Online-MegazineInterview

ADRIAN WEISS

Interview mit der Demoband des Monats 10/14

ADRIAN WEISS

Ausnahmegitarrist Adrian Weiss hat mit seinem zweiten Soloalbum „Easy Game“ wieder so gut abgeliefert, dass es, genau wie schon der Vorgänger „Big Time“ im Januar 2012, zum Demo des Monats gekürt wurde. Bei Altbier und Sonnenschein traf sich Rock Hard mit dem gebürtigen Düsseldorfer zum Interview.

Adrian, dein Album „Easy Game“ ist das Demo des Monats im Rock Hard! Das ist für dich schon die zweite Auszeichnung dieser Art. Wie hast du die News aufgenommen?

»Ich hab mich natürlich wieder tierisch gefreut! Man fragt sich immer, wie ein Magazin wie das Rock Hard eine Instrumentalplatte aufnimmt. „Easy Game“ ist jetzt nicht unbedingt das, was man unter einer typischen Metal-Platte versteht. Aber ich weiß, dass gerade in Person von Boris Kaiser ein Redakteur da ist, der auch in diesem Musikbereich sehr interessiert ist und dass die Platte wohlwollend gehört wird.«

Wie unterscheiden sich deine Alben „Big Time“ und „Easy Game“ voneinander?

»Meine erste Soloplatte war der Versuch, ein Album zu machen, das etwas unkonventionell ist. Ich hatte tatsächlich gar keine Band als ich ins Studio gegangen bin. Ich hatte nur die Songs vorproduziert, so dass der Produzent wusste, was ich machen möchte, aber ich hatte im Grunde keinen Schlagzeuger, keinen Bassisten. Sprich, ich hatte nur mich selbst und meine Songs. Wir haben uns dann von Song zu Song gehangelt. Glücklicherweise war der damalige Produzent auch Schlagzeuger und hat einiges eingespielt. Letztlich hatte ich auf dem ersten Album sieben verschiedene Bassisten, ganz viele verschiedene Gastgitarristen - die Organisation war chaotisch. Deswegen hat es sehr lange gedauert, das Album aufzunehmen. Aber das macht auch irgendwie den Charme der Sache aus und die Platte klingt trotzdem ziemlich homogen. Bei „Easy Game“ war das ganz anders. Ich hatte eine feste Band in kleiner Besetzung, Schlagzeuger, Bassist und ich, und wir haben uns sehr gut darauf vorbereitet. Dazu kommt noch, dass der Schlagzeuger nur wenige Proben brauchte, um die Songs zu lernen und alle Drumparts einzuspielen, so dass ich ziemlich schnell danach loslegen konnte. Es lief wirklich organisiert und durchgeplant und wir waren nach wenigen Monaten fertig. Das ist auch ein Grund, warum ich die Platte „Easy Game“ genannt habe. Weil es im Gegensatz zur Aufnahme von „Big Time“, die fast drei Jahre gedauert hat, einfach lief. „Easy Game“ wurde als Band produziert. Klanglich liegt beim neuen Album der Schwerpunkt wieder ein bisschen mehr auf Metal. „Big Time“ hatte einen geringeren Metal-Anteil, dafür viel mehr diesen Weltmusik-Touch. Es gab viele Akustik-Gitarren, Stücke auf denen keine einzige verzerrte Gitarre zu hören ist, atmosphärisch-schöne Stücke, wie 'Summer Drive'. Solche Stücke gibt es auf „Easy Game“ eher nicht. Da ist das Arrangement etwas reduzierter und es geht bei einigen Liedern sehr viel härter zu. Ich würde sagen, die Stücke sind etwas ausgereifter als auf „Big Time“.«

Wie entstehen deine Songs? Von der Anfangsidee bis zur Produktion. Gibt es ein Rezept, an das du dich hältst, oder passiert das eher spontan?

»Rezept würde ich nicht direkt sagen, aber es gibt zwei Möglichkeiten, wie ich einen Song schreibe. Möglichkeit 1: Ich hab ein relativ einfaches Riff, das gut klingt. Das programmiere ich dann mit meinem Sequencer und spiele dazu Gitarre, bis ich eine Melodie habe, die dazu passt. Eigentlich reichen mir für einen Song ja schon zwei oder drei Grundmelodien, dann baue ich den Rest zusammen, übertrage das auf mein 8-Spur-Gerät und nehme die Gitarren dazu auf. Das läuft also eher organisch ab als überanalysiert. Möglichkeit 2: Bei „Easy Game“ fiel mir auf der Arbeit eine Melodie ein, die ich dann in ein Diktiergerät gesungen habe, um sie nicht zu vergessen. Für mich ist jedoch die erste Variante einfacher, da ich es leichter finde, von Riff auf Melodie zu schließen als umgekehrt.«

Nach welchen Kriterien benennst du deine Songs?

»Bei „Big Time“ musste ich mir vor Vollendung der Platte überlegen, wie ich die Songs denn nennen wollte. Also habe ich mir die Stücke nochmal angehört und mich gefragt, was ich damit verbinde. Das ging relativ einfach, weil die Platte sehr schöngeistig und positiv ist. Bei „Easy Game“ hingegen sind die Songtitel passend zur Musik etwas düsterer und bedrohlicher. Zum Beispiel 'Awkward Silence', 'Immediate Measures', 'The Last Days'. Für „Easy Game“ hatte ich mir aber auch schon vorsorglich eine Liste mit Titeln und Phrasen gemacht, über die ich vorher gestolpert bin. Wenn man Musik ohne Texte macht, ist man zwar bei der Wahl des Titels relativ frei, aber trotzdem muss der Titel natürlich zum Song passen.«

Was ist dein Lieblingsong auf „Easy Game“ und warum?

»Eigentlich würde ja jeder Musiker am Liebsten gleich alle Lieder des neuen Albums als die Lieblingssongs verkaufen wollen... Für mich gibt es drei Stücke, die ich besonders gut gelungen finde, und das sind 'Camel's Dance', 'Aim To Please' und 'Instant Relief'. Ich finde, dass diese Songs das Wesentliche am Schnellsten herüberbringen. Bei 'Camel's Dance' war ich mit der Vorproduktion unzufrieden, aber bei den Aufnahmen hatte ich spontan die richtigen Ideen, die den Song genau so gemacht haben, wie ich ihn eigentlich haben wollte. Obwohl der Song eine orientalische Schwere und Ernsthaftigkeit hat, geht 'Camel's Dance' ziemlich ab und rockt einfach.«

In der Rock-Hard-Rezension zu „Easy Game“ wird lobend erwähnt, dass alle Instrumente eingespielt wurden. Wie wichtig ist dir das?

»Sehr wichtig! Vor allem liegt das daran, dass ich viel zu faul bin, einen Drumcomputer zu programmieren. Man kann mit dem Drumcomputer arbeiten, und das auch sehr gut machen, aber es ist unheimlich aufwändig. Man muss die Dynamik bearbeiten, die Samples sorgfältig aussuchen, damit es auch wirklich nach einem Schlagzeug klingt. Außerdem habe ich das Glück, in meiner Musikerkarriere viele gute Schlagzeuger kennengelernt zu haben. Zum Beispiel Lars Zehner, der die Platte mit Begeisterung eingespielt und dabei einen wahnsinnig guten Job gemacht hat. Den Bass kann man auch programmieren, aber auf „Easy Game“ hat das Marcel Willnat (Forces At Work) übernommen. Mir war vor den Aufnahmen klar, dass ich zwei Leute brauche, die sich auch selbst mit einbringen und die Sache zum Leben erwecken. Ich habe zwar meine Melodien und Riffs, aber ich brauche eben eine Rhythmussektion, damit es richtig funktioniert. Man könnte das zwar alles programmieren, aber das wäre einfach eine ganz andere Art von Album.«

Wie auf deinem ersten Album gibt es auch auf „Easy Game“ Gastmusiker. Wer ist dieses Mal zu hören und was kann jeder Einzelne einbringen?

»Dieses Mal haben die Gastmusiker, wie es eigentlich üblich ist, alle Gastsoli geliefert. Einige stammen von früheren oder aktuellen Bandkollegen, zum Beispiel von Thought Sphere, aber auch Forces At Work oder Gloryful. Demian Heuke, der auch auf „Big Time“ schon zu hören war, hat fünf Soli eingespielt. Christian Münzner (ex-Obscura, ex-Necrophagist) spielt ein Solo auf 'Hacienda', was mir eine große Ehre war. Sein Solo verleiht dem Song eine ganz neue Facette. Eher aus dem Jazz-Fusion-Bereich kommt Thorsten Praest, der, wie Jens Krüger, für 'Second Sunrise' ein Solo eingespielt hat. Auf 'Offbeat Frankenstein' sind meine neuen Bandkollegen von Gloryful, Vito Papotto und Jens Basten, zu hören, die eine Doppelmelodie spielen, die man als Highlight des Songs bezeichnen kann. Manuel Franken, der 'Offbeat Frankenstein' geschrieben und mir zur Verfügung gestellt hat, hat ebenfalls die Rhythmusgitarren eingespielt und auch Jens Schäfer (Thought Sphere) und Mischa Lenz (Forces At Work) steuern dem Song ausgefallene Soli bei. Produzent Tim Schulte war hier zusätzlich auch für den Bass zuständig. Zu guter Letzt ist da mf-c, der den Fretless Bass auf 'Night Owl' spielt. Natürlich werden die Stücke durch die Gastauftritte bereichert, aber da Soli sehr persönlich sind, muss man Gastmusiker haben, die es vermögen, das eigene Solo in den Song zu integrieren. Und dieses Glück hatte ich bei „Easy Game“.«

Das „Easy Game“-Artwork ist wirklich gelungen und zeigt dich unter anderem im Büro mit Gitarre und Kaffeetasse. Was hat es damit auf sich?

»Das Artwork stammt von Björn Gooßes von den Killustrations, der auch das „Big Time“-Cover entworfen hat. Er hat mich nach meiner Grundidee für das Album gefragt, den Rest hat er übernommen. Nachdem ich ihm die Story mit dem Geistesblitz im Büro und dem Diktiergerät erzählt hatte, kam er auf die Idee, das Cover als eine Art Hommage an mein Doppelleben als Rockstar und Büroangestellter zu gestalten. Ich finde, die Verbindung des Morbiden in Björns Stil mit dem Bürothema ist besonders gut gelungen.«

Welche Bands oder Künstler beeinflussen dich? Welche waren dir früher, welche sind dir heute wichtiger?

»Gute Frage, das frage ich mich nämlich auch oft. Ich habe eine grundsätzlich klassische Prägung genossen, da meine Eltern sehr auf eine musikalische Früherziehung bedacht waren. Ich habe mit fünf Jahren angefangen, Geige zu spielen und hatte klassischen Geigenunterricht, auch Theorie, aber das habe ich eher halbherzig gemacht. Mit ungefähr 15 habe ich Die Toten Hosen, AC/DC, Guns N' Roses, und Metallica entdeckt. Diese Art Musik hat mich richtig berührt und ich habe verstanden, warum Leute gern Musik machen. Die Idee, mit einer E-Gitarre auf der Bühne zu stehen, war für mich einfach total attraktiv. Und sie ist es noch, mehr will ich gar nicht. Ich habe mich dann mit der Zeit immer mehr auf Progressive Metal spezialisiert, zum Beispiel das frühe Material von Annihilator. Irgendwann kam dann das große Erwachen mit Dream Theater und ich habe jahrelang nur noch Dream Theater gehört. Auch Helloween waren für mich eine sehr prägende Band. Steve Vai und Joe Satriani hab ich mir natürlich auch immer wieder angehört. Ebenso verschiedene Fusion-Gitarristen wie Greg Howe. Aktuell beeindruckt mich Christian Münzner sehr und auch Slash bewundere ich immer noch.«

Seit Mai diesen Jahres bist du Mitglied der Band Gloryful. Wie kam es dazu und was gibt es da zu erwarten?

»Die Band wurde vor drei Jahren gegründet und hat in kürzester Zeit richtig losgelegt, so dass schnell klar wurde, dass es live öfter mal Engpässe geben würde, weil nicht beide Gitarristen immer alle Shows spielen konnten. Also haben Gloryful auf Facebook einen neuen Gitarristen gesucht und sind dabei auf mich gestoßen. Die Musik bringt mich wieder zurück zu meinen Wurzeln im klassischen Heavy Metal und ich dachte mir, es wäre mal wieder schön, in so einer Band zu spielen. Letztes Jahr habe ich dann schon einige Konzerte mit Gloryful gespielt und alles hat gut funktioniert, sowohl auf der musikalischen, als auch auf der persönlichen Ebene. Im Mai wurde ich dann festes Mitglied der Band und wir haben ein paar Festivals gespielt, zum Beispiel das Metalfest, Out & Loud, Dong und viele Clubgigs. Wir werden demnächst anfangen, die nächste Platte zu schreiben, auf der ich dann als Leadgitarrist zu hören sein werde. Für mich als Undergroundler ist es klasse, auch mal die andere Seite zu erleben.«

Was ist dir lieber, live spielen oder im Studio arbeiten?

»Letztlich muss man schon sagen, dass es nichts Geileres gibt als live zu spielen. Wenn man im Studio eine Platte aufnimmt, gibt es natürlich auch schöne Momente. Zum Beispiel wenn man merkt, dass etwas funktioniert, wenn man ein Ergebnis bekommt. Aber Studioarbeit ist eben im Wesentlichen einfach Arbeit. Ein Konzert zu spielen – obwohl es auch mit viel Arbeit und Aufwand verbunden ist – ist hingegen einfach ein Erlebnis. Dieses Jahr gab es für mich bei Shows einige Momente in denen ich dachte: „Genau deswegen mach ich das!“«

Was hast du für die Zukunft geplant? Wie sieht es mit einem Plattenvertrag aus?

»Mit Gloryful sind wir bei Massacre Records und es kommt bald die nächste Platte. Bei meiner Sologeschichte habe ich erst gar nicht versucht, ein Label zu finden, weil ich nicht glaube, dass das Interesse da ist. Außerdem gibt es mittlerweile sehr viele Möglichkeiten, Alben auf dem Independent-Weg zu veröffentlichen, so dass ich mir wegen Verträgen gar keinen Kopf mache. Das funktioniert so eigentlich sehr gut und die Reaktionen und Reviews sind durchweg positiv.«

Die letzten Worte gehören dir!

»Vielen Dank an alle, die zur Entstehung der Platte beigetragen haben! Ohne die es nicht möglich gewesen wäre, das Album in dieser kurzen Zeit aufzunehmen. Tim Schulte mit der Produktion, meine Band Lars und Marcel, alle Gastmusiker, Björn für das Cover und Eroc für die Hilfe beim Mastering. Vielen Dank auch an Rock Hard! „Easy Game“ gibt es überall zu bestellen. Bei Bandcamp (Link: adrianweiss.bandcamp.com) kann man sich die Tracks anhören und dann als Download erwerben. Außerdem ein ganz wichtiger Konzerttipp: Am 05. Dezember spiele ich mit Christian Münzner zusammen im Pitcher in Düsseldorf. Die Adrian Weiss Band zusammen mit der Christian Münzner Band und einem Special Guest. Kommt vorbei für ein Gitarrenspektakel sondergleichen!«

 

Termine:

Adrian Weiss Band 05.12.14 Düsseldorf – Pitcher (mit Christian Münzner Band + Special Guest)

Gloryful: 14.11.14 Oberhausen - Turbinenhalle (mit Powerwolf und Majesty)

 

www.adrianweissmusic.de

www.facebook.com/pages/Adrian-Weiss-Guitarist/215278065172403

 

Pics: Björn Gooßes (Promo)

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