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CREATURE

Interview mit der Demoband des Monats 06/13

CREATURE

Die Demoband des Monats Juni kommt aus dem schönen Schwabenländle. Ruhig und beschaulich geht es bei CREATURE allerdings ganz und gar nicht zu. Mit „Helioskron'“, einer Black-Metal-Scheibe vom Feinsten, ergatterte die Combo den Titel „Demo des Monats“ in Rock Hard Vol. 313 und ist derzeit verstärkt auf Label-Suche für die Langrille. Sänger Barth und Gitarrero M.P. nehmen sich trotzdem die Zeit für ein Interview, in dem sie euch die Band und die neue Scheibe vorstellen.

Euer kommendes Album „Helioskron'“ wurde zum Demo des Monats in der Juni-Ausgabe des Rock Hard gekrönt. Überrascht?

Barth: »Ja! „Helioskron'“ ist zwar wie sein Vorgänger „Feindtbild“ eine durchweg solides Stück Schwarzmetall, das durch das durchgängige Konzept nochmals deutlich an Tiefe gewonnen hat. Allerdings hatte ich nicht so schnell mit einer Reaktion gerechnet, da wir ja noch am Anfang stehen, was Release und Promotionarbeit angeht.«

M.P.: »Um ehrlich zu sein, war es tatsächlich sehr überraschend für uns, solch eine gute Kritik einzufahren! Wir waren uns zwar sicher, ein gutes Album produziert zu haben, doch mit solch einer Reaktion hatten wir nicht gerechnet. Umso mehr bestätigt dies uns als Band und unseren konsequenten Weg, den wir schon mit dem „Feindtbild“-Album begonnen hatten, nicht zu stagnieren und stets an unserer Weiterentwicklung zu arbeiten. Dennoch hat „Helioskron'“ wieder mehr Parallelen zu unserem Debüt „Der Ursprung“ , vor allem in der Gitarrenarbeit und den Melodieläufen.«

Bei „Helioskron'“ handelt es sich um ein Konzeptalbum. Könnt ihr den Lesern kurz erklären, was es damit auf sich hat? Habt ihr euch bewusst für die deutsche und gegen die englische Sprache entschieden?

Barth: »Das Grundthema, das sich durch das gesamte Album zieht, handelt vom Erfolg des egoistischen Handelns – Apotheose. Mehr möchte ich momentan noch nicht dazu sagen. Ich will den Einzelnen, denen Musik etwas bedeutet und die sich ernsthaft damit auseinandersetzen wollen, nicht die Möglichkeit nehmen, die Musik und das Thema selbst zu erfahren.
Ja, es ist eine bewusste Entscheidung! Nur in meiner Muttersprache kann ich mit wenigen Worten diese Tiefe und Vielschichtigkeit erreichen, die meiner Meinung nach ein gutes Musikalbum haben sollte. Allein der Albumtitel „Helioskron'“ wäre in einer Fremdsprache nicht möglich gewesen. Der Titel ist die Quintessenz und steht für alles was in den Texten behandelt wird und darüber hinaus braucht es ein klein wenig Hintergrundwissen, um seine Bedeutung zu verstehen. Für mich stellt sich also die Frage, ob „englisch oder deutsch“, erst gar nicht.«

M.P.: »Da für die Texte und das Konzept dahinter ausschließlich Barth verantwortlich ist, werde ich nicht näher darauf eingehen, da letztlich nur er Licht ins Dunkel bringen kann. Als Band stehen wir aber voll und ganz dahinter und ich denke, dass es viel Raum lässt um, sich selbst seine Gedanken darüber machen zu können! Die deutsche Sprache findet bei uns schon seit dem ersten Demo mehrheitlich Verwendung und passt meiner Meinung nach hervorragend zum Black Metal, von daher wird Englisch wohl immer eher eine Seltenheit bei uns bleiben.«

Obwohl ja schon die Vorgängerscheibe „Feindtbild“ durchweg positives Feedback bekam (u.a. stattliche 8,5 von 10 Punkten im Rock Hard), seid ihr nach wie vor ohne Plattenlabel. Was denkt ihr, woran das liegen könnte? Seid ihr den Labels zu unkommerziell oder zu „böse“?

Barth: »Nun es dürfte kein Geheimnis sein, dass Black Metal nach wie vor keine populäre Musikrichtung ist und sich deswegen eben kein Geld damit verdienen lässt. Das ist auch gut so, das macht die Musik ehrlich. Jedoch leiden die Labels am absackendem CD-Markt und das limitiert die Aufnahmebereitschaft neuer Bands deutlich. Ich denke dennoch, dass auch ohne Label jeder echte Undergroundler unser „Feindtbild“-Album kennt.«

M.P.: »Ich denke, dass es momentan allgemein sehr schwer ist, einen vernünftigen Deal an Land zu ziehen. Die Verkaufszahlen sind rückläufig und das Medium CD ist relativ uninteressant geworden. Die Labels signen heute lieber komplette Bands mit einem bekanntem Namen, als Newcomer aufzubauen. Ich sehe dem Ganzen aber relativ entspannt entgegen und bin mir sicher, dass sich in naher Zukunft etwas auftun wird, um unsere Scheibe so schnell wie möglich auf den Markt bringen zu können.«

CREATURE ist eine Band aus dem Stuttgarter Raum und das Schwabenland ist nicht gerade als Hochburg des Black Metal bekannt. Wie habt ihr diese Musik für euch entdeckt und wie kam es zur Gründung der Band?

M.P.: »Es gibt auch in unseren Breitengraden relativ viele und gute Bands, von denen auch einige bekannt sein dürften. Ich für meinen Teil kam Mitte der 90er zum Black Metal und war sofort von der Aura und dem Spirit gefesselt. Dieses Gefühl konnte mir bis dato keine andere Musik bieten und somit war mir sehr schnell klar, dass es nur diese Art der Kunst werden kann. Mitstreiter waren rasch gefunden und somit wurde CREATURE 1997 ins Leben gerufen.«

Gerade im Bereich Black Metal gibt es zwar eine stark ausgeprägte Underground-Szene, der Sprung nach oben scheint aber bedeutend schwieriger zu sein als in anderen Genres, wovon ihr vermutlich ein Liedchen growlen könnt. Habt ihr irgendwann mal daran gedacht, euch zu einem anderen Stil hin zu orientieren?

Barth: »Nein! Ich habe für mich noch keine vergleichbare Musik gefunden die soviel Kraft in mir entfesseln, bzw. mit der man diese weitergeben kann.
Seit meinem Einstieg in die Band hatte ich dazu nie das Gefühl, „unten“ zu sein. Mir sind die treuen Fans, die wir haben, deutlich lieber als irgendwelche vom Trend angespülte Gestalten, die mit der nächsten Welle wieder verschwunden sind.«

M.P.: »Die Popularität von z.B. Metalcore ist einfach viel größer und besser zu vermarkten. Black Metal ist und bleibt ein Subgenre für eine Minderheit, was ich auch begrüße. Dennoch stand nie zur Debatte, dass wir unseren Stil aufgrund besserer Verkaufszahlen oder dergleichen ändern. Wir sind zufrieden mit dem bisher Erreichten und so lange wir uns gegenüber stets ehrlich sind und die Musik kreieren, die in uns schlummert, bestreiten wir den für uns richtigen Weg.«

Obwohl eure Musik amtlich auf die Zwölf geht, fallen gerade an der Gitarrenfront die melodischen Seiten der Band auf. Liegen eure musikalischen Einflüsse ausschließlich im Black Metal, oder spielen da auch andere Richtungen und Bands hinein? Wie würdet ihr selbst euren Stil beschreiben?

Barth: »Black Metal, wie er 2013 zu klingen hat.«

M.P.: »Größtenteils liegt unser Einfluss im Black Metal der 90er, doch auch neuere Bands finden ihren Weg auf unsere Plattenteller. Dennoch würde ich nicht so weit gehen und von direkten Einflüssen sprechen. Wir spielen einfach das, was wir fühlen und das ist nun mal eine gute Mischung aus Rohheit, Brutalität, aber auch dem Verträumten, das der Black Metal innehat. Wir versuchen stets, unsere Musik so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, aber auch dies ist eher in unserem Sinne und nicht pures Kalkül, um eventuell mehr Hörer zu gewinnen. Den eigenen Stil zu beschreiben ist relativ schwer, von daher pflichte ich Barth bei und sage: Deutscher Black Metal, wie er 2013 zu klingen hat!!!«

Seit der Bandgründung 1997 ist ja nicht nur einiges Wasser den Fluss runtergegangen, sondern auch einige Bandmitglieder. Was steckt hinter den zahlreichen Besetzungswechseln?

M.P.: »Der einzig wirklich nennenswerte Wechsel war am Gesang 2006. Unser damaliger Sänger gab seinen Ausstieg bekannt und wurde zum Glück relativ schnell durch Barth ersetzt. Alle anderen Mitgliederwechsel sind eher auf mangelndes Interesse und Talent zurückzuführen. Auch konnten einige nichts mehr mit unserer Entwicklung anfangen, und so war es nur konsequent, dass sie ihren Platz räumten. Doch dies war alles in unseren Anfangsjahren und hat uns nie wirklich ausgebremst. Seit 2006 haben wir ein konstantes Bandgefüge, welches perfekt zusammenpasst. Der Zusammenhalt und Grundgedanke dieser Konstellation ist perfekt für uns und unsere weitere Entwicklung und wird hoffentlich noch Jahre fortbestehen.«

Wie sehen eure Pläne für die nächste Zeit aus? Wann werdet ihr „Helioskron'“ veröffentlichen? Kommt nach dem neuen Album auch eine dazugehörige Tour?

M.P.: »Das primäre Ziel ist vorerst, ein passendes Label zu finden, welches zeitnah unser Album „Helioskron'“ veröffentlicht. Natürlich auch die bestmögliche Promotion und gute Vertriebswege zu erschließen, damit dem Album die Aufmerksamkeit zuteilwird, die es auch verdient. Ich denke, dass man mit dem Release im Herbst/Winter dieses Jahres rechnen kann. Ansonsten werden wir nach unserer fast vierjährigen Auszeit versuchen, wieder etwas mehr auf den Bühnen präsent zu sein, denn dies war stets die Antriebskraft der Band. Eine kleine Promotour für das Album wird in Angriff genommen, aber hier will ich nicht schon zu weit vorgreifen.

Wir bedanken uns für die Möglichkeit eines Interviews bei Euch und hoffen, baldmöglichst den Dämon „Helioskron'“ auf die Menschheit loslassen zu können. Erwartet ein gutes Stück Schwarzmetall, welches es Wert ist, angetestet zu werden! Für zukünftige Infos bezüglich der Veröffentlichung  besucht uns auf  http://www.facebook.com/CreatureOfficial