Online-MegazineInterview

CHAPEL OF DISEASE

Interview mit der Demoband des Monats 08/12

Auf ihrem zum „Demo des Monats“ gekürten Tape „Death Evoked“ bezeugen CHAPEL OF DISEASE mit rohen Klängen ihre Liebe zur Vergangenheit. Vor allem die Death-Metal-Szene der Achtziger und Neunziger hat es den Kölnern angetan. Sänger und Gitarrist Laurent berichtet im folgenden Interview über das Bandgefüge, kommende Auftritte und seinen Hang zur Nostalgie.

Laurent, im Gründungsjahr 2008 wart ihr noch ein Trio, nun seid ihr auf Quartettgröße angewachsen. Was waren die Gründe für den Bandzuwachs und wie hat euch das musikalisch beeinflusst?

»Wir waren schon immer der Meinung, dass eine Band ihren eigentlichen Sound auch auf einer Bühne vermitteln können sollte. Da wir in jedem unserer Lieder Soli haben, war dies der erste Punkt, bei dem wir uns gedacht haben, dass ein zweiter Gitarrist keine schlechte Idee wäre, einfach weil das Ganze dann auch live dicker rüber kommt. Des Weiteren haben wir bereits zu den Zeiten, in denen wir nur zu dritt waren, die Aufnahmen der Songs mit zwei Gitarren und somit auch mit zwei verschiedenen Gitarrenparts geplant. Meiner Meinung nach sollte man wirklich niemals ein Album aufnehmen, in dem man Parts hat, bei denen zwei verschiedene Gitarren am Werk sind, obwohl man auf der Bühne nur mit einem Gitarristen da steht. Als wir dann einmal zu viert waren (man sollte wissen dass Ced auch eigentlich Gitarrist ist und kein Basser), haben wir die Möglichkeit auch mehr genutzt und bei einigen Riffs noch Feinheiten hinzugefügt, die mit einer Gitarre nicht drin waren. Das sind zwar nur kleine Details, die sich jedoch manchmal sehr stark auf einen Riff auswirken können.«

Euer Album „Death Evoked“ erschien in limitierter Auflage als Tape-Version. Was war eure Motivation für dieses Wurmloch in die Vergangenheit und inwiefern passt dies zu eurem musikalischen Konzept?

»Dazu muss man sagen, dass die Veröffentlichung von „Death Evoked“ mehr oder weniger ein wirklich gelungener Zufall war. Wir wollten das Ding eigentlich als CD-R raushauen, doch Christian hatte sich gedacht, mal FDA Rekotz anzuschreiben, ob sie zufälligerweise Interesse hätten, das Ganze auch als Tape zu veröffentlichen. FDA war sofort dabei und das Ding war draußen. Mittlerweile finde ich es auch ganz gut, dass die Demo nur als Tape erschienen ist, das Ganze hat natürlich seinen eigenen Flair. Es passt auf jeden Fall zu dem Demo an sich, der Musik und auch der Produktion. In Zukunft wird unsere Musik natürlich auch auf CD erscheinen, was uns natürlich nur recht sein kann. Doch muss ich zugeben, dass ich wirklich enttäuscht wäre, wenn ein Album von uns nur auf CD und nicht auch auf Vinyl erscheinen würde. Ich hab nichts gegen CDs, doch sind mir die guten alten Schallplatten einfach noch zu wichtig. Wenn wir uns dazu entschlossen hätten, das Ding als CD zu veröffentlichen, dann wäre es zunächst auch nicht zu der Zusammenarbeit mit FDA gekommen, zumindest nicht so schnell.«

Das düstere Bandlogo wurde, laut Facebook-Seite, von einem Künstler aus Peru (Alan Corpse ) gestaltet. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

»Alan Corpse habe ich zufällig 2009 auf Myspace entdeckt (damals hat man da noch ab zu reingeschaut). Als ich seine Arbeiten sah, war ich ziemlich beeindruckt. Ich hatte ihn auch bereits 2009 gefragt, ob er Interesse hätte ein Logo für uns zu entwerfen, doch hielt der Kontakt irgendwie nicht lange. 2012, als „Death Evoked“ fertig war, habe ich ihn mir dann wieder rausgesucht und diesmal hat es dann geklappt. Der Kontakt war ziemlich lustig, da er nicht besonders gut Englisch kann und ich auch kein Spanisch. Doch muss ich sagen, dass der gute Kerl wirklich alle meine Erwartungen mit dem Logo übertroffen hat. Als ich den Zombie gesehen hatte, wusste ich, dass wir kein besseres Logo kriegen würden als das, und dazu stehen wir auch noch jetzt. Meiner Meinung nach passt das Ganze wirklich perfekt zu uns und unserer Musik.«

Was waren eure bisherigen Höhe- und Tiefpunkte als Band?

»Das ist ein wenig schwer, da CHAPEL OF DISEASE zwar seit 2008 aktiv sind, davon jedoch vier Jahre wirklich nur in den eigenen vier Wänden. Doch kann man durchaus sagen, dass wir von 2009 bis Ende 2010 einen Tiefpunkt hatten, einfach weil wir nie konstant geprobt haben, obwohl wir hinter unserer Musik standen.
Höhepunkte sind auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit FDA Rekotz, die sich sofort ergeben hat, die unglaublich gute Resonanz zu „Death Evoked“ und der Gig für das Party.San, der im August ansteht. Das ist alles mehr, als wir erwartet haben.
Gerade steht man natürlich auch vor einer Phase, bei der man auf einen weiteren Höhepunkt hofft. Wir sind gerade an den Aufnahmen des Albums dran und ein bisschen Nervosität spielt da schon mit. Aber ich denke mal, dass wir da auch nicht enttäuschen werden.«

Wie kann man sich ein Liveset von CHAPEL OF DISEASE vorstellen?

»Live zu spielen, nehmen wir auf jeden Fall ernst. Zwar sind wir keine Frickelband, bei der jede Note stimmen muss, doch ist es uns wichtig, dass das Ganze auch gut und professionell rüber kommt. Wir haben uns bis jetzt noch nicht dazu entschlossen eine Coverversion zu spielen. Wir ziehen unser Ding durch, versuchen dabei dem Publikum keine Verschnaufpause zu bieten, sondern die Tracks einen nach den anderen durch zu ballern. Dabei steht bei uns auch wirklich nur die Musik im Vordergrund, wir haben also keine besondere Bühnenaufmachung oder sonst was.«  

Euer kantiger Death-Metal kombiniert schmetterndes Riffing der alten Schule mit teils doomigen Zwischenparts. Von modernen oder melodischen Einflüssen keine Spur. Wen würdet ihr vorrangig als eure größten Einflüsse benennen?

»Die Frage nach den vorrangigen Einflüssen fällt mir immer ein wenig schwer. Es ist bei uns letztendlich wirklich nur ein Zusammenschmeißen von all dem, worauf wir so stehen. Die ganze Death-Metal-Schiene Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger spielt natürlich eine große Rolle. Vorrang haben hierbei jedoch die Bands, die mehr Wert auf Groove und Tempiwechsel gelegt haben, als auf brutal Blastbeats. Das ist natürlich Geschmackssache. Des Weiteren sind wir alle auch große Fans von Doom Metal und haben das Ganze dann irgendwie kombiniert. Persönlich bin ich nun mal auch der Meinung, dass Musik mit ausgeprägten Tempiwechsel mehr Spaß macht, was natürlich auch reine Geschmackssache ist. Doch wir haben uns nie gesagt, wir wollen jetzt wie diese oder jene Bands klingen.«

In nächster Zeit stehen für euch einige Konzerte auf dem Programm. Der Auftritt auf dem Party.San Festival am 10. August scheint nur der Auftakt. Am 8. Dezember werdet ihr in Berlin im Ace Rock & Metal Club spielen und nächstes Jahr, am 2. Februar, geht es ab nach Newcastle, England, die Stadt in der Venom gegründet wurde. Wie kam es dazu? Hab ihr mit so vielen Engagements gerechnet?

»Wir haben uns schon gedacht, dass die Musik von „Death Evoked“ einen gewissen Anklang finden wird. Doch das Anfragen in solchen Dimensionen nach der ersten Demo kommen, damit haben wir nicht gerechnet. Die Anfrage vom Party.San hat uns natürlich sehr überrascht. Wir haben uns für die Zeltbühne beworben, um einfach mal zu schauen. Als dann tatsächlich die Anfrage kam, waren wir natürlich erstmal gut dabei. Der Gig am 8. Dezember beim Nocturnus Festival soll zugleich unser Release-Gig sein. Das ist insofern ganz gut, weil wir somit ein wenig Zeitdruck haben, was die Aufnahmen angeht und uns auch wirklich dahinter setzen.
Die größte Überraschung war dann wirklich die England-Tour. Ich weiß nicht wirklich wie, aber irgendwie hat der Christian da wieder seine Hände mit im Spiel gehabt. Der hat sich mit ein paar Leuten über Facebook unterhalten und ich denke mal, die haben das Gespräch ein wenig ernster genommen als er, denn am nächsten Tag war schon die Mail im Postfach, wie wir denn das Ganze starten könnten. In der Heimat von Metal und Punk zu touren, wird glaube ich schon der absolute Knaller.«

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