Online-MegazineInterview

THE HOLLOW

Interview mit der Demoband des Monats 12/11

Die Nürnberger THE HOLLOW haben mit „Meaning vs. Shine“ bereits ihre zweite EP veröffentlicht und erfreuen uns darauf mit modernem Progressive Metal, der trotz vertrackter Rhythmik gut ins Ohr geht und gleichmäßig zwischen zerbrechlichen, bombastischen und harschen Momenten hin und her pendelt. Damit sind sie bei uns Demo des Monats in Ausgabe 295 geworden, und das ist für uns Grund genug, der Truppe mal im Interview ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Fangen wir mit der Frage nach euren Einflüssen an. Boris hat in seinem Review Parallelen zu Mayfair gezogen. Seid ihr von ihnen beeinflusst? Und wer hat euch sonst beeinflusst?

»Nein, Mayfair zählen nicht zu unseren Einflüssen. Um ehrlich zu sein, hatten wir bis zu dieser Review noch nie etwas von den Herren gehört. Nichts für ungut, Jungs! Auf jeden Fall werden wir uns jetzt erst einmal näher mit dieser Band beschäftigen.
Da jeder von uns musikalisch aus einer anderen Ecke kommt, ist es schwer genaue Einflüsse zu finden. Wenn wir aber Haupteinflüsse nennen müssten, wären Bands wie Thrice, Tool, A Perfect Circle, Deftones oder Porcupine Tree definitiv in den Top 20.«

Beschreibt bitte kurz die wichtigsten Stationen eurer Bandgeschichte!

»Da wäre wohl auf jeden Fall das Emergenza-Bandfestival 2008 zu nennen, welches es uns ermöglichte, zweimal in den Luxus einer großen Bühne sowie zahlreicher Besucher zu kommen. Dort kamen wir, trotz unserer etwas sperrigen Musik immerhin bis ins Stadtfinale, worauf wir noch immer ziemlich stolz sind.
Darüber hinaus sind es ganz klar die Aufnahmesessions sowie Release-Gigs zu den einzelnen EPs, die uns nicht nur einiges abverlangt, sondern uns als Band noch weiter zusammengeschweißt haben. Dazu gesellt sich noch das von uns selbst organisierte „Frantic Force Festival“ in Nürnberg, welches hoffentlich in naher Zukunft reaktiviert wird.«

Musikalisch habt ihr auch definitiv einen Core-Einschlag, aber auch Alternativ-Elemente und natürlich Metal. In welchem Genre seht ihr euch selbst?

»Bandintern herrscht noch immer Uneinigkeit darüber, was für einen Stil wir jetzt tatsächlich spielen. Es ist heutzutage auch müßig geworden, Bands in Schubladen zu stecken, da es inzwischen einfach viel zu viele solcher Kategorien gibt. Wir machen uns da ehrlich gesagt auch nicht so viele Gedanken drüber. Wenn wir drauf los komponieren, kann es mal nach Core klingen, mal nach Alternative, aber auch genauso poppig. Am Ende kommt dabei etwas raus, das uns entweder gefällt oder verworfen wird. Aus welchen Stilrichtungen sich das Gebilde zusammensetzt, ist uns dabei nicht wichtig. Es gibt verzerrte Gitarren, also nennen wir das Ganze jetzt einfach mal ROCK!«

Definiert bitte den Begriff „Progressivität“ auf Musik bezogen!

»Progressivität bedeutet für uns, neue Wege einzuschlagen, eine musikalische Geschichte zu erzählen, ungewöhnliche Songstrukturen auszuprobieren und wild mit den bestehenden Musikstilen zu experimentieren.«

Ihr seid eine Viererbesetzung ohne zweite Gitarre. Würde eine zweite Gitarre euren Sound noch erweitern können?

»Wir verzichten bewusst auf eine zweite Gitarre, um transparentere Strukturen und mehr Raum für die ambivalenten Vocals zu schaffen. Eigentlich planen wir eher, elektronische Instrumente in unser Material zu integrieren, um weitere, neue Atmosphären schaffen zu können.«

Kommen wir zum Titel „Meaning vs. Shine“, also Schein vs. Sein. Wo seht ihr die größten Unterschiede zwischen Schein und Sein?

»Im Grunde ist dieser Titel eine Abrechnung mit der Medienlandschaft, speziell der Werbung/Werbebranche. Als Hauptproblem sehen wir da die Konsumgeilheit der Gesellschaft und das Verlangen, sich durch obskure, materielle Statussymbole eine innere Zufriedenheit zu erkaufen. Dieses Verlangen wird aber auch quasi rund um die Uhr geschürt – „this room is filled with things I don´t need and still you´re fueling my greed!“«

Im Opener 'Products' heißt es: „Ich werde euch mit allem speisen, was ihr benötigt, und sogar mehr.“ Ein Kommentar zur Konsumgesellschaft?

»Dieser Song zielt eher auf militärisches Wettrüsten und den Trugschluss ab, sich durch Waffen Sicherheit zu erkaufen. Solange die wohlhabenden Kriegstreiber dieser Welt massenhaft Geld und Truppen investieren, braucht sich die Bevölkerung keine Sorgen zu machen. Ironie off.«

Wie steht ihr zur Pay-To-Play-Diskussion? Habt ihr schon für Auftritte bezahlen müssen?

»Schwer zu beantworten, da hier viele Aspekte (z.B., welche Band zu supporten ist, Kosten, „Benefit“ für uns, usw.) eine Rolle spielen. Leider muss eine (funktionierende) Band heutzutage mit einem Unternehmen verglichen werden, das sich selbst tragen muss. Dadurch geht oftmals viel Kreativität und Eigenständigkeit verloren. Es ist ja teilweise so, dass man sich und seinen Stil umkrempeln lassen muss, da man sonst Gefahr läuft, trotz guten Materials keinen Vertrag bzw. keine Aufmerksamkeit zu bekommen. Grundsätzlich hat für uns Pay-To-Play einen faden Beigeschmack.
Denken wir jedoch zum Beispiel an unseren Erfolg beim Emergenza Festival, was ja eigentlich eine Light-Version dieses Prinzips darstellt, hat es uns schon etwas gebracht. Dadurch hat man mal einen Einblick in professionelle Bandarbeit, den Aufwand, Promotion, etc. erhaschen können.«

Gibt es Bands, mit denen ihr unbedingt mal auf Tour gehen wollt?

»Grundsätzlich könnten wir da sofort auf deine zweite Frage verweisen. Sehr gerne würden wir auch mit der Band Disillusion aus Leipzig spielen, da sowohl „Back To Times Of Splendor“ als auch „Gloria“ fantastische Alben sind, die nicht nur uns sondern, auch unsere Art zu komponieren beeinflusst haben. Natürlich wären wir auch bei Bands wie Long Distance Calling oder Mastodon nicht abgeneigt.«

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

»Da wir uns gerade mitten in der Phase des Songwritings befinden, ist es natürlich unser größter Wunsch, ein verdammt gutes Album aufzunehmen, welches uns vielleicht nach dem „Demo des Monats“ sogar den Titel „Album des Monats“ in Eurem Magazin bescheren kann. Auf jeden Fall werden wir weiter Musik machen, die in erster Linie uns selbst gefällt, denn Eigenständigkeit muss sein.«

 

www.myspace.com/thehollowmusic