Online-MegazineInterview

HYDRA´S FATE

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 09/16

HYDRA'S FATE

Sie haben unseren Chefredakteur ganz wuschig gemacht: Von "old-schooligem Progressive Power Metal", der an Bands wie Nevermore, Tad Morose oder Secrecy und Jester's March erinnert, spricht Boris Kaiser in Rock Hard Vol. 352 und kommt zu dem Resümee, dass die "Worlds Apart"-CD besser sei als die meisten heutigen Label-Veröffentlichungen. Mächtige Worte, die man aber vorbehaltlos unterschreiben kann. Daher mussten wir den fünf Musikern von HYDRA'S FATE, Sänger Markus Brand, die beiden Gitarristen Gregor Bramhoff und Sebastian Massolle, Bassistin Vanessa Howe sowie Schlagzeuger Ingo Hollmann, noch etwas genauer auf den Zahn fühlen.

Unser Scheffe Boris Kaiser hat gerade geschmackssicher eure Scheibe "Worlds Apart" in der September-Ausgabe des Rock Hard zum "Tipp des Monats" unter den Eigenproduktionen gekürt. Wie habt ihr auf die Nachricht reagiert?

Ingo: »Da ist man im ersten Augenblick natürlich zunächst mal sprachlos. Wir freuen uns alle sehr über diese Ehrung.«

Ihr macht alle schon mindestens seit einem Vierteljahrhundert Musik. Was gibt einem nach so langer Zeit die Energie, eine neue Band wie HYDRA'S FATE zu gründen und quasi nochmal ganz bei Null anfangen zu müssen?

Ingo: »Unsere vorherige Band Visible Touch hatte beinahe 20 Jahre lang immer nur mit einem Gitarristen gespielt, und bei der Reunion nach einer zehnjährigen Pause hatte sich der Sound durch Gregor als zweiten Gitarristen und meine eher härtere Spielweise an den Drums schon drastisch geändert. So machte es für uns nach dem Ausstieg unseres Sängers Uwe Taaken, dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied der Band, keinen Sinn mehr, unter diesem Namen weiter zu arbeiten, und so gründeten wir HYDRA'S FATE.«

Gregor: »Der Ausstieg des Keyboarders bei Visible Touch einige Zeit zuvor hatte auch wichtigen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Sounds und der Arrangements. Das Projekt hatte sich inzwischen weit von dem ursprünglichen Visible-Touch-Sound weg entwickelt, und wir wollten alte Zöpfe abschneiden.«

Markus: »Ich hatte schon seit GB Arts und Assignment keine Prog-Metal-Band mehr. Von allen Bandprojekten, die ich hatte und habe, war es für mich spannend, wieder in einer Band zu singen, die auch progressive Einflüsse hat.«

Was sollten wir über die Geschichte von HYDRA'S FATE wissen?

Gregor: »Man kann HYDRA'S FATE als Spin-off von Visible Touch sehen. Wir hatten die Songs alle so weit fertig aufgenommen und suchten einen neuen Sänger. Markus spielte schon eine Weile zusammen mit unserem Gitarristen Batti bei Eddie's Revenge. Batti spielte ihm unsere Songs vor und Markus gefiel das offensichtlich so gut, dass er bei HYDRA'S FATE einstieg. Bei den Gesangsaufnahmen zu "Worlds Apart" hat Markus dann komplett eigene Gesangslinien entwickelt und dem Album somit auch kompositorisch seinen Stempel aufgedrückt.«

Markus: »Ich brauchte erst ein bisschen, um mich mit dem Material auseinanderzusetzen. Aber dann war ich von den Songs voll überzeugt. Von allen Tracks hatte ich schon die fertigen Texte zur Verfügung und musste dann zu den Texten die Gesangslinien konstruieren. Irgendwann sprudelten die Ideen nur so aus mir heraus. Es hat dann Riesenspaß gemacht, die Songs in Ingos Studio einzusingen.«

Wie ihr schon erwähnt habt, waren die Instrumentalisten von HYDRA'S FATE zuvor allesamt bei Visible Touch aktiv. Heißt das, dass die Bielefelder Traditionsband, die immerhin schon 1984 gegründet wurde, mittlerweile den Betrieb eingestellt hat?

Ingo: »Wie eben bereits angesprochen, hat sich Visible Touch mit dem Ausstieg von Sänger Uwe Taaken aufgelöst, und seither liegt die Band auf Eis. Jedoch ist es nicht ausgeschlossen, dass Uwe die Band in ein paar Jahren mit neuer Besetzung wieder zurück ins Leben ruft.«

Wie habt ihr euren Stil entwickelt? HYDRA'S FATE sind härter als Visible Touch, aber nicht so progressiv wie Markus' Ex-Band GB Arts.

Gregor: »Unser Stil hat sich praktisch von selbst entwickelt, unbewusst und ungeplant. Wir liegen alle schon recht gut auf einer Wellenlänge – musikalisch und zwischenmenschlich. Mir persönlich war Visible Touch immer ein wenig zu soft, ich kann mich mit dem Sound von HYDRA'S FATE deutlich besser identifizieren.«

Ingo: »Ich denke, dass wir eine ganz gute Mischung in unserer Musik haben. Ich höre selber gerne progressivere Musik, und es macht mir auch großen Spass, solche Sachen zu spielen. Doch gerade live ist es für den Zuhörer, der die Musik nicht aus dem Effeff kennt, schwierig, alle Feinheiten herauszuhören.«

Markus: »Ich finde, dass HYDRA'S FATE und GB Arts ganz eigenständige Bands sind und mit dem Sound nicht so viel gemeinsam haben. Das heißt, wir hatten einen Keyboarder und nur einen Gitarristen bei GB Arts. GB Arts waren viel mehr von Dream Theater beeinflusst, und dadurch klangen wir progressiver.
Die Einflüsse bei HYDRA'S FATE sind eher alle klassischen Heavy-Metal-Bands. Für mich sind das Fates Warning, Queensrÿche wie auch Judas Priest, Iron Maiden und Dio, die den Sound von HYDRA'S FATE sowohl progressiv als auch klassisch klingen lassen.«

Welche anderen Bands haben euch darüber hinaus beeinflusst?

Ingo: »In irgendeiner Weise wird man von allem beeinflusst, was man hört. Ob im positiven oder negativen Sinne. Wenn ich einige Bands nennen müsste, die mich schon seit frühester Kindheit geprägt haben, sind das in mit Sicherheit Queen, Deep Purple, Rainbow und Dio. "Made In Japan" war schon damals eines meiner Lieblingsscheiben, und ich denke Ian Paice war auch der Grund, warum ich anfing, Schlagzeug zu spielen. Mit der Zeit kamen natürlich unzählige weitere Bands hinzu, die mich beeinflussten.«

Gregor: »Meine musikalischen Einflüsse reichen u.a. von den Dire Straits, Gov't Mule, Led Zeppelin, Dream Theater über Metallica bis hin zu Pantera.«

Markus: »Meine Einflüsse sind bis heute stetig mehr geworden. Ich kann mir von Klassik, Mittelalter und Traditionals, Liedermacher, Rock der 60er und 70er bis hin zu Heavy Metal und Death Metal alles anhören. Meine größten Einflüsse sind Pink Floyd, Genesis, Rush, CCR, Deep Purple, Rainbow, Led Zeppelin, Queen, Dio und Iron Maiden.«

Markus, dass du etwas für Bruce Dickinson übrig hast, kann man einfach erkennen, auch wenn man nicht weiß, dass du bei der Iron-Maiden-Tributeband Eddie's Revenge aktiv bist. Warum ist Mister Bruce so wichtig für dich? Könnten durch deinen Gesang eventuell Originalitätsprobleme für HYDRA'S FATE erwachsen?

Markus: »Bruce ist einer der besten Frontmänner, was mich sehr beeinflusste. Der Stimme von ihm so nahe zu sein, ist in mir drin. Ich habe eine sehr ähnliche Sopranstimme wie Bruce. Das merkte ich schnell, als ich mit dem Singen angefangen und Unterricht genommen hatte. Ich finde, es ist ein Segen, und es gefällt mir, wenn mir gesagt wird, dass meine Stimme der von Bruce Dickinson ähnlich ist. Aber natürlich bin ich ein eigenständiger Sänger mit eigener Stimme, die auch ihren eigenen Wiedererkennungswert hat, obwohl die Tonlage der von Bruce ähnlich ist. Den "Bruce" mache ich aber nur bei Eddie's Revenge.«

Auf eurer Homepage konnte ich lediglich Spuren von zwei Liveshows entdecken. Sind Auftritte nicht so wichtig für euch, oder würdet ihr gerne öfter live spielen, doch es ist schwer, Auftrittsmöglichkeiten zu ergattern?

Gregor: »Es waren ein paar mehr, aber in der Tat wird es heutzutage immer schwieriger, an Gigs zu kommen...«

Ingo: »...insbesondere, wenn man noch keinen Namen hat. Bis zum Release des Albums waren wir auch intensiv mit dessen Fertigstellung beschäftigt, da war an Auftritte nicht wirklich zu denken.«

Gregor: »Wir haben noch ein paar Termine dieses Jahr, freuen uns aber über jede Möglichkeit, vor Publikum zu spielen.«

Welche Ziele habt ihr euch mit HYDRA'S FATE gesetzt? Den Traum eines Teenagers, Rockstar zu werden, dürftet ihr wohl ausgeträumt haben, oder?

Ingo: »Reich und berühmt werden natürlich (lacht schallend)!
Es ist natürlich eine feine Sache, wenn man Musiker gefunden hat, mit denen man genau die Musik machen kann, die einem vorschwebt. Sicher muss man hier und da auch mal einen Kompromiss eingehen, aber unsere musikalischen Vorlieben liegen schon sehr dicht zusammen, und wir stehen alle voll hinter dem, was wir tun. Ich persönlich bin einfach nicht der Typ, dass ich für ein bisschen Ruhm Tag für Tag Musik machen würde, hinter der ich nicht zu 100 Prozent stehe, und mit HYDRA'S FATE kann ich halt genau das machen, was mir gefällt.«

Gregor: »Früher hat man auch gespielt, um die Mädels zu beeindrucken. Heutzutage geht es mir darum, gute Musik gut zu performen. Ziel war und ist es, etwas Hochwertiges abzuliefern, was man hoffentlich an dem Album erkennen kann. Wir haben da 'ne Menge Arbeit reingesteckt und auch keinen Punkt dem Zufall überlassen. So wurde mir oft berichtet, dass das Album sich – was die Soundqualität angeht – nicht hinter anderen aktuellen Produktionen bekannter Bands verstecken muss. Deshalb haben wir uns für Mix und Mastering bewusst für Lasse Lammert aus Lübeck entschieden, in unserem Genre kein Unbekannter (Er hat schon für unzählige Bands von Alestorm über Halcyon Way bis Messenger an den Knöpfchen gedreht - sg). Auch wenn wir keine Profis sind, versuchen wir so professionell wie möglich zu arbeiten, ohne den Spaß an der Sache zu verlieren.«

Markus: »Ich bin schon sehr gespannt auf die neuen Songs. Ich finde es toll, mit HYDRA'S FATE eine Band gefunden zu haben, in der ich meine Kreativität als Sänger ausleben darf. Musik ist meine Berufung, und es ist immer toll, auf der Bühne zu zeigen, was man drauf hat. Bei HYDRA'S FATE sind erstklassige Musiker, und es wird spannend sein, zu sehen, was es in Zukunft noch von HYDRA'S FATE zu hören geben wird.«

Warum habt ihr euch für den Bandnamen HYDRA'S FATE entschieden? Die Hydra stammt aus der griechischen Mythologie und ist ein vielköpfiges schlangenähnliches Ungeheuer. Als eine der zwölf Aufgaben, die der Held Herakles zu bewältigen hatte, musste er die Hydra töten. Ihr habt in euer Logo ein solches Hydra-Wesen eingebaut, doch bis dato hat von euch noch niemand den Kopf verloren...

Gregor: »Auf dem Weg zu dem, was HYDRA'S FATE nun ist – eine richtig homogene Truppe – sind schon einige Köpfe gerollt. Wobei sich das jetzt schlimmer anhört, als es schlussendlich ist, zumal der Hydra für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue nachwachsen. Wir warten auf das von Dir beschriebene Schicksal, aber bis dahin rocken wir!«

Ingo: »Außerdem war uns auch ein prägnanter Name wichtig, den auch vorher noch niemand verwendet hat.«

Welche Themen nehmt ihr euch bei euren Texten vor? Nennt bitte ein paar Beispiele!

Ingo: »Unsere Texte handeln von ganz verschiedenen Themen. Ich habe meist beim Texten ganze Geschichten im Kopf. Als ich 'The Lost Kingdom' schrieb, hatte ich z.B. das Bild eines alten, halb versteinerten Königs auf seinem Thron - "Herr der Ringe" lässt grüßen (grinst) - in verfallenen Ruinen vor Augen, und so entstand der Text parallel zur Musik.
Bei 'Aeternitas' habe ich zuerst die Musik geschrieben und bin erst später auf den Titel und die Handlungsidee gekommen. Als ich unserer Bassistin Nessie davon erzählte, war sie sofort von der Idee begeistert und hat den Text verfasst. Das Drehbuch zu unserem 'Aeternitas'-Video haben Nessie und ich dann auch gemeinsam geschrieben.«

Gregor: »Der Tod ist ein sehr wichtiges Thema bei dem Album "Worlds Apart". Wenige Tage bevor ich die Konzertgitarre für 'Season's End' im Studio eingespielt hatte, war meine Mutter nach langer Krankheit gestorben. Nessie erging es mit ihrem Stiefvater in dieser Zeit sehr ähnlich, was sie insbesondere in den Texten zu 'Season's End' und 'Falling Too Fast' verarbeitet hat. Ansonsten lassen wir uns bei den Texten alle Freiräume. 'Liar's Conscience' handelt z.B. von jemand, auf den ich einmal ziemlich sauer war. Den Text hatte ich schon vor HYDRA'S FATE geschrieben. Heute trinke ich mit der Person problemlos wieder ein Bierchen.«

Nessie: »Bei dem Text für 'Season's End' geht es um den letzten warmen Abend des Sommers, der in den Herbst übergeht. Es gibt in dem Moment nichts schöneres, als den Sonnenuntergang zu geniessen. Obwohl es wunderschön ist, macht es einen nachdenklich aber auch traurig. Durch die Melodien in diesem Lied können verschiedene Stimmungen entstehen, je nachdem wie man sich gerade fühlt.
Bei 'Desire' geht es um den monotonen Alltag, den die meisten Leute führen. In diesem Alltag hat aber auch jeder irgend etwas, worauf man sich freuen kann. In unserem Fall ist es die Vorfreude auf die Bandprobe, Livegig, etc. Dennoch kann auch hier jeder seine persönliche Geschichte hinein interpretieren.«

Ein Song kommt ohne Text aus, nämlich 'Nanjing Nights'. Warum habt ihr den Song nach dieser chinesischen Stadt benannt? Auch wenn der Song keinesfalls chinesisch klingt, so sind die fernöstlichen Einflüsse nicht nur dank der Sprachparts klar zu erkennen. Warum habt ihr mit diesen Elementen experimentiert?

Batti: »'Nanjing Nights' ist der Versuch, persönliche, in dieser Stadt aufgenommene Eindrücke und Emotionen musikalisch zu verarbeiten. Die ehemalige Hauptstadt ist für mich Sinnbild des mystischen, geheimnisvollen Asiens. Zudem gibt es auf Grund vieler Reisen und Aufenthalte in dieser Region eine gewisse persönliche Affinität zur asiatischen Kultur und insbesondere zu den charismatischen Melodien und Harmonien der fernöstlichen Musik. Somit gab es das Bedürfnis, diese Elemente auch in die Musik von HYDRA'S FATE einfließen zu lassen.«

"Worlds Apart" hat schon ein paar Tage auf dem Buckel. Habt ihr schon mit Plattenfirmen Kontakt aufgenommen? Wie war das Feedback?

Gregor: »Wir hätten vielleicht etwas fleißiger sein können, was die Kontaktaufnahme zu Plattenfirmen angeht. Als Neueinsteiger hat man es aber auch nicht ganz leicht. Da helfen solche Geschichten, wie "Tipp des Monats" bei euch natürlich enorm. Es ist immer besser, wenn man etwas vorweisen kann.«

Gibt es schon neue Songs oder Planungen für das nächste Album?

Ingo: »Erste Ideen für neue Songs sind schon vorhanden und eventuell könnte es auch schon ein Song auf die Setliste unseres Heimatgigs im Bielefelder Stellwerk im November schaffen. Allerdings liegt da noch einiges an Arbeit vor uns, und wir können nichts versprechen.«

Wenn jemand sich "Worlds Apart" an Land ziehen möchte, wie kann er die Scheibe erstehen?

Gregor: »Einfach auf die Shopseite auf www.hydrasfate.org. Dort kann man die CD bestellen und findet auch den Link zu hydrasfate.bandcamp.com, wo man die Songs gegen einen Obolus downloaden kann.«

Wollt ihr noch etwas loswerden? Dann tut euch keinen Zwang an!

Markus: »Überzeugt euch von unserer Musik und schaut euch unser Musikvideo auf YouTube an! Viel Spaß beim Entdecken von "Worlds Apart".«

www.hydrasfate.org

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