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BRAIN DAMAGE

Interview mit der Demoband des Monats 06/14

BRAIN DAMAGE

Der ehemalige Vendetta-Sänger und -Gitarrist Michael „Micky“ Wehner hat eine neue Mannschaft um sich gescharrt und meldet sich mit seiner neuen Combo BRAIN DAMAGE eindrucksvoll zurück. Wir waren so begeistert von „Born To Lose... Live To Win!“, dass wir die Eigenproduktion in ROCK HARD Vol. 325  zum Demo des Monats gekürt und Micky für ein Interview an die Strippe gezerrt haben.

Micky, hast du die Nachricht über die Ernennung zur Demoband des Monats schon an deine Bandkollegen weitergeleitet?

»Ja, die waren total begeistert. Wenn man sich das so überlegt... 25 Jahre später wieder mal im Rock Hard zu landen und dann gleich so erfolgreich, das ist schon eine tolle Sache!«

Wie würdet ihr eure Platte jemandem schmackhaft machen wollen, der noch nie von euch gehört hat?

»Sie ist so, wie wir es früher eigentlich gemacht haben, Old-School-Thrash-/ Speed-Metal mit Power-Elementen. Eigentlich heißt die Musik F.A.S.T.-Metal, ein Begriff, den ich selbst erfunden habe, weil mir diese Schubladen auf den Keks gegangen sind. Heutzutage gibt es ja noch viel mehr. F.A.S.T.-Metal bedeutet Fun-Avantgarde-Speed-Thrash-Metal, das ist für mich die genaue Beschreibung unserer Musik! Das Fun-Element fehlt noch ein bisschen, aber das kommt garantiert mit der nächsten Platte.«

Was waren eure Einflüsse beim Schreiben der Songs? Zumindest mich erinnert das Material streckenweise an das „Black Album“ von Metallica, besonders der melodische Gesang und die cleanen Parts. Allerdings höre ich auch andere Old-School-Thrash-Referenzen heraus, besonders aufgrund der Midtempo-Passagen und des sehr breaklastigen Songwritings. Wer genau waren eure Einflüsse?

»Man hat ja automatisch Einflüsse, man hört Musik und verarbeitet das irgendwie. Viele Rezensenten haben auch geschrieben, dass die Platte stark nach Vendetta klingt, was ja eigentlich logisch ist, da ich bei Vendetta alle Songs geschrieben habe. Logisch, dass da etwas ähnliches bei rumkommt.«

Gibt es bei euch einen Hauptsongwriter, oder schreibt ihr die Songs gemeinsam als Band?

»Die meisten Songs schreibe ich komplett alleine. Außer den Texten, um die sich nach wie vor Daxx (Achim „Daxx“ Hömerlein, Gitarrist bei Vendetta, bei BRAIN DAMAGE Gitarre 2009-2010 und jetzt ausschließlich Texter - jd) kümmert, wie früher bei Vendetta. Ich lege auch die Gesangslinien an und Daxx schreibt dazu die Texte.«

Der Bandname BRAIN DAMAGE ist auch der Titel des zweiten Albums deiner ex-Band Vendetta, und die Songs klingen teilweise ähnlich. Bewusste Connection?

»Ich wollte das sogar noch ein bisschen weiter treiben und die Scheibe eigentlich „Vendetta“ nennen. BRAIN DAMAGE war ein cooler Name und für mich auch ein bewusster Brückenschlag in die alte Zeit. Der Bandname passt auch zu unserer Musikrichtung. Die nächste Scheibe, die bereits in Arbeit ist, wird dann wahrscheinlich mehr BRAIN DAMAGE werden. Das war erst der Anfang.«

Gegründet habt ihr euch bereits vor fünf Jahren. Warum hat es solange gedauert, bis es ein Lebenszeichen von euch gab? Habt ihr noch weitere Songs im Ofen?

»Nachdem Daxx und ich uns jahrelang nicht mehr gesehen hatten, haben wir uns noch einmal getroffen und das Ganze ins Leben gerufen. Wir wollten noch einmal etwas zusammen machen. Ich hatte auch schon ein paar Ideen, aber da wir 70 Kilometer auseinander wohnen, haben wir uns nicht regelmäßig treffen können, nur etwa jedes Vierteljahr. Ich betreibe ein kleines Tonstudio, wo im Laufe der Zeit auch einige Songs entstanden sind. Ich habe die Sachen dann Daxx geschickt und er hat Texte dazu verfasst. Eigentlich wollten wir das zusammen machen, aber Daxx kann leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr live auftreten. Ich aber wollte unbedingt wieder auf die Bühne, da ich als Mediengestalter immer davor stehe und filme, und dadurch kam die Lust dazu in mir wieder hoch. 2012 habe ich dann damit angefangen, wieder eine Band zusammenzustellen, was aber zunächst von den Leuten her nicht ganz gepasst hat. 2013 kamen dann die jetzigen Mitglieder dazu und seitdem ist der Laden vollständig. Das ist auf jeden Fall die Live-Besetzung für die nächsten Jahre.«

Was kann man bei euren Konzerten erwarten? Sind Live-Aktivitäten geplant?

»Früher war es einfacher, an Gigs heranzukommen, heute ist es schwieriger. Es gibt viel mehr Bands als früher, und dadurch ist es natürlich schwer. Außerdem stehen wir alle mitten im Leben, mit Beruf, Familie, Kindern, usw., da ist der Drang, live zu spielen, nicht mehr so stark wie früher. Während wir früher um jeden Gig gekämpft haben, warten wir heute ab. Wenn sich irgendjemand meldet und uns möchte, dann gerne. Um Gigs kümmert sich unser Schlagzeuger Daniel Buld, der auch das „Queens Of Metal“-Festival organisiert hat und jetzt das Bonebreaker-Festival betreibt. Wenn wir angefragt werden, werden wir das auf jeden Fall machen, aber Daniel kontaktiert hauptsächlich die Veranstalter, da er viele Leute im Business kennt. Momentan stehen nur zwei Sachen an, und zwar am 31. Mai in Erlangen bei einer Benefiz-Veranstaltung namens „Stark gegen Krebs“ und am 18. Oktober in Wasungen beim Metalkrach, was dort jedes Vierteljahr stattfindet. Das ist eine ziemlich coole Location, wo ich letztes Jahr schon einmal mit meinen Mitstreitern aufgetreten bin. Die betreiben noch eine andere Band namens Flesh Trading Company und ein Gitarrist wurde Vater und ich musste aushelfen. Wie gesagt, es ist eine ziemlich coole Location und wir haben natürlich gleich zugesagt, dass wir da auftreten. Sonst steht im Moment nichts an. Aber wir würden gerne, also ihr da draußen, von wo auch immer, meldet euch!«

Ihr stammt aus Hammelburg, Vendetta aus Schweinfurt, zwei Städte, die nicht gerade als „Metal-Citys“ geläufig sind. Wie habt ihr euch gefunden?

»Daniel kenne ich schon seit über zehn Jahren, damals war ich noch bei Vendetta. Wir wollten zusammen einen Gig spielen, wo ich ihn näher kennengelernt habe. Ein Jahr später haben wir dann in meinem Studio mit Hatred zusammen deren erstes Demo aufgenommen und seitdem stehen wir in ständigem Kontakt. Schweinfurt ist schon stärker im Geschäft, dadurch dass Paradox um die Ecke aus Würzburg kommen, gab es doch auch in Unterfranken zwei größere Bands, falls man das groß nennen kann. Aber es war dennoch reiner Zufall, wie die beiden Bands zusammenkamen. Bei Daniel war es klar, dass er als Schlagzeuger dabei sein würde, aber bei den beiden „Michels“ (Michael „Michel“ Lorz, Rhythmusgitarre und Michael „Michäl“ Guerra, Bass - jd) war es doch Zufall. Ich kenne die Jungs vom Rockverband Schweinfurt her, sie haben auch bei mir ein Demo aufgenommen und als wir danach zusammensaßen, habe ich ihnen gesagt, dass ich unbedingt wieder live spielen möchte und da haben beide gesagt, dass sie gerne mitmachen würden. Klar, Unterfranken ist nicht gerade die Hochburg, da ist bei euch im Ruhrgebiet mehr los, aber warum soll es nicht auch mal Gegenden geben, wo ein paar Tröpfchen liegen, die auch ganz gut sind?!«

Wie sieht die Szene in Franken aus?

»Es ist eigentlich eine gute Szene; das muss ich sagen. Sie ist zuverlässig und es sind gute Leute, die man immer wieder trifft. Klar, sie ist nicht so groß wie in anderen Bundesländern, aber okay. Natürlich gibt es heute auch viele andere Musikrichtungen, die jungen Leute heute hören mehr so etwas wie Böhse Onkelz oder so'n Disko-Scheiß. In den 80ern war da mehr. Als Metallica herauskamen, da war natürlich der große Hype. Das war dann eine ganz andere Geschichte. Da haben plötzlich auch Diskotheken, die sonst nur Pop-Musik gespielt haben, plötzlich Metal-Abende angeboten, als sie gemerkt hatten: „Hoppla, da bewegt sich ja was.“ Aber das gibt’s im Moment nur noch vereinzelt. In Hammelburg gibt es eine Location, die sich mehr auf Black-/Death-Metal spezialisiert hat, da ist dann öfter auch mal was los. Und der „Rockverband Schweinfurt“ organisiert vierteljährliche Veranstaltungen. Oder sogar noch öfter. Es wird also schon etwas geboten.«

Das Intro des Songs 'The Fall' erinnert mich stark an Iron Maidens 'Wasted Years', während der dynamische Wechsel zwischen cleaner und melodischer Strophe und heavy Refrain erneut Vergleiche zur aktuellen Queensryche-Platte heraufbeschwört.

»Maiden-Einflüsse sind natürlich immer wieder dabei, das ist klar. Ich stehe auf zweistimmige Melodien. Zwar haben Maiden auch nicht das Rad erfunden, aber es klingt alles ähnlich. Aber es ist auch nicht so, dass ich sie bewusst kopieren würde, das war damals bei Vendetta auch schon so. Ich mache eben gerne zweistimmige Sachen, da ich, wie ich zugeben muss, nicht der Ober-Lead-Gitarrist bin. Aber da habe ich auch kein Problem mit. Mir sind Melodien wichtiger, da diese eher hängen bleiben. Charlie von Paradox ist zum Beispiel ein sehr guter Sologitarrist. Er hat auch beim Demo einiges beigesteuert, was ich dann auf der Platte gelassen habe. Aber im Großen und Ganzen bin ich eher ein Fan von Melodien, was dann wahrscheinlich auch ein wenig nach Maiden klingt. Ist auch logisch, da Maiden eine meiner ersten Bands waren, die ich gehört habe, neben Motörhead.«

Im Song 'Anarchy' heißt es u.a.: „I don't believe politicians, we're born free, preach for anarchy, born equality, one law for all the people.“ Bezieht sich dies auf eine konkrete aktuelle Situation oder ist dies allgemeiner zu verstehen?

»Die politische Lage spitzt sich immer mehr zu, wie auch die Unglaubwürdigkeit der Politiker. Deswegen ist es für mich wünschenswert, wenn wir alle gleichberechtigt behandelt werden würden. Das ist im Großen und Ganzen der Sinn des Songs. Natürlich ist mir auch klar, dass die Anarchie nicht funktionieren kann, aber ein bisschen in die Richtung wäre nicht verkehrt. Auch der Regulierungs- und Bestimmungswahn der EU wird immer extremer. Aber während die Leute in Frankreich auf die Straße gehen, trauen sich die Deutschen das nicht. Und wenn eine größere Gruppierung auftaucht, wird sie gleich niedergeschlagen. Neid und Wut kommen automatisch auf. Einige wenige verdienen viel zu viel, während die meisten ums Überleben kämpfen müssen. Da ist die Ungerechtigkeit und da wünscht man sich schon manchmal 'Anarchy'.«

Der Song 'Shooter' beschreibt den Ablauf eines Amoklaufs aus Sicht des Täters. Bezieht sich dies auf einen konkreten Vorfall?

»Das ist ganz allgemein zu verstehen, da war gerade dieser Däne oder Norweger am Start (gemeint ist Anders Behring Breivik - jd), und da kam mir die Idee, einen Song aus der Perspektive des 'Shooter' zu schreiben. Das war der Hintergedanke.«

Was sind eure Pläne für die nähere Zukunft?

»Ich habe um die 15 oder 17 Songs in petto, zusammen mit den acht von dem Demo, die werden wir demnächst angehen. Dann werden wir hoffentlich nächstes Jahr mit einer neuen Scheibe am Start sein, aber das muss natürlich alles reifen. Dann müssen noch Texte geschrieben werden, das zieht sich dann natürlich. Das wird unsere primäre Aufgabe sein. Und dann natürlich schauen, dass wir so oft wie möglich live spielen können.«

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