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WARDENCLYFFE

Interview mit der Demoband des Monats 07/13

WARDENCLYFFE

Schaut man sich die Besetzung unserer aktuellen Demoband des Monats einmal genauer an, fällt auf, dass sich mit den Schweden Jacob Nordangård, Ola Blomkvist und Micael Zetterberg drei bekannte Musiker aus dem Bereich Doom Metal zusammengetan haben. Als WARDENCLYFFE sorgt das Trio mit seinem Demo „Orbo Ab Chao“ nicht nur im Rock Hard für Furore. Sänger und Gitarrist Jacob Nordangård stellt euch die Band, ihr Demo und dessen Hintergründe vor.

Jacob, eure Scheibe „Orbo Ab Chao“ wurde zum Demo des Monats in der Juli-Ausgabe des Rock Hard gekürt. War das eine Überraschung für euch?

»Ja, das war wirklich eine Überraschung. Aber natürlich eine sehr willkommene und schmeichelhafte.«

Auch wenn „Orbo Ab Chao“ ein Demo ist, sind WARDENCLYFFE ja nicht gerade das, was man als unerfahrene Band bezeichnen würde. Unter euch sind  (Ex-)Mitglieder von Bands wie Griftegård, Captor und Terrorama. Wie habt ihr Jungs zusammengefunden?

»Wir leben in der gleichen Stadt, Norrköping in Schweden. Ich hatte da einige Ideen und fertige Songs, und wollte sie Gestalt annehmen lassen. Ich kenne Ola Blomkvist schon seit 1999. Wir haben früher zusammen in der Doom-Metal-Band The Doomsday Cult gespielt, und wir überlegten, wieder etwas zusammen zu machen. Ola brachte einige seiner Ideen in das Projekt ein und wir fragten Micael Zetterberg von Terrorama, ob er die Drums übernehmen würde. Das war 2011.«

Ihr habt eure Band nach Nikola Teslas Funkturm auf Long Island benannt. Der Turm war aber nie funktionstüchtig und wurde 1917 abgerissen. Wie steht eure Band mit dieser Geschichte in Verbindung?

»Ich interessiere mich sehr für Wissenschaftsgeschichte und Teslas Konzept hat mich schon immer fasziniert. Das Thema Energie und Energiekontrolle ist schon seit zehn Jahren Teil meiner Arbeit, also war es ganz natürlich, dass diese Motive auch in meiner Musik wieder auftauchten. Der Wardenclyffe Tower repräsentiert die Macht über die Elemente und die Verbundenheit aller Dinge. Er steht für den Traum eines Visionärs und hat eine mystische Aura, und wir hoffen, dass man diese auch in der Musik hört, die wir schaffen. Unser Turm wird hoffentlich nicht abgerissen, sondern erzeugt Energie.«

Die Musik von WARDENCLYFFE ist eine ziemlich ungewöhnliche Mischung aus Doom und Death Metal. Wie würdest du euren Stil selbst beschreiben? Welche Bands und Musiker haben euch am meisten beeinflusst?

»Ich habe in den 80er Jahren Thrash gespielt, Death Metal in den 90ern und Doom ab 2000. Ich glaube, WARDENCLYFFE vereint viele der Genres, mit denen ich zu tun hatte. Ola hat ebenfalls viel Doom gespielt und Micael wurde von einer ganzen Reihe verschiedener Richtungen beeinflusst. Es ist immer schwierig, den Dingen einen Namen zu geben, und wir mögen es nicht, uns an Regeln zu halten. Ich würde sagen, unsere größten Einflüsse kommen von Bands wie Celtic Frost, Samael, My Dying Bride, Candlemass, Paradise Lost und Sadness. Viele Bands aus der Schweiz sind darunter. Mir gefallen die Melancholie und Lyrics, die aus diesem Land kommen.«

Wo wir gerade beim Thema sind: Die Lyrics auf „Orbo Ad Chao“ sind ja nicht gerade leichte Kost. Kannst du unseren Lesern kurz erklären, worum es in euren Texten geht und welche Themen ihr aufgreift?

»Es geht meist darum, dass sich Wölfe oft als Schafe verkleiden. In meiner Forschung als Doktorand bin ich auf sehr viele sogenannte Wohltäter gestoßen, die ganz andere Absichten hatten als die, die offiziell bekannt waren. Es geht in den Texten darum, wie Dinge eingefädelt und die einfachen Leute mit Propaganda und billigen Tricks beherrscht werden. 'Orcadian Dream' handelt von der Erschaffung einer dystopischen Welt in der Zukunft, mit der totalen Kontrolle über das Volk. Es wurde von H. G. Wells' Werken inspiriert, und von einem Philosophieprofessor namens Oliver Reiser. In dieser Welt, einem planetaren sozialistischen Regime, werden alle Gedanken und Vorstellungen von oben beeinflusst. Ihrer Sichtweise nach ist ist das aber die Entstehung einer absolut freien Welt eine Utopie. 'Behind The Shadow Of The Goat' behandelt die Illusionen, die die moderne Politik uns auftischt. Es geht um Ereignisse, die herbeigeführt werden, um Rechtshandlungen zu legitimieren. Um Politiker, die eher Schauspieler und Werkzeuge der Elite sind, als wirkliche Repräsentanten der Menschen. Ich habe die Machtpolitik der Europäischen Union studiert und jede Menge davon gesehen. 'Macroshift' wurde von einem Buch des Systemtheoretikers Ervin Laszlo inspiriert, das eine globale Veränderung der Denkweise 2012 propagiert. Darin wird die Frage aufgeworfen, wer diese vernetzte globale Gesellschaft eigentlich regieren soll. Ich habe sehr viel über merkwürdige Netzwerke, Verbindungen zur Theosophischen Gesellschaft und ihre Externalisierung einer spirituellen Hierarchie gelesen. Das sind Themen, die in Zukunft noch weiterentwickelt werden.«

Das Cover-Artwork eures Demos ist ziemlich beeindruckend und vermittelt eine sehr düstere Atmosphäre. Kannst du ein paar Worte über den Künstler, die Bedeutung des Artworks und die Verbindung zu „Orbo Ad Chao“ sagen?

»Das Artwork stammt von Elaine NiCuana aus Irland. Sie hat schon viele Artworks für Doom-Metal-Bands geschaffen und wir mögen ihren Stil sehr. Ich hatte ein paar Ideen für ein Cover und sie hat diese Ideen fantastisch umgesetzt und sie in etwas Neues und Frisches verwandelt. Sie interessiert sich für die gleichen Themen wie ich und verpasste dem Artwork einen mythologischen Anstrich. Das Bild zeigt einen Kampf verschiedener Schauspieler auf der Weltbühne, die die Macht an sich reißen wollen. Im Mittelpunkt des Bilds sehen wir, wie die Monarchen und das Papsttum miteinander kämpfen. Weniger mächtige Akteure schließen sich ihnen an. Aber im Hintergrund regieren andere Lichtmächte. Das Anstreben der absoluten Macht ist sinnlos und größenwahnsinnig. Letzten Endes strebt das Universum nach einem Gleichgewicht und das Dunkel kann das Licht niemals vollkommen besiegen. Beides ist Teil einer göttlichen Anlage.«

Stimmt es, dass euer Demo in erster Linie als Soundtrack deiner Doktorarbeit gedacht war? Worum ging es in deiner Dissertation und wie kamst du darauf, ihr einen eigenen Soundtrack zu verpassen?

»Die Songs entstanden, während ich an meiner Doktorarbeit schrieb, und sie wurden als Soundtrack angehängt. Ich konnte diese Gelegenheit einfach nicht vorbeiziehen lassen, als mir die Idee kam. Vielleicht ist es ein bisschen irre, so etwas zu machen, und nach ungeschriebenem Gesetz auch nicht formal korrekt, aber ich halte mich nicht gern an Regeln. Die Doktorarbeit behandelte das Thema „Die politische Geschichte von Biokraftstoffen in der Europäischen Union“. Ich habe Energie- und Klimapolitik studiert und mächtige Netzwerke aufgezeigt, die im Hintergrund agieren, um politische Ziele zu erreichen.«

WARDENCLYFFE wollten „Orbo Ab Chao“ als streng limitiertes 7“-Vinyl bei Burn Records, dem Label von Felipe Plaza (Procession), veröffentlichen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Sind die Singles noch erhältlich?  

»Die Vinyl-Scheibe ist noch nicht veröffentlicht worden, aber wir hoffen, dass sie bald auf den Markt kommt. Es wird nur 500 Stück davon geben. Ich konnte noch nie irgendetwas auf Vinyl veröffentlichen, und als Felipe uns das Angebot machte, packte ich diese großartige Gelegenheit am Schopf.«

Wie läuft es mit eurer Suche nach dem richtigen Label? Gibt es schon Neuigkeiten zu vermelden?

»Wir haben schon einige Angebote bekommen, aber wir suchen immer noch nach einem geeigneten Deal.«

 

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