Online-MegazineInterview

AFTER ALL

Interview mit der Demoband des Monats 10/11

Die belgischen Thrasher von AFTER ALL sind schon längst keine Unbekannten mehr. Nichtsdestotrotz sind sie mit ihrer EP „Becoming The Martyr“ in unserer aktuellen Ausgabe zur Demoband des Monats gekürt worden. Grund genug um den Jungs ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Gitarrist und Gründungsmitglied Dries van Damme steht uns Rede und Antwort:

Als erstes eine grundlegende Frage: Was steht hinter dem Titel „Becoming The Martyr“? Ist es eine politische oder sogar religiöse Aussage, oder versteht ihr euch eher als “Märtyrer des Metal”?

Die Lyrics des Titelsongs handeln von jemandem, der sich für eine größere Sache opfert. Wenn man sich den Text durchliest, ist im ersten Moment nicht klar, ob man ihn wortwörtlich zu nehmen hat oder nicht. Der Song reflektiert auch keine politischen oder religiösen Ansichten. Und wir sehen uns schon gar nicht als Märtyrer des Metal. Das wäre viel zu kitschig für uns. Da muss ich glatt daran denken, dass Joey DeMaio irgendwann mal zu Götz meinte, dass er bereit wäre für Metal zu sterben. Das fand ich echt lustig.«

Ihr habt für die Scheibe zusammen mit Dan Swanö von den schwedischen Unisound Studios gearbeitet. Wie habt ihr ihn kennengelernt und wie lief eure Zusammenarbeit?

»Wir waren schon immer große Fans von Dan`s Arbeit, sowohl als Musiker als auch als Produzent. Ich habe ihn vor Jahren kennengelernt, zu dieser Zeit arbeitete er jedoch nicht als Produzent. Wir haben über die Jahre mit vielen guten Produzenten wie Harris Johns, Fredrik Nordström und Tue Madsen gearbeitet, aber Dan hatten wir irgendwie immer im Hinterkopf. Bei unserem letzten Album “Cult Of Sin” haben wir dann endlich mit ihm zusammenarbeiten können – das Ergebnis war die beste Produktion, die wir jemals hatten. Demnach war es für uns klar, dass wir für die neue Promo und das nächste Album, welches 2012 erscheinen wird, mit Dan zusammenarbeiten werden. Seine Produktionen sind sehr heavy und direkt, aber trotzdem offen. Man kann jedes Detail und jedes Intrument sehr gut raushören. Genau danach haben wir gesucht.«

AFTER ALL ist eigentlich ja keine “Demoband” mehr. Ihr habt in den letzten 20 Jahren sieben Alben und mehrere EPs veröffentlicht. Nun steht ihr jedoch mit „Becoming The Martyr“ ohne Label da. Seid ihr auch eine von den Bands, bei denen es immer Trouble mit den Labels gibt?

»Nicht wirklich. Die letzten drei Alben sind alle auf Dockyard1 in Europa beziehungsweise auf Locomotive Records in den USA erschienen. Beide Labels sind jedoch Pleite gegangen, weswegen wir natürlich keinen neuen Deal bekamen. Im Sommer 2010 haben wir dann von Overkill die Einladung bekommen auf der Killfest-Tour 2011 mitzuspielen. Daraufhin entschieden wir uns ‘Becoming The Martyr’ als Independent-EP zu veröffentlichen, zum einen um diese an verschiedene Labels zu verschicken, aber auch um eine Scheibe mit ein paar neuen Songs auf der Tour anbieten zu können.«

In den letzten Jahren wart ihr neben OVERKILL auch mit Bands wie ANTHRAX, DESTRUCTION, FEAR FACTORY, KING DIAMOND oder STONE SOUR unterwegs. Welche waren die verrücktesten Situationen, die ihr erlebt habt? Kannst du uns ein paar Anekdoten erzählen?

»Es gibt so viele Geschichten, die ich erzählen könnte. Einige sind einfach nur dumm, wie zum Besipiel die Story, als uns irgendwo auf der Autobahn in Deutschland plötzlich der Sprit ausging – das passierte sogar schon zweimal – oder noch schlimmer, als wir in London mal Benzin statt Diesel getankt haben, oder als uns unser Bus mitten in Norwegen bei minus 20 Grad im Stich gelassen hat. Wir haben es auch schon hinbekommen, die Fähre von Talinn nach Helsinki zu verpassen, was dazu führte, dass wir erst fünf Minuten, bevor unsere Show losgehen sollte, im Club angekommen sind. Mit King Diamond ein bisschen rumzuhängen, war echt cool. Genause wie die Partys mit Candlemass und Destruction, oder die drei Tage Tourpause mit Agent Steel in Griechenland. Das verückteste waren aber zwei Fans in England, die uns ihre AFTER ALL-Tattoos zeigten. Das war echt beeindruckend.«

Viele junge Bands geben nach ein paar Jahren auf, wenn sie bemerken, dass sehr viel harte Arbeit dahinter steckt, um erfolgreich zu sein. Wo nehmt ihr eure Energie her um über so viele Jahre durchzuhalten?

»Es kommt darauf an, wie man Erfolg definiert. Wir haben immer einen Schritt nach dem anderen gemacht. Mittlerweile haben wir sieben Alben und sieben EPs herausgebracht, sind mit einigen unserer Lieblingsbands durch ganz Europa getourt und haben auf Festivals wie dem Graspop, dem Keep It True oder den Metal Dayz gespielt. Wenn man das mal alles zusammen betrachtet, kann man uns durchaus als erfolgreiche Band bezeichnen. Unser Ziel ist es, die Band am Laufen zu halten und einfach eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Erfolg hat für uns nichts mit Geld zu tun. Natürlich müssen wir trotzdem schauen, dass genug Kohle dabei rumkommt, um die nächste Scheibe oder Tour klar zu machen.«

Wie hat sich euer Stil über die letzten Jahre enwickelt? Kamen durch eure neuen Mitglieder Sammy Peleman (Vocals) und Frederik Vanmassenhove (Bass) auch neue Einflüsse in die Band? Und wie waren die Reaktionen eurer Fans vor allem auf euren neuen Frontmann?

»Als wir vor etwa 20 Jahren begannen Musik zu machen, waren wir eine sehr harte und schnelle Thrash-Band. In den Neunzigern haben wir ein wenig rumexperimentiert und auch andere Stile ausprobiert – vor allem auf unserem ersten Album. In den letzetn 10 Jahren sind wir aber wieder zu unseren Thrash-Metal-Wurzeln zurückgekehrt. Der Beitritt von Sammy und Frederik war im Endeffekt auch nur eine logische Konsequenz dieses Prozesses. Die Stimme von Sammy hat die Qualität unserer Musik immens gesteigert. Er verbindet eine klassische High-Pitch-Metal-Stimme – manche Leute vergleichen ihn mit John Cyriis und Geoff Tate – mit einer eher modernen Herangehensweise. Bevor Frederik bei uns einstieg, spielte er Bass bei Aborted und bringt daher eine extra Portion Heaviness mit. Die Reaktionen auf das neue Line-up waren bisher überwältigend. Die beiden sind für die Band eine Bereicherung und bringen uns einen großen Schritt nach vorne. Genau so habe ich mir den Sound von After All immer vorgestellt.«

Warum haben eure alten Kollegen die Band verlassen?

»Dafür gab es mehrere Gründe, sowohl persönliche, als auch berufliche. Sich überschneidende Terminpläne, verschiedene Prioritäten, solche Sachen halt.«

Deutet „Becoming The Martyr“ bereits die Richtung an, in die es auch mit dem nächsten Album gehen soll?

»Auf jeden Fall! Im Endeffekt haben wir die EP gemacht, um den Labels zu zeigen, wie das neue Line-up klingt und wie heavy die neuen Songs sind. „Becoming The Martyr“ ist nur in einer sehr begrenzten Stückzahl erhältlich, so dass wir vielleicht sogar einige Songs von der EP mit auf Album packen werden.«

Wie sieht eure Zukunft aus? Gibt es Pläne für eine weitere Tour? Wann können wir euch wieder in Deutschland sehen?

»Priorität hat für uns jetzt erstmal die Veröffentlichung unseres nächsten Albums. Im März diesen Jahres, während unserer Tour mit Overkill, kamen ein paar Label-Leute vorbei um sich uns mal anzuschauen. Uns liegen jetzt mehrere Angebote vor. Wir sind eigentlich sogar schon kurz davor bei einem großen, sehr bekannten Metal-Label zu unterschreiben. Mehr kann ich noch nicht verraten, aber falls es klappt, wäre es für uns ein riesiger Schritt. Und sobald das Album erschienen ist – hoffentlich im Frühjahr 2012 – werden wir auch für ein paar Shows wieder nach Deutschland kommen.

Weitere Infos und News von AFTER ALL findet ihr auf www.afterall.be und www.myspace.com/afterallmetal