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AEONS CONFER

Interview mit der Demoband des Monats 04/14

AEONS CONFER

In giftgrüne Sci-Fi-Sphären rund um den Planeten Saturn zieht uns die aktuelle Demoband des Monats AEONS CONFER. Erspielt haben sich die sechs Hamburger den Titel mit ihrer Platte „Symphonies Of Saturnus“. Welche besondere Geschichte dahinter steckt und welche Art von Freiheit sich hinter ihrer Selbstbetitelung „Modern Symphonic Dark Metal“ verbirgt, verraten uns Sänger Bernhard und Gitarrist Simon.

Moin, moin nach Hamburg und Gratulation zum Titel „Demoband des Monats“! Habt ihr euch darauf erst mal ein kühles Astra Rotlicht gegönnt, oder wie habt ihr diese Nachricht gefeiert?

Bernhard: »Ja wir haben uns wahnsinnig gefreut und wissen es wirklich zu schätzen, dass wir diesmal die Auserwählten sind! In „Symphonies Of Saturnus“ steckt eine Unmenge an Herzblut jedes einzelnen AEONS CONFER-Mitglieds, deshalb bedeutet es uns außerordentlich viel, wenn wir durch unser Material überzeugen können.
Allerdings betrachten wir „Symphonies Of Saturnus“ nicht als Demo, sondern als ein vollwertiges Album. Heutzutage entscheiden sich übrigens immer mehr gute Bands ganz bewusst dazu, auf ein Label zu verzichten und veröffentlichen in Eigenregie qualitativ tolle Alben. So lange es eben geht, versuchen wir, wirklich nichts aus der Hand zu geben.
Aber zurück zur Frage: Wir stoßen natürlich nicht zu knapp auf jede der ausnahmslos positiven Rezensionen an. Die Rückmeldungen sind gigantisch.«

Apropos Rotlicht: Man kennt ja dieses bestimmte Viertel bei euch in Hamburg. Wenn ich mir aber eure Videos, Fotos und jegliches anderes Material auf eurer Facebook-Seite anschaue, erstrahlt da wirklich alles in giftgrün. Welche Bedeutung, oder welchen Zweck hat das?

Bernhard: »Diese Farbgebung transportiert ideal jene Sci-Fi-Atmosphäre, die wir auf allen Ebenen erzeugen wollen. Der Kontrast zwischen schwarz und grün repräsentiert das Spannungsfeld zwischen den überwiegend leeren, lebensfeindlichen Tiefen des Alls und dem pulsierenden Leben auf dem Planeten Erde, wobei sich die Menschheit bekanntlich auf zunehmend dünnem Eis bewegt. Dem giftigen Farbton ist also auch eine klar apokalyptische Bedeutung zuzuschreiben. Es geht um eine fantastische, mystisch wirkende, dunkle und vor allem deutlich energiegeladene Stimmung. Die kraftvolle Atmosphäre verleiht uns den kreativen Input, der uns zu „Symphonies Of Saturnus“ geführt hat, und uns ganz sicher weiter begleiten wird.«

Kommen wir mal zu euch als Band. Gegründet habt ihr euch bereits 1997. Wart ihr sechs Freunde, die Lust am gemeinsamen Musizieren hatten, oder wie habt ihr euch gefunden? Mit welcher Intention habt ihr AEONS CONFER gegründet?

Simon: »Nils (Drums) und ich gründeten 1997 AEONS CONFER, nachdem wir unsere Gothic-Metal-Band Viola Dawn auflöst hatten. Wir beide hatten uns dazu entschlossen, eine neue musikalische Ebene zu betreten, in der sowohl musikalische Härte, als auch orchestrale Elemente und Atmosphäre gleichermaßen eine Rolle spielen. Inspiriert durch Bands wie Emperor, Arcturus und Limbonic Art begannen wir eigene Stücke zu schreiben und stellten nach und nach ein Line-up zusammen. Ab 1998/99 wurden dann die ersten Demos aufgenommen, bis dann schließlich 2003 unsere erste EP „The Soul Of The Universe“ erschien.«

„Symphonies Of Saturnus“ ist euer Debüt-Album. Wie kommt es, dass es so lange auf sich hat warten lassen? War es ein harter Weg bis zu diesem Langspieler? Welche wichtigen Bandstationen gab es bis zur Veröffentlichung der Platte in diesem Jahr?

Simon: »Nach unserem vorletzten Output im Jahr 2005 hat sich innerhalb der Band vieles gewendet. Tim und Martin verließen AEONS CONFER und darum brauchten wir erst mal einen neuen Sänger und einen neuen Bassisten. Der Großteil des Albums war bereits 2008 fertig geschrieben, aber es fehlten immer noch die geeigneten Musiker, um es umzusetzen. Mit der Zeit aktualisierten wir konstant unser Repertoire und schrieben neue Stücke. Die Ansprüche an neue Bandmitglieder wurden ebenfalls stetig höher, was unsere Suche nicht gerade begünstigte. Doch im Jahr 2009 landeten wir mit Bernhard am Gesang und Holger am Bass dann absolute Volltreffer. Wir waren wieder eine komplette Band und machten uns daran, das Material zu proben. Nach ein paar Live-Shows hier in Hamburg und Umgebung starteten wir dann im August 2010 die Aufnahmen für „Symphonies Of Saturnus“. Die gesamte Produktionsdauer des Albums umfasste also nahezu drei Jahre. Und ja, es war ein verdammt harter und steiniger Weg bis hierhin, aber wir sind uns alle der Notwendigkeit bewusst und überaus zufrieden mit dem Ergebnis.«

Musikalisch beschreibt ihr euch selbst als „Modern Symphonic Dark Metal“. Was genau versteht ihr darunter und was unterscheidet euch von anderen Bands in diesem Genre?

Bernhard: »Modern Symphonic Dark Metal ist ein Überbegriff, der uns in stilistischer Hinsicht erlaubt, diverse düstere Spielarten des Metal sowohl mit einer satten Portion Bombast, als auch mit neueren Einflüssen der harten Welt zu kombinieren, anstatt für immer und ewig auf irgendeiner starr festgelegten Metal-Schiene herumzureiten und altbekannten Sermon zum x-ten Mal durchzukauen. Auch wenn letzteres natürlich absolut legitim wäre: Wir verfolgen den Anspruch, uns vom Besten, was das Metal-Genre aus unserer Sicht zu bieten hat, inspirieren zu lassen, ohne dass wir uns auch nur im Entferntesten verbiegen, oder stillstehen müssten. Von daher spielen traditionelle Elemente, beispielsweise aus Black- und Death-Metal, ebenso eine Rolle, wie Progressive- oder Modern-Metal-Einflüsse. Genauso selbstverständlich treffen symphonische, klassische Arrangements auf sphärische Synthesizer-Soundteppiche und Industrial-Elemente, oder Growl- auf Klargesang. Über diese Freiheiten zu verfügen und alle Fäden selbst in der Hand zu behalten, ist für AEONS CONFER essenziell.«

Michael Rensen wirft in seiner Rezension Namen wie Dimmu Borgir und Devin Townsend in den Raum. Könnt ihr euch damit identifizieren? Was sind eure Einflüsse und wie stark ist deren Wirkung auf eure Musik?

Simon: »Devin Townsend und Dimmu Borgir sind definitiv weit oben in unseren Playlists und ein Vergleich mit diesen beiden Bands ist naheliegend, da sie uns musikalisch ziemlich beeinflusst haben, was sich demnach auch in unserer Musik widerspiegelt. Den stärksten Einfluss seither haben allerdings Emperor auf uns. Deren Album „Anthems To The Welkin At Dusk“ war eine Art Initialzündung für uns.
Doch in welchem Maße sich die Einflüsse anderer Künstler auf die eigene Musik auswirken, findet eher unbewusst statt. Wir legen eher ein besonderes Augenmerk darauf, neue Wege zu beschreiten, als Altbewährtes zu reproduzieren.«

Bezieht ihr Inspirationen nur aus Musik, oder auch aus anderen Künsten oder sogar dem Leben an sich?

Simon: »Ich ziehe meine Inspirationen eigentlich aus allem, was mich umgibt. Von Alltäglichem, über Musik, bis hin zu Kunst oder Filmen ist alles dabei. Ich denke, ich habe dabei einen Weg für mich gefunden, Eindrücke zu kanalisieren und musikalisch umzusetzen. Ich brauche allerdings auch nicht erst eine Inspiration, um mich ans Werk zu machen, denn in den meisten Fällen entwickeln sich die Ideen während des Schreibens.«

Wovon handeln die Lyrics auf „Symphonies Of Saturnus“? Gibt es ein Thema, das sich durch das Album zieht, oder sind es mehrere? Welche Rolle haben die Songtexte für das Gesamtkonzept von AEONS CONFER?

Bernhard: »Bei „Symphonies Of Saturnus“ handelt es sich um ein Konzeptalbum mit einer Story, die sich durch das gesamte Album zieht. Der Planet Saturn nimmt in der menschlichen Geschichte interessanterweise schon immer eine besondere Bedeutung ein, das bezeugen zahlreiche antike Mythologien, Religionen und Lehren. Saturn scheint die Menschheit schon immer in seinen Bann gezogen zu haben. Wer sich in die Konzeptstory vertieft, begibt sich also aus der Sicht des Protagonisten auf eine Reise, die unter dem Einfluss saturnischer Energien steht. Der Auserwählte erfährt die volle Macht und Weisheit eines auf ihn einströmenden Wissens, das ihn zunächst völlig verstört, da er plötzlich die Welt in ihrem scheinheiligen Lügengerüst entlarvt. Durch diese schmerzhafte Erkenntnis verändert er seine Persönlichkeit und Erscheinung und schöpft eine innovative Kraft. Die Verwandlung zu einem saturnischen Wesen ist in jeglicher Hinsicht leidensvoll und peinigend, doch es lohnt sich: Der Protagonist leitet das wohlverdiente Finale des Planeten Erde ein und wächst dabei weiter über sich hinaus.

Zusammenfassend geht es in der dystopischen Story also darum, über das Leid zur Reife zu gelangen. „Symphonies Of Saturnus“ ist ganz bewusst so angelegt, dass Musik und Geschichte als Einheit zu betrachten sind - und trotzdem kann jeder Song für sich stehen. Das alles umzusetzen war eine gewisse Herausforderung, die aber durch und durch gelungen ist. Mit dem neuen Material, an dem wir gerade arbeiten, werden wir ganz ähnlich verfahren. Simon schüttelt derzeit ein paar unfassbare Ideen aus dem Ärmel.«

Gibt es auch ein bestimmtes Konzept für eure Live-Shows? Ich habe ein wenig geforscht und vereinzelte Live-Videos gefunden, daher scheint ihr schon öfter die Chance gehabt zu haben, live zu performen. Was kann man da von euch erwarten?

Bernhard: »Genauso wie auf dem Album versuchen wir auch bei den Shows eine einheitliche Wirkung zu erzeugen. Natürlich geht es um Musik, das versteht sich von selbst. Aber diese auch optisch erfahrbar zu machen, verlangt förmlich nach einer brachialen Live-Performance, die der Musik in nichts nachsteht. Wer bei einem AEONS CONFER-Konzert war, weiß, was er von unserem Stageacting zu erwarten hat. Die Leute sollen den besonderen, impulsiven Spirit nicht nur hören, sondern erleben, Stichwort Abrissbirne. Unsere Soundwand live umzusetzen, bringt den einen oder anderen Soundmann ins Schwitzen, aber das ist auch gut so: Unser Publikum reagiert enthusiastisch, sei es letztes Jahr auf dem Summer Breeze, dem Dong Open Air oder auch bei anderen Festival- und Clubshows. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an alle, die uns in den letzten Jahren supportet haben! Wir freuen uns übrigens schon sehr auf den nächsten Live-Impact!«

Nun habe ich nicht nur Live-Videos, sondern auch euer Musikvideo zu 'The Soul Of The Universe' von 2006 entdeckt. Ich muss zugeben, ich habe mich irgendwie zurück in die Neunziger gebeamt gefühlt und war schon ein wenig amüsiert. Wie steht ihr heute zu dem Clip?

Simon: »Den Videoclip zu `The Soul of the Universe´ haben wir bereits 2003/2004 gedreht und er hat gewissermaßen einen Kultstatus erlangt. Technisch gesehen ist der Clip natürlich nicht mit unseren aktuellen Videos zu vergleichen, aber darum geht es auch nicht. Er hat den Geist der Zeit eingefangen und zeigt, woher wir kommen und wie wir uns entwickelt haben.«

Was kann man in Zukunft von euch erwarten? Welche Pläne schmiedet ihr?

Simon: »Derzeitig sind wir dabei neue Liveshows zu organisieren, um „Symphonies Of Saturnus“ live zu promoten. Der bislang nächste Gig findet am 07.06.14 im Hamburger Knust statt.
Des Weiteren arbeiten wir an einem Konzept für unser nächstes Video und ich bin bereits dabei, neues Material für das nächste Album zu schreiben.«

Eure letzten Worte an die Leserschaft?

Bernhard: »Ich hoffe doch sehr, dass dies auf gar keinen Fall unsere letzten Worte sein werden! Wir werden noch einiges zu sagen haben. Jedem Rock-Hard-Leser können wir wärmstens den AEONS CONFER Youtube-Channel ans Herz legen, damit sich jeder einen eigenen Eindruck verschaffen kann. Dort könnt ihr zum Beispiel unser neuestes Video zum Song 'ESP' und auch zu 'Aeonized' sehen, und einiges Andere mehr. Wer sich für „Symphonies Of Saturnus“ interessiert, soll sich nicht scheuen, uns zu kontaktieren – der direkte ist wirklich der allerbeste Weg, um an die CD zu gelangen! Auch iTunes und Co. sind auf euch gefasst. Andernfalls verpasst ihr natürlich die Vollpackung. Aber ich mache mir eigentlich keine Sorgen: Der Saturn kriegt euch alle.«

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