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TEUTONIC SLAUGHTER

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 10/15

TEUTONIC SLAUGHTER

Es ist fraglich, ob Thrash Metal als Genre jemals aufgekommen wäre, hätten sich Mille und Gerre an dem orientiert, womit ihre alten Herren ihren Plattenteller belegt hätten. Nun ist die Veröffentlichung von Kreator’s „Endless Pain“ ziemlich genau 30 Jahre her, sodass TEUTONIC SLAUGHTER durchaus Old-School-Thrash-Metal als „die Musik ihrer Väter“ bezeichnen können. Was die jungen Thrasher aus Gladbeck außerdem mit Grave Digger verbindet, und dass an dem Begriff „False Metal“ eigentlich gar nichts dran ist, erfahrt ihr von Fronter Philip.

Glückwunsch zum „Tipp des Monats“ im aktuellen Rock Hard! Traditionellen Thrash Metal spielt ihr ja nicht rein zufällig, wie man eurer Bandseite entnehmen kann: Dort heißt es, dass ihr „die Musik eurer Väter spielt“. Ein ungewöhnlicher Ausspruch für Typen in ihren Zwanzigern. Was macht diese Musik für euch so einzigartig?

»Für uns bedeutet das eigentlich dass wir daher kommen, dass das schon, so wie ich mich erinnere, bei uns zu Hause lief. Mein Papa ist ja auch mit Thrash Metal in den Achtzigern groß geworden. Sodom, Kreator, das war für uns keine fremde Musik von Anfang an, dementsprechend vertraute Musik, die man auch so, wie wir sind, gerne weitermacht, einfach weil man Spaß dran hat. Das ist etwas, was man auch mit früher verbindet, und mit der Familie, mit der man auch gerne was verbindet.«

Was sagen eure Väter denn zu TEUTONIC SLAUGHTER?

»Die haben daran auch Spaß, die haben da richtig Bock drauf und es ist natürlich cool, dass wir unterstützt werden. Wir haben für Konzerte etwa das Auto zu Verfügung, das Merch wird von denen verkauft, also wirklich immer super Unterstützung! Außerdem kann man am Abend auf der Bühne auch gerne mal ein Bier trinken und muss nicht damit rechnen, dass man nicht mehr mit dem Auto zurückkommt!«

Nun spielt ihr nicht nur die Musik eurer Väter, sondern, wenn man so will, den Metal eurer Region. Besonders Kreator und Sodom hört man auch als euren Einfluss heraus. Warum glaubt ihr, dass der Ruhrpott ein guter Brutkasten für Thrash Metal ist?

»Eigentlich eine schwierige Frage, aber warte… Der Thrash Metal hat sich ja in den Achtziger Jahren verstärkt entwickelt, würde ich jetzt einfach mal behaupten. Damals hatte man ja recht strenge Familienverhältnisse zum Teil. Viele waren Arbeiter und unter Tage, und wir haben miterlebt, dass das langsam aufhört. Diesen Prozess und auch die ganzen Umbrüche in der letzten Zeit. Dadurch konnte sich das, glaube ich, ganz schnell und ganz gut entwickeln, weil der Nährboden da war.«  

Auf eurer Facebook-Seite kann man erfahren, dass euer Demo „United in Hate“ nahezu ausverkauft ist. Scheint so, als solltet ihr euch Gedanken über einen Langspieler machen…

»Ja, natürlich. Das Demo ist jetzt ganz ausverkauft in unserer normalen Version, wir haben damals 100 Stück gemacht und hätten auch nicht geglaubt, dass das so schnell weggeht und sind total glücklich darüber, dass das so gut angekommen ist. Wir haben uns einfach oft bei mir getroffen, weil wir eine kleine Slimcase machen wollten, die man auch weiterverkaufen kann. Material für die Langspielplatte sind auf jeden Fall da, wir spielen ja jetzt auch schon seit drei Jahren live und es soll jetzt im Januar auch schon ein Release geben. Da werden dann ungefähr zehn Songs drauf sein, einige von der Demo, von „United In Hate“, sind dann natürlich auch mit dabei.«  

Beim Lesen eines Zeitungsartikels über euch hatte ich das Gefühl, dass euer näheres Umfeld Old-School-Thrash-Metal als derart neuartig wahrnimmt, dass ihr bereits kritische Blicke und Vorwürfe geerntet habt. Daraufhin wollt ihr beim Mini-Festival „Metal in Mitte“ vor eurem Konzert das Angebot machen, mit Interessierten etwas über Geschichte und Kultur des Metal zu plauschen. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

»Wir haben Gladbeck nie als sehr starkes Metaleisen wahrgenommen, wir als Gladbecker Band haben das auch sehr schnell gemerkt. Im Bereich Metal gab’s einfach nie eine große Szene. Es gab früher mal Grave Digger hier, aber danach kam nicht mehr so viel… Dementsprechend wirkt auch eine Kutte oder ich sage auch mal ein T-Shirt, wo was Provokantes draufsteht, ganz anders. Man ist gegen martialische Gestalten nicht so abgehärtet. Ich denke einfach, dass, wenn man in Gladbeck groß geworden ist, ist man das einfach nicht gewohnt ist, und viele werden jetzt erstmal dadurch ein bisschen abgeschreckt. Dann hat man, wenn man so ins Gespräch kommt, eher interessierte Personen, die dann sagen: „Ach, daran liegt’s!“ Das ist ja eher Unwissen, weil man einfach nicht die Gewöhnung an Metal hat; Gladbeck ist da ja so ein Punkt, der irgendwie aus der Szene rausgesprungen ist. Ich weiß auch nicht, warum, schade eigentlich!«

Und glaubt ihr, dass die Aktion erfolgreich sein wird?

»Wir hoffen, dass sie erfolgreich sein wird! Wir gehen das schon ganz langsam an, und wir hoffen, dass das die Leute zum Gespräch treibt und dass die sich das dann auch anhören. Wichtig ist, dass man uns Fragen stellen kann, wir möchten ja Vorurteile abbauen.  Speziell der Name TEUTONIC SLAUGHTER gibt ja auch Nährboden für politische Diskussionen und Spekulationen, die völliger Blödsinn sind, da sich der Name auf Thrash Metal bezieht und nicht auf irgendwelche politischen Gedanken.«



Ihr habt euch 2011 gegründet und seid bereits mit einigen Größen, darunter Orden Ogan, Artillery und Sacred Steel, aufgetreten. Möchtet ihr die Geschichte der Band kurz darstellen?

»Es ist so, dass wir drei, Fabian, Jan und ich, uns 2009 auf einem Grave Digger-Konzert in Gladbeck in der Maschinenhalle kennengelernt haben. Wir haben dann weiter Kontakt zueinander gehabt und irgendwann gesagt: „Okay, jetzt gründen wir mal eine eigene Band.“ Es war erst eher so ein Spaßprojekt ,und dann, 2011, dachten wir, wir machen mal richtig. Wir wollen jetzt nicht nur mehr im Proberaum sitzen und Bierchen trinken, sondern wir wollen auch richtig Musik machen. Der Proberaum in Gladbeck war dann auch schnell gefunden, und dann dachten wir uns, wir brauchen noch einen Schlagzeuger. 2012 haben wir Christian kennengelernt, und da ging’s halt richtig los mit uns; mit Schlagzeuger konnten wir natürlich richtig reinhauen, dann hat sich das entwickelt. Die erste Idee  war auch, noch härteren Thrash zu machen, also eher so in die Black-Thrash-Richtung zu gehen, was damals ja ziemlich gehypt worden ist. Eigentlich immer noch, aber irgendwann haben wir dann Old-School-Thrash gespielt und gemerkt, dass es das ist, wohin wir auch zurückkommen wollen. Daran haben wir Spaß, und so hat sich das entwickelt. Wir waren dann bei einem Bandcontest und auch später in der Maschinenhalle mit Orden Ogan, und nachdem wir einige Gigs gespielt hatten, bekamen wir immer mehr Anfragen. Dadurch bekamen wir auch die Möglichkeit, mit Artillery zu spielen, und mit Sacred Steel im Helvete (Oberhausen). Das war ein total toller Gig, und es stehen auch noch einige schöne Gigs an, an denen wir viel Spaß haben und sicherlich auch noch viel Spaß haben werden. Wir können jetzt fast jedes Wochenende mit der Band auftreten.«  

Ihr seid relativ viel live unterwegs. Wie vereinbart ihr euren ziemlich vollen Tourplan mit euren beruflichen bzw. schulischen Tätigkeiten?

»Derzeit betreiben wir das als Hobby, da haben wir alle Freude dran. Wir sind ja nicht nur Bandkollegen, sondern auch Freunde. Wir treffen uns auch gern im Proberaum, mindestens zwei- bis dreimal die Woche, und es kann auch sein dass man einfach mal zusammensitzt und ein paar Bierchen trinkt, und an anderen Tagen ist man frisch dabei. Genauso ist es auch mit den Auftritten: Wir haben teilweise Auftritte mit Bands, die wir sehr gut kennen. Wir haben ja alle keine Probleme miteinander, wir haben sehr guten Kontakt untereinander und wenn vorher jemand abspringt, sagt man rechtzeitig Bescheid.  Wenn man nicht kann, kann man nicht, das ist wie bei normaler Freizeitgestaltung. Die Band ist ein Hobby, aber eins, dass sich mittlerweile natürlich ausgedehnt hat.«  

Was ist „False Metal“?

»Das bezieht sich auf den Post, in dem Jackie von Skull Fist unser T-Shirt an hat, oder? Das war natürlich humoristisch gemeint. Die Frage hat uns noch keiner gestellt (lacht)! Das ist Geschmackssache. Also wir würden uns jetzt nie als eine Band bezeichnen, die „True Metal“ macht, im Gegenteil. Man sieht es uns ja an, die langen Haare sind weg, bei mir, weil sie nicht mehr… (wird von Bandgelächter übertönt – jup). Es ist einfach erlaubt, was gefällt, und was uns nicht gefällt, müssen wir uns ja nicht unbedingt anhören, aber es gibt so viele Musikrichtungen, auch im Metal, die bedient werden und sicherlich nicht alle was für einen sind. Kann ich dann ja auch ignorieren. Deswegen würde ich niemals so weit gehen und etwas als „False Metal“ bezeichnen. Natürlich hat man seine großen Bands, die man verehrt, wo man sagt, die sind für uns das Wahre, aber was für uns „das Wahre“ ist, muss es ja nicht für jemand anderen sein, das ist ja ganz unterschiedlich. Natürlich gibt es Spielrichtungen im Metal, mit denen ich gar nichts anfangen kann, aber das ist ja auch völlig in Ordnung. Da gibt es ja auch so wenige Schnittmengen zum Teil, auch in dem Bereich, in dem wir tätig sind, dass man sich da auch überhaupt nicht in die Quere kommt.

Dann seien euch die Schlussworte überlassen: Habt ihr noch eine Message für die Leserschaft und potenzielle Fans und Hörer?

»Wir haben ja schon gesagt, wir hoffen, dass Leute Spaß an dem haben, was wir machen. Jeder, der gern Thrash Metal, ein bisschen old-schoolig, hören möchte, ist gern eingeladen, zu unseren Konzerten zu kommen. Man kann uns auch E-Mails schreiben. Wir sind immer und gerne bereit, Fragen zu beantworten und freuen uns über die Mails, die wir bekommen. Wir wollen gerne für euch die Bühnen weiter stürmen und unsere Sachen auf die Bühne bringen. Wir freuen uns darauf, dass wir das Album bald rausbringen. Dass das im Januar gut über die Bühne geht, ist uns ganz wichtig! Wir haben Spaß daran, auf der Bühne zu stehen, und genauso, mit den Leuten nachher ein Bier zu trinken. Darum geht es uns, und wir hoffen, dass wir das weiterhin machen können. Und mehr vielleicht, wir würden uns natürlich auch freuen, wenn wir aus dem Ruhrpott ein Stück weit rauskommen würden, ein paar Gigs spielen und neue Leute kennenlernen, unsere Musik also ein bisschen in die Welt reintragen.«   

Vielen Dank für das Interview!

 

 


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