Online-MegazineInterview

ZIRRUS

Interview mit der Demoband des Monats 06/11

ZIRRUS sind zur Demoband des Monats in ROCK HARD 289 gekürt worden. Die Jungs aus der Schweiz haben mit ihrem Debüt "Garden City" ein modernes Metal-Album abgeliefert, dass von unterschiedlichen Musikstilen inspiriert ist. Im Interview mit den beiden Gitarristen Jonathan und Morris wurde schnell klar, dass die Band neue Pfade beschreiten, sich von Metal-Klischees entfernen möchte und auch der Humor nicht zu kurz kommt.


Woher kam die Idee, eure Band nach einer Wolkenart zu benennen?

Morris: »Das war zunächst einmal eine ewige Diskussion, bis man überhaupt etwas gefunden hat. Es sind fünf Leute mit anderen musikalischen Hintergründen und jeder hat komplett andere Vorstellungen für einen Bandnamen. Und irgendwann hat man sich einfach geeinigt, dass einer was mitbringt und das war dann der Jonathan, der aus einer Laune heraus ZIRRUS genommen hat.«

Jonathan: »Bandnamen sind ja immer so eine Art Überbleibsel vom Anfang und man muss dann damit leben.«

Erzählt uns etwas zum Covermotiv. Man sieht Wolken, Straßen und Wald. Ist das die "Garden City" ?

Jonathan: »Das Ganze war eine Eigenproduktion und das Foto habe ich von meiner Schule aus gemacht. Wir studieren alle und ich verbringe enorm viel Zeit an der Universität. Da bin ich an einem Morgen aufs Dach dort gegangen und hab diese Straße gesehen. Das ist die Einsteinstraße und die CD hätte demnach auch "Einsteinstraße" heißen können. "Garden City" ist ein bisschen was anderes. Das ist eine Bewegung in England, die von dem Architekten Ebenezer Howard gegründet wurde. Es war ein Modell um den rasanten Wachstum während der Industrialisierung in den Griff zu bekommen.«

Haben eure Texte eine tiefere Bedeutung? Die Lyrics von "Meteo" z.B. sind ziemlich abgefahren und witzig.

Morris: »Der Text wurde von unserem Sänger geschrieben. Der Punkt war: Bei uns in Luzern gibt es eine sehr traditionelle Metalszene und die Leute sind in ihrem Horizont manchmal etwas beschränkt, was die Musikauswahl und Toleranz für Neues angeht. Der Text ist eine Art Parodie auf diese Szene. Wenn man es genauer liest, merkt man, dass dort Bandnamen versteckt sind. Dragonforce, Iron Maiden usw., jede Menge kleiner Anspielungen. Im Grunde geht es darum, wie er aus dieser Szene aussteigt. Er ist der Vogel. Früher waren wir selbst Teil dieser Szene, wir haben uns irgendwann in eine andere Richtung entwickelt.«

Was hat es mit dem bizarren Titel "My Brain (Shampoo In The Head)" auf sich?

Morris: »Der Text wurde auch von unserem Sänger geschrieben.«

Jonathan: »Uns ist wichtig, dass die Texte nicht so in den Metalbereich rein gehen. Wir wollen über Dinge schreiben, die uns betreffen. "Shampoo In The Head" handelt davon, dass der Sänger immer vorn steht und von uns gepusht wird. Es ist ein pragmatischer Text. Was man noch dazu sagen sollte: Das ganze Album ist ungefähr wie die Geburt einer Pflanze von der Saat bis zur Blume. Vom Konzept her ist es im übertragenen Sinne die Entwicklung von uns.«

Morris: »Die Instrumentalen Tracks am Anfang, in der Mitte und am Ende sind sozusagen drei Stufen. Die Aussaat, das Wachstum und die Blüte.«

Als junge Band hat man zu Beginn meist bestimmte Vorbilder. Uns fielen etwa Deterrent, Depressive Age, Hexenhaus oder auch Protest The Hero, Between The Buried And Me und Devin Townsend ein. Spielen diese Acts eine Rolle für euch?

Jonathan: »Man muss sagen, dass wir alle einen unterschiedlichen musikalischen Hintergrund haben und das hört man vielleicht auch unserem Sound an. Für mich waren Tool ein großer Einfluss und ein gemeinsamer Nenner sind Lamb Of God.«
Morris: »Ebenso die ganze Göteborger Schule oder auch Neunziger-Bay Area Thrash. Aber auch progressive Sachen, wie Nevermore oder Animals As Leaders.«

Wie ist eure Meinung zum derzeitigen "Djent-Trend", den viele moderne Bands heutzutage aufgreifen?

Jonathan: »Ich habe den Begriff vorher nicht gekannt, aber vom Riffing her ist das schon interessant und wir haben sicher auch gewisse Dinge, die wir davon in unsere Songs integrieren. Aber einen Trend oder eine Bewegung? Es ist heute anders als bei den Metalbands in den Achtzigern, man sollte seinen eigenen Weg gehen und nicht so pseudo-nostalgisch auf alte Linien Bezug nehmen.«

Morris: »Unser Schlagzeuger ist z.B. aber schon bemüht, wenn wir einen geraden Takt spielen, mit der Bassdrum oder dem Hi-Hat einen 3/4-Takt zur Auflockerung zu spielen und es ein bisschen schräg klingen zu lassen.«

Im Netz kursieren einige durchaus positive Kritiken zu "Garden City". Gibt es schon Kontakt zu einer Plattenfirma?

Morris: »Wir hatten Angeboten von ein, zwei kleinen Labels aber das Problem war dann, dass die Konditionen nicht gepasst haben. Die Vorstellungen des Labels und unsere sind dann meist auseinandergeklafft.«

Jonathan: »Es gab vereinzelte kleine Gespräche, aber es gibt nicht wirklich viel dazu zu sagen. Solange wir die Aufnahmen und Covergestaltungen selber hinkriegen, werden wir das auch machen.«

Ein Blick in die Zukunft: Was sind die weiteren Pläne für 2011? Arbeitet ihr bereits an neuen Songs?

Morris: »Wir proben nicht immer wöchentlich. Was immer häufiger vorkommt ist, dass weil alle so sehr mit dem Studium beschäftigt sind, wir uns die einzelnen Teile als Guitar-Pro-Dateien zuschicken. Dann trifft man sich und es kann jeder bereits seinen Part. Wir kommen zwar alle aus Luzern, sind aber in verschiedene Städte zum Studium ausgeflogen und haben andere Dinge zu tun. Vielleicht kommt im nächsten Frühjahr was.«

Jonathan: »Vielleicht kommt im nächsten Frühjahr was.Es gibt die intensiven Phasen und solche, in denen man eher aussetzt und man für sich zuhause an den Gitarren oder dem Gesang arbeitet.  Wir arbeiten langfristig aber auf einen Longplayer hin und haben schon neue Songs, die uns sehr gut gefallen.«