war zudem eine großartige Gelegenheit, meine neue Signature-Gitarre Zazaz333 vorzustellen, die von der holländischen Firma Vinace in Handarbeit hergestellt wurde. Wir danken Mr. Edu von Tumba Productions dafür, dass er uns über den Atlantik geholt hat. Er und seine Crew haben wunderbare Arbeit geleistet, alles war extrem professionell arrangiert. Bei allem Respekt muss ich aber zuletzt anmerken, dass ich mich nie für Sarcofago interessiert habe.«

Welche jüngeren Bands aus dem Underground tragen gemeinsam mit euch die Flamme weiter?

»Für mich gibt es nur CENTURIAN.«

Verglichen mit „Liber Zar Zax“ sind die neuen Songs kürzer. Hattest ihr das Gefühl, dass die früheren Songs unnötigen Ballast mitgeschleppt haben?

»Früher habe ich die Songs nur co-arrangiert, daher sind viele von ihnen zu lang und voller Wiederholungen. Dieses mal war ich alleine dafür zuständig und habe alles mehr auf den Punkt gebracht. Wir haben alle unwichtigen Elemente entfernt. Sie sollten klar und nachvollziehbar sein, aber gleichzeitig unberechenbar und aggressiv. Bei einem genaueren Blick darauf wird man die anspruchsvollen Aspekte der Songstrukturen bemerken, aber es ist alles sehr eingängig.«

Die Vinylversion ist wirklich fürchterlich strikt limitiert.

»Die Labels sind heute extrem vorsichtig bei ihren Presszahlen, gerade im Death-Metal-Sektor. Ich bin mir aber sicher, dass Listenable es am Ende nicht bei 300 Exemplaren bewenden lassen. Allerdings war ich überrascht, dass sie überhaupt Vinyl auflegen.«

John Zig hat ein neues Shirt-Design zu einem alten Titel entworfen, für das Albumcover war er aber nicht zuständig. Das mutet auf den ersten Blick simpel an.

»Um alles so authentisch wie möglich zu halten, habe ich das Artwork wieder übernommen. Man sieht die Fotografie von Rattenskeletten, die so komponiert sind, dass sie sich alle nach der zahl 333 zu strecken scheinen. Sie symbolisieren kleine Judasse. Wir wollten nicht den typischen Fotoshop-Müll, den man auf jedem Album sieht. Stattdessen soll es real bleiben, wie auch unsere Musik. Da hört man auch Kerle, die ihre Instrumente spielen, statt einen Haufen Samples auf digitalem Stahlschrott.«

 

www.facebook.com/centurian333