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SECOND RELATION

Interview mit der Demoband des Monats 12/12

SECOND RELATION

Zum ausgehenden Jahr 2012 hat es mit der österreichischen Prog-Metal-Combo SECOND RELATION und ihrem in Eigenregie veröffentlichten Album „Abiona“ nochmal ein echtes Highlight aufs Siegertreppchen in Sachen Demo des Monats geschafft. Im Interview standen uns Gitarrist Simon, Frontmann/Bassist Bastian sowie Drummer Michael bereitwillig und ausgiebig Rede und Antwort.

Euer zweites Album „Abiona“ ist schon fast ein Jahr auf dem Markt. Was hat sich seitdem in der Band getan?

Simon: »Ja, wir haben das Album im Oktober 2011 präsentiert. Die Zeit vor dem Release war natürlich eine sehr Intensive. Zum einen die fast zwei Jahre des Songwritingprozesses, zum anderen dann die Aufnahmen zum Album, welche wir zum Teil ja selber gemacht haben. Vier von uns haben dann im Oktober 2011 auch mit dem Studium begonnen, weshalb wir uns eine kreative Pause gegönnt haben. In der Zwischenzeit hatten wir ein paar wenige, dafür aber sehr coole Gigs in Vorarlberg und auch einen in Wien. Und seit dem Sommer schreiben wir wieder Songs und promoten „Abiona“ so gut es geht.«

Für eine Eigenproduktion fahrt ihr ein äußerst professionelles Level auf, was Sound und Technik angeht. Seid ihr auch von Studium oder Beruf her im Bereich Musik oder Studiotechnik unterwegs?

Simon: »Ja, zum Teil. Unser Gitarrist Julian arbeitet schon seit ein paar Jahren in einem Musikgeschäft in Götzis, unserer Heimatgemeinde. Bastian, Sänger und Bassist, und Daniel, Keyboarder, haben das Studium Musikpädagogik und Instrumentalmusik begonnen. Im Großen und Ganzen spielt Musik aber für jeden von uns eine große und wichtige Rolle und zwar schon von klein auf. Unser Schlagzeuger Michael und ich gehen, zumindest vom Studium her, in eine etwas andere Richtung.«

Steht ihr in dem Zusammenhang mehr auf digitale Effekte und E-Drumkit oder auf analoges, oldschooliges Equipment? Beides ist heutzutage ja sehr verbreitet.

Bastian: »Analoges Equipment, Synthesizer, usw. erleben derzeit eine Renaissance und es wird auch im Progressive-Rock-Bereich sehr gerne darauf zurückgegriffen. Wir für unseren Teil verwenden moderne Geräte, zum Beispiel das AXE-FX Ultra, mit dem der Aufnahmeprozess sehr vereinfacht wird und das eigentlich soundtechnisch alles hergibt, was das Gitarristenherz begehrt! E-Drumkit geht auf keinen Fall, da weigert sich Michael auch völlig zu Recht! Echte Instrumente und echte Klänge haben aber für uns großen Wert, deswegen verzichten wir nur ungern auf Akustikgitarre, Cello und Stimme.«

Insgesamt muss man euch dazu gratulieren, einen ziemlich persönlichen Stil gefunden zu haben, besonders was die Melange aus den getragenen Strophen und den vertrackten Rhythmen in den Instrumentalparts angeht. Welche Bands haben euch zu Anfangszeiten der Band inspiriert? Mir kamen beim Hören am ehesten Porcupine Tree, entspannte Opeth, oder auch Rishloo in den Sinn.

Bastian: »Da liegst du sicher nicht verkehrt, diese Bands gehören meiner Meinung nach in jedes CD-Regal und haben uns sehr inspiriert. Aber nachdem bei „Lynette“ jedes Review und jeder Kommentar mit dem Wort Opeth began, haben wir uns darauf konzentriert eigenständiger zu werden und das ist uns auf jeden Fall gelungen. Wir wollten kein Abklatsch dieser Überbands sein und klingen nun auf „Abiona“ etwas moderner, technischer und verzwickter. Wir haben uns von der ständigen Melancholie etwas entfernt. Andere nennenswerte Bands, die uns in letzter Zeit inspirieren (und ich beginne nicht bei Pink Floyd und King Crimson, denn dann könnte diese Liste sehr lang werden): Between The Buried And Me, Katatonia, The Faceless, Incubus, Radiohead, Jamie Cullum, Lars Danielsson Trio, Yaron Herman, ...«

Mögt ihr euch näher zum inhaltlichen Aufbau des Albums äußern? Ich las von einem dreiteiligen Konzept, das mir mangels einer vorliegenden CD im Augenblick nicht nachvollziehbar ist.

Bastian: »Das stimmt, die Geschichte wird in drei Kapiteln geschildert (Characters, The Bar, Friends and Success). „Abiona“ handelt von drei Charakteren, nämlich Stanley, Joseph und Abiona. Schauort ist die große Stadt mit einem kleinem Zentrum: der Bar. Die Bar ist ein geheimnisvoller Ort, Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Art. Abiona mit ihrer außergewöhnlichen Stimme und ihrem bezauberndem Auftreten ist der Kern der Bar, der eigentliche Anziehungspunkt und Grund für das rege Kommen und Gehen. Sie und Joseph erleiden in der Kindheit das selbe „tragische“ Schicksal. Sie sind in ein vaterloses Leben geboren und sehnen sich nach einem Gefühl der Geborgenheit, dass sie in ihrem Leben nicht kennen aber nicht missen wollen. Sie versuchen ihr Glück in der Stadt, aber dort erlischt ihr Feuer langsam und liegt zwischen den kahlen Mauern der Wolkenkratzer begraben. Stanley versucht sich ebenfalls in der Stadt und trifft auf den selbstlosen Joseph, der ihm hilft, sich zu orientieren. Im Gegensatz zu Joseph und Abiona hat Stanley hingegen in der Stadt gefunden, nach was er gesucht hat. Es ist eine enge Freundschaft, die sie aber mit der Zeit verbindet und das Leben lebenswert macht. Auf einer Welle des kurzfristigen Erfolgs wird Abiona jedoch von der Bar weggetragen und sie verliert den Anschluss zu den beiden. Stanley und Joseph denken wehmütig an den Kontakt mit Abiona zurück, sie glauben nicht mehr an eine Rückkehr. Einige Zeit später kehrt sie zurück. Sie sieht nun wieder klar und sucht Halt in der Bar bei ihren Freunden, jedoch steht sie vor geschlossenen Türen und von Joseph und Stanley ist keine Spur. Die Räume sind dunkel und leer, die Fensterläden geschlossen. Die Geschichte hört aber mit einem mutigen und selbstbewussten Atemzug auf, der verspricht dass Abiona wieder zurück zu ihren wahren Freunden findet. Deswegen würde ich sagen, dass man von einem Happy End sprechen kann. „I believe in you and me!“«

Steht „Abiona“ einfach für einen Namen, oder sollte der Titel noch anderweit interpretiert werden? Etwa in Relation zur Figur auf dem Coverartwork?

Simon: »“Abiona“ steht für die Hauptperson in unserem Album und somit auch für die Figur auf dem Coverartwork.«

Michael: »Dazu sollte man vielleicht wissen, dass wir uns mal an einem langweiligen Tag geschworen haben, alle unsere Alben (wer weiß wie viele es noch werden) mit Frauennamen zu betiteln. Wenn wir dann bei Jessica, usw. angekommen sind, wird es Zeit sich ein neues Konzept einfallen zu lassen, haha.«

Simon: »Jedenfalls ergab sich daraus dann einfach, dass auch die Lyrics unserer Songs von diesen Personen handelten. Das Artwork ist übrigens von Johanna Berchtold, Bastians Schwester, gemalt und gibt unserem Album das absolut richtige Flair.«

Eine Frage, die nicht ausbleiben kann: Wie sieht's ab 2013 mit Live-Auftritten in unseren Breitengraden aus?

Simon: »Leider sieht es mit Live-Auftritten zur Zeit eher schlecht aus – in näherer Zukunft ist noch nichts geplant. Es ist ziemlich schwierig für uns, da wir alles selber organisieren müssen und somit auch aufgrund mangelnder Kontakte wenige Möglichkeiten finden in angesagten Locations coole Konzerte zu spielen. Sollte also jemand noch eine Band für ein Konzert suchen: bitte meldet euch!«

Zum Abschluss eher was lustiges: Wie kam es dazu, dass ihr 2011 mit Dragonforce aufgetreten seid? Während eure Mucke schon ernsthaft ist, sind Dragonforce zwar technisch anspruchsvoll, aber auch albern.

Bastian: »Das war witzig: Es war ein richtig langweiliger Sonntag, da hat mich Herman Li angerufen, und gefragt ob wir Lust hätten, sie zu supporten. Ich hab ihn am Telefon kaum verstanden, da er im Hintergrund mit der einen Hand Tapping geübt hat. Eigentlich hatte ich ja schon was vor, aber das habe ich dann für ihn abgesagt! (lacht)«