Online-MegazineInterview

OBSESSION

Kein böses Blut

OBSESSION

Neben dem Kutte-tragenden Maskottchen The Reaper ist Sänger Michael Vescera die personelle Konstante im Line-up der US-Metal-Veteranen OBSESSION. Während im „Smalltalk“ der Printausgabe (RH 306) das neue Album „Order Of Chaos“ – das zweite seit der Neuformierung – im Mittelpunkt steht, geht es im folgenden Interviewteil auch um die Bandgeschichte.

Michael, an dem Bandnamen OBSESSION muss etwas dran sein. Was fehlte dir Anfang des Jahrtausends, als du die Band wiederbelebt hast?

»Nach den Wiederveröffentlichungen unserer beiden Alben im Jahr 2000 gab es plötzlich wieder Interesse an der Band. Ich kontaktierte unseren alten Gitarristen Bruce Vitale schon damals und es gab Offerten für ein neues Album wie auch Konzerte. Bruce war allerdings zu sehr mit seinem Privatleben beschäftigt, so dass Drummer Jay Mezias und ich uns entschieden haben, neue Mitglieder zu suchen. Ich bereue daran auch absolut nichts, die aktuelle Besetzung ist unglaublich. Ich stehe immer noch mit allen Originalmitgliedern in Kontakt, es gibt kein böses Blut. Nach unserem Comeback-Album „Carnival Of Lies“ konnte Jay den steigenden Ansprüchen hinsichtlich Gigs und Aufnahmen nicht mehr nachkommen und verließ uns.«

Einige Zeilen im Titelsong eurer 1983er EP „Marshall Law“ lassen um dein Gehör bangen.

»Das muss nicht sein, ich hab zum Glück keinen Tinnitus oder sonstigen Gehörverlust. «

Würdest du eurem alten Manager Mike Taylor immer noch den Spitznamen „Not A Problem“ geben, oder hat er euch übers Ohr gehauen?

»Nein, auch mit ihm bin ich immer noch befreundet und nenne ihn so. Mike hat der Band damals sehr geholfen und uns weitergebracht. Die ganzen Soundtrack-Beiträge hatten allerdings Enigma/Capitol arrangiert.«

Die angesprochene EP enthielt nur einen Bruchteil des damaligen Songfundus von euch, zudem hattet ihr einen Beitrag auf dem zweiten „Metal Massacre“-Sampler. Warum dauerte es so lange, bis 1986 endlich das Debütalbum „Scarred For Life“ folgte?

»Nach „Marshall Law“ waren wir mit vielen Labeln in Kontakt und spielten wahnsinnig viele Shows. Dabei ist einfach zu viel Zeit draufgegangen.«

Werdet ihr nochmals altes Material erneut aufnehmen? Enthält die „Obsession“-Compilation von 2008 alle Outtakes und Raritäten aus eurem Archiv?

»Wir hatten für „Carnival Of Lies“ bekanntlich ein Update von `Marshall Law` aufgenommenes und es gibt immer noch unveröffentlichte Songs, Demos und Videomaterial, welches wir für ein mögliches Boxset zusammengetragen haben. Es besteht auch die Möglichkeit eines Livealbums, für das wir alte Songs in der neuen Besetzung einspielen. Aber hinsichtlich Studiomaterial möchte ich mich lieber auf frische Songs konzentrieren. Diese besagte Compilation wurde von Avalon Marquee nur in Japan veröffentlicht und sie repräsentiert OBSESSION mit den vielen experimentellen Songs nicht wirklich.«

Welche Mentalitätsunterschiede hast du in deiner langen Karriere bei der Arbeit mit amerikanischen, japanischen und europäischen Musikern festgestellt?

»Ich muss mich wohl als Nomade bezeichnen und fühle mich beim Musizieren mit Menschen von allen Kontinenten wohl. Wir sprechen weltweit die universelle Sprache der Musik und es ist ein großes Glück, mit so vielen Könnern international arbeiten zu dürfen.«

Hatte Roland Grapow dich gebeten, Masterplan beizutreten, nachdem Jorn Lande ausgestiegen war?

»Obwohl ich liebend gerne wieder etwas mit Roland auf die Beine stellen würde, war ich damals viel zu sehr mit anderen Projekten beschäftigt, um auch nur darüber nachzudenken.«

Du hast Animetal USA bereits angesprochen (siehe Interviewteil im Printheft). Bist du in deiner Zeit als Loudness-Sänger mit diesem Teil der japanischen Gegenwartskultur in Kontakt geraten?

»Genau, ich wurde Anime-Fan, als ich damals in Japan lebte, und die Faszination wuchs ständig. Als das Label mir anbot ein neues Projekt zu formieren, hatte ich die Idee einer Metal-Supergroup mit Könnern wie Chris Impelliteri, die auf den Spuren der japanischen Animetal-Metal-Cover von Titelmelodien aus dem Genre zockt. Mit Animetal USA können wir den Rest der Welt daran teilhaben lassen. Ich spreche und singe etwas in der Muttersprache dieser Kunstform, beherrsche das Japanische aber nicht fließend.«

Unter anderem in ´Cold Day In Hell´ finden sich im Solospiel zahlreiche klassische Verweise.

»John Bruno hat den angesprochenen Part geschrieben und er ist definitiv nicht Teil einer anderen Komposition, aber in seiner Machart klassischen Werken nachempfunden. Ich habe einige Songideen auf dem Piano geschrieben, vor allem Harmonien. Das Meiste entsteht aber auf der Gitarre.«

Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Würdest du mehr alte Freunde im Himmel oder der Hölle treffen?

»Ich bin keine extrem religiöse Person und habe keine Vorstellung, ob es so ein Leben nach dem Tod gibt. Aber ich hoffe  es doch. Ich neige doch eher zum Himmel und habe das Glück, weltweit viele tolle Freunde und Fans zu haben. «

 

Zum Interviewteil aus Ausgabe 306 geht es hier entlang.

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Pic: Jerry Angelica (Promo)