Online-MegazineInterview

SONATA ARCTICA

Made in Finland

SONATA ARCTICA

Finnen sind nüchtern, wortkarg und verschlossen? Wer das behauptet, hat vermutlich noch nie ein Wörtchen mit SONATA ARCTICA-Mainman Tony Kakko geredet. Gut aufgelegt plaudert der Fronter über die neue Platte „Pariah's Child“ sowie die anstehende Tour - und erklärt, wieso ihn in seiner Heimat nicht nur jedes Kind, sondern offensichtlich auch jeder Penner kennt.

Tony, zu eurer Single 'The Wolves Die Young' gibt es auch ein Video, das mich mit seiner winterlichen Landschaft, den Wölfen und vielen Mittelalter- und Fantasy-Einflüssen ein wenig an die Fernsehserie „Game Of Thrones“ erinnert. Absicht oder Zufall?

»Ich weiß nicht so recht, da müsstest du wohl eher den Produzenten Patrick Ullaeus fragen. Ich habe zwar schon von „Game Of Thrones“ gehört, aber ich habe keine Zeit, um Fernsehen zu gucken. Wir wollten in dem Clip die Geschichte des Songs nacherzählen, und das ist eine alternative Version des Märchens „Des Kaisers neue Kleider“. Die Königin im Video ist praktisch nackt, ihr Kleid ist aus Donner gemacht, wie wir singen. Dann sehen die Königin und ihr Gefolge diese kleinen Kinder, und einer Prophezeiung nach sollen sie die Königin stürzen, also will sie ihnen den Kopf abschlagen lassen. Ich bin sehr zufrieden, wie Patrick diese Geschichte in dem Video präsentiert.«

Einem Sprichwort zufolge gilt der Prophet nichts im eigenen Land. Andererseits hatten SONATA ARCTICA in Finnland bereits etliche Charterfolge. Seid ihr die Ausnahme, die die Regel bestätigt?

»Bisher haben wir für alle unsere Alben in Finnland eine Goldene Schallplatte bekommen, man kann also wirklich sagen, dass wir die Ausnahme von der Regel sind. Allerdings trifft das auf mehrere finnische Bands zu. Die Finnen lieben Metal. Von unserer ersten Platte „Ecliptica“ mussten wir allerdings noch 20.000 Stück verkaufen, um Gold zu bekommen. Heute klappt das schon mit 10.000 verkauften Tonträgern. Ich weiß auch nicht, aber irgendetwas läuft im Musikgeschäft ganz mächtig falsch.«

Ihr steht am Anfang einer massiven Welttournee, die das ganze Jahr dauern wird. Kriegt ihr es hin, den Kontakt zu Familie und Freunden aufrecht zu erhalten?

»Wir sind sehr froh darüber, dass es diese Sache namens Internet gibt. Skype und Konsorten machen es etwas einfacher – besonders, wenn du Kinder hast. Die können ihren Papa dann auch sehen. Das wird schon ein ziemlich hartes Jahr. Ich glaube, wir haben bisher mehr als 100 Shows bestätigt, und es wird sogar noch mehr geben. Aber ich finde es auch wichtig, dass wir uns jetzt den Arsch abtouren, mit unserem neuen Basser Pasi auf der Bühne stehen und den Leuten unser Album schmackhaft machen.«

Apropos Bassist: Letztes Jahr habt ihr euch aus „persönlichen Gründen“ von eurem Tieftöner Marko Paasikoski getrennt. Was kann man darunter verstehen?

»Marko hat einfach seine Motivation verloren. Wir haben schon vor ein paar Jahren Feedback von Fans bekommen, dass Marko so aussieht, als ob er sich auf der Bühne zu Tode langweilt und gar nicht auf den Brettern stehen will. Und das war tatsächlich der Fall: Es hat ihm keinen Spaß mehr gemacht. Das war also eine einvernehmliche Entscheidung.«

Denkst du manchmal darüber nach, sesshaft zu werden?

»Nein, eigentlich ist Musik das Einzige, was ich machen möchte. Allerdings gibt es manchmal solche Momente, wenn ich krank bin, mich hundeelend fühle, 38.5 °C Fieber habe und weiß, dass ich trotzdem auf die Bühne gehen muss. Dann denkst du manchmal schon: „Heilige Scheiße, es muss doch etwas Besseres geben!“, aber solche Momente vergehen auch wieder. Ein paar Tage später fühlst du dich dann wieder wie ein Gewinner, wenn du auf die Bühne gehst. Natürlich wäre es vielleicht nicht verkehrt, einen Plan B zu haben, aber darüber denke ich dann nach, wenn es soweit ist.«

Kannst du in Finnland noch unerkannt vor die Tür gehen?

»Nicht wirklich. Ich habe noch einige andere Projekte und war auch ohne SONATA ARCTICA mehrmals im TV zu sehen, in einer Weihnachtssendung namens „Heavy Christmas“. Eigentlich gibt es immer jemanden, der mich erkennt – auch wenn es bei mir nicht so schlimm ist wie bei Tuomas Holopainen (Nightwish-Keyboarder – am). Vor Kurzem habe ich ihn getroffen, als wir eine Listening-Party in Helsinki hatten. Wir gingen zusammen in ein Geschäft – und stießen auf diesen Kerl, der zweifellos ein Alkoholiker war. Du konntest dir bildlich vorstellen, wie er unter einer Brücke schläft. Sogar der erkannte uns, und versuchte, sich mit uns zu unterhalten (macht lallende Geräusche). Das ist einfach Teil des Deals.«

Eines deiner Projekte, in dem du u.a. mit Marko Hietala (Nightwish) Hits aus den Achtzigern coverst, ist Northern Kings. Gibt es die Band eigentlich noch?

»Ja, es gibt sie noch, aber sie wird von der „Heavy Christmas“-Fernsehshow, die wir jedes Jahr gemeinsam auf die Beine stellen, irgendwie behindert. Weihnachten ist zwar nur einmal im Jahr, aber die Vorbereitungen für die Show dauern fast ebenso lange. Ich glaube nicht, dass es in den nächsten zwei Jahren ein neues Album geben wird, sonst würden wir jetzt schon darüber reden.«



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Pic: Vesa Ranta (Promo)

 

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