Online-MegazineInterview

ARCHITECTS OF CHAOZ

Interview mit der Demoband des Monats 08/14

ARCHITECTS OF CHAOS

Hinter dem diesmonatigen Demo des Monats steckt ein alter Bekannter: Kein Geringerer als ex-Iron-Maiden-Frontmann Paul Di'Anno zelebriert mit seiner Combo ARCHITECTS OF CHAOZ auf „Rejected In Mayhem“ ein musikalisches Feuerwerk erster Güte, das irgendwo zwischen frühen Maiden und Judas Priest sowie modernem Euro-Speed-/Power-Metal zu verorten ist. Wir sprachen mit Frontmann Paul, der Sechssaiten-Fraktion Joey und Andy, Basser Gonzo und Drummer Dom.

Herzlichen Glückwunsch, eure Platte wurde in unserer aktuellen Ausgabe zum Demo des Monats gekürt. Habt ihr das schon gefeiert? 

Joey: »Ja klar. Hast Du das letztens nicht mitbekommen? Wir haben ’ne Party am Brandenburger Tor organisiert. Eine halbe Million Menschen waren dort und sogar die Nationalmannschaft und Helene Fischer waren als Gäste bei der Feier dabei. Auch am Abend vorher fuhren allerorts hupende Autos durch die Straßen. Die Deutschland-Fahnen führe ich mal darauf zurück, dass wir vier Deutsche in der Band sind. Weiß jetzt nicht wie in England gefeiert wurde...«

Andy: »Wie ich hörte, wurde in England verhaltener gefeiert. Aber die haben ja auch keine Helene Fischer.«

Gonzo: »In England haben Paul und ich alleine gefeiert, war aber auch schön, es gab nämlich ’ne Tüte Fish & Chips.«

Paul, ARCHITECTS OF CHAOZ sind besetzungsgleich mit deiner Touring-Band THE PHANTOMZ. Warum der Namenswechsel?

Paul: »Wir wollten den Namenswechsel, da wir eine richtige Band sind und keine Backing-Band. Es ist viel mehr. Darum haben wir uns dazu entschlossen und ich bin froh, wieder Teil einer richtigen Band zu sein.«

Wie läuft bei euch der Songwriting- und Aufnahmeprozess ab?

Joey: »Wir sehen uns ja oft auf Touren oder auch auf Partys. Interessanterweise komponieren wir dann nie. Wir nutzen die Zeit um viel miteinander zu reden. Für mich ist das hilfreich. Wenn ich dann nach Hause komme, weiß ich, was sich alle musikalisch vorstellen und was Paul gut singen könnte. Das macht schon gut 50% des musikalischen Songwritings aus. Ich mache dann zu Hause eine instrumentale Vorproduktion und schicke die an Paul und der gibt jedem Song nochmal eine immens starke eigene Note. Da werden Refrains plötzlich zu Hymnen, die ich beim Schreiben gar nicht erwartet hätte. Der Aufnahme-Prozess im Studio ist dann ganz klassisch. Meist sitzen wir zusammen im Studio und feuern uns gegenseitig an.«

Andy: »Zur Vorproduktion von „Rejected in Mayhem“ haben wir erstmal Ideen gesammelt und jeder hat für sich die Vorproduktion zu Hause gemacht. Danach haben wir uns alle zusammengesetzt und die Songs arrangiert. Mittlerweile wissen wir, worauf es der Band ankommt und das Songwriting findet größtenteils alleine statt und wird dann Paul zugesandt.«

Gonzo: »Wobei meine Vorproduktion eher old-school ist. Akustikklampfe, Riffs, Melodie, Harmonie, dann Joey vorspielen und er bringt in Form, was mir vorschwebt. Erstaunlicherweise versteht er dabei meistens was ich meine.«

Wie seid ihr auf Produzent Martin Buchwalter gekommen?

Andy: »Abgesehen davon, dass ich mit Martin zusammen bei Perzonal War spiele, kennen wir ihn alle schon seit Jahren und wissen, welch hervorragende Arbeit er macht. Wenn man sich die letzten Releases von zum Beispiel Destruction, Suidakra oder eben Perzonal War anhört, weiß man, warum er die erste Adresse für harte Musik ist.«

Dom: »Martin, Gonzo und ich sind seit vielen Jahren miteinander über das Musikerdasein hinaus befreundet. Die logische Konsequenz daraus war, das Demo dort gemeinsam zu produzieren und auch den anstehenden Longplayer bei uns mit Martin einzutüten. Martin weiß einfach, wie die Architects zu klingen und wir wissen, was wir zu spielen haben.«

Paul, wie hältst du deine Stimme fit und schaffst es, so ein breites Spektrum abzudecken?

Paul: »Haha, ich mache absolut nichts, um meine Stimme fit zu halten. Ich rauche, was schlecht ist, aber ich hoffe einfach, dass es mir durchgeht.«

Teilweise erinnert das Songmaterial auf „Rejected In Mayhem“ aufgrund der zweistimmigen Gitarrenarbeit und des breaklastigen Songaufbaus an frühe MAIDEN. Ist das Absicht?

Joey: »Klar... hehe. Viele Bands machen das seit es Iron Maiden gibt und da wirkt es mehr geklaut. Mit Paul in der Band hat man eine Art Legitimation Maiden-Einflüsse zu verarbeiten. Ebenso haben wir Punk-Einflüsse drin. Beides zusammen lässt irgendwo an die alten Maiden-Tage mit Paul erinnern und kann trotzdem noch frisch klingen.«

Andy: »Jeder von uns hat seine ganz eigenen Einflüsse. Bei dem einen ist es eher die härtere neue Schule, bei dem anderen eher die klassische. Was uns aber alle eint, sind sicher Einflüsse wie Maiden oder Priest, an denen natürlich kein Metalhörer im Laufe seiner Jugend vorbeigekommen ist. Wir sitzen beim Songwriting ja nicht am Reißbrett und denken “so und so müssen wir das jetzt machen”, sondern schreiben Songs, die wir selber geil finden und hören wollen. Die Schnittmenge aus alledem ergibt dann eben ARCHITECTS OF CHAOZ.«

Gonzo: »Wichtig ist vor allem, dass sich alle in der Band mit den Songs identifizieren können und Bock haben die Nummern zu spielen. Deshalb kann jeder beim Arrangement auch seine persönliche Note einbringen.«

Gibt es aktuelle Bands, die euch besonders beeinflussen?

Joey: »Ich kann schon mal für meinen Teil mit Nein antworten. Was ich aktuell gerne höre, bringt mir vor den anderen oft nur ein Kopfschütteln ein. Obwohl ich auch aus Pauls Hotelzimmer letztens die neue Placebo dröhnen hörte...«

Andy: »Klar, beeinflusst wird man natürlich von den Bands, die man aktuell hört. Ich käme allerdings nie auf die Idee, für Paul einen Song zu schreiben, der auch auf der aktuellen Dust Bolt hätte stehen können. Das ein oder andere thrashige Element wird auf dem Album aber möglicherweise zu hören sein.«

Gonzo: »Ich entdecke immer wieder Acts, die mich beeindrucken, was aber nicht zwangsläufig das eigene Songwriting beeinflussen muss. Auch Elemente meiner Helden von Fates Warning und Psychotic Waltz lassen sich nicht mal eben schlüssig unterbringen. Leider, hahaha.«

Ihr plant die Veröffentlichung eines Longplayers. Was können wir erwarten - und wann?

Dom: »Wann die Platte genau erscheint, können wir momentan noch nicht 100%ig sagen. Diverse Formalitäten müssen erst noch zum Abschluss gebracht werden. Business-Blabla halt...!
Wir werden auf jeden Fall im Dezember diesen Jahres Songs aufnehmen, aber welche es dann auf die Scheibe schaffen, weiß nur der Gehörnte.
Es wird aber ordentlich ballern, ich denke im Vergleich zum Demo können wir noch ’ne Schüppe draufpacken. Kommt natürlich drauf an, wie sehr unser Produzent Martin wieder in der nahe am Studio gelegenden Rockbar abstürzt, haha.«

Paul, im vergangenen Jahr hast du aufgrund einer Knieverletzung deinen Abschied von der Bühne verkündet. Geht es dir inzwischen besser?

Paul: »Nein, mein Knie tut immer noch höllisch weh und ich hatte tatsächlich über einen Rückzug nachgedacht. Aber dann wäre ich sehr schnell gelangweilt gewesen, also sagte ich mir: “Scheiß drauf, ich mache weiter, da ich es liebe live zu spielen!” Sorry an alle, aber ich trete noch nicht ab!!!«


www.facebook.com/architectsofchaoz