Online-MegazineInterview

WOLFHEART

Manche mögen's kalt

WOLFHEART

WOLFHEART wurden 2013 von Tuomas Saukkonen (u.a. Ex-Before-The-Dawn und ex-Black-Sun-Aeon) als Reboot all seiner vorherigen Aktivitäten aus der Taufe gehoben. Mit dem Zweitwerk „Shadow World” ist man zu einer vollwertigen Band herangewachsen. Stilistisch bleibt Tuomas fett produziertem, in typisch finnischer Couleur daherkommenden Melodic Death Metal treu, der anno 2015 mit einer Extraportion Highspeed gesegnet wurde.

Tuomas, Kälte und Winter waren seither immer eine wichtige Assoziation zu deiner Musik – Mit Before The Dawn, Black Sun Aeon – und seit zwei Jahren nun WOLFHEART. Haben sich deine Inspirationen und musikalischen Ziele mit der Gründung einer neuen Band verändert?

»Die Geburt von WOLFHEART hat mir einen riesigen Schub an Inspiration und Motivation verschafft. Before The Dawn und die anderen Projekte waren im Laufe der Jahre immer mehr zu Arbeit statt Leidenschaft verkommen. Mit WOLFHEART kam sozusagen das innere Feuer fürs Songwriting zurück, das mir ein wenig verloren gegangen war. Der Winter im Allgemeinen war und wird immer eine große Inspiration für mich sein.«

„Shadow World” ist das erste Album, das du mit einem konstanten Line-up angegangen bist, richtig? Wieso hast du dich entschieden, eine reguläre Band zu formieren und wie kamst du damit zurecht, Entscheidungen im Entstehungsprozess des Albums zu teilen?

»Mit Before The Dawn haben wir fünf von sieben Alben als vollständige Band gemacht, also ist mir diese Arbeitsweise gar nicht so neu. Eine zuverlässige Band macht das Touren so viel einfacher und nachdem die Jungs bei WOLFHEART über ein Jahr als Live-Mitglieder dabei waren, war es ein einfacher Schritt, sie zu dauerhaften Mitgliedern zu machen. Mika ist wirklich ein talentierter Gitarrist und Songwriter, sodass es dumm wäre, seine Kreativität nicht mit bei WOLFHEART einfließen zu lassen. Seit ich eine komplette Band im Studio hatte, war es viel leichter für mich den Fokus auf die Produktion zu legen, da ich nicht mehr so einen Haufen Arbeit hatte wie bei „Winterborn“.«

Ist das Album bewusst wie ein Vinyl-Arrangement in zwei Seiten aufgeteilt? Die ersten vier Tracks tragen längere Titel mit Verbindung zu den Elementen und wilder Natur, die letzten vier Tracks sind mit abstrakteren Ein-Wort-Konstrukten benannt.

»Hm, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, bevor du es erwähnt hast. Es war auf jeden Fall nicht die Intention dahinter. Die Tracklist wurde nach musikalischen Gesichtspunkten entschieden, nicht nach den Inhalten der Songs.«

Bist du an der traditionellen Volksmusik deines Landes interessiert? Die Melodien bei 'The Last Of All Winters' scheinen mir nicht so weit weg davon zu sein.

»Dieser Song stammt aus Mikas Feder, also ist er wahrscheinlich mehr damit vertraut. Er hat 'The Last Of All Winters' geschrieben und 'Nemesis' haben wir gemeinsam komponiert. Wahrscheinlich wird es auf dem dritten Album noch mehr Material vom ihm zu hören geben. Die skandinavische Art melancholischer Melodien liegt mir sehr am Herzen, aber ich sehe mich nicht als Fan finnischer Volksmusik. Das meiste davon ist mir einfach zu fröhlich.«

Abgesehen davon ist „Shadow World” dein bisher aggressivstes Album. Sowohl im Bezug auf WOLFHEART, als auch deine vorigen Projekte. Zum Beispiel die wiederkehrenden Blastbeats, viele Uptempo-Rhythmen und arschtretende Groove-Riffs wie in 'Zero Gravity'. Vermisst du manchmal die Härte und Soundwände im melancholischen, nordischen Melodic Death Metal?

»Ich habe die doomig-langsamen Elemente absichtlich gekürzt, weil ich ein aggressives Album erschaffen wollte, was es aber auch schwieriger macht, eine gewisse Wall of Sound zu erzeugen. Ich mag die Ausrichtung auf Tempo und Aggressivität bei WOLFHEART, vielleicht brauche ich in Zukunft noch ein Doom-Projekt für mich selbst (lacht).«

Gibt es eine tiefere Story hinter dem Song 'Resistance'? Ein kurz gehaltener Song, der ungewöhnlich martialische und gewalttätige Sprache beinhaltet.

»Als ich „Shadow World” geschrieben habe, hatte ich den Winterkrieg zwischen Finnland und Russland im Gedächtnis (er meint den Finnisch-Sowjetischen Krieg, der zwischen 1939 und 1940 auf dem Gebiet Kareliens stattfand – ms) , wovon einige der Songs stark beeinflusst sind. Einer von denen war 'Resistance'. Darin geht es nicht um eine präzise Story aus diesem Krieg und inhaltlich basiert es auf älteren Zeiten. Trotzdem bleibt es ein Kriegs-Song. 'Ghosts Of Karelia' vom Debütalbum behandelt zum Beispiel das gleiche Thema.«



Das Albumfinale markiert der langsame Epic-Track 'Veri', was in deiner Muttersprache „Blut” bedeutet. Kannst du zu diesem Song auch mehr verraten?

»Ich schreibe und singe sehr gern auf Finnisch. Es fühlte sich sehr passend an, den Abschlusstrack des Albums in meiner Muttersprache zu singen. Der Song ist sehr doomig, die Lyrics sind sehr düster, beinhalten aber ein ehrliches, persönliches Statement.«

Stammen die Klavier-Parts auf dem Album von jemandem aus der Band oder sind sie von einer externen Person eingespielt worden? Mir liegen keine Linernotes oder eine physische Kopie vor, aus denen das hervorgeht.

»Das Piano habe ich selbst eingespielt. Mit den Jahren habe ich immer wieder ein bisschen Klavier gespielt, aber zum Üben hat mir immer Zeit gefehlt. In einer langen Nacht im Studio haben wir die Parts mit einem klassischen Klavier über Ambient-Mikrofone aufgenommen. Da war kein nachträgliches Editieren möglich und die Aufnahmen sind alle One-Takes.«

Wo wir über physische Exemplare sprechen: Interessiert es dich, in welchen Formaten deine Musik veröffentlicht wird? Wie sammelst du deine Musik privat?

»Ich mag CDs als Format eigentlich. Nur stirbt die CD unwiderruflich aus. Ich konzipiere gern ein Album als zusammenhängendes Werk und stehe nicht besonders auf den Trend des digitalen Zeitalters, wo man Songs separat kaufen kann, die im Grunde zusammengehören. Die Menschen achten nicht mehr auf vollständige Artworks, hören die Verbindungen zu dem Song davor und danach nicht. Meine Zeit, mir neue oder auch alte Musik anzuhören ist sehr limitiert. Üblicherweise habe ich im Fitnessstudio meinen Mp3-Player dabei oder höre mir CDs im Auto an. Monatlich kaufe ich mir so zwei bis drei CDs.«

Sammelst du außer CDs noch andere Dinge?

»Nein, nicht wirklich. Ich bin viel unterwegs und verbringe wegen meiner Musik und meiner Arbeit viel Zeit außerhalb von Zuhause, sodass es wenig Sinn macht, viel Kram dort herumstehen zu haben.«

Stimmt, in der letzten Dekade warst du ein ziemlich produktiver Musiker. Inwieweit sind die Zukunftspläne denn für WOLFHEART gediehen? Im Herbst diesen Jahres solltet ihr mit Insomnium durch Osteuropa touren.

»Die Insomnium-Tour ist leider abgesagt worden, aber wir planen derzeit eine andere Support-Tour für November/Dezember, beabsichtigen Anfang 2016 in den USA zu spielen und haben begonnen die Sommer-Festivals 2016 zu buchen. Demnach haben wir hoffentlich vieles vor uns. Neue Musik für WOLFHEART habe ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geschrieben, aber im kommenden Winter geht’s damit auf jeden Fall weiter.«



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