Online-MegazineInterview

PURE SWEET HELL

Interview mit der Demoband des Monats 04/12

PURE SWEET HELL

Mit ihrem zweiten Album „Spittng At The Stars“ konnten PURE SWEET HELL den Titel „Demo des Monats“ in RH Vol. 299 abstauben. Die Band um ex-Nevermore-Drummer Van Williams stand uns im Interview Rede und Antwort.

Das Zitat des Openers eurer Scheibe „Spitting At The Stars“ stammt aus einer Episode der alten Sci-Fi Serie „The Outer Limits“. Was hat euch dazu verleitet, dieses Zitat auszuwählen? Wer ist der Sci-Fi-Hardliner in eurer Truppe?

Chris: »Ich liebe die alten Episoden von Outer Limits und Twilight Zone einfach. Van hat für unsere Aufnahmesessions ein paar Demos gebastelt, auf denen er ausschließlich solche Sprachsamples- und Clips verwendet hat. Die Dinger schaffen eine Atmosphäre, die uns hilft unsere Ideen weiterzuentwickeln. Er hat dadurch jedenfalls noch jede Menge Samples für zukünftige Songs in petto.«

Van: »Ja, das sind ganz herausragende Serien!«

Welche Musik, Bücher, Filme, etc. aus dem Bereich der Science-Fiction haben euch womöglich inspiriert?

Van: »Für „Spitting At The Stars“ kann man The Outer Limits definitiv als inspirierend bezeichnen. Das spiegelt sich sowohl musikalisch als auch im Artwork wider.«

Chris: »Wir alle hatten schon immer eine Affinität zu Science-Fiction generell, seien es nun Filme, Fernsehserien, Comics oder Romane. Ich liefere die musikalischen Ideen ab, Dean und Van übernehmen dann den Entwurf eines Konzepts – also Story und Lyrics. Van könnte dir mehr erzählen über den dunklen Anti-Helden, den der Protagonist unseres aktuellen Albums darstellt, dort sind beispielsweise auch alle Songs halbwegs miteinander verwoben.«

Nach dem Release von „The Voyeurs Of Utter Destruction As Beauty“ habt ihr euch von eurem damaligen Label Crash Music Inc getrennt. „Spitting At The Stars“ erschien wieder als Eigenveröffentlichung. Seid ihr momentan wieder um ein neues Label bemüht?

Van: »Momentan kommen wir recht gut damit klar, die CD eigenständig und direkt an die Kunden zu verkaufen. Wir halten das für eine gute Sache für einen fairen Preis; sie reichen eine Bestellung ein und wir verschicken sie dann, auf Wunsch hin personalisieren wir die CD auch. Ich würde mich freuen, PURE SWEET HELL wieder bei einem Label untergebracht zu wissen, das sich in steter Rücksprache mit der Band um Vertrieb, Marketing und Konzerte kümmern würde. Ein ordentliches Label oder Management wäre für diese Sachen schon ziemlich praktisch.«

Boris Kaiser hat euer Album unter anderem für den „lupenreinen“ Sound gelobt – welche Rolle hat John Winters bei der Produktion dieses speziellen Punktes geliefert?

Chris: »John war ein hervorragender Techniker und enorm wichtig für uns, um saubere Aufnahmen zu erstellen. Er hat ein ausgezeichnetes Gehör für Effekte, die frühen Phasen des Abmischens und die Rolle des Produzenten in bestimmten Songs und Arrangements perfekt gefüllt.«

Die letzten fünf Bilder in der Fotogalerie eurer Homepage scheinen wohl in einem privaten Kellerstudio aufgenommen worden zu sein. Um wessen Keller handelt es sich da?

Van: »Jepp! Dabei handelt es sich um meinen Keller, die Fotos sind schon etwas älter, aus der Anfangszeit in der ich erst anfing, dort unten ein kleines Heimstudio zu bauen. „Spitting At The Stars“ wurde dort komplett aufgenommen.«

„Spitting At The Stars“ strotzt vor Gastauftritten – unter anderem von Glen Drover und Jeff Loomis. Das Gastspiel von Jeff Loomis wird ja wahrscheinlich Van eingefädelt haben, aber wie schaut es mit den anderen Gastmusikern aus? Woher kennt ihr euch?

Van: »Es sind allesamt Jungs von ehemaligen gemeinsamen Touren, Festivals etc., mit denen ich im Nachhinein via Mail oder Telefon in Kontakt blieb und die ich mittlerweile zu meinen engsten Freunden zähle. Das Ganze lief dann so ab, dass ich alle gebeten habe, sich die Songs anzuhören, sich irgendeinen auszusuchen zu dem sie ein Solo beitragen könnten und letzten Endes hat fast jeder einen anderen Song gewählt, es funktionierte also schon mal reibungslos! Attila und Steve wollten beide ein Solo zu 'Created' spielen, kurzerhand haben wir also einfach zwei Soli in den Song eingebaut. Jeff, der sich 'Stick Inside' aussuchte, habe ich dann gebeten sein Solo mit einer Akustikgitarre zu beginnen. Er hat letztlich den Nagel genau auf den Kopf getroffen, was den Solo-Stil betraf, den wir speziell für diesen Track suchten. Ich kann den Jungs nicht genug für ihr Mitwirken am Album danken!«

Auf eurer Homepage äußert ihr euch selbst kurz zu der Schwierigkeit, euer Schaffen in eine Genre-Bezeichnung zu pressen. Theodor Adorno, ein deutscher Soziologe und Philosoph, hat das, was wir heute Genre nennen, einstmals – grob gesagt – verstanden als rationalen Weg, dem Konsumenten Produkte seines vermeintlich persönlichen Geschmacks effektiver zu verkaufen. Welche Funktion erfüllt die Klassifizierung von Musik in Genres eurer Meinung nach?

Van: »Sie ist bis zu einem gewissen Grad ein notwendiges Übel, wenn du nicht 100 Jahre suchen willst um etwas zu finden, das du magst. PURE SWEET HELL gehören zwar deutlich ins Genre 'Metal', aber mir fallen keine weiteren Begriffe zur Verfeinerung der Einordnung ein.«

Chris: »Ich denke Klassifizierung erfüllt genau diesen Zweck – sie erleichtert den Verkauf. Ich denke sie ist in gewissem Rahmen zwar erforderlich, aber wir persönlich wollen uns weiterentwickeln, Stile mischen und einfach unvoreingenommen kreativ sein, auf der Basis all jener unterschiedlicher Einflüsse, die jeder von uns mitbringt. Wenn „Spitting At The Stars“ in kein spezifisches Genre passt, dann soll uns das recht sein.«

Boris meint in seinem Review, starke Ähnlichkeiten zwischen dem Refrain eures Songs 'Heroes' und Slayers Stück 'Seasons In The Abyss' feststellen zu können. Versehen oder Absicht eurerseits, oder hat Boris sich verhört?

Chris: »Hahaha! Da hat er wohl richtig gehört! Nachdem ich die Riffs des Songs das erste mal gehört habe, fing ich recht schnell an die Lyrics zu schreiben. Darauf folgte eine Nacht, die im Wesentlichen aus vehementem Testbrüllen von Vocalparts und selbstgemachten Drinks bestand. Vermutlich habe ich mich da unterbewusst bei der Slayer-Melodie bedient. Sowas kommt ab und an vor, ich meine, vor allem wenn du total vertieft darin bist, deinen Song zu schreiben, zu formen und zu verändern. Dann spielst du es einem Monat später irgendwem vor und die Reaktion ist 'Ey, der Part hier hört sich ein bisschen nach Slayer an!', denkst dir nur 'heilige Scheiße, der hat recht', haust deinen Kopf gegen den nächstbesten Spind, läuft durch den Flur und schreist 'Slayer! Slayer!'. Naja, wie gesagt, Boris hat sich nicht verhört!«