Online-MegazineInterview

POWERTRYP

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 09/15

POWERTRYP

Neuer Metal von alten Hasen: Die Mitglieder von POWERTRYP sind längst keine Neulinge mehr, haben jedoch erst jüngst mit „Endless Power“ eine massive Demo-CD veröffentlicht. Warum man mit reibungsloser Banddemokratie und der geballten Ladung fetter Riffs Demoband des Monats wird, könnt ihr euch auf „Endless Power“ anhören, die Hintergründe zu Band und Musik erklärt Basser Frank Prilipp euch hier.

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch, eure Veröffentlichung „Endless Power“ ist Tipp des Monats auf der Eigenproduktionsseite in Rock Hard Vol. 340 geworden!

»Schönen Dank, freut mich sehr!«

Ihr seid schon seit 2010 aktiv und ein Blick auf eure Live-Performances zeigt, dass ihr einiges an Songmaterial habt. Wie entstand die Auswahl für „Endless Power“?

»Da gab es ein paar Diskussionen, an eigenen Songs haben wir so etwa zwölf, dreizehn Nummern. Wir haben einfach vornehmlich neuere Stücke genommen, also im Prinzip die, dir wir in den letzten paar Jahren geschrieben haben. Wir haben natürlich schon persönliche Vorlieben bei der Auswahl, der Eine will den Song, der Andere mag den Song. Im Endeffekt haben wir uns demokratisch die Köpfe eingehauen und uns dann schließlich auf die sechs Stücke geeinigt. Ich sage mal, das ist eine Demo-CD und wir wollten sie nicht zu sehr überladen.«

Also kommt da noch ein richtiges Album hinterher?

»Ja, also das hoffen wir zumindest! Wir haben momentan auch schon drei neue Stücke geschrieben, und wollen die auch wieder aufnehmen, und wir haben natürlich noch ein paar alte Songs, vor „Endless Power“.«

Ihr wart bzw. seid als Mitglieder alle bereits in Bands ähnlicher Spielrichtung (Atlantean Kodex, Seldom Refuse, Theory Of Elements, Blackness) aktiv. Wie kamt ihr zu dem Entschluss, POWERTRYP zu gründen?
»Das Ganze entstand eigentlich so: Atlantean Kodex haben 2010 beim „Keep It True“-Festival gespielt, oder sollten da spielen. Ich habe Kontakt zu Manuel Trummer (Gitarrist von Atlantean Kodex, - jup), der ein guter Kumpel von mir ist und mich volljammerte, dass die auf dem Keep It True spielen sollten, aber keinen Sänger hätten. Der Sänger von denen, Markus Becker, war zu der Zeit in San Francisco und unabkömmlich, und dann habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn gesagt, „Na gut, dann besorge ich halt einen Ersatzsänger!“. Am Montag darauf rief ich den Gonzo an, mit dem ich schon in den Achtzigern Musik gemacht habe. Wir sind alte Schulfreunde und waren auch zusammen bei Seldom Refuse. Wir hatten bestimmt zwölf, dreizehn Jahre keinen Kontakt, ich wusste aber, dass er in einer Coverband singt, und fragte ihn, ob er Lust hätte, bei Atlantean Kodex einzuspringen. Der hat sofort zugesagt und in dem Zuge haben wir dann, nach zwölf Jahren mal wieder, ein bisschen am Telefon geredet und überlegt, ob wir nicht nochmal was zusammen machen wollen. Und dann ging das los. Die anderen waren recht schnell gefunden, alles Bekannte, die wir ebenfalls noch aus Schulzeiten kennen, also schon seit Ende der Achtziger, und bis auf den Schlagzeuger haben wir alle recht schnell gehabt. Man hatte ganz lange keine Musik zusammen gemacht, und so nach zwölf, dreizehn Jahren doch nochmal Bock, es hat sofort gefunkt und wir sind dann auch dabei geblieben.«

Ein Blick auf das Albumcover von „Endless Power“ lässt einen an MANOWAR denken; musikalisch kann man euch ebenfalls im Heavy Metal mit leichtem US-Einschlag verorten. Was fasziniert euch an dieser Art von Metal?

»Es ist einfach die Musik, mit der wir mehr oder weniger groß geworden sind, vielleicht einen kleinen Tick moderner, was aber natürlich auch am Sound liegt. Solche Produktionen – also gute Produktionen wie Mitte bis Ende der Achtziger – kriegt man heutzutage mit unseren Geräten ja gar nicht mehr hin. Von daher klingen wir automatisch schon ein bisschen moderner, das ist allein schon dem Sound geschuldet. Grundsätzlich ist es aber die Musik, mit der wir aufgewachsen sind. Wir setzen uns da auch relativ enge Grenzen: Jedem das Seine, aber der allgemeine Nenner ist natürlich Metal. Es muss halt Metal sein, und zwar vorzugsweise das, was man in den Achtzigern so kannte, was wir ohnehin schon einfach in uns haben. Wir sind alle in einer bestimmten Altersklasse und machen das, woher wir kommen und wohinter wir auch stehen, alles andere wäre ja Quatsch. Wir machen das aus Liebe und Spaß zur Musik, und da spielen wir gerade das, was wir auch können.«

Welche Bands beeinflussen euren Stil?

»(Lacht) Das ist das komplette Programm! Ich sage mal so, wir sind musikalisch ,was den Hardrock betrifft, für alles, was in den Achtzigern und Neunzigern so im Metalbereich lief, offen. Metal Church zum Beispiel, oder wenn man die Großen nennen will, vielleicht Maiden. Es sind diese klassische Einflüsse jeder Art eben, die dann auch in Richtung Overkill gehen. Wie gesagt, eigentlich das komplette Programm.«

Wie kann man sich die Entstehung eines POWERTRYP-Songs vorstellen?

»Wir schreiben die Songs zusammen im Proberaum. Es ist noch nie vorgekommen, dass jemand aus der Band mit einem völlig ausgearbeiteten Lied ankam, obwohl ich weiß, dass viele andere Bands das so machen. Das ist bei uns nicht so, wir ziehen den Prozess ein bisschen in die Länge (lacht). Sicher bringt einer mal was mit; der Bassist oder einer der Gitarristen bringt ein Riff für die Grundstrukturen mit, der Song wird aber grundsätzlich gemeinsam im Proberaum geschrieben und zusammen fertiggestellt.«

Ihr habt euch dazu entschieden, das Demo in Eigenregie aufzunehmen. Was waren die Gründe dafür?

»Naja, es gibt heutzutage so gut wie keine Band, die ihr Demo wirklich im Studio aufnehmen lässt. Das liegt zum Ersten am Kostenfaktor, bei uns kommt noch der Zeitfaktor hinzu, also mehrere in der Band haben Familie und Kinder, von daher hat sich das etwas in die Länge gezogen. Es ist einfach praktisch, wir haben genau genommen die Saiteninstrumente aufgenommen, mit Homerecording ist das ja alles kein Problem heutzutage. Aber wir haben schon echte Verstärker benutzt! (lacht) Wir haben schließlich nur Schlagzeug und Gesang im Tonstudio eines Bekannten aufgenommen. Bei einer Albumproduktion, wenn man das entsprechende Geld und viel mehr noch die entsprechende Zeit hat und alles im Studio einspielen kann, ist das natürlich optimal.«

Wenn ihr etwas im Metal-Business ändern könntet, was wäre das?

»Also, ich kann jetzt nur für mich sprechen. Ich weiß jetzt nicht, ob eine Änderung gut wäre, die Zeiten haben sich geändert und es ist natürlich so, das ziemlicher Hype herrscht, sei es im Mainstream oder aber im Underground. Das Ganze ist sehr, sehr unübersichtlich geworden, das macht es nicht einfacher! Es gibt Unmengen an Veröffentlichungen! Ich sage mal so, als ich 1986 angefangen habe, Rock Hard zu lesen, da war es kein Problem, die Albumkritiken durchzulesen und die Scheiben, die damals besprochen wurden, werden heute vergöttert und sind Kult. Mittlerweile ist es so, egal welches Magazin ich aufschlage, ich schaffe es gar nicht mehr, die ganzen Kritiken alle zu lesen! Es gibt wirklich eine Unmenge an Bands. Ob das qualitativ immer schon veröffentlichungsreif ist, das weiß ich nicht, ich denke dass da eine Gesundschrumpfung der Szene auch mal wieder ganz gut tun würde. Andererseits ist es natürlich schön, dass die Szene aktuell ist. Insbesondere im Underground tut sich ja extrem viel, für meine Begriffe seit ein, zwei Jahren mittlerweile sogar zu viel, aber wir wollen nicht jammern, das ist ja ein gutes Zeichen. Also ändern würde ich nicht zwangsweise etwas, solange es Leute gibt, die sich für das alles interessieren, hat das ja auch alles seine Berechtigung. Es gibt Auswüchse wie Wacken oder Ski-Metal oder Kreuzfahrten, aber auch dafür gibt’s ja Abnehmer, wahrscheinlich für die Kreuzfahrten eine bestimmte Altersgruppe. Solange ein Markt dafür da ist – die wollen einem ja nichts Böses!«

Wo seht ihr POWERTRYP in zehn Jahren?

»(Lacht) Also, zehn Jahre sind jetzt vielleicht etwas weit vorgegriffen, da mache ich mir überhaupt keine Gedanken drüber. Was für mich sehr wichtig wäre und worüber ich mich sehr freuen würde, wäre, wenn wir mehr Auftritte spielen könnten. Wir würden gerne häufiger auftreten, was auch unser Hauptgrund war, um das Demo überhaupt aufzunehmen, damit wir Veranstaltern was vorlegen können. Das ist unser Hauptaugenmerk, wir haben bisher relativ wenig live gespielt, insgesamt vielleicht sieben oder acht Gigs. Das ist eigentlich die Intention des Ganzen, Musik zu machen und live zu spielen. Über alles andere habe ich noch keine Meinung. Wir sind natürlich froh, dass wir bis hierhin gekommen sind; wenn das also jemand liest, ein Veranstalter etwa: Meldet euch, wir sind offen für alles und spielen gerne!«

Habt ihr eine Nachricht an eure Fans und solche, die es werden wollen?
»Wenn ihr die Möglichkeit habt, uns live zu sehen, schaut vorbei, wir veranstalten dieses Jahr im Januar in Erlangen die Killer Metal Night, das Line-Up wird in KW 36 veröffentlicht. Als Headliner werden Sacred Steel spielen, wir sind natürlich da und wenn ihr die Möglichkeit habt, schaut gerne vorbei, wir freuen uns auf euch!«

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