Online-MegazineInterview

MYND

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 11/15

MYND

Man macht ein großes Fass auf, wenn man die wohl einflussreichste Vorläuferband des Progressive Rocks benennen möchte: Rush, Led Zeppelin oder doch Watchtower? MYND überspringen die Diskussion und setzen mit ihrem als „Retrogressive“ bezeichnetem Stil einfach all jenen Formationen ein Denkmal. Woher der Name MYND kommt, warum eine Hochzeit nicht nur für Brautleute eine Initialzündung sein kann und wie man mit Vollzeitjob und weiteren Bandprojekten seine Band managt, verraten uns Erik und Tom im Interview.

Glückwunsch zum Titel „Tipp des Monats" in Rock Hard Vol. 342! Zuallererst: Ihr gebt unterschiedliche Herkunftsvarianten eures Bandnamens an. Wie spricht man euren Namen nun aus?

Erik: »Wir möchten den Namen ganz gern in Englisch, wie „mind“ ausgesprochen haben. Das ist die Bezeichnung, die wir uns ausgesucht haben. Auf den Namen sind wir durch ein Voting gekommen; wir waren lange Zeit die Band ohne Namen und auch ohne Zukunft. Es hat ein bisschen gedauert, bis es bei uns so aussah wie heute. Wir haben im Grunde ein paar Namen zusammengestellt und voten lassen.«

Erinnert ihr euch noch an die Alternativen?

Erik: (lacht): »Nee, die Liste existiert noch irgendwo, aber ich weiß es leider nicht mehr.«

Eure Platte nennt sich „Awake“. Worin besteht die Verbindung des Titels zu den Songs?

Erik: »Am Anfang hatten wir einen zweiten Gitarristen, das war auch unser Sänger, der den Text zu 'Mynd Awake' geschrieben hat. Zumindest in der ersten Strophe geht es ein bisschen um die Entstehung des Lebens, das Zustandekommen in der Form. Mit dem Titel „Awake“ haben wir das dann auf die Scheibe übertragen.«

Eure Musik ist sehr von Stimmungs-, Takt- und Melodiewechseln geprägt und fällt für gewöhnlich unter den Begriff Prog Metal. Wie würdet ihr jemandem, der die Band noch nicht kennt, eure Musik beschreiben?

Tom: »Gute Frage… Als anspruchsvolle Rockmusik.«

Erik: »Ja, also als progressive Rockmusik. Früher sind wir auch etwas Metal-lastiger gewesen, jetzt ist es Rockmusik, für die Uwe den Namen Retrogressive Rock gefunden hat, wie es bei uns auf der Homepage steht.«

Könnt ihr den Begriff „Retrogressive Rock“ kurz erklären?

Erik: »Retro bedeutet für uns, dass wir die Musik der Siebziger ziemlich geil finden, aber auch beispielsweise die aktuelle Opeth-Scheibe „Pale Communion“, die auch in diese Richtung geht, würde ich als “retro“ bezeichnen. Also ist Retrogressive Rock eher eine Mischung aus „retro“ und progressiven Sounds, als ein Metal-hafter Klang.«

Ihr seid neben MYND auch in anderen Prog-Bands tätig, von denen Mekong Delta, in der Erik Gitarrist ist, die bekannteste sein dürfte. Warum habt ihr zusätzlich noch MYND gegründet? Welche künstlerische Motivation steht hinter dieser Formation?

Erik: »Diese Motivation gehört zu uns. Wir waren auch früher schon musikalisch mit Watchtower unterwegs und haben früh angefangen, Rush zu hören. Ich glaube, musikalisch waren wir ziemlich offen für diesen Stil, aber die Motivation für MYND besteht darin, dass das so eine Geschichte ist, die wir schon immer machen wollten und auch garantiert immer machen werden.«

Und wie setzt ihr die organisatorischen Prioritäten bei euren verschiedenen Bands, sprich, Touren, Proben, Studioaufenthalte?

Tom: »Schwer zu sagen, bisher passte es immer. Das ist jetzt nichts was das ganze Leben ausfüllt. Wir leben ziemlich verstreut, und es dauert, bis wir einen Termin finden. Wenn irgendwas anstehen würde, wäre für mich zumindest MYND erste Priorität.«

Erik: »Wir haben einen Doodle-Kalender, wo wir die Termine eintragen.«

MYND gibt es ja schon seit 2010. Möchtet ihr noch einmal kurz die Entwicklung der Band skizzieren?

Erik: »Ein wichtiger Punkt war, dass Wolfgang mit dabei war, der auch an einigen Sachen mitkomponiert hat. Ein weiterer wichtiger Aspekt war das Einrichten der Dropbox zum Ideenaustausch, wie ich finde: Da waren zum Beispiel viele gute Ideen von unserem Keyboarder Christoph mit dabei, die wir umgesetzt haben. Dann natürlich die Phase, in der wir ein bisschen mehr zusammen geprobt haben. Dann hatten wir mal einen ganz tollen Auftritt in Hünfeld gespielt, was aber nicht unser erster Gig war. Unser allererster Auftritt war bei einem Kumpel auf der Hochzeit (beide lachen), wo wir Coversongs gespielt und auch einen eigenen Song vorgetragen haben. Das war eigentlich die Initialzündung. Wolfgang hat uns danach aus persönlichen Gründen, wie man so schön sagt, verlassen, aber wie sind noch gut befreundet. Als Marc noch als Sänger dazukam, das war dann die Krönung, das Sahnehäubchen: der Mann, der uns eigentlich immer schon gefehlt hat.«

Tom: »Wir waren nie eine Band, die dachte „Wir werden jetzt schnell reich und berühmt!“«

…wie die meisten Progressive-Rock-Bands….

Tom (lacht): »Es gibt sicher Jungs, die das für sich als Zukunft sehen, aber wir wollten einfach zusammen gute Musik machen und uns treffen, die Idee ist so Stück für Stück entstanden. Irgendwann waren wir an dem Punkt, dass wir jetzt mal wirklich was machen, was wir verewigen wollten. Wir haben dann angefangen, was aufzunehmen. Eigentlich sind wir erst im zweiten Anlauf zu der CD gekommen. Tja, und jetzt sitzen wir hier und geben ein Interview (lacht), was für uns eigentlich auch ein Highlight ist!«

Du hast die Hinzunahme eures Sängers Marc als Krönung für die Band bezeichnet. Wart ihr von Anfang an auf einen Sänger mit hoher Gesangslage ausgerichtet oder hättet ihr euch auch jemanden mit tieferer Stimme vorstellen können?

Erik: »Nein, wir hatten eigentlich von Anfang an gar keine Ambitionen in diese Richtung. Wir haben das mal ausprobiert, ich habe da noch einige Aufnahmen, wo ein bisschen Growling zu hören ist (lacht). Marc kam irgendwann über Uwe dazu, die beiden sind Arbeitskollegen. Wie schon erwähnt, hatten wir vorher Wolfgang als Fronter. Der war auch ein guter Sänger, aber stilistisch eben eher so wie die Jungs von Opeth; nichts wirklich besonderes, aber Metal. Jetzt haben wir beides, den tollen Sänger mit guter Stimme, der die Songs noch einmal richtig aufgewertet hat. Der spielt mit eigenen Ideen und versucht noch, Chöre mit einzubringen. Als wir wussten, wir können das, wir wollen das, das macht uns Spaß, kam auch von unserem Produzenten die Neugier. Wir sagten: „Der Marc, der fliegt da drüber!“«

Man braucht durchaus einige Hördurchläufe, um in euer Liedmaterial komplett einzusteigen; ich kann mir kaum vorstellen, dass solche Songs linear durchkomponiert werden. Wie darf man sich das Songwriting bei euch vorstellen?

Erik: »Das Songwriting verläuft in erster Linie auf elektronischem Wege, da wir uns so selten sehen. Das heißt, wir sammeln Ideen und laden die in die Dropbox hoch. Ich bin dann meist der Erste, der anfängt, das Zeug auseinander zu pflücken und noch eigene Ideen einzubringen, das Resultat stelle ich dann wiederum den Jungs vor. Wenn wir eh schon eine tolle Idee haben, stehen wir durchaus im Proberaum und arbeiten ganz normal daran, wie man das von einer Band kennt. Aber, wie gesagt, erstmal der elektronische Weg und jeder macht seine eigenen Ideen irgendwie zum Tape, und dann sehen wir zu, dass wir das irgendwie zusammengewurschtelt bekommen.«

Habt ihr bereits Zukunftspläne, die ihr anvisiert? Live-Gigs sind ja momentan nicht angekündigt…

Tom: »Wir wollen noch ein paar Live-Gigs spielen. Wir sind, wie gesagt, relativ weit über Deutschland zerstreut und es ist schwierig, alle zusammenzubringen, aber wir wollen vielleicht auf dem einen oder anderen Festival unterkommen und auch abseits ganz gezielt ein paar schöne Gigs zusammenbekommen. Wir werden keine Tour durch Deutschland machen können, das wird nicht funktionieren. Wir haben alle einen festen Job und Familie. Es ist eben nicht so, als wären wir gerade aus der Schule gekommen. Aber natürlich möchten wir ein paar Live-Gigs absolvieren und das wird 2016 sicherlich passieren.«

Erik: »Da können wir jetzt bereits alle zu einladen, denn es wird noch eine Release-Party geben, die wir eigentlich dieses Jahr schon machen wollten, was aber wegen Terminschwierigkeiten nicht geklappt hat.«

Zu guter Letzt ein bisschen Platz für Werbung in eigener Sache: Habt ihr noch eine Mitteilung an interessierte LeserInnen?

Tom: »Bescheiden wie wir sind: Wir sind 'ne gute Band!«

Erik: »Genau!«

Tom: »Also, wir verstehen uns, wir spielen gut zusammen, ich denke das wird man live auch merken und es wird sich bestimmt lohnen, vorbeizukommen. Natürlich wird es keine großartige multimediale Vollbedienung geben. Aber es werden schon schöne Gigs werden!«

Vielen Dank für das Interview!


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