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SHADED ENMITY

Interview mit der Demoband des Monats 03/12

SHADED ENMITY

SHADED ENMITY aus Seattle sind mit ihrem bereits dritten selbstproduzierten Longplayer "Hijo Perdido" am Start und haben sich damit den Titel „Demo des Monats“ in Ausgabe 298 gesichert. Frank Albrecht beschreibt die Songs als „garstig und heavy“, wir fühlten Bandkopf Joe Nurre auf den Zahn:

Bitte beschreibe uns die wichtigsten Stationen der Bandgeschichte!

»Zuerst einmal, möchte ich mich für eure Berichterstattung bedanken! Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr wir das zu schätzen wissen. SHADED ENMITY wurde gegründet, als ich noch in der Highschool war. Ich war 16 Jahre alt, als ich angefangen habe, Auditions abzuhalten. Ursprünglich habe ich nur die Vocals übernommen, aber dann haben wir beschlossen, unseren Stil zu verändern und ich habe den anderen Gitarristen ersetzt. SHADED ENMITY waren damals eine straighte Death-Metal-Band, aber ich wollte mich eher auf melodischen Death Metal verlegen, also haben wir uns mit unserem ehemaligen Gitarristen Chris Mannino geeinigt, das wir den Bandnamen SHADED ENMITY behalten und er unter dem Namen Evangelist weiter macht. Wir brachten 2003 eine EP raus, die „From the Heavens They Fell“ hieß, und 2004 kam dann unser Debüt „Thought And Remembrance“. Danach verloren wir unseren Originaldrummer Jer Keller, und es war schwer, einen Ersatz zu finden, deshalb haben wir eine Pause eingelegt. Ich habe in der Black-Metal-Band Inquinok gespielt, bevor ich mich entschieden habe, SHADED ENMITY zu reformieren. Simon Dorfman von Inquinok hat zugestimmt, die Drums zu übernehmen und Rob Steinway, der auch bei Inquinok Bass gespielt hatte, ist ebenfalls ins Line-up zurückgekehrt, so wie er auch im Original-Line-up dabei war. 2009 haben wir dann das Full-Length-Album "Like Prayers On Deaf Ears" aufgenommen und herausgebracht, und 2010 haben wir "Hijo Perdido" aufgenommen, das 2011 erschienen ist. Rob Steinway hat die Band dann 2010 verlassen und wurde durch Steven Cheng ersetzt. Unsere Liveshows bestreiten wir zu viert, ich an Gitarre und Gesang, Steven Cheng an der Gitarre, Jesse Heidner am Bass und Simon Dorfman an den Drums. Das müssten so ziemlich die wichtigsten Stationen der Band sein.«

Was sind eure größten musikalischen Einflüsse?

»Mein größte Einfluss kommt aus der Spät-Neunziger/Früh-2000er Göteborg-Szene. Bands wie In Flames, Gardenian, Soilwork und Dark Tranquility waren große Einflüsse auf das 2004er Album „Thought And Remembrance“. Ich mag auch Bands wie Kalmah, Mors Principium Est und Nevermore, somit haben die mich ebenfalls beeinflusst. Merkwürdigerweise hat mich auch die Neunziger Rockmusik stark beeinflusst. Alben wie „Siamese Dream“ von den Smashing Pumpkins, „Sixteen Stone“ von Bush oder „Ixnay On The Hombre“ von The Offspring haben meine Musik sehr beeinflusst. Vielleicht weniger den Stil, aber bezüglich der Dynamik. All diese Alben haben eine tolle Dynamik und sind voller Emotionen. Das ist einer der Gründe, warum ich mich für diese Art von Musik entschieden habe: Es liegt an den Emotionen, die durch die Musik vermittelt werden können. Ich bin auch an Jazz und ein bisschen Neunziger-Rap interessiert.«

In unserem Review wurde Naglfar als möglicher Einfluss genannt. Stimmt das?

»Glaubt es mir oder lasst es bleiben, aber ich habe vielleicht ein oder zwei Songs von Naglfar gehört, also kann man nicht wirklich sagen, dass sie ein großer Einfluss für mich sind.«

Wie schreibt ihr eure Songs? Entstehen sie in Jamsessions oder kommt einer von euch mit kompletten Songs an?

»Ich übernehme das Songwriting in der Band. Ich schreibe alle Songs auf einem kleinen Aufnahme-Setup, das ich besitze, und gebe sie dann an die anderen weiter. Ich nehme alles zu einem Clicktrack oder einem Metronom auf, auch wenn viele Leute sich lieber einen Drumcomputer programmieren. Ich möchte Simon halt so viele Freiheiten wie möglich geben. Ich tabbe die Gitarren- und Bassspuren und schicke sie an Steven und Jesse. Manchmal brauche ich ein paar Tage, um einen Song zu schreiben, manchmal kommt er in ein paar Stunden raus. Den Song 'One Way Out' habe ich zum Beispiel in vier Stunden geschrieben. Die Struktur und alle Melodien des Songs haben ihren Anfang genommen, als ich vor dem Computer gesessen habe und ein paar Stunden geschrieben habe.«

Shaded Emnity - Hijo PerdidoWo siehst du die Unterschiede zwischen „Hijo Perdido“ und euren anderen Alben?

»Der größte Unterschied zwischen „Hijo Perdido“ und "Like Prayers On Deaf Ears" ist definitiv die Produktion. Wir konnten mit dem Engineer für „Hijo Perdido“ ein viel höheres Level erreichen, was die Produktion angeht. Wir haben mit einem Kerl namens Aaron Smith zusammengearbeitet, der gerade erst mit dem Mix für das neue Jeff-Loomis-Soloalbum fertig geworden ist. Ich hab auch ein paar Soli auf „Hijo Perdido“ hinzugefügt, etwas, was wir auf „Like Prayers...“ nicht wirklich gemacht haben. „Hijo Perdido“ und „Like Prayers...“ unterscheiden sich natürlich etwas von „Thought And Remembrance“, weil wir da noch einen anderen Drummer hatten. Es gab absolut keine Blastbeats oder anderes Extremdrumming auf diesem Album, während wir auf „Like Prayers...“ Blastbeats und auch sonst alle möglichen Arten von verrücktem Drumming haben. Auf dem aktuellen Album sind wir zufriedener mit dem Klang meiner Stimme.«

Wer ist der Mann am Rand der Welt ('Man At The Edge Of the World')?

»'The Man At the Edge Of The World' handelt von jemanden, der sehr extrem lebt und sich sorglos, gierig und egoistisch verhält. Jemand, der eine sehr kalte und distanzierte Sicht auf das Leben hat und damit alle Menschen um sich herum ansteckt und vergiftet. Jemand, der sich hinter einer falschen Persönlichkeit versteckt und andere Leute verletzt, um zu bekommen, was er will. Am Ende wird er nichts besitzen.«

Was bedeutet euer Bandname?

»SHADED ENMITY ist ein Begriff für eine dunkle Form des Hasses. Chris Mannino hat den Begriff ursprünglich mal eingeworfen, und wir mochten ihn, deshalb haben wir ihn behalten, als er die Band verließ.«

Warum habt ihr jetzt schon drei Alben in Eigenregie veröffentlicht? Habt ihr kein Label gefunden, oder steckt da etwas anderes dahinter?

»Wir haben viele Jahre lang versucht, ein Label zu finden, leider ohne Erfolg. Ich habe über 40 Exemplare von "Like Prayers On Deaf Ears" an verschiedene Labels verschickt, und wir haben keine einzige Antwort bekommen. Dasselbe mit „Hijo Perdido“. Ich habe wieder viele Labels für dieses Album kontaktiert, wurde aber immer abgewiesen, entweder weil unser Stil nicht gepasst hat oder das Label voll ist, oder ich habe gar keine Antwort bekommen. Das letzte Label, das uns geantwortet hat, war Century Media, und deren Vertreter sagte uns, das unser Musikstil nicht das ist, wonach sie gerade suchen. Das ist ziemlich frustrierend, deshalb haben wir die Alben selbst veröffentlicht. Ich werde nicht ewig warten, ein Album herauszubringen, nur weil sich kein Label findet. Es kostet natürlich viel mehr Geld, wenn du es selbst machst, aber dieses Geld ist es dann auch wert. Ich bin sehr stolz darauf, dass es uns möglich war, die Alben selbst rauszubringen und zu verkaufen. Ich würde liebend gern mit einem Label zusammenarbeiten, aber es liegen halt keine Angebote vor. Ich glaube, beim richtigen Label wären wir eine wirklich gute Band. Wir arbeiten hart und machen ständig Musik.«

Du bist auch Teil der Liveband von Jeff Loomis (Ex-Nevermore-Gitarrist). Hat Jeff Einfluss auf SHADED ENMITY ausgeübt?

»Seit ich angefangen hab, öfter siebensaitige Gitarre zu spielen, hat Jeff Loomis mich definitiv in meinem Spiel und meinem Songwriting beeinflusst. Einiges von dem neuen SHADED ENMITY-Material, an dem ich gerade arbeite, ist definitiv von ihm beeinflusst, und ich habe mein Spiel stark verbessert, seit ich mit ihm zusammen spiele. Das gesamte SHADED ENMITY-Material ist auf dem Siebensaiter geschrieben.«

Wenn Europäer an Seattle denken, assozieren sie das zuerst mit Grunge und vor allem Kurt Cobain. Wie präsent ist dieses Erbe im heutigen Seattle?

»Das ganze Interesse an Grunge/Kurt Cobain scheint in den frühen 20ern zu enden, wenn nicht sogar schon mit dem Ende der High School. Als ich 13 war, hat mich Nirvana und der Grunge sehr interessiert, aber wenn heute ein Song von Nirvana oder Pearl Jam im Radio kommt, wechsle ich den Sender, weil ich den Kram einfach nicht mehr hören kann. Es wurde einfach viele Jahre lang zu viel gespielt. Versteht mich nicht falsch, es gibt immer noch viele Bands, die dieses Grunge-Ding durchziehen, es ist nur nicht mehr so beliebt. In den Neunzigern hatten wir viele obdachlose Jugendliche, die dann diesen Grunge-Lebensstil angenommen und geprägt haben. Heroin war sehr beliebt, und du hattest viele Leute, die halt in Gruppen auf der Straße gelebt haben. Am Ende hat die Stadt ein Gesetz erlassen, dass sie von diesen Camps befreien sollte, deshalb sind viele von den Kids nach Norden bis Vancouver, BC, gezogen. Heute hat man in Seattle ein ganz andere Szene. Es gibt Dinge wie das EMP (Experience Music Project), das als Museum für die Seattle Musikszene verstanden werden kann.«

Was sind deine Ziele mit der Band?

Wenn man mal davon absieht, dass ich gerne bei einem Label unterkommen würde, ist das primäre Ziel, nach Europa zu kommen und für unsere dortigen Fans zu spielen. Wir haben so viele Fans in Europa, speziell in Deutschland, dass ich gerne rüber kommen würde, um für sie zu spielen. Wir bekommen viele CD-Bestellungen aus Deutschland, Italien, Österreich, Ungarn und vielen anderen Ländern. In Europa Festivals zu spielen oder vielleicht sogar eine Tour durchzuziehen ist das, was ich aktuell am liebsten machen würde.«