Online-MegazineInterview

ELUVEITIE

Leidenschaft und Fokus

ELUVEITIE

Bei ELUVEITIE haben sich im letzten Jahr gleich drei Mitglieder verabschiedet, weshalb man die verbliebenen Konzerte 2016 mit Gastmusikern absolvierte. Pünktlich zum „Eluveitie & Friends“-Festival am 6. Januar enthüllt die Folk-Metal-Truppe ihr neues Line-up: Mit Schlagzeuger Alain Ackermann und Gitarrist Jonas Wolf wurden zwei der Gastmusiker zu Vollzeitmitgliedern befördert und mit Fabienne Erni gibt es ein neues Gesicht hinter dem Gesangsmikro zu sehen. Drehleierspielerin Michalina Malisz ist nach wie vor als Session-Musikerin mit im Boot. Ab sofort wieder dabei ist außerdem Geigerin Nicole Ansperger. Wir schnappten uns ELUVEITIE-Mastermind Chrigel Glanzmann für ein Interview, in dem wir über das neue Line-up und die Albumpläne für 2017 sprachen.

Chrigel, Ende des Jahres 2016 habt ihr eure Tour mit euren Gastmusikern beendet. Wie war es?

»Grundsätzlich gut. Ich würde sagen, über allem steht jetzt einfach, dass wir wieder komplett sind und das fühlt sich verdammt gut an. Drei von den Gastmusikern sind inzwischen auch keine Gastmusiker mehr.«

Genau, das ist ziemlich schön für euch. Vorangegangen ist dem Ganzen das Ausscheiden eures Schlagzeugers, Merlin Sutter, und mit ihm sind noch zwei weitere Musiker, Anna Murphy (Gesang, Drehleier) und Ivo Henzi (Gitarre), gegangen. Hat sich die Trennung angekündigt oder kam das überraschend?

»Ich war schon ein Stück weit überrascht. Ich habe mir, als wir über die Trennung von Merlin sprachen, schon vorstellen können, dass Anna stark reagiert, weil sie privat sehr eng mit Merlin befreundet ist und sehr viel mit ihm macht. Aber dass sie und vor allem auch Ivo finden, ohne Merlin möchten wir nicht, dann verlassen wir lieber mit Merlin die Band – das war für mich schon eine schmerzliche Überraschung.«

Ja, das ist sehr schade. Wie kam es überhaupt dazu, dass Merlin gegangen ist?

»Das war eigentlich eine jahrelange Entwicklung. Es ist nicht so, dass da persönliche Differenzen gewesen wären oder andere Vorstellungen in musikalischer Hinsicht. Wir sind auch nicht im Streit auseinandergegangen. Über das Konstrukt „Band“, was eine Band ist und wie sie zu funktionieren hat, gab es seit vielen Jahren sehr fundamental unterschiedliche Vorstellungen. Das hat schon vor vielen Jahren begonnen und hat sich über die Zeit immer stärker entwickelt. Die Band war schon seit mehreren Jahren fast gespalten, was das angeht. Das hat letztlich zur Trennung geführt. Denn wir, sprich die verbliebenen Mitglieder von ELUVEITIE, sehen eine Band viel mehr als Familie denn als Firma. Natürlich arbeiten wir professionell und natürlich ist das unser Beruf, ganz klar. Aber wenn wir die Zustände gewollt hätten, wie wir sie zum Schluss in der Band hatten, dann bräuchten wir nicht in einer Metal-Band zu spielen, sondern könnten auch Angestellte bei der Commerzbank oder Microsoft sein.«

Stand jemals eine komplette Auflösung der Band zur Debatte?

»Nein, gar nicht. Das war nie, auch nur ansatzweise eine Sekunde lang, ein Thema.«

Ihr habt euch dann etwas Zeit genommen, neue Mitglieder zu suchen. Habt ihr euch gemeinsam auf die Suche gemacht, oder hattet ihr gleich Leute im Kopf, weil auch Gastmusiker zu festen Mitgliedern wurden?

»Genau. Es war schon bisschen beides. Es haben wirklich alle aktiv gesucht und rumgefragt. Aber es waren gerade der Alain (Ackermann) am Schlagzeug und der Jonas (Wolf) an der Gitarre, die ziemlich schnell da waren. Unser Basser, der Kay (Brem) kannte Jonas, und unser Gitarrist Rafi (Rafael Salzmann) kannte Alain. Rafi und Alain haben vor Jahren gemeinsam an derselben Musikakademie studiert. Wir haben ganz bewusst nach der Trennung gesagt: Wir haben jetzt schon eine Menge Festivals bestätigt für den Sommer und es ist für uns absolut ein Tabu, Konzerte ausfallen zu lassen. Das ist für uns ein absolutes No-Go, weil unsere Fans sich Karten gekauft haben und sich auf das Konzert freuen. Und gleichzeitig haben wir uns gesagt, dass wir nicht aus Zeitdruck heraus ein neues Line-up zusammenschustern, sondern uns Zeit lassen und wirklich super gute Musiker finden möchten und eben auch Leute, bei denen die Chemie total stimmt. Dass wir uns da wirklich Zeit lassen möchten, haben wir von Anfang an gesagt: Lass' uns einfach mal mit Session-Musikern den Sommer über arbeiten und in der Zeit suchen wir nach neuen Musikern. Da waren dann Alain und Jonas ganz schnell zur Hand. In der Zeit haben wir tatsächlich auch noch weiter geschaut, aber die Chance, dass wir bessere Leute finden, ist relativ klein, denn die spielen einfach alles und jeden an die Wand. Insofern hat sich das über die Monate sehr deutlich abgezeichnet, dass wir auch in Zukunft mit ihnen zusammenarbeiten möchten. Wir sind sehr froh, dass der Wunsch auf Gegenseitigkeit basiert, sie sich das auch vorstellen konnten und so war das ein ziemlicher Glücksgriff.«

Schön, dass ein paar bekannte Gesichter jetzt fest in der Band sind. Es gibt aber auch ein neues Gesicht. Kannst du sie uns kurz vorstellen?

»Du sprichst von Fabienne Erni, unserer neuen Sängerin und Harfenspielerin, nehme ich an.«

Ganz genau.

»Ja, das war ganz lustig. Die Fabienne ist eine Bekannte von Jonas, unserem Gitarristen. Jonas doziert momentan noch nebenberuflich Gitarre an der Hochschule der Künste in Zürich und Fabienne ist dort gerade dabei, ihr Studium abzuschließen, und daher kennen die beiden sich. Und als wir eben auf der Suche nach einer neuen Sängerin waren, und ich muss sagen, wir haben wirklich mehr als 100 angeschaut, hat mich Jonas angerufen. Fabienne hat noch nicht die Wahnsinnstour- und Bühnenerfahrung, sie ist noch nicht auf einer Festivalbühne vor 60.000 Leuten gestanden, aber sie ist gesanglich einfach echt eine Gewalt. Ich meine, Gesang lernen dauert viele Jahre und alles andere kann man relativ schnell lernen (lacht). Dann habe ich mich mit Fabienne getroffen und ich bin fast vom Stuhl gefallen, als sie zu singen begonnen hat und dann war es für uns auch relativ bald klar. Wir haben nichtsdestotrotz noch länger weitergesucht, weil wir wirklich die allerbeste Option für uns als Band finden wollten, aber was die gesangliche Leistung angeht, ist wirklich keiner auch nur ansatzweise an Fabienne herangekommen. Das ist außerdem so eine Person, mit der man Pferde stehlen kann, und insofern schätzen wir uns wirklich sehr glücklich, dass wir sie für uns gewinnen konnten.«



Das klingt ja ziemlich vielversprechend. Ergeben sich denn für euch durch die Neuzugänge auch neue musikalische Möglichkeiten?

»Jein. Grundsätzlich ist es definitiv nicht so, dass sich die Musik grundlegend verändern würde. Stilistisch bleiben ELUVEITIE immer so, wie ELUVEITIE sind. Wir werden vielleicht ein Stückchen wieder mehr back to the roots gehen, das ist durchaus möglich. Das ist wieder etwas uriger mit der neuen Besetzung. Grundsätzlich wird ELUVEITE immer ELUVEITIE bleiben. Aber es ist schon so, dass jede Musikerin und jeder Musiker doch ein Stück weit seine Klangfarbe und seinen Stil mit einbringt. Wir haben jetzt auch sechs Harfen in unserem Instrumentarium und von daher wird auch das Folk-Gewand reichhaltiger sein.«

Zum Thema „zurück zu den Wurzeln“: Auf der Homepage wird jedes Mitglied mit dem „Origin“, dem Ursprung oder der Herkunft vorgestellt. Zudem heißt euer aktuelles Album „Origins“. Was bedeutet dir die Herkunft und wie stehen die neuen Musiker dazu?

»Die keltische Geschichte und Kultur ist natürlich ein Thema, was uns sehr ernst ist und uns auch sehr viel bedeutet und das ist das, um was sich ELUVEITIE eigentlich dreht. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass diese Nennung der Herkunft auf der Webseite schon mit einem zwinkernden Auge gemeint ist, also auch bisschen ein Scherz, einfach weil wir es witzig fanden. Jetzt wäre es natürlich historisch unkorrekt, dass man sagen würde, jemand der da und da wohnt, ist ein Haeduer. Man kann einfach sagen, auf dem Gebiet, wo du heut wohnst, hat vor 2000 Jahren der Keltenstamm der Haeduer gelebt. Insofern war das für uns bisschen scherzhaft, aber das soll nicht das Gewicht und die Bedeutung der Thematik an und für sich für die Band in keiner Art und Weise schmälern. Das ist Leidenschaft und absoluter Fokus bei ELUVEITIE schlechthin.«

Apropos Fokus: Wie sieht es mit 2017 aus? Was sind eure Pläne?

»Im Moment liegt der Fokus auf unserem eigenen Festival, dem „Eluveitie & Friends“-Festival, das am 6. Januar beginnt. Das ist ein zweitägiges Festival, und das ist für uns insofern ein großes Ding, weil das die zwei ersten Shows im neuem Line-up werden. Unsere Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Danach werden wir uns aber erst einmal für ein paar Monate verschanzen, um unser nächstes Album fertigzustellen, was, wie auch bereits schon angekündigt, der eigentlich auch schon lange erwartete zweite Teil des Akustik-Konzepts „Evocation“ sein wird. Unser nächstes Album wird also „Evocation II“ sein, und das werden wir jetzt im Frühling aufnehmen und es soll dieses Jahr im Sommer rauskommen. Das ist vorrangig erst mal unser Fokus und im Sommer werden wir in aller Frische mit neuer Formation und neuer Stärke zurück auf den Festival-Bühnen sein.«

Kannst du uns denn schon etwas zum Album verraten?

»Kann ich ein Stück weit, ja. Einerseits ist es ganz klar der zweite Teil von „Evocation“ und hat insofern auch die gleichen Rahmenbedingungen. Das heißt, es ist komplett akustisch. Das gesamte Album ist in altkeltischer Sprache gehalten und wird sich zu 100 Prozent der keltischen Mythologie und Spezialität hingegeben. Konzeptionell bewegt es sich gegenüber dem ersten Teil, der wirklich original altkeltische Texte vertont hat, mehr im mythologischen Gebiet, und zwar wird das ein Streifzug durch das keltische Pantheon werden. Jeder Track des Albums wird einer keltischen Gottheit gewidmet sein und sich nicht nur lyrisch an diese Gottheit wenden, sondern auch musikalisch die überlieferten Attribute oder Charakterzüge der entsprechenden Gottheit ausdrücken. Es wird natürlich wieder sehr viel weiblichen Gesang geben. Ich glaube, das Album wird eigentlich ganz gut vergleichbar sein mit „Evocation I“. Dem ersten Teil gegenüber wird es aber vermutlich noch uriger, authentischer, folkiger, wohl auch ein bisschen roher werden.«

Da können wir uns ja schon mal auf etwas freuen.

»Das freut mich zu hören (lacht).«

Dann wünschen wir euch auf jeden Fall viel Spaß auf eurem Festival und natürlich auch viel Spaß und Erfolg mit eurem kompletten, neuen Line-up.

»Vielen Dank, das werden wir hoffentlich haben!«


Das neue ELUVEITIE-Line-up:

Chrigel Glanzmann – Gesang, Whistles, Mandola, Dudelsack, Bodhrán
Rafael Salzmann – Gitarre
Kay Brem – Bass
Matteo Sisti – Whistles, Dudelsack, Mandola
Nicole Ansperger – Fidel
Michalina Malisz – Drehleier
Alain Ackermann – Schlagzeug
Jonas Wolf – Gitarre
Fabienne Erni – Gesang, Keltische Harfe, Mandola


ELUVEITIE & FRIENDS VI - Festival:

Mit ELUVEITIE, SALTATIO MORTIS, KOENIX, IRIJ, SODOM, VARG, GURD und FINAL STORY

06.01.17 CH-Pratteln - Z-7
07.01.17 CH-Pratteln - Z-7

 

www.eluveitie.ch
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