Online-MegazineInterview

CARRION MOTHER

Interview mit der Demoband des Monats 09/2013

CARRION MOTHER

„Kurz und knapp“ - mit diesem Leitspruch ist man bei der Doom-Combo CARRION MOTHER definitiv an der falschen Adresse. Die Regensburger stellten mit „Koronis“ ein Debüt fertig, auf dem kein Song die Spielzeit von dreizehn Minuten unterschreitet – und staubten dank ihres Mutes zur Langsamkeit den Titel „Demo des Monats“ in unserer September-Ausgabe ab. Höchste Zeit, den Jungs mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Herzlichen Glückwunsch, eure Scheibe „Koronis“ wurde in der September-Ausgabe des Rock Hard zum Demo des Monats gekürt. Überrascht? Oder habt ihr schon däumchendrehend abgewartet, wann es endlich soweit ist?

CM: »Wir haben uns sehr darüber gefreut und waren überrascht. Es hat allerdings einige Zeit gedauert, bis wir uns mit der Promotion befasst haben, von daher sind wir umso glücklicher, dass unser Zeug jetzt doch noch an die Leute kommt.«

Gegründet habt ihr CARRION MOTHER 2011, euer Demo erblickte im September 2012 das Licht der Welt. Wie habt ihr als Band zusammengefunden? Kanntet ihr euch schon vorher?

CM: »Wir sind schon länger miteinander befreundet und kommen alle aus Regensburg. Früher haben die meisten von uns in diversen Bands gespielt und wir haben uns schließlich zusammengefunden, nachdem wir die Langsamkeit für uns entdeckt haben.«

Was steckt eigentlich hinter eurem Bandnamen CARRION MOTHER? Ein klassischer Name für eine Metalband ist das ja nicht unbedingt.

CM: »Der Name ist nach längerem Brainstorming entstanden und beschreibt wie wir klingen: „Carrion“ als Ausdruck der kalten, rohen, toten Aspekte unserer Musik, „Mother“ dagegen als Sinnbild für Leben, Geborgenheit und Wärme, was wir klanglich genauso abdecken. Gerade solche Gegensätze finden wir sehr spannend.«

Den musikalischen Stil von CARRION MOTHER mit einem Wort zu beschreiben, ist ja beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Doom-Metal, Experimental und Post-Hardcore sind nur einige der Schubladen, in die man euch stecken könnte, wenn man denn wollte. Wo sieht die Band sich selbst? Wo liegen eure Einflüsse?

CM: »Man könnte da sicher einige Bands nennen. Aber im Prinzip nimmt man jedes Mal, wenn man etwas Inspirierendes hört oder sieht, ein Gefühl mit. Dieses Grundgefühl setzen wir dann um und es entsteht ganz automatisch etwas Eigenes, da muss man sich gar nicht groß anstrengen.
Ansonsten hört jeder von uns andere Genre intensiver, dadurch entstehen unterschiedliche Einflüsse auch von selbst.«

Auf „Koronis“ finden sich zwar „nur“ drei Songs, trotzdem hat das Demo aber eine Laufzeit von satten 48:36 Minuten. Kürzer als dreizehn Minuten ist keiner eurer komplexen Tracks. Pure Absicht, oder hat sich das beim Songwriting einfach so ergeben? Habt ihr auch kürzere Nummern?

CM: »Das hat sich tatsächlich so ergeben. Wenn wir anfangen an Songs zu arbeiten, sind die Grundgerüste meistens kürzer. Wir hören aber erst dann auf zu experimentieren und zu feilen, wenn jeder nach dem Spielen debil grinst und zufriedenes Schweigen im Proberaum herrscht. Gedanken machen wir uns über die Länge der Songs nicht. Unser kürzester Song ist derzeit 8 Minuten lang. Das kann sich aber noch ändern.«

Könnt ihr ein paar Takte zur Thematik eures Albums sagen?

CM: »Im Opener 'Earth' geht es um verschiedene Zustände des menschlichen Seins. Das Verlorensein im Konzept der Zeit, vor allem im Bezug auf  unseren Planeten und auf die Endlichkeit des menschlichen Lebens. 'Giver Of Warmth' ist eine Ode an unsere Sonne, die uns Leben spendet. Der letzte Song des Albums 'Venus Goddess' behandelt ein ganz banales Thema: die Liebe. Jedes Stück hat unterschiedliche Schwerpunkte, aber trotzdem zieht sich ein roter Faden durchs Album. Die Texte erzählen aber keine Geschichte, sondern transportieren Stimmungen und Gefühle.«

Euer Demo kann man nicht nur als digitalen Download und als Digipak, sondern auch als gute alte Kassette erwerben. Wie kamt ihr denn auf die Idee? Verkaufen sich die Tapes überhaupt, oder war das eher als Gag gedacht?

CM: »Die Idee kam nicht von uns. Das Kassetten-Label „Breathe-Plastic“ ist an uns herangetreten. Wir mussten nichts finanzieren, bloß eine Kassettenversion des Covers layouten. Und die Kassetten sind tatsächlich schon fast vergriffen. Was bei einer Auflage von 50 Stück allerdings auch kein großer Verdienst ist.«

Aufgenommen habt ihr „Koronis“ in eurem eigenen Proberaum, was man der Produktion übrigens überhaupt nicht anhört. Habt ihr euch ganz bewusst dafür entschieden, die Scheibe selbst einzutüten, oder waren eher Kostengründe der entscheidende Faktor?

CM: »Beides. Für uns war es ganz natürlich im Proberaum aufzunehmen, allerdings spielten auch die Finanzen eine Rolle bei der Entscheidung. Wir haben das Album live eingespielt, weil wir der Meinung sind, dass die Energie unserer Musik so am besten eingefangen wird. Aufgenommen haben wir das Ganze selbst So hatten wir die komplette Kontrolle über unsere Musik, was eine wichtige und lehrreiche Erfahrung war. Den Mix und das Mastering haben wir dann aber an Role von der Tonmeisterei in Oldenburg abgetreten. Ohne ihn würde das Ganze lange nicht so gut klingen.«

Wie läuft es denn derzeit mit der Label-Suche? Schon ein passendes Angebot bekommen?

CM: »Ein paar Labels haben Interesse bekundet, aber es ist noch nichts in trockenen Tüchern. Wir möchten noch Reaktionen abwarten und uns dann für ein sympathisches, leidenschaftliches Label entscheiden, mit dem wir auf einer Wellenlänge sind.«

Was habt ihr euch für die nächste Zeit alles vorgenommen? Ein neues Album? Tourpläne? Weltherrschaft?

CM: »Wir sind gerade am Songwriting fürs neue Album und wollen so viel wie möglich live spielen. Eine Veröffentlichung von „Koronis“ auf Vinyl ist auch geplant und dafür arbeiten wir gerade an einem exklusiven Bonustrack. Weltherrschaft? Klingt nach Regeln, wir stürzen die Welt lieber ins Chaos.«

 

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