Online-MegazineInterview

VEKTOR

Kollektive Gedankenkontrolle

VEKTOR

Die Amis VEKTOR haben den Sci-Fi-Thrash mindestens genauso im Blut wie Voivod, sind dabei aber vielleicht noch ein bisschen abgefahrener. Ihr
2011 zum ersten mal erschienenes, zweites Album „Outer Isolation“ ist nun wiederveröffentlicht worden und zum ersten Mal auch auf Vinyl zu haben.
Ein guter Grund, die gesamte Band mal eingehend zu befragen.

Outer Isolation - Altes CoverNicht jeder Leser wird mit VEKTOR vertraut sein, bitte stellt euch kurz vor!

»Wir sind VEKTOR aus den Vereinigten Staaten und wir spielen progressiven Sci-Fi-Thrash-Metal. Wir haben zwei Alben veröffentlicht, „Black Future“ (2009) und „Outer Isolation“ (2011), und aktuell arbeiten wir am dritten. Von „Outer Isolation“ ist vor ein paar Tagen eine Vinyl-Version über Earache Records erschienen.«

Warum habt ihr eure Band VEKTOR genannt?

»Der Vektor hat eine biologische Bedeutung, die mit der Ausbreitung von Krankheiten zusammenhängt. Zum Beispiel kann ein Moskito ein Vektor für Malaria sein. Wir verwenden den Begriff in derselben Weise, denn wir verbreiten unsere eigene Krankheit.«

Okay, als ich zum ersten Mal von eurem Bandnamen gehört habe, dachte ich eher an Mathematik.

»Haha, ja, da gibt es auch einen „Vektor“. Ganz ähnlich, aber nicht die Art, wie wir den Begriff verwenden.«

Ihr habt schon euer zweites Album "Outer Isolation" erwähnt. Das wurde zuerst über Heavy Artillery Records veröffentlicht, dann habt ihr es selbst noch einmal herausgebracht, und nun gibt es das Vinyl von Earache. Weshalb so viele Releases?

»Naja, „Outer Isolation“ ist zum ersten Mal Ende 2011 erschienen, als wir noch bei unserem ursprünglichen Label Heavy Artillery waren, aber kurz danach hat das Label den Betrieb eingestellt, und wir sind bei Earache gelandet. Als Heavy Artillery plötzlich weg waren, waren unsere Alben auch nicht mehr erhältlich, also haben wir die Lücke geschlossen, indem wir zumindest zum Touren eigene CDs hergestellt haben, bis Earache mit dem Re-Release fertig waren. Von nun an vertreibt Earache die ersten beiden Alben. Wobei wir uns gerade nicht sicher sind, ob der „Black Future“-Re-Release schon veröffentlicht wurde, aber es soll zumindest bald passieren.«

Outer Isolation - Neues CoverDer „Outer Isolation“-Re-Release von Earache hat ein völlig anders Cover als die Originalversion. Welchen Grund hat das? Und gefällt euch das neue Cover besser als das alte?

»Das neue Cover war von Anfang an für die Vinyl-Version gedacht, wir konnten ja nicht ahnen, das zwischen den Veröffentlichungen über ein Jahr vergeht. Wir mögen beide Cover sehr gerne und sie repräsentieren jeweils einen anderen Blickwinkel auf die Musik. Das erste Cover kommt unserer ursprünglichen Vision sehr nahe, das neue ist eine Auslegung des Konzeptes von Zbigniew Bielak. Ich glaube nicht, dass wir eines dem anderen vorziehen.«

Wo seht ihr die größten Unterschiede zwischen „Outer Isolation" und "Black Future"?

»„Black Future“ ist ein Kommentar bezüglich unserer zukünftigen Gesellschaft, während „Outer Isolation“ sich mehr mit mentaler Philosophie beschäftigt. Beide haben diesen Weltraumfahrt-Vibe, beide enthalten neues wie altes Material, und beide sind am selben Ort mit dem selben Produzenten aufgenommen worden, also fühlen sie sich schon recht ähnlich an. „Outer Isolation“ ist ein bisschen sauberer, weil wir als Band tighter und erfahrener geworden sind.«

Ihr habt das alte Material auf „Outer Isolation“ schon erwähnt. Geht es da darum, den Fans, die die Demos nicht besitzen, die alten Songs zugänglich zu machen?

»Es gab immer diesen Drei-Alben-Plan. Die alten Songs wollten wir auf die ersten beiden Alben aufteilen, während das dritte Album ein komplett neues Konzeptalbum sein wird. Wir haben die alten Songs nochmal aufgenommen, weil wir sie seit dem Demo zwei bis drei Jahre lang live gespielt und geübt haben. Wir lieben diese Songs und waren der Meinung, dass die bisherigen Aufnahmen sie nicht richtig repräsentieren. Also haben wir sie noch einmal aufgenommen, diesmal schneller und mit einem stabilen Line-up. Außerdem haben wir die Parts verändert, von denen wir der Meinung waren, noch etwas rausholen zu können. Nun haben wir den ganzen alten Kram durchgezogen und können uns auf neue Dinge konzentrieren.«

Wer sind eure Haupteinflüsse? Ich hätte jetzt an Voivod, aber auch an Annihilator und Ministry gedacht...

»Voivod ist einer, ansonsten hauptsächlich Black- und Thrash-Metal-Bands wie Destruction, Kreator, Emperor, Immortal, Absu. Slayer, etc. Wir mögen auch älteren Rock und Prog wie Pink Floyd, Rush, Yes, etc., dieser Einfluss schleicht sich natürlich auch ein.«

Es ist interessant, dass ihr Emperor, Immortal und Absu erwähnt, denn meiner Meinung nach hat Davids Gesang einen Black-Metal-Touch!

»Ja, absolut! David (v./g.) versucht Black Metal Vocals mit dem deutschem Thrash-Gekeife zu mixen. Ein bisschen wie Schmier.«

Ein zentraler Bestandteil eurer Musik sind die schnellen Wechsel zwischen brutalen, melodischen und total abgefahrenen Parts. Entstehen diese Zusammensetzungen in Jams, oder werden die im klassischen Sinne komponiert?

»Die sind mehr oder weniger komplett komponiert, wobei sich die Parts manchmal noch in Jams verändern, wenn wir sie zusammen üben. Die Parts sind alle sehr durchdacht, wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen, um die Musik zu schreiben, die wir lieben.«

Studiert einer von euch Musik?

»Erik (g.) und Blake (dr.) sind bei uns die Theorie-Nerds. David schreibt die meisten Gitarrenparts nur als Tabulaturen, er weiß nicht besonders viel über Musiktheorie.«

Ich frage, weil einige eurer Rhythmen und Harmonien/Disharmonien sehr fein arrangiert klingen und komplett anders als das übliche Metalriff funktionieren. Ein Beispiel dafür ist 'Tetrastructural Minds'.

»Ja, unsere Riffs brechen wohl manchmal die Regeln, aber am Ende passen sie doch zusammen. Wir fokussieren uns auf das, was wir hören wollen und messen der Theorie nicht zu viel Bedeutung bei.«

Ist der Scream am Anfang von 'Tetrastructural Minds' ein Tribut an Slayer?

»Haha, Nein, dieser high-pitched Scream ist nur ein Teil von Davids Gesangsstil. Wir waren der Meinung, dass das zu dem Song passt.«

Okay, lasst uns kurz über die Texte reden: 'Cosmic Cortex' scheint von Gedankenkontrolle zu handeln...

»'Cosmic Cortex' handelt von kollektivem Bewusstsein. Im Kern geht es darum, dass unser Wille die Welt übernimmt und wir von einer alles umhüllenden Gedankensphäre gefangen gehalten und kontrolliert werden.«

Einige Songs wie 'Dying World' haben einen großen sozialen/ökologischen Aspekt. Ist es euch wichtig, über reale Dinge zu schreiben?

»'Dying World' handelt vom Schaden, den wir in der Natur anrichten, und dass der Grund der Eigennutz ist. Wir marschieren sehenden Auges in unseren eigenen Untergang.«

Eure Songs sind ja ziemlich komplex, wie sieht es da mit der Liveperformance aus? Bewegt ihr euch viel auf der Bühne, oder müsst ihr euch stark konzentrieren?

»Ach, das ist letztendlich nur eine Frage der Übung. Nach einer Zeit sind dir die Songs in die Finger eingebrannt und du kannst sie spielen, ohne viel nachzudenken, und dann kannst du auch headbangen und durch die Gegend laufen. Natürlich gibt es immer ein paar schwierige Stellen, an denen man sich doch wieder konzentrieren muss, aber wir spielen die meisten Songs ja schon seit ein paar Jahren live, also brauchen wir nicht mehr so genau drauf zu achten, was wir tun. Wir genießen es einfach. Was anderes ist es, wenn man einen Song das erste Mal spielt, da ist man ein bisschen stationärer, aber sobald man ihn einmal hat, kann man ihn aus dem Gefühl heraus spielen.«

Wie sieht es mit Gigs in Europa aus? Ist da was geplant?

«»Bisher nicht konkretes, naheliegenderweise stoppen uns bisher die Kosten für Hin- und Rückreise. Irgendwann werden wir da sein, das ist nur eine Frage der Zeit. Vielleicht in diesem Jahr, vielleicht im nächsten Jahr, vielleicht in fünf Jahren, wir wissen es nicht.
Hoffentlich möglichst bald, wir wollen so sehr, dass es passiert, vor allem, da wir inzwischen viele europäische Fans haben.«

Ihr plant ein neues Album, Wann können wir mit der Veröffentlichung rechnen?

»Es ist noch viel zu früh, darüber etwas zu sagen, wir sind noch nicht einmal mit dem Songwriting durch. Wir hoffen, im Frühjahr oder Sommer mit den Aufnahmen beginnen zu können, und wenn wir auf der Spur bleiben, könnte das Album noch 2013 erscheinen. Aber es gibt hier und da noch Tourpläne, also müssen wir mal schauen, was passiert. Aber ausgehend von dem, was wir bisher geschrieben haben, sind wir sehr aufgeregt, denn die Songs entstehen auf interessante Weise. Wir haben unser Spiel seit „Outer Isolation“ sehr verbessert und Songs geschrieben, die uns sehr herausfordern werden. Zudem regt es unsere Kreativität sehr an, ein Konzeptalbum zu schreiben. Es ein Antrieb, neue Wege zu finden, unsere Songs zu schreiben und bestimmte Elemente zu verbinden.«

Was sind eure langfristigen Ziele mit VEKTOR?

»Wir machen einfach die beste Musik, die wir im Moment machen können und finden möglichst viele Leute, die auch darauf stehen. Unser Ziel ist es, uns weiter zu bewegen. Uns zu verbessern, zu erschaffen und die Dinge, die wir genießen, bestmöglich zu tun. Wir wollen damit so weit wie möglich kommen, aber die Wurzel wird immer die Musik bleiben. Mal schauen, was auf dem Weg passiert!«

 

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