Online-MegazineInterview

LORD

Interview mit der Demoband des Monats 09/11

LORD gelang es mit „Set in Stone“ zur Demoband des Monats September gekürt zu werden. Jedoch sind die Australier in ihrer Heimat alles andere als unbekannte Grünschnäbel. Warum LORD mit der internationalen Vermarktung zögern und wie ihnen Kylie Minogue zum Erfolg verhalf, erklärt uns Frontmann und Gründer (Lord) Tim Grose.

LORD hat als Solo-Projekt von dir, Lord (!) Tim, angefangen. Bitte beschreibe, wie sich LORD über die Jahre entwickelt haben!

»Früher, zu Zeiten von Dungeon, als wir an unserem ersten offiziellen Album 'Resurrection' gearbeitet haben, lief es nicht besonders gut. Das Line-up hat sich ständig verändert und es hat mir keinen Spaß gemacht. Ich wollte auch Musik erkunden, die nicht nur im strikten Power/Thrash-Sound angesiedelt war, an den Dungeon damals so festgehalten hat. Dungeon haben sich auch für kurze Zeit von selbst erledigt, aber zu der Zeit habe ich ein paar Lieder geschreiben, die 2003 unter dem Namen LORD veröffentlich wurden. Ich hatte nicht vor, diese Lieder für kommerzielle Zwecke rauszubringen, es war einfach für mich selbst, etwas, was mir wichtig war und sie wurden mit sehr wenig Geld aufgenommen.
Ich habe Dungeon 2005 aufgelöst, weil sich schon wieder das Line-up veränderte und ich es einfach nicht mehr genießen konnte. Ich wolte eine Band, die nicht nur die Musik, die sie macht, liebt, sondern auch die Gesellschaft der anderen Mitglieder genießt. Außerdem scheute ich nicht davor zurück beim Komponieren auch mal über den Tellerrand zu schauen. So habe ich aus LORD ein Jahr später eine richtige Band gemacht und seitdem nehmen wir Platten auf und touren.«

Euer Album „Set In Stone“ ist sehr abwechslungsreich, obwohl die Musik so vertraut klingt. Auf der CD befinden sich auch Tracks, die rausfallen, wie 'The End Of Days'. Ist das ein Teil von LORD oder ist das das Ergebnis von Experimenten?

»Genau das hat sehr viele Reviewer verwirrt – wir zeigen uns von vielen Seiten, vom kommerziellen Rock bei '100 Reasons' bis zu wilderen Sachen wie bei 'The End of Days'. Menschen, die eine Art von Musik auf einem Album erwarten, verstehen das nicht und denken entweder, dass das ein Experiment sei, oder dass wir uns noch nicht gefunden hätten. Diese Diversität ist das, was LORD ausmacht. Wir machen einfach das, was uns gefällt und manchmal ist es eben Extreme Metal und manchmal Melodic Rock, aber genau das ist unsere Absicht.«

Wie kamt ihr auf die Idee 'On A Night Like This' von Kylie Minogue zu covern?

»Das ist eine witzige Geschichte. Ich fuhr nach unserer letzten Australien-Tour – wir traten 2008 mit Nightwish auf – nach Hause und legte eine kurze Pause ein, um mir einen Snack zu kaufen. Im Laden lief 'On A Night Like This' und ich dachte, dass es sehr witzig wäre, wenn wir den Song aufnehmen würden. Dungeon hatten so etwas bereits mit 'Call Me' von Blondie gemacht und das hat uns viel Freude bereitet. Ich hab’s dem Rest der Band vorgeschlagen und erwartet, dass sie entgegnen: „Auf keinen Fall, du bist verrückt!“ Aber sie fanden die Idee gut. Scheint, als hätten sie Recht gehabt – in wenigen Wochen hatten wir 25.000 Plays auf MySpace und das Video auf YouTube hat letztens 140.000 Views erreicht und wurde auf die Playlist von vielen nationalen Musik-Sendern gesetzt.«

Neben der Tatsache, dass wir viel Spaß hatten, war das Beste an dem Song die Aufmerksamkeit, die wir dadurch bekamen. Viele Menschen, die sonst noch nie Heavy Metal gehört haben, sind so auf uns aufmerksam geworden und bemerkten, dass die Musik ihnen gefiel. Ich glaube, es gibt so viele tolle Metal-Bands, die auch im Mainstream erfolgreich sein könnten, wenn Leute ihre Musik unvorbelastet hören würden. Manchmal bedarf es eines dummen Covers, wie 'On A Night Like This', um Türen zu öffnen.«

Eure Website wurde schon lange nicht mehr aktualisiert? Macht ihr etwa gerade ein Pause?

»2011 haben wir uns eine Pause vom ständigen Touren und Aufnehmen gegönnt. Dungeon arbeiteten non-stop von 2002 bis zum Ende in 2005. Danach haben wir sehr hart daran gearbeitet LORD zu etablieren. Im ersten Jahr haben wir eine Live-DVD und -Album aufgenommen, haben mit Gamma Ray, Queensryche, Leaves Eyes und anderen Bands in Australien getourt. 2010 ging es ähnlich turbulent weiter. Zeitgleich mit unserer Japan-Tournee mit Jaded Heart und Doro wussten wir, dass wir eine Pause brauchen, um unsere Batterien wieder aufzuladen, bevor wir weiter machen.Wir sind damit beschäftigt an neuen Ideen für das nächste Album zu feilen, arbeiten an einer DVD und filmen Videoclips. Wir sind also noch sehr beschäftigt, um die Sachen bis 2012 fertig zu kriegen.«

Ihr seid in der australischen Metal-Szene recht etabliert. Was ist deiner Meinung nach der Grund dafür, dass ihr international noch weitgehend unbekannt seid?

»Dungeon haben in der Vergangenheit sehr schlechte Erfahrungen mit Labels gemacht und da die Musikindustrie gerade in so einer schrecklichen Verfassung ist, wollten wir uns mit LORD erstmal zurücklehnen und schauen wie die Dinge so laufen, bevor wir irgendwelche Entscheidungen treffen, die uns in der Zukunft Probleme bereiten könnten.
In Australien haben wir den ganzen Vorgang selbst in die Hand genommen – wir haben ein eigenes Studio, wo wir die Alben aufnehmen, wir produzieren DVDs und Videos und machen das Grafik-Design selbst. Alles wird durch unser Label veröffentlicht und in unserem Online-Shop verkauft. Es ist der einzige Weg unsere Produkte so an den Mann zu bringen, wie wir es wollen und wir laufen nicht Gefahr, dass ein Zwischenhändler uns ausnimmt oder einfach nicht richtig promotet. Für den Rest der Welt können wir uns den Luxus nicht leisten alles selbst zu machen und wir müssten uns auf andere Labels verlassen. Also stoppte die Kombination unsere Vorsicht und der der Labels, die bei der derzeitigen Situation der Musikindustrie kein Risiko mit einer relativ unbekannten Band eingehen möchten, unseren Durchbruch in andere Teile der Welt. Gleichzeitig verhindert es aber auch, dass wir pleite gehen oder uns auflösen.«

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

»Bald werden wir mit dem Schreiben des nächsten Albums fertig sein und dann geht’s zurück ins Studio für die Aufnahme. Wir haben eine DVD in Bearbeitung und viele Ideen für Videoclips. Nächstes Jahr sind wir auch auf Tour und dann kehren wir auch endlich nach Europa zurück – das erste Mal seit der Megadeth-Tour mit Dungeon im Jahr 2005 – und spielen ein paar Festivals und andere Termine auf die wir uns schon freuen. Sieht aus, als würde es ein wirklich ausgelastetes Jahr werden!«