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OLD MOTHER HELL

Interview mit der Demo/Eigenproduktionsband 12/17

OLD MOTHER HELL

Die Mannheimer OLD MOTHER HELL bezeichnen sich zwar als „kraftvoll, erdig, herb“, sind aber keine Werbeträger für gutes Bier, sondern gestandene Metaller, die Wert auf Authentizität legen. Das hört man auf ihrer selbstbetitelten Debüt-EP, die zum Tipp des Monats unter den Eigenproduktionen in Rock Hard Vol. 367 gekürt wurde. Wir sprachen mit Sänger und Gitarrist Bernd Wener.

Bernd, magst du uns etwas über die Entstehungsgeschichte von OLD MOTHER HELL verraten?

»Old Mother Hell gingen aus den Mannheimer Thrashern Hatchery hervor. Ronny (Ronald Senft, b.) und Ruben (André, b.) begannen irgendwann 2015 zusammen mit dem letzten Hatchery-Sänger und -Gitarristen Robert Hoffmann, an gänzlich neuem Material zu werkeln. Raus aus dem doch relativ engen Thrash-Korsett, hin zu dem Stil, der heute auf unserem Debüt zu hören ist. Ich stieß dann im Herbst 2015 zunächst als Sänger dazu, weil ich nach einer neuen Band suchte. Nach einem ersten gemeinsamen Auftritt im März 2016 übernahm ich auch die Gitarre, da Robert aus Zeitgründen leider aus der Band ausscheiden musste. In der aktuellen Besetzung gibt es uns somit etwa seit Mitte 2016.«

„Old“ Mother Hell ist also noch sehr jung!

»Ja, die Band ist recht jung. Wir dagegen sind mit Mitte bis Ende 30 jetzt nicht die unbeschriebensten Blätter. Jeder von uns ist bereits seit vielen Jahren musikalisch aktiv. Ruben und Ronny zuletzt viele Jahre eben bei Hatchery, ich unter anderem bei den nicht mehr existierenden Shapeshift und bei einem recht wilden Studio-Projekt namens Maladie aus Ludwigshafen. OLD MOTHER HELL ist aber für jeden derzeit und auf langfristige Sicht gedacht die einzige Band.«

Wie kam es schon zwei Jahre nach Bandgründung von OLD MOTHER HELL zur Aufnahme des Albums? Normalerweise steckt eine Band da noch in Kinderschuhen.

»Wir sind einfach eine klassische Proberaum-Band, die sich einmal pro Woche trifft, um ordentlich Dampf abzulassen. Da entstehen dann auch schnell neue Ideen. Aus der Zeit mit Robert hatten wir auch bereits ein paar Songs. Als ich dann die Gitarre übernahm, mussten wir noch mal ein wenig umarrangieren, da ich weder Roberts Finesse an der Gitarre besitze, noch über seine Parts zusätzlich hätte singen können. Außerdem hatten wir recht flott auch drei neue Songs geschrieben, und so war das Material für das Debüt aus gut gereiften "alten" und frischen neuen Songs recht schnell zusammengestellt.«

Wie sieht die Metal- und Epic-Doom-Szene in der Rhein-Neckar-Region aus? Wo und wie positioniert ihr euch da?

»Zunächst mal sehen wir uns selbst nicht als klassische Doom-Band. Wir würden uns eher mit Bands wie Argus, Grand Magus, Atlantean Kodex oder Slough Feg vergleichen. Also mit Bands, die ihren Schwerpunkt mehr im klassischen Metal haben. Daher würde ich jetzt tendenziell auch eher die generelle Mannheimer Metal-Szene in Betracht ziehen, die ich - als relativer Neuling hier in der Gegend - als recht aktiv und äußerst gut vernetzt und hilfsbereit untereinander wahrnehme. Sei es das jährliche Rhein-Neckar-Metal-Festival oder beispielsweise auch der 7er Club in Mannheim. Ich fühle mich diesbezüglich hier sehr wohl. Ich komme ganz ursprünglich aus dem Fichtelgebirge in Oberfranken, hatte aber bis 2014 lange Jahre in Erlangen gewohnt.«

Habt ihr das Gefühl, dass eine Old-School-Welle durch die Metal-Szene schwappt, die für euch genau zum richtigen Zeitpunkt kommt? Und wie genau ist es zu eurer „Schublade“ Epic Doom Metal gekommen?

»Insbesondere durch Festivals wie das 2003 erstmals stattgefundene Doom Shall Rise wurde Doom in Deutschland sicherlich bekannter und populärer. In unserer Wahrnehmung steht insbesondere Doom für unverfälschte Heaviness. Die Doom-Fans lieben - genau wie wir - authentische Musik. Ich denke, dass über die Doom-Nische hinaus im Metal- und Rock-Bereich derzeit wieder mehr Wert auf authentischen Sound gelegt wird, als noch in den letzten ein bis zwei Jahrzehnten. Für mich sind Night Demon und deren aktueller Erfolg ein sehr gutes Beispiel dafür. Auch die Retro-Welle im Hard Rock, mit Bands wie The Devil's Blood, Blues Pills, Graveyard, Horisont oder Dead Lord haben sicherlich einen großen Teil dazu beigetragen. Man kann also sagen, wir haben mehr das Gefühl, dass die Fans allgemein wieder Bock auf authentischen Sound haben. Genau wie wir, weshalb wir unser Album genau so aufgenommen haben.«

Wie fühlt ihr euch als Tipp des Monats im Rock Hard?

»Ich bin hier wie ein kleiner Junge kurz vor Weihnachten durch die Wohnung gelaufen und wollte am liebsten sofort mit meinen Bandkollegen darüber sprechen. Dummerweise hatte ich keinen von beiden direkt erreichen können. Wir sind absolut aus dem Häuschen, gleich mit dem Debüt so eine Resonanz zu bekommen. Es gab ja in den sozialen Netzwerken schon einiges an Feedback und entsprechend ordentlich lief auch der Verkauf. Derzeit gibt es die CD ausschließlich über unsere eigene Homepage www.oldmotherhell.de. Auch darüber kommen immer wieder sehr positive Rückmeldungen von den Leuten. Es ist wie ein feuchter Traum unserer pubertierenden Ichs, der jetzt wahr wird. Zur richtigen Zeit mit der richtigen Musik und Einstellung am richtigen Ort. Danke auf diesem Wege an alle, die bisher daran teilhaben!«

Ihr seid mittlerweile beim italienischen Label Cruz Del Sur untergekommen. Wie kam der Kontakt zustande?

»Wir haben ehrlich gesagt nur eine einzige Bewerbung geschrieben - allerdings bei einem deutschen Label. Die Antwort und Art und Weise, wie der Kontakt ablief, hat uns allerdings dermaßen abgeschreckt, dass wir die weitere Suche eingestellt und die CD als Eigenveröffentlichung herausgebracht haben. Zum Kontakt mit Cruz Del Sur kam es dann interessanterweise per Mund-zu-Mund-Propaganda: Wenige Wochen nach der Eigenveröffentlichung schrieb uns Enrico Leccese an. Er sei bereits von mehreren Freunden auf uns aufmerksam gemacht worden und auch die Songs auf unserer Webseite hätten ihn neugierig gemacht. Da die CD bereits veröffentlicht war, einige Fans aber schon nach Vinyl fragten und wir noch keinen Online-Vertrieb am Start hatten, einigten wir uns kurzerhand darauf, das Album über Cruz Del Sur in diesen Formaten herauszubringen. Das wird Anfang 2018 soweit sein. Enrico ist ein absolut angenehmer Zeitgenosse, mit dem wir sehr gerne zusammenarbeiten. Auch das Label Cruz Del Sur passt musikalisch für uns wie Arsch auf Eimer. Besser hätte es somit nicht laufen können.«

Euer Sound soll heavy, fett und gleichzeitig wie im Proberaum klingen, wie habt ihr das für das Album umgesetzt?

»Ja, fett, aber nicht im Sinne von vielen aktuellen, bis zum Umfallen aufgeblasenen Produktionen, sondern lieber wie im Proberaum - nur eben mit geilem Sound. Zum einen war uns wichtig, das Album live als komplette Band einzuspielen - zumindest möglichst viel davon. Abgesehen vom Gesang und den Soli haben wir das dann auch komplett durchgezogen. Des Weiteren gibt es - anders als in den letzten Jahren bei Produktionen üblich - keinerlei gedoppelte Spuren. Wir haben eine Gitarre in der Band, also gibt es auch nur eine Gitarre auf dem Album. Das war eine Herausforderung für Jens Siefert vom Rama Studio Mannheim, die er ganz großartig gemeistert hat. Ansonsten wollte er vorm Abmischen noch ein paar Referenz-Platten von uns wissen, um einen Eindruck des gewünschten Sounds zu bekommen. Ronny antwortete schlichtweg: „Wir wollen klingen wie OLD MOTHER HELL“. Man kann also durchaus sagen, dass Jens' Kreativität und Leidenschaft einen nicht unerheblichen Anteil am Klang des Albums hatte. Wir sind sehr dankbar, dass wir mit ihm arbeiten konnten.«

Schreibst du die Lyrics? Einige der Texte scheinen gut zur aktuellen Weltlage zu passen. Würdet ihr euch als politisch motiviert bezeichnen?

»Das ist in der Regel meine Aufgabe. Es war und ist allerdings nie meine Absicht, in diesem Sinne politisch zu schreiben. Vielmehr verarbeite ich Dinge, die mich persönlich bewegen - im positiven, wie im negativen Sinne. Dass dadurch auch politische und gesellschaftskritische Themen Einzug in die Texte erhalten, geschieht ganz automatisch. Ich könnte keinen Text über Elfen und Gnome schreiben oder authentisch darüber singen, weil das einfach nicht meine Welt ist.«

Was gab dir die Inspiration zum Song 'Howling Wolves'? Im Odenwald spazieren meines Wissens nicht so viele Wölfe herum.

»Ein Text wie 'Howling Wolves' kommt dabei heraus, wenn ich mich mal dazu entscheide, Dinge nicht wie sonst sehr direkt anzusprechen - wie etwa im Song 'Narcotic Overthrow' - sondern mich auf einer abstrakteren Ebene bewegen möchte. Der Text geht ganz allgemein um das Thema Bedrohung und die Verheißungen und Verführungen von beispielsweise Macht. Es ist mein Aufruf, für die eigene Überzeugung zu kämpfen. Es gibt also keine konkrete Begebenheit, auf die sich der Text bezieht, sondern es soll absichtlich allgemein bleiben. Für den einen bedeutet dieser Kampf, sich für die Umwelt einzusetzen. Der nächste versucht sich politisch zu engagieren, um Menschenhass und Unterdrückung zu bekämpfen. Ein anderer mag darin seinen ganz persönlichen Kampf gegen die eigenen Dämonen sehen. Wir sollten nur niemals aufhören, für eine bessere Welt zu kämpfen. Ich freue mich im Übrigen sehr darüber, dass sich Leute - nicht nur du - scheinbar sehr intensiv mit den Texten befassen.«

Was sind eure nächsten Pläne, geht es mit der neuen Platte 2018 auf Tour?

»Wenn es sich mit Job und Familie vereinbaren lässt, würden wir natürlich gerne eine kleine Tour spielen. Das müsste nur organisatorisch gut geplant werden, da wir alle keine 20 mehr sind und Verpflichtungen haben, die mit einer Tour vereinbart werden müssen. Es dürfte klar sein, dass wir auch mit Labeldeal selbstverständlich nicht von der Musik leben. Ansonsten freuen wir uns auf die bereits bestätigten Shows (16.12.17 Ludwigshafen, 24.03.18 Wuppertal) und dort darauf, unsere zahlreichen neuen - und natürlich auch die alten - Fans zu treffen und mit ihnen anzustoßen und zu feiern. Des Weiteren kümmern wir uns um weitere Auftritte und arbeiten parallel dazu an neuem Material.«

Vielen Dank, Bernd für deine Zeit und den umfassenden Einblick in „Old Mother Hell“!

»Danke auch für das Interview. Hat mir sehr viel Spaß gemacht und wir als Band freuen uns sowieso riesig!«

 

 

www.oldmotherhell.de

www.facebook.com/oldmotherhell

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