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ATTIC

Interview mit der Demoband des Monats 05/12

ATTIC

Mit ihrem selbstbetitelten Demo sind die Mercyful-Fate-Fans ATTIC bei uns zur „Demoband des Monats“ gekürt worden. Das erste Album soll schon bald aufgenommen und via Ván Records unter die Leute gebracht werden. Grund genug, die Jungspunde mal über angenehm rumpelige Produktionen, unterbewertete Alchemisten, die Beatles und, natürlich, Mercyful Fate auszufragen.

Nennt bitte zuerst die wichtigsten Stationen eurer Bandgeschichte!

»Die Vervollständigung des Line-ups, die positiven Resonanzen auf die ersten Konzerten, die Aufnahme und der Release des Demos, die Anfrage für das Keep It True Festival 2013, der Deal mit Ván Records, „Demo des Monats“ im Rock Hard und allgemein das unerwartet umfangreiche Feedback zum Demo, über das wir uns sehr gefreut haben.«

Eure offensichtlichsten Einflüsse sind Mercyful Fate und King Diamond. Wie seid ihr mit deren Musik in Berührung gekommen?

»Leider können wir diese Frage nicht mit spannenden Anekdoten beantworten. Als wir angefangen haben, Metal zu hören, sind wir früher oder später auf Mercyful Fate/King Diamond gestoßen und waren Fans. Ein unvergleichbarer Sänger, grandiose und zugleich atmosphärische Arbeit an den Instrumenten, spannende Lyrics und Konzepte...wie kann man davon nicht überwältigt sein?«

Was sind eure anderen Einflüsse?

»Da wir seit vielen Jahren passioniert Musik konsumieren, wäre es überflüssig sich hier an einer Auflistung von Bands zu versuchen, aber ich denke unsere Einflüsse stammen überwiegend aus den klassischen NWOBHM, US-Metal & Doom-Metal-Bereichen, weshalb uns die Spielposition beim Keep It True Festival besonders ehrt.«

In letzter Zeit kommen vor allem aus Schweden viele von Mercyful Fate beeinflusste Bands (Ghost, In Sollitude, Portrait). Versucht ihr euch in irgendeiner Weise von diesen Bands abzusetzen?

»Wir freuen uns natürlich, dass es endlich wieder mehrere Bands gibt, die die Musik machen wollen, die wir alle hören und lieben. Wir versuchen uns da allerdings nicht durch einen bewussten Vorgang abzusetzen, da wir uns gar nicht unbedingt in einer Reihe mit den von dir genannten Bands sehen. Natürlich werden wir diesem Subgenre zugeordnet und oft mit oben stehenden Bands verglichen. Dennoch sitzen wir nicht im Proberaum, ziehen uns die neue Portrait oder In Solitude rein und beschließen dann „das müssen wir auch so machen“ oder „Mist, davon sollten wir uns absetzen“. Wir gucken da eigentlich gar nicht auf andere Bands, da wir einen sehr eigenen Stil haben, den man, so hoffen wir zumindest, immer heraushören kann.
Auch wenn man sich natürlich regelmäßig die Kritik, wir seien eine Mercyful-Fate-Wannabe-Band anhören darf, nehmen wir uns das nicht zu Herzen, da wir sehr genau wissen, was wir machen und machen wollen. Wir leben für Musik und stecken unsere gesamte Energie in das Schreiben neuer Songs, ohne den Anspruch, so klingen zu wollen wie diverse andere Bands, oder eine Welle, wie eben die jetzige Okkult-Welle, mitnehmen zu wollen.«

Eure Aufnahmen klingen streckenweise sehr untight und erinnern dadurch sehr an die ersten Gehversuche der klassischen Heavy- und Thrash-Metalbands. War das eine stilistische oder eine Budget-bedingte Entscheidung?

»Wir finden den Charme klassischer Heavy Metal Produktionen natürlich erstrebenswerter als eine moderne, glatt gebügelte Euro-Power-Metal-Platte mit bombastischer Produktion. Allerdings war die Qualität der Aufnahme rein Budget-bedingt. Wir hatten ein paar Songs zusammen und wollten diese in Demoform veröffentlichen, um uns damit bei Veranstaltern und Plattenfirmen zu bewerben. Unser relativ schnelles Songwriting ließ aus drei Songs letztendlich sechs plus einen Coversong werden, die wir dann zeitnah zur Fertigstellung der Arrangements aufnahmen. Die Drums wurden dabei dürftig im Proberaum aufgenommen, während der Rest daheim eingespielt und -gesungen wurde. Da wir Freunde qualitativer Veröffentlichungen sind und sich die Herstellung preislich kaum unterscheidet, kam eine CD-R für unser Demo nicht in Betracht, weshalb wir sie pressen ließen. Für uns ist und bleibt die Veröffentlichung jedoch ein reines Demo.«

Das kurze Gitarrenintro von 'Devourer Of Souls' klingt stark nach den Beatles, finde ich. Seht ihr das ähnlich bzw. seid ihr auch von 60er Beatmusik beeinflusst?

»Obgleich uns die 60er Beatmusik auch bekannt sein dürfte, würde ich ihren Einfluss auf uns weitgehend ausgrenzen. Mit 'Devourer of Souls' haben wir einen Song mit einer ägyptischen Grundatmosphäre und wollten diesen mit einem zweitimmigen Gitarrenintro im Stile von Iron Maiden/Wishbone Ash/Ufo und Konsorten einleiten, weshalb uns deine Beatles-Assoziation beinahe überrascht hat.«

Was fasziniert euch so sehr am Alchemisten Alessandro Cagliostro, dass euer Sangesmeister seinen Namen als Pseudonym übernimmt? Oder hat der Alchemist sein Ziel am Ende gar erreicht und singt nun bei euch?

»Zum einen ist Alessandro Cagliostro ja eine in ihrem Wirken stark verkannte Persönlichkeit, deren Fähigkeiten gänzlich unterschätzt und bis heute ungewürdigt sind. Die dunklen Teilbereiche der Alchemie beinhalten heute längst vergessenes Wissen und sind oft mehr als nur Scharlatanerie. Auch dieser Themenbereich spiegelt sich zuweilen in unseren Texten wieder.
Wer weiß, vielleicht studiert unser Sänger ja gerade in diesem Augenblick erneut die heiligste Trinosophie und probiert, Metall in Gold zu transmutieren, oder aber er versucht mit einem ähnlich hohen Aufwand die neuen Songs, an denen wir gerade arbeiten, zu veredeln.«

Wenn wir schon bei euren Pseudonymen sind: Ist Warrior ein Tribut an Tom Warrior?

»Mit dieser Frage wird eine ganz aktuelle Änderung bei uns angesprochen, denn Warrior ist nicht mehr unser Bassist. Primär ist er der Bassist von Iron Kobra, dessen Pseudonym er auswählte um die Imagediskrepanz zwischen Iron Kobra und ATTIC nicht unglaubwürdig erscheinen zu lassen, da diese auf den ersten Blick unvereinbar erscheinen dürften.
Als wir ATTIC gründeten, stieß er zu uns, da wir schon lange befreundet sind, er die Musik mochte und neue Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit uns sammeln wollte. Da ATTIC jedoch in unerwartet schneller Zeit zu einer zeit-intensiveren Band wurde und Iron Kobra von ihm ebenfalls viel Zeit abverlangt, wurde es schwierig, bei beiden Bands 100% zu investieren, weshalb wir gemeinsam beschlossen, jemand anderem den Bass zu überlassen.
Die Frage nach dem Tom-Warrior-Tribut ist jedoch ein spannender Einwand, denn unser neuer Bassist Chris ist bei der Band Warhammer aktiv und bringt somit dem Schweizer eine große Huldigung entgegen.«

Worum geht es in euren Texten? Nimmt man den Titel 'The Headless Horseman' zum Maßstab, scheint ihr eine Vorliebe für Gruselliteratur/ -Filme zu haben!

»Wir sind große Fans klassischer Horrorfilme und phantastischer Literatur. Während der Proben werden jedes mal angeregt DVDs der bekannten Hammer- oder Amicus-Studios herumgereicht und unserer Liebe zum italienischen Giallo-Film haben wir sogar durch die Beleuchtung auf dem aktuellen Bandfoto Ausdruck verliehen.
In der Literatur sind wir natürlich Anhänger von Autoren wie Lovecraft, Poe, Bierce usw, aber besonders okkulte Romane von Dennis Wheatley, Gustav Meyrink, Franz Spunda und Konsorten ziehen uns in ihren Bann.
Obwohl wir uns darüber hinaus auch ernsthaft mit okkulten Themen auseinandersetzen, wollten wir diesen Bereich nicht überstrapazieren und das Ganze lediglich dezent in das Image und die Texte einfließen lassen. Denn zum einen steht bei uns die über Musik und Text erzeugte Atmosphäre im Vordergrund und nicht eine religiöse oder spirituelle Message, zum anderen sind wir der Ansicht, dass einige Bands, die ihr okkultes Image zu sehr ausreizen, an Integrität verlieren, sobald ihr Schleier des Geheimnisvollen langsam an Dichte verliert. Das Zusammenspiel von Musik und Texten soll unsere Fans in eine bestimme Stimmung bringen und atmosphärisch unterhalten, ohne durch kryptische Inhalte die Anzahl derer, die die Texte verstehen, zu sehr zu reduzieren.«

Ihr habt kürzlich einen Vertrag mit Ván Records unterzeichnet. Was hat euch zur Wahl dieses Labels bewogen?

»Tatsächlich war Ván Records von vornherein unsere erste Wahl. Wie vorhin schon einmal erwähnt, mögen wir liebevoll gestaltete Veröffentlichungen, was mittlerweile beinahe ein Trademark von Ván geworden sein dürfte, da in jedem Release viel Liebe zum Detail steckt und uns in kreativer Weise dort kaum Grenzen gesteckt worden sind. Neben der Qualität des Releases ist man dort sehr stark um das Wohlergehen und Vorankommen jeder Band bemüht, und obwohl noch kein Release von uns dort erschienen ist, hilft und vermittelt man uns, wo man nur kann. Ein weiterer Punkt war für uns die überschaubare Anzahl an qualitativen Bands, die ein Untergehen in der Liste der Veröffentlichungen vorbeugt und die ganze Zusammenarbeit dadurch familiärer gestaltet. Dazu kommt dann noch, dass wir unsere Hörerschaft nicht durch die Wahl eines reinen Heavy-Metal-Labels limitieren wollten und die Genre-übergreifende Mischung bei Ván Records uns dabei eine adäquate Plattform bot, wobei wir von unseren Ansichten und dem Image wohl gut in das Programm des Labels passen dürften.«

Wo wollt ihr mit eurer Musik noch hin?

»Zunächst erscheint im kommenden Monat noch eine Split 7“ mit den Italienern von Walpurgis Night via Dying Victims Productions, die einen unveröffentlichten Song enthält, der noch von den Demoaufnahmen stammt. Danach geht es im September ins Studio, wo wir unsere erste LP aufnehmen, die dann über Ván Records erscheinen wird. In der Zwischenzeit versuchen wir so viele adäquate Konzerte wie möglich zu spielen. Wo wir nach dem erscheinen des Debüt-Albums hin wollen, können wir beantworten, wenn es soweit ist.« 

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

MORGOTH + ATTIC + IRON THOR + BURDEN OF GRIEF + TYRANEX + MORTAL TERROR + MORAST + CHAOS PATH + WAGNIS23.12.2017Kassel. Hotel ReissMASTERS OF CASSEL Tickets
SAXON + TIAMAT + ULI JON ROTH + MARDUK + CIRITH UNGOL + DIAMOND HEAD + BACKYARD BABIES + THE NEW ROSES + NIGHT DEMON + ATTIC18.05.2018
bis
20.05.2018
Gelsenkirchen, AmphitheaterROCK HARD FESTIVALTickets
NAPALM DEATH + IMPALED NAZARENE + GOD DETHRONED + BÖLZER + DREAD SOVEREIGN + VENENUM + NECROWRETCH + ATTIC + MOSAIC + SPASM + u.v.m.12.07.2018
bis
14.07.2018
TorgauIN FLAMMEN OPEN AIRTickets
ATTIC + SEA + GINGERPIG + THE CLAYMORE + TORIAN + DUST + CONTRADICTION + DOWNFALL OF GAIA + VULTURE + LOOMP + u.v.m.05.10.2018
bis
06.10.2018
Paderborn, KulturwerkstattMETAL INFERNOTickets