Online-MegazineInterview

WINTERSUN

Kein Superman

Wintersun

Bis WINTERSUN pünktlich zu Veröffentlichung von „Time I“ auf die Heidenfest-Tour gehen, arbeitet Jari Mäenpää noch an den letzten Feinheiten von „Time II“ und gibt Interviews. Im ersten Gesprächsteil (RH 307) stand "Time I" im Mittelpunkt, jetzt dessen Wurzeln und der Mensch dahinter.

Deine Liebe zu Devin Townsend hört man dem Klar- wie Keifgesang hin und wieder an. Er hatte auf „Deconstruction“ auch ein echtes Orchester genutzt.

»Ich weiß.«

In der Zeit zwischen „Wintersun“ und „Time I“ hat Devin ein Dutzend Alben aufgenommen. Schätzt du mehr seine aggressive oder die ruhige Seite?

»Ich liebe alles, was er je aufgenommen hat, aber ich mag vor allem seine klare Stimme und daher Alben wie „Ocean Machine“. Und ich liebe auch seine rockige Seite, wenn er etwas rauer singt. Und seine völlig verrückten Produktionen mit Dutzenden von überlagerten Samples, wie „Deconstruction“. Aber „Infinity“ war einer der Hauptgründe für die beiden „Time“-Alben von WINTERSUN.«

Die Ethno-Melodien z.B. in 'When Time Fades Away' erinnern etwas an sein „Ghost“-Material.

»Das Songwriting war bei mir natürlich längst abgeschlossen, als ich jenes Album hörte. Aber ich liebe das Titelstück 'Ghost'. Letzten Sommer waren wir am Strand und dieses relaxte Stück war ein toller Soundtrack dafür. Die Kontraste seiner vier zusammengehörenden Devin-Townsend-Project-Alben sind einmalig.«

Fürchtest du sein Urteil über deine Musik?

»(lacht) Ich will ihm die beiden Alben auf jeden Fall schicken. Dann muss ich abwarten. «

Es gibt einige klassische Zwillingsalben, die manchmal gemeinsam, manchmal etwas zeitversetzt veröffentlicht wurden. Welches dieser drei Paare bedeutet dir etwas: Die „Use Your Illusions“-Teile von Guns N' Roses, die beiden „Nordland“-Epen von Bathory oder Therions „Lemuria“ und „Sirius B“, zunächst als Doppel veröffentlicht und nach der Erstauflage separat erhältlich.

»Definitiv „Use Your Illusions“, ich war großer Guns-N'-Roses-Fan. Genau deswegen habe ich mich auch für die Titel „Time I“ und „Time II“ entschieden, ich wollte keine wahnsinnig komplizierten Namen. Bathory oder Therion habe ich kaum gehört.«

Euer Drummer Kai meinte in einem Interview, dass du der einzige in der Band bist, der keine klassische Ausbildung auf seinem Instrument genossen hat.

»Stimmt, ich habe mir beinahe alles selbst beigebracht und bei anderen Künstlern abgehört und abgeguckt. Zuerst imitiert und dann nach meinem eigenen Wegen gesucht. Während der Arbeiten an „Time“ habe ich erstmals richtig hart an meinem Gesang gearbeitet und auch Übungen gemacht. Ich wollte mit mehr Feeling singen, die tiefen Emotionen der Texte besser interpretieren. Beim Komponieren wollte ich aus vollem Herzen schöpfen und die ganzen alten Einflüsse einfach aus dem Fenster werfen. Aber natürlich ist das gar nicht komplett möglich. Live mag ich den Rock-’n’-Roll-Aspekt, Schweiß und viel Energie.«

Abseits der Bühne bist du ein introvertierter, geradezu scheuer Zeitgenosse, bist du on stage plötzlich eine harte Rockerdrecksau?

»Nicht wirklich. Ich lasse mich nur einfach von der Stimmung der Musik anstecken und zeige das Biest in mir.«

Hat dir das plakativere Warpaint bei Ensiferum damals geholfen, diese Bühnenpersönlichkeit rauszulassen?

»Keine Ahnung, was es mit den anderen anstellte, aber für mich hat das keinen Unterschied gemacht. Die Musik bedeutet mir viel mehr als die Optik. «

Bei WINTERSUN bist du der Boss. Hast du als Künstler ein großes Ego?

»Ich glaube nicht. Meine musikalischen Visionen zu erforschen und umzusetzen ist mir sehr wichtig. Dafür habe ich die Band gegründet, was zumindest egoistisch ist. (lacht)«

Musst du statt mit deinen Musikern mehr mit dem Label ringen, um bessere Budgets beispielsweise?

»In der Band gibt ein keine Kämpfe, die anderen haben meine Ideen und Visionen immer unterstützt. Die Plattenfirma würde es dagegen gerne sehen, wenn eine erfolgreiche Band immer wieder dasselbe tut. Das kann ich nicht, ich muss immer neue Wegen erforschen, Musik zu schreiben. Wenn die beiden Alben sich gut genug verkaufen, gibt es vielleicht auch die Möglichkeit zu Auftritten mit einem Orchester. Darüber gab es Gespräche mit unserem Management. «

Zwei deiner Mitmusiker verdienen sich als Lehrer an ihren Instrumenten Geld dazu. Hast du die Geduld und die pädagogischen Kniffe dazu?

»Nach dem Debüt habe ich auch einige Schüler, aber als es an das Komponieren von „Time“ ging, fehlte mir die Zeit dazu. Aber es war eine wertvolle Erfahrung, bei der ich auch noch etwas gelernt habe. Von den Verkäufen unseres Debüts konnte ich einige Jahre überleben, aber später musste ich dann auch die Errungenschaften des finnischen Sozialstaats in Anspruch nehmen. Faktisch bin ich arbeitslos. Ich habe meinen Lebensstandard einschränken müssen.«

Wirst du hektisch, wenn du bemerkst, wie dir die Zeit durch die Finger rinnt – oder noch fokussierter?

»Letzteres. Da bin ich Perfektionist.«

Hast du dafür Ballast abwerfen müssen – Hobbys, Freundschaften oder schlechte Angewohnheiten wie ein Dasein als Couch Potatoe?

»Viel Freizeit habe ich wirklich nicht. Ich gucke kaum noch Fernsehen und trinke auch viel weniger. Früher habe ich jedes Wochenende gesoffen. Jetzt vielleicht noch einmal im Monat. Auch auf Tour will ich das sehr stark einschränken. Konzerte machen viel mehr Spaß, wenn man keinen Kater hat. Alle paar Shows werden wir einen Aufenthalt in einem Gym buchen und vor den Gigs Push-ups machen. Vor der Tour werde ich mich körperlich gut vorbereiten, ins Fitnessstudio gehen und auch laufen.«

Siehst du dich in ein paar Jahren beim Marathon oder Iron Man?

»Nein, ich bin kein solcher Supermann wie Kai und auch Teemu. Die beiden sind diesbezüglich unglaublich.«

 

Den ergänzenden Interviewteil aus Ausgabe 307 findet ihr hier.

 

www.winmtermadness.net
www.facebook.com/wintersun

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