Online-MegazineInterview

KYLE GASS BAND

Mannskinder

KYLE GASS BAND

Neben Tenacious D war Kyle Gass nie untätig. Er hat in mehreren Filmen mitgespielt, hatte aber auch immer ein musikalisches Nebenprojekt. Spätestens seit 2013 heißt dieses KYLE GASS BAND. Die Combo ist gerade in Europa unterwegs, um den Release ihres Albums in Übersee zu feiern. Für einen kleinen Plausch über das Album, die Band und viel anderes trafen wir uns im Backstage-Raum des Karlsruher Substage mit der kompletten Truppe, bestehend aus Kyle Gass (v./g., Blockflöte), Mike Bray (v./g.), John Konesky (g.), Jason „Uncle Jazz“ Keene (b.) und Tim „Bone“ Spier (dr.).

Hallo Leute, wie läuft die Tour bis jetzt?

Kyle: »Großartig! Es sind vor allem unerwartet viele Leute. Und die sind großartig, wenn man Bone glaubt. Er hat es sich gut vorgestellt...«

Tim: »… aber es ist fantastisch!«

Warum habt ihr euch entschieden, die KYLE GASS BAND zu gründen?

Kyle: »Die Gründung liegt jetzt schon ein paar Jahre zurück, so lange, dass ich mich gar nicht mehr an den Grund erinnern kann. Und wenn du so etwas machst, dann machst du einfach immer weiter. Aber: Es ist eine coole Sache, deshalb gibt es keinen Grund aufzuhören. Die Antwort zur Frage ist: Keine Ahnung.«

Handelt das Lied 'Getting The Band Back Together' davon?

Kyle: »Mit einem Nebenprojekt ist es immer so, dass man eine Band immer wieder zusammentrommelt. Und es ist in dieser Band genauso wie bei vielen anderen, dass viele Musiker mehrere Bands haben. Wir haben alle noch andere Bands. Was das mit dem Song zu tun hat? Eigentlich nicht viel, außer dass wir die Band halt immer wieder zusammentrommeln müssen.«

Tim: »Wie Kyle schon sagte, wir haben alle noch andere Bands, und dann kommt eine Rund-Nachricht „Hey Leute, wir haben demnächst wieder eine Show! Kommt in den Proberaum!“«

Kyle, du hast zwar gesagt, dass du dich nicht mehr daran erinnern kannst, warum du die Band gegründet hast, aber was ist der Grund, dass ihr Mike Bray als Hauptsänger neben dir in die Band geholt habt?

Kyle: »Er singt tatsächlich die meiste Zeit. Hast du seine Stimme gehört? Sie ist einfach perfect rock gold!«

Mike: »Oh, Danke!«

Kyle: »Er singt einfach großartig! Aber er ist auch unser vielseitigstes Mitglied. Neben der Gitarre spielt er auch Tenor-Gitarre, eine kleinere Gitarre, Ukulele, Laute, Bass und Schlagzeug.«

Tim: »Er spielt in unserer Show drei Instrumente!«

Kyle: »Am Schlagzeug ist er aber nicht so gut.«

Aber er spielt doch kein Schlagzeug in der Show, oder?

Tim & Kyle: »Doch!«

Kyle: »Deswegen war das auch nur ein Scherz, er ist tatsächlich ganz gut am Schlagzeug.«

Mein Kollege Ronny Bittner hat das Review zu eurem Debüt geschrieben...

Kyle: »War das auf deutsch?«

Ja.

Kyle: »Verdammt, die verstehe ich nicht. Ich werde mein Deutsch verbessern, damit ich sie lesen kann. Ich mache nichts lieber als meine eigenen Reviews zu lesen. Schreib das!«

Werde ich tun! Jedenfalls schrieb er, dass er Angst hatte, dass euer Debüt...

Kyle: »Das wird übrigens „debat“ ausgesprochen!«

Was, ehrlich?

Kyle: »Nein, war nur ein Spaß.«

Jason: »Auch wenn wir uns sicher sind, dass der Name dieser Stadt „Karls junior“ ist.«

Kyle: »Wie wäre es, wenn ich es „Kylesruhe“ nenne?«

Tim: »Wäre bestimmt lustig während der Show.«

Kyle: »Ich werd's mir überlegen.« (Und er hat es dann auch getan, mb)

Nun aber zur Frage: Ronny hatte Bedenken, dass die Platte klingen könnte wie „Tenacious D light“. Wie groß war die Versuchung, Songs in diese Richtung zu schreiben?

Kyle: »Das würde ja heißen, dass ich so etwas wie ein Kontrollventil habe, an dem ich nur „Tenacious D“ aufdrehen muss. In der Realität schreiben John, Mike und ich die Songs entweder gemeinsam oder jeder für sich und stellen sie dann gemeinsam zusammen. So ist es unmöglich, dass daraus Tenacious-D-Songs werden. Wobei, wenn ich einen Song alleine schreibe, könnte es.. nein, eigentlich auch nicht, nur ein Jack-und-Kyle-Song wird zu einem Tenacious-D-Song. Wobei das stimmt auch nicht ganz, John hat auch ein paar Songs für „The Pick of Destiny“ geschrieben.«

John: »Ich hab nur ein bisschen Riffing beigesteuert, dass meiste habt schon ihr geschrieben.«

Das KYLE GASS BAND-Debüt kam 2013 in den Staaten raus. Warum habt ihr das erst jetzt hier veröffentlicht?

Kyle: »Das ist eine ziemlich beliebte Frage, als ob die Leute uns sagen wollten, dass wir faul sind.«

Mike: »Ich glaube, wir haben nicht gewusst, dass es für die Musik hier einen Markt gibt.«

Jason: »Ich würde sagen, dass Kyle das gewusst hat!«

Mike: »Er sagte: Lasst uns nach Europa gehen!«

Kyle: »Ich hatte da so ein Gefühl. Rock kommt in Deutschland – ähnlich wie der Jazz in Frankreich – einfach gut an, und da dachte ich mir, dass ihr uns mögen könntet.«

John: »Die Scheibe gab es schon zu kaufen, aber eben nur als Import. Wir haben uns dann mit unserem Management getroffen, dass hier in Deutschland ist. Die haben uns unglaublich geholfen, einen Deal mit Steamhammer/SPV zu bekommen, und die haben es hier dann etwas breiter vermarktet.«

Eure Platte hat einen gewissen Southern/California-Rock-Vibe. Ist es nicht nur euer Job zu rocken, sondern auch die kalifornische Sonne ins gerade heute ziemlich verregnete Deutschland zu bringen?

Tim: »Wir brauchen uns gar nicht so sehr anstrengen, da wir ja alle in Kalifornien leben.«

John: »Ich glaube, dass wir einfach gute Laune verbreiten wollen...«

Mike: »...befeuert durch Alkohol-Konsum. Wir bringen vielleicht eher Alkoholismus nach Europa (lacht)«

Ich glaube, dass ihr das nicht bringen braucht, er ist eh schon da. Anderes Thema: Wer ist das größte „Manchild“ in der Band?

Mike: »Kyle, ganz sicher!« (Der Rest der Band stimmt zu)

Kyle: »Ich fürchte, dass ich die Inspiration zu diesem Lied war. (lacht) Es gibt wenig Entlastendes dagegen.«

John: »Es ist aber mit viel Zärtlichkeit verbunden. Wir sagen das mit Liebe!«

Kyle: »(auf deutsch) Ich bin ein Mannskind!«

Das war sehr gut!

Tim: »Moment, war das „I'm a manchild“ auf deutsch?«

Allerdings.

Tim: »Cool!« (Die Band applaudiert)

Jason: »Das ist der Mann in ihm. Aber dann siehst du sein Clowns-T-Shirt und alles ist wieder hinfällig.«

Also ist alles, was in dem Song beschrieben wird, wahr?

Kyle: »Jedes einzelne Wort in jedem unserer Songs ist wirklich wahr!« Allerdings ist der Songtext recht komplex, was recht ironisch ist, wo es doch unser Kinderlied ist. (lacht)
Wusstest du eigentlich, dass Uncle Jazz eine riesige Laserdisc-Sammlung hat? Hast du überhaupt schonmal von einer Laserdisc gehört?«

Ja, habe ich.

Kyle: »Es war mal das nächste große Ding, aber jetzt ist es nur noch ein Nischenmarkt, so wie... Jazzplatten! Magst du Jazz, Max? Richtigen, puren Jazz?«

Nicht wirklich, ehrlich gesagt. Ich bin eher in der Rock- und Metalwelt zu Hause.

Kyle: »Das war ein halber Scherz, aber ich bin froh, dass du so geantwortet hast.«

Tim: »Immerhin eine ehrliche Antwort! (Kyle guckt Jason an)«

Jason: »Ich erwarte von niemandem, dass er Jazz mag!«

Weiter mit der nächsten Frage. Ihr tourt ja alle sehr viel und seid, wie ihr schon gesagt habt, in verschiedenen Bands aktiv. Was ist der größte Unterschied zwischen den Touren in Europa und denen in den Staaten?

Kyle: »Die Popularität!«

Also ist das Publikum in den Staaten größer?

Tim und Kyle: »Nein, in Europa!«

Kyle: »Wir sind in Europa um einiges größer, ich würde sagen, drei bis fünf mal so groß.«

Tim: »Allerdings. Und ich muss sagen, für mich ist es etwas ganz besonderes, weil ich noch nie in Europa war, ich konnte also ein wenig Sightseeing betreiben.«

Uncle Jazz: »Wir mögen die Deutschen wirklich sehr! Es macht wirklich sehr viel Spaß, hier zu touren. Wir sind rüber nach London geflogen, und es war nicht so gut wie hier in Deutschland.«

Tim: »Wir kommen dieses Jahr auch noch zweimal zurück.«

(Kyle steht auf, um sich einen Kaffee zu holen und kommt mit einem Stück Ingwer zurück)

Kyle: »Max, guck mal. Ich habe das gerade gesehen und dachte, es wäre eine Süßigkeit.« (lacht)

Mike: »Das kannst du ins Sushi tun!«

Jason: »Er steckt sich echt alles, was er finden kann, in den Mund.«

Wenn er wirklich alles in den Mund nimmt, was er kann, reist er dann in einem eigenen Bus? Bevor er euch noch ein Ohr abbeißt oder so?

Tim: »Ja klar!«

Mike: »Er hat uns schon öfter den Mike Tyson bei uns gemacht.« (lacht)

Kyle, mich hat gewundert dass du auf dem Album Flöte spielst. Warum hast du dich entschieden, dass gerade das Instrument auf der Scheibe sein muss?

Kyle: »Genauer gesagt ist es eine Blockflöte. Die klassische Flöte war mein erstes Instrument, aber ich war nie so wirklich glücklich mit meinem Ton, also bin ich zur Blockflöte gewechselt, die ich jetzt seit dem 4. Schuljahr spiele. Es macht einfach Spaß, sie ist praktisch...«

Jason: »Wie viele andere Rockbands gibt’s schon, die eine Blockflöte benutzen? Kyle ist der weltbeste Rock-Blockflötenspieler, warum sollte er es nicht spielen?«

Kyle: »Wahrscheinlich habe ich es gerade deshalb gewählt. Nee, die wahre Antwort ist, dass es keinen Hintergedanken dahinter gibt. Es ist einfach cool und wir haben das Glück, mit John und Mike zwei extrem talentierte Gitarristen am Start zu haben, so dass wir häufig keine akustische Gitarre im Sound brauchen.«

Also bleibst du wie bei Tenacious D bei der Akustischen und rührst die E-Gitarre nicht an?

Kyle: »Ich habe darüber nachgedacht, aber ich kann nicht. Ich habe Angst vor Elektrizität, ich mag keine Maschinen, es ist eine ziemlich persönliche Sache.« (grinst)

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