Online-MegazineInterview

DARKANE

Keine Ausreden mehr

DARKANE

Mit dem Wiedereinstieg von Lawrence Mackrory, der als Larry Lethal auch bei den wiedererstarkten F.K.Ü. mitmischt, heißt es bei DARKANE „Zurück in die Zukunft“. Die Band ist seit ihrem Debüt gereift und komponiert bedeutend vielschichtiger als auf „Rusted Angel“ vor 14 Jahren.

Lawrence, spielt 'Existence Is Just A State Of Mind' mit der Idee, dass wir alle nur Marionetten einer höheren Macht sind?

»Eine gute Beobachtung, die sehr wohl zutreffen könnte. In dem Song drücke ich aber aus, wie wir uns selbst einengen. Manche Menschen igeln sich ein und geben auf. Die Botschaft des Songs ist positiv: Wenn du existieren, gesehen und ernst genommen werden willst, musst du es selbst angehen. Andererseits verkümmerst du. Es ist eine Ermutigung, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen.«

Hat jemand in der Band einen christlichen Hintergrund? Man könnte 'Mechanically Divine' so verstehen, dass Maschinen Gott ersetzen und die Technologie an dessen Stelle im Leben vieler Menschen tritt.

»Als Kind war ich gläubig, aber während des Heranwachsens sah ich die Welt zunehmend mit eigenen Augen und erkannte, dass ich keinen Gott benötige, um mich sicher und beschützt zu fühlen und Gutes zu tun. Man muss Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen. Die Liebe der Familie und Unterstützung von Freunden ist alles, was man braucht. Aber ich sehe ein, dass es vielen Menschen genau daran mangelt und ihr Glaube daher einen Halt gibt. Der angesprochene Song ist die fiktive Geschichte eines Menschen, der sich zunehmend von seinem Körper entfremdet und schrittweise Körperteile mit mechanischen Komponenten ersetzt – in der Hoffnung auf ein ewiges Leben. Dummerweise gab es kein Austauschobjekt für die Seele, haha.«

Computer und moderne Kommunikations- wie Transportmittel bestimmen unseren Alltag, ohne sie würde die westliche Zivilisation schnell ins Mittelalter zurückgebeamt. Fürchtest du dich vor einem Kollaps – und entfliehst du manchmal der Hektik in eine einsame Hütte in den Schären oder im Hinterland ohne fließendes Wasser, Strom und Handy-Empfang?

»Das Szenario erscheint mir äußerst realistisch. Es gibt zudem Ressourcen, die zunehmend knapp werden, wie Erdöl. Das Maximum ist erreicht, von nun an werden die Fördermengen immer weiter abnehmen. Wir müssen endlich akzeptieren, dass wir mehr erneuerbare Energien benötigen. Ich bin ein extremer Fürsprecher für Biokost und esse äußerst selten Fleisch. Ich leiste Kleinigkeiten, damit die Erde ein besserer Ort zum Leben wird, aber Politiker müssen die großen Weichen stellen. Die multinationalen Konzerne kontrollieren unseren Konsum und diesbezüglich sehe ich keine Verbesserung der Lage. Manchmal wird mir tatsächlich alles zu viel und ich entfliehe dem Stress. Aber ich bin es gewohnt, ständig Projekten nachzugehen und werde schnell rastlos.«

Jeder hat schon einen 'Collapse Of Illusions' erlebt – und sei es, dass der Papst fehlbar oder Santa Claus immer derselbe Onkel mit schlecht angeklebtem Wattebart ist. Hast du schon Ideale aufgeben müssen, die man als verwöhnter Teenager leicht kultivieren, im Alltag als Erwachsener aber vergessen kann?

»In dem Song thematisiere ich die Abwärtsspirale der Selbstwahrnehmung, bis man sich schließlich gar nicht mehr erkennt. Das ist ein sehr ernsthafter medizinischer Befund. Aber der Titel ist universell. Nicht alles ist so wie es scheint und manchmal zerschellt es einem vor den eigenen Füßen. Wie so viele dachte ich als Teenager auch, dass ich Rockstar werde. Würde die Kinderversion von mir mich heute sehen, könnte sie auch daran glauben, dass ich es geschafft habe. Aber je älter ich wurde, um so mehr habe ich realisiert, wie viel harte Arbeit und Entbehrung es erfordert, den Durchbruch zu schaffen. Es war kein Kollaps, eher ein langsames Bewusstwerden über die Mechanismen des Geschäfts. Wer Profimusiker werden will, sollte sich darauf einstellen, lange Zeit nichts als sein Instrument und die Kleider am Leib zu besitzen. Wir haben uns dagegen entschieden und sind froh, die Musik mit lohnenden Berufen zu kombinieren. Natürlich können wir so weniger touren, aber das hat auch sein Positives. DARKANE sind nicht die Band, die zwei- oder dreimal im Jahr in deiner Stadt spielt und bei der es dann heißt: Die schon wieder... Das hält auch uns hungrig.«

Das Digipack offeriert zwei Bonustracks: 'I, Author Of Pain' and 'Malicious Strain'. Fielen diese Songs thematisch oder musikalisch aus dem Rahmen, den ihr für das Album gesetzt hattet?

»Die Entscheidung fiel erst ganz zum Schluss, war aber einstimmig. 'Malicious Strain' ist sogar einer meiner Favoriten, wegen seiner Vibes und Grooves. Aber wir wussten, wie das Album anfangen und aufhören sollte, also mussten wir nur noch die Reihenfolge dazwischen festlegen, ohne es zu langatmig werden zu lassen. Die Tracks sind beide für sich gesehen stark, passten aber nicht in das Korsett.«

Fünf Jahre zwischen den Alben sind schon heftig. Euer Schlagwerker Peter Wildoer ist in der Zeit bei Pestilence als Drummer ein- und ausgestiegen, hatte zudem weitere Spielwiesen besucht. Brauchtet ihr alle eine Auszeit, stand gar die Bandauflösung zur Debatte?

»Die Gründe für diese zeitliche Distanz sind vielfältig, aber beruhen nicht auf Peters anderen Engagements. Zunächst wurde das Studio der Jungs überflutet und sie mussten sich etwas Neues suchen. Als sie eine Räumlichkeit gefunden hatten, dauerten die Aufbauarbeiten sehr lange. Da jeder einen normalen Job hat, war nur nach Feierabend und an Wochenenden Zeit, an Proben und Komponieren zu denken. In der Beziehung zu Sänger Jens kriselte es und 2011 kam ich schließlich zurück. Jetzt haben DARKANE wieder eine stabile Besetzung und ein Studio. Es gibt also keine Ausreden mehr und die Wartezeit zum nächsten Album wird nicht annähernd so extrem ausfallen.«

Vor euch, Terror 2000, The Defaced, The Haunted und einigen eher Retro-ausgerichteten Bands gab es keine wirklich große Thrash-Szene in Schweden. Mezzrow, die leider nie gesignten Thrasherinnen Ice Age oder Fallen Angel wurden von der Death-Metal-Welle zermalmt.

»Neben den genannten muss man unbedingt noch Midas Touch und Agony erwähnen. Letztere haben mit „The First Defiance“ eins der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht. Aber die Thrash-Szene bei uns wurde definitiv vom Death Metal überrannt. Das war so eine Urgewalt, dass hier niemand mehr mit Thrash assoziiert werden wollte. Außerdem begannen große Bands zu verweichlichen. Celtic Frost sorgten mit „Cold Lake“ für Heulkrämpfe.«

 

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