Online-MegazineInterview

KATATONIA

Könige der eigenen Sackgasse

Katatonia

KATATONIA befinden sich momentan auf einer ausgedehnten Europatour für ihr im Spätsommer erschienenes Album „Dead End Kings“ und füllen dabei größere Hallen denn je. In der Wartezeit vor dem Auftritt in der Kölner Live Music Hall nahm sich Gitarrist Per Eriksson Zeit, um uns über den aktuellen Stand der Band zu informieren.

Katatonia - Dead End KingsPer, wie läuft die Tour bisher? Mich würde besonders interessieren, wie die Kooperation mit Alcest, auch in Bezug auf das Publikum läuft.

»Die Tour läuft gut, was die Auftritte und die Leute angeht. Aber wir hatten gleich zweimal technische Probleme mit den Tourbussen. Heute haben wir unseren dritten Bus bekommen. Wir mussten zum Beispiel die Gigs in Spanien wegen einer Buspanne absagen. Die Alcest-Jungs sind echt nett, auch wenn ihre Musik nicht so mein Ding ist. Allerdings haben wir eine ganze Menge gemeinsame Fans.«

Hast du immer noch Freude am Touren? Mit der Zeit mag es ja durchaus wichtigere Dinge im Leben geben.

»Sicher, wir werden alle älter, das merke ich jeden morgen. Aber ich liebe es nach wie vor Musik zu machen, weil es das ist, was ich mein ganzes Leben gemacht habe und wahrscheinlich auch das Einzige was ich gut kann. Generell mag ich es, manchmal hasse ich es auch. Etwa wenn jeder krank wird und sich alle ständig gegenseitig anstecken. Es ist wie jeder andere Job auch. Es kommt vor, dass man einfach nach Hause gehen und was anderes machen möchte. Ich habe eine Freundin daheim, aber keine Kinder, wie die anderen Jungs. Von daher ist es für mich wohl einfacher als für sie.«

Haben sich die Veränderungen im Line-up, auch in Bezug auf die Liveperformance, bewährt?

»Ich hoffe es. Ich mag die anderen, die vorher in der Band waren, auch sehr, aber bin eben auch einer der neu hinzugekommenen. Vorher habe ich aber schon für die Band gearbeitet und kannte die anderen sehr gut.«

Wie sieht es mit deinen aktuellen musikalischen Einflüssen zur „Dead End Kings“-Phase aus?

»Das ist nicht so leicht zu sagen. Früher war King Diamond meine absolute Lieblingsband und es ging nur um Musik. Je älter man wird, desto mehr Inputs bekommt man, die nichts mit Musik zu tun haben. Das alltägliche Leben eben, in dem alles schwerer wird und man mehr Verantwortung zu tragen hat. An Musikern oder Bands mag ich zum Beispiel Jeff Buckley (1997 verstorbener Singer-Songwriter), Tool, Morbid Angel oder die alten Alben von Deicide und Entombed. Es sind eine ganze Menge Sachen.«

Was hast du auf dem neuen Album zum Songwriting beigetragen?

»Ich habe einen der Songs zusammen mit Jonas geschrieben, 'Lethean'. In den Aufnahmeprozess war ich mehr involviert, da ich die ganzen Gitarrenaufnahmen in unserem alten Proberaum gemacht habe, die wir dann im Studio überarbeitet haben.«

Ist der Titel „Dead End Kings“ nicht ein Widerspruch in sich?

»Ich denke, dass der Titel einfach für uns selbst steht und wir selbst die „Dead End Kings“ sind. Wir sind die Könige unserer eigenen Sackgasse. Ob es einen Ausweg gibt, wird sich zeigen.« (lacht)

Es ist schwierig, die Unterschiede zwischen euren letzten drei Alben auszumachen, da ihr einen eigenen, komplexen Stil gefunden habt, der mehr unter der Oberfläche variiert. Aktuell finden straightere Rhythmen und Texte bei euch Platz. Würdest du dem zustimmen?

»Das kommt wohl auch mit dem Alter und dem erhofften Weiser-werden. Auch Jonas hat mit der Zeit mehr Mühe in seine Texte investiert, als früher. Es hat wohl mit der „The Great Cold Distance“ begonnen sich zum heutigen Niveau zu entwickeln. Ich meine, dass die Lyrics immer persönlicher für ihn wurden, aber über ihre Bedeutung kann ich auch nichts sagen, weil er nicht darüber redet und wir ihn auch nicht fragen. Der musikalische Unterschied zwischen „The Great Cold Distance“ und „Night Is The New Day“ war ein sehr großer, weil ersteres ein hartes Metal-Album ist und erst danach die ganzen Synthesizer und Orchestrierungen eingesetzt wurden. „Dead End Kings“ fühlt sich demnach mehr wie ein atmosphärisch verwandter Nachfolger dazu an, auch wenn das nicht jeder so sieht.«

Du sagtest, dass du viel in den Aufnahmeprozess involviert warst. Habt ihr mehr Zeit in die Pianosounds und Electronics investiert, als in die Gitarren und Schlagzeugrhythmen?

»Wir haben auf jeden Fall weniger Effekte für die Gitarren benutzt, da uns der damalige Sound etwas zu synthetisch wurde. Dafür haben wir jetzt die Orchestrierungen. Was die Electronics angeht, hatten wir wirklich viele Layer übereinander geschichtet, die wir am Ende nochmal ordentlich reduziert haben, weil es zu überladen klang. Es macht einen großen Unterschied, ob man das Album auf einer Stereoanlage oder über Kopfhörer hört.«

Waren die Songs bereits fertig, als ihr damit in den Proberaum gegangen seid? Ich kann mir euch schlecht als eine jammende Band vorstellen.

»Nein, das sind wir wirklich nicht. Wir schreiben Songs und gehen damit direkt ins Studio. Bisher haben wir noch nie für eine Albumaufnahme geprobt. Nachdem die Drums aufgenommen waren, haben wir an den Gitarrenparts noch einzelne Teile verändert, die überflüssig oder zu lang waren. Insgesamt hat es eine gefühlte Ewigkeit gedauert, da wir alles Stück für Stück aufgenommen haben, was letztendlich fünf oder sechs Monate in Anspruch genommen hat.«

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, eure Muttersprache in den Texten einzusetzen, oder klingt sie zu weich und beschwingt für kalte, dunkle Musik?

»Das steht eigentlich nicht zur Debatte. Ich weiß, dass Jonas sich nicht wohl damit fühlt, auf schwedisch zu singen, was ich gut nachvollziehen kann. Außerdem würden die meisten unserer Fans nichts verstehen.«

Die Artworks der letzten Alben beinhalten alle Grafiken von verfallener Zivilisation, grauen Straßen oder Großstadt-Skylines. Sind diese Eindrücke im Song 'Buildings' zusammengefasst?

»Da bin ich mir nicht ganz sicher. Die leeren Straßen und fahlen Gebäude visualisieren unsere Musik aber sehr gut. Zudem hat Travis Smith für die Limited Edition zusätzliche Artworks designt, das sehr gewunden und düster ausgefallen ist. Mit ihm hat es auch noch nie Probleme gegeben, wenn es um Covergestaltungen ging.«

Wie wichtig ist das „Last Fair Deal Gone Down“-Album für euch noch? 2011 gab es dazu ja eine spezielle Tour. Habt ihr darin eher eine Gelegenheit für jüngere Fans gesehen, euch besser kennenzulernen, oder war es mehr eine Sache für die Band selbst?

»Auf jeden Fall ist es ein wichtiges Album, weil sich zu der Zeit einige Dinge bei uns verändert haben. Aber auch für die Fans ist es sehr wichtig. Es ist das Lieblingsalbum vieler Leute. Der Grund für die Tour, war in erster Linie das 20-jährige Jubiläum der Band, während das Album zehn Jahre alt wurde.«

Wird es dazu noch einen DVD-Release geben?

»Wir haben Aufnahmen gemacht, mit denen es einige Probleme gab. Wir werden das Material Anfang nächsten Jahres hoffentlich endlich auf DVD veröffentlichen. Leider weiß niemand von uns genau, was bei der Produktion bisher schief gelaufen ist.«

Die schwedische Black-Metal-Band Shining hat dieses Jahr eine Cover-EP rausgebracht, auf dem euer 'For My Demons' enthalten ist. Habt ihr davon gehört?

»Ja, wir haben uns das alle angehört und uns sehr geehrt gefühlt. Shining kommen auch aus Stockholm und wir sind zwar nicht enger befreundet, haben uns aber schon getroffen. Über Niklas Kvarforth hört man zwar viel Scheiß, aber ich weiß nicht, was davon wahr ist. Als ich ihn traf, war er ein cooler Typ.«

Momentan sind Unplugged-Shows bei Metal-Bands sehr beliebt. Könnt ihr euch auch vorstellen wie Opeth eine Unplugged-Show zu spielen?

»Ja, wir werden das wohl wirklich machen, weil wir das gleiche Management haben, haha! Außerdem spiele ich mit Mike und Axe bei Bloodbath und habe auch schon als Gitarrentechniker für Opeth gearbeitet. Ich würde es lieben, Akustikshows zu spielen und reduzierte Songarrangements ohne Drums und verzerrten Gitarren und mehr Keyboards zu entwickeln.«

 

Ein aktuelles KATATONIA-Livereview findet ihr hier.

 

www.katatonia.com/
www.facebook.com/katatonia

 

Pic: Mathias Blom

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