Online-MegazineInterview

AHAB

Live fast, play slow, die old

AHAB

Die süddeutschen Funeral-Doomster AHAB bestritten im Frühsommer 2012 zusammen mit den Briten Esoteric und der Hamburg/Kiel-Connection Ophis als Support ihre erste Headlinertour in Europa. Wir trafen Sänger/Gitarrist Daniel Droste und Tieftöner Stephan Wandernoth (Gitarrist Chris Hector und Schlagwerker Corny Althammer schauten später auch vorbei) vor ihrem Gig im Oberhausener Kulttempel. Im Vorfeld stören sich die Jungs an PA-Schwierigkeiten und einem CD-Stand, dessen Sortiment sie teils für politisch höchst fragwürdig einstufen. Dennoch können wir ein interessantes Gespräch führen und den anschließenden Konzertabend genießen.

Stephan, Daniel, wie hat euch eure erste Headlinertour gefallen?

Stephan: »Was die Besucherzahlen angeht, waren wir echt zufrieden. Ein oder zwei Shows waren ausverkauft, was für uns natürlich super war. Zürich war extrem cool, Ludwigsburg auch. Beide waren auch nahezu ausverkauft. Man hat aber gemerkt, dass es in den deutschen Städten insgesamt für uns einfacher war, das Publikum zu ziehen.«

Daniel: »Aber man muss sagen, das wir in Ljubiljana auch Pech hatten, weil zur selben Zeit Megadeth in der Nähe gespielt haben und in Wien war das Metalfest auch nicht so weit weg.«

Auf eurem aktuellen Album „The Giant“ habt ihr es mit dem Poe-Konzept zum dritten Mal geschafft, im schicksalsträchtigen Seefahrts-Thema des 19. Jahrhunderts zu verweilen. War euch klar, dass das Thema auch abseits von Moby Dick so viel hergibt?

Daniel: »Es war von vornherein klar, dass es nicht ausschließlich um Moby Dick gehen kann. Die Grundlage sollte aber schon nautische Literatur sein, da kann man sich auf jeden Fall frei bewegen.«

Stephan: »Und der Kontext passt eben auch ganz gut zur Musik. Wir haben uns auch über andere Bücher unterhalten, zum Beispiel war „20.000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne im Gespräch. Da sind wir dann aber schnell wieder von abgekommen, weil in dem Buch die ganze Dramatik und die harten Elemente wie Wahnsinn, Klaustrophobie, Kannibalismus und was noch alles darin vorkommt, fehlen.«

Daniel: »Es ist ja nicht so, dass man die Musik in eine bestimmte Richtung plant, aber die Vorlage sollte zumindest soviel hergeben, dass man sich entfalten kann, was bei der Jules-Verne-Geschichte einfach nicht der Fall war.«

Wer von euch hat die Texte geschrieben und wie nah seid ihr mit den Texten beim Original geblieben? Die Story schreitet ja auch Song für Song fort.

Daniel: »Also die meisten Texte hat Chris geschrieben, wir haben aber auch zwei Texte von Christian Hoffarth, der bei Bann Musik macht. Das ist ein deutsches Projekt aus dem Black Metal/Ambient-Bereich. Er hat schon auf der ersten Platte für uns einen Text geschrieben. Das hat sich dann so eingebürgert, dass ich für ihn mal 'n paar Gitarren eingespielt habe und er als Gegenleistung einen Text geschrieben hat. Soweit ich weiß, gibt es diesmal kaum Original-Textphrasen. Wir haben geschaut, welche Kapitel sich zur Umsetzung eignen und dementsprechend Parts rausgesucht.«

Auch vom Gesamtsound hat sich seit "The Call Of The Wretched Sea" eine Menge getan. "The Divinity Of Oceans" und auch das neue Album sind ja doch außerordentlich vielseitiger und filigraner als das Debüt - besonders was Gitarrenarrangements, Melodien und Gesang angeht.

Daniel: »Bei der ersten Platte hatten wir uns schon im Vorfeld entschieden, mit Stilmitteln aus Funeral Doom und Death Metal zu arbeiten. Bei der zweiten war's ein bisschen freier, aber schon so, dass es mit Plan und schematisch entstanden ist. Und bei der neuen haben wir uns zum ersten mal auch Songs im Proberaum erjammt oder dort dran weitergearbeitet. Vorher ist mehr daheim am Computer entstanden und nur die Feinarbeit in Gemeinschaft passiert. Zwischen den Platten lag aber auch immer 'ne relativ lange Zeit, in der wir aber nicht nur an neuen Songs gearbeitet haben, sondern auch getourt sind. Ich finde, dass jede Platte immer eine Mischung aus den Trademarks, die man als Band hat, ist, was dann durch die jeweilige Vorlage in Form gebracht wird.«

Wie sind die Meinungen der Fans? Legt ihr wert darauf, was die Leute an Kritik bringen?

Daniel: »Natürlich, klar. Man versucht ja auch alles an Reviews zu finden, weil wir wissen wollen, wie's ankommt. Gestern war wieder einer da, der darauf brannte zu fragen, warum jetzt diese Veränderung eingetreten ist. Er findet unsere erste Platte noch am besten, findet die neue auch gut, aber fragte, warum dieser Sprung zustande kam. Man es eben schlecht erklären, weil man ja auch nicht AC/DC ist und zwangsläufig immer das Gleiche machen muss.«

Stephan: »Wir kriegen recht viel positives Feedback und gucken auch dauernd im Internet nach neuen Reviews und ich habe bisher auch noch keinen Durchhänger gefunden. Es gab auch schon Leute die per E-Mail geschrieben haben, wir sollen doch bitte das ganze neue Album live spielen. Klar ist man auch heiß drauf, das neue Material zu spielen.«

Daniel, auch deine Vocals sind auf „The Giant“ noch vielseitiger als auf „The Divinity Of Oceans“. Hast du dieses mal intensiver am Gesang gearbeitet, oder einfach spontan vor den Aufnahmen mal ausprobiert?

Daniel: »Auf der aktuellen Platte ist es im Vergleich zur letzten sehr spontan entstanden. Beim letzten mal war es schon relativ konstruiert, was ich wie singen will. Dieses mal sind die Gesangsspuren in 17 Stunden in einem Rutsch entstanden und nur fünf bis zehn Prozent standen vorher fest. Die analoge Aufnahme klingt ja auch sehr natürlich, wozu der Gesang dann auch zu passen sollte. Es fühlt sich so besser an als vorher, wo ich meist eine Stimme im Kopf hatte, auf die ich hinarbeiten wollte.«

Um noch beim Thema Gesang zu bleiben: Wie kam es zur Kooperation mit Herbrand Larsen (Enslaved), der bei den Songs 'The Giant' und 'Antarctica (the Polymorphess)' als Gastsänger dabei ist?

Daniel: »Das war eigentlich eher zufällig. Wir wollten immer schon mit nem Gastsänger zusammenarbeiten, was aber bisher nie hingehauen hatte. Und wenn man dann jemanden im Auge hat, bleibt immer noch die Frage: wie stellst du jetzt den Kontakt her? Das mit Enslaved hat sich ergeben als wir in Madrid gespielt haben. Dabei war es recht naheliegend, da wir alle insbesondere die letzten Enslaved-Scheiben richtig gut finden. Als ich in Madrid dann den Ivar draussen sah, haben wir ihn einfach mal angehauen, ob er sich vorstellen kann, dass der Herbrand da Lust drauf hätte. Ja, daraufhin hat er uns seine Mailadresse weitergeleitet. Ich hab' ihm dann geschrieben, worum es geht, was die Thematik der Band ist und ihm ein paar unserer alten Songs geschickt. Er war direkt interessiert, motiviert und hat die Sachen bei sich im Studio aufgenommen. Wir haben ihm ein paar Texte geschickt und ihm ansonsten auch keine großen Einschränkungen gegeben. Die Melodien hat er zum Beispiel alle selber gemacht.«

AHAB - Zum Artwork: von klassischen Gemälden, wie etwa Gericault bei "The Divinity Of Oceans“ seid ihr nun bei comichaften Bildern gelandet - dafür sind die Farben ziemlich seeverbunden - wie hat sich das mit dem Layout entwickelt?

Daniel: »Das neue Artwork haben wir vom Sebastian Jerke, der auch die letzte Long-Distance-Calling-Scheibe gelayoutet hat. Zwei von denen hatten den Gig in Münster letztes Jahr organisiert und dann haben wir den Sebastian mal angeschrieben. Es gibt ja immer jemanden der sich kreativ und grafisch entfalten möchte und wir hatten auch zum ersten mal die finanziellen Mittel so was zu machen.«

Stephan: »Wir haben ihm dann ein paar Vorstellungen mitgeteilt, aber im Prinzip hat er sehr frei gearbeitet. Er hat sich richtig in das Thema reingearbeitet und sich viel Mühe gegeben. Er hat auch zu jedem Abschnitt des Buches, den wir bearbeitet haben, eine Seite im Booklet gezeichnet und das passt alles. Das Weiß musste auf jeden Fall auch rein, weil die Story das hergibt.« (Gitarrist Chris setzt sich dazu und geht auf die folgende Frage ein)

Was haltet ihr musikalischen Freibeuter denn von der aufsteigenden Piratenpartei? Natürlich auch in Bezug auf die ganze Copyright-Debatte, die für Musiker ja nicht unwichtig ist.

Chris: »Naja, grundsätzlich finde ich die Piraten schon gut, weil sie viele Leute überhaupt mal wieder in die Politik reinbringen, sie stoßen Dinge an. Was mich teilweise etwas nervt ist, dass sie sich hinstellen und zu diversen Dingen sagen: „Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt.“ Ich habe mich mit manchen Piraten aus meinem Freundeskreis auch gestritten.«

Daniel: »Du hast Piraten im Freundeskreis?« (lacht)

Chris: »Ja. Nun, mir ist das Ganze ein bisschen halbgar. Ich denke, die meisten sind sich einig, dass die GEMA ein völlig aufgeblasener, bürokratischer Wasserkopf ist. Aber es gibt im Moment einfach keine Alternative. Die Piraten schlagen die Internet-Kulturflatrate vor. Dazu frag ich mich, wer das bitte verwalten soll, weil man am Ende letztlich wieder eine Art GEMA hat, weil die Gelder verteilt werden müssen. Wie gesagt, den Ansatz, dass sie die Diskussion anstoßen, finde ich super, aber insgesamt noch nicht ganz überzeugend.«

Stephan: »Also ich mag das ganze digitale Getue auch nicht wirklich. Ich hab gerne eine LP, CD; einen Tonträger eben in der Hand.«

Chris: »Ja genau und dann diese Geschichte mit der Tour. Das war ne elf-Tage-Tour jetzt und da standen bestimmt drei bis vier Monate Planung dahinter. Das muss vorfinanziert werden. Und die Piraten sagen bei Vinyl-Pressungen zum Beispiel, dass das die Musiker ja direkt vermarkten können. Und dann frag ich mich, wer die Zeit dafür hat? Und wenn man das als Band nicht kann oder eben keine Zeit für so was hat, sind es wieder die gleichen Leute die solche Dienstleistungen anbieten. Welche die das Know-how haben. Leute vom Vertrieb, der Plattenfirma oder vom Mailorder. Das Ganze ist einfach etwas kurz gedacht.«

Stephan: »Wir haben jetzt die Vorbestellungen der Platte selbst übernommen, da hättest du einen Fulltime-Job draus machen können. Das waren 300 bis 400 Platten und du brauchst Wochen, um das zu organisieren. Wir haben vier oder fünf Tage für Minimum acht Stunden dagesessen und die Sachen verpackt. Es ist ein Riesen-Aufwand, wofür wir eigentlich keine Zeit haben, weil alle stinknormal arbeiten. Wir haben uns dann am Wochenende öfter Sonntags getroffen und Platten verpackt. Die Selbstvermarktung ist ein schöner Gedanke, aber du brauchst eben, wie Chris schon gesagt hat, doch wieder nen Dienstleister.«

Vor zwei Jahren habt ihr in Münster gespielt. Wie hat euch der Abend gefallen? Es war ja kein normaler Abend im Rahmen einer Tour. Würdet ihr so etwas wieder machen?

Daniel: »Doch, wenn es sich rechnet, auf jeden Fall. Die Kosten-Nutzen-Rechnung sollte nur irgendwie aufgehen. Wir können halt nicht mit einem vollgepackten Auto 500 Kilometer durch Deutschland fahren und mit einem Kasten Bier wieder heim. Schließlich gehen da für uns insgesamt auch drei Tage drauf. Wenn's passt, machen wir das aber eigentlich immer.« (Drummer Corny kommt dazu und gibt auch positives Feedback zu jenem Abend)

Corny: »Münster war auf jeden Fall geil. Super Location, die Leute und das Essen auch.«

Stephan: »Ja, wir waren nach dem Konzert noch auf der Party da und haben beim Janosch von Long Distance Calling übernachtet. Er hat uns Obdach gewährt (alle lachen).« 

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

SAMAEL + MASTER + SOLSTAFIR + SUIDAKRA + AHAB + EARTHSHIP + NEGATOR + KRYPTOS + DRAGONSFIRE + ARCTURON + u.v.m.23.07.2015
bis
25.07.2015
Wohrtal/LangendorfRAGNAROCK OPEN AIRTickets
MANTAR + AHAB + BLACK SHAPE OF NEXUS + BODEN + VOID OBELISK + STAGWOUNDER + SOLDAT HANS17.06.2016
bis
19.06.2016
Heidelberg, KarlstorbahnhofTHE END OF MUSIC Tickets
COVEN + BARONESS + DEAFHEAVEN + CHELSEA WOLFE + MYSTICUM + ULVER + WARNING + AHAB + ALUK TODOLO + CRIPPLED BLACK PHOENIX + u.v.m.20.04.2017
bis
23.04.2017
NL-Tilburg, 013ROADBURN FESTIVALTickets
WOLVES IN THE THRONE ROOM + CHELSEA WOLFE + PILLORIAN + AHAB + CRIPPLED BLACK PHOENIX + VALBORG + INTER ARMA + LYCUS + FORN + ULTHA + u.v.m.21.04.2017
bis
23.04.2017
Karlsruhe, Jubez DUDEFESTTickets
AMON AMARTH + AVANTASIA + KREATOR + MAYHEM + SALTATIO MORTIS + PARADISE LOST + HEAVEN SHALL BURN + LACUNA COIL + POWERWOLF + CANDLEMASS + u.v.m.03.08.2017
bis
05.08.2017
WackenWACKEN OPEN AIRTickets