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LORD VIGO

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 07/15

LORD VIGO

Die Pfälzer von LORD VIGO spielen Doom mit ordentlicher NWOBHM-Schlagseite und haben sich in diesem Monat mit ihrer EP „Under Carpathian Sun“ souverän zum Tipp des Monats gespielt. Im Interview mit Drummer, Sänger und Helmträger Vinz Clorthro geht’s im Interview um den Zusammenhang von Ghostbusters und Doom-Metal, die Rückkehr der Kassette und die Zukunft der Band.

Mit LORD VIGO ist „Under Carpathian Sun“ eure erste Aufnahme, aber ihr seid ja alle schon länger in der Szene unterwegs. Erzählt doch zu Anfang mal etwas zu eurem Werdegang!

»Unsere Wurzeln reichen bis in die sehr frühen Neunziger Jahre zurück. Volguus (g./b.) hatte damals seine erste Band gestartet und aus diesem Projekt ging dann alsbald auch eine Formation hervor, die eine Art Doom gespielt hat. Damals brachte man auch ein Demo auf Kassette heraus, welches jedoch leider etwas unterging, und auch die Band ging mehr oder weniger auseinander. Ich fand dieses Demo immer sehr gut und habe dann vor ca. fünf Jahren begonnen die Songs neu aufzunehmen und nutzte das Demo als Anhaltspunkt. Das klappte auch ganz gut, ich spielte die Drums ein, Volguus den Bass und die Gitarre. Er fehlte also nur noch ein Sänger. Der damalige Sänger war nicht verfügbar und irgendwann hab ich dann einfach angefangen die Vocals selbst einzusingen. Zu meinem Erstaunen klappte das dann auch recht gut (lacht). An den Songs habe ich dann über die Jahre immer mal wieder weitergearbeitet, es war aber immer nur ein Projekt das nebenher mitlief. Ende 2014 hörte ich mir dann wieder einige der Tracks an und dachte mir, dass es Zeit wird, das Nebenprojekt auf eine neue Ebene zu heben. Ich schickte Tony (Scoleri, g./b.) einen der Tracks und hab einfach mal gefragt, ob er Lust auf darauf hätte. Ihm gefiel das sofort, und nach kurzer Rücksprache mit Volguus nahm alles seinen Lauf. Volguus, Toni und ich kennen uns schon einige Zeit und es war nach der ersten Probe klar, dass es in dieser Besetzung klappen könnte. Der Track 'Babylon The Great' entstand direkt in der ersten Probe und spätestens nachdem wir 'Vigo Von Homburg Deutschendorf' fertiggestellt hatten, kamen wir alle zum Schluss: Scheiße, das Zeug ist richtig gut, was machen wir jetzt? (lacht)«

Ihr beschreibt euren Sound selbst als „Epic Doom“, irgendwo zwischen Candlemass, Solitude Aeternus und der NWOBHM, Kollege Kaiser fügt noch Bands wie Argus oder Atlantean Kodex hinzu. Was hat euch auf die Idee gebracht, diese Art von Musik zu machen?

»Das ging zum einen Teil auf das oben genannte alte Demo, zum anderen natürlich auch auf unsere persönlichen Hörgewohnheiten zurück. Wir sind alle große Fans der NWOBHM und wollten den Sound beider Genres verbinden. Im Doom-Metal ist es einfach klasse, wie man Emotionen vermitteln und eine Atmosphäre kreieren kann. Klassischer Metal hat super Melodien und uns liegt viel an einem passenden, griffigen Chorus in den Songs. Die Tempofrage stellt sich bei uns eigentlich nicht, das ergibt sich immer aus den Riffs. Von daher fallen wir etwas aus der klassischen Doom-Schublade. Wir wollen unseren Songs einen gewissen cineastisches Touch geben, indem wir viel mit Intros, Outros, Sprechern usw. arbeiten. Es soll halt alles recht episch werden und Emotionen vermitteln.«

Eure Musik ist stark in den Achtzigern und frühen Neunzigern verwurzelt. Was ist eurer Meinung nach der Grund für diese Rückbesinnung auf die „gute alte Zeit“, die ja viele Bands momentan betreiben?

»Im Prinzip war es genau diese Zeit, in der die meisten Innovationen im Heavy Metal entstanden und die meisten von uns mit diesem Stil in Kontakt gekommen sind. Wenn ich Alben aus der damaligen Zeit höre, kommt eine ganz eigene Stimmung auf. Die Drums klingen nach richtigen Trommeln, es wurde nicht alles zehnmal gedoppelt, die Vocals waren auch mal leicht daneben, und so weiter. So muss für uns Metal klingen! Ich halte wenig von der Perfektion, wie es in vielen heutigen Produktionen gefahren wird. Ich höre mir da hundertmal lieber Agent Steel's „Sceptics Apocalypse“ mit all dem Rumpelsound an, als eine moderne, zurechtgerückte Plastik-Produktion. Sowas hat kein Flair! Metal entstand in lauten Proberäumen und nicht in einem sterilen Labor! Und genau da gehört er hin!«

Ihr habt eure EP nur als Kassette veröffentlicht. Was für eine Idee steht hinter dieser Veröffentlichungspolitik?

»Wenn schon Old School, dann richtig (lacht). Früher war doch der Lauf einer Band so: Proberaum, Songs schreiben und dann ein Demo auf Kassette aufnehmen und das Teil dann an Magazine und Label schicken. An dem Weg war damals nichts falsch und ist es heute auch nicht, außer dass viele keinen Tape-Player mehr haben (lacht). Und wenn man dann ein Tape einlegt, fühlt man sich doch gleich wieder in eine Zeit versetzt, in der man mit dem Walkman zur Schule gelaufen ist, sich noch zusammen mit anderen eine Platte auf einer guten Anlage angehört hat und ganz einfach das Hören von Musik zelebriert hat. Heute wird man doch von all der jederzeit verfügbaren Musik erschlagen. Ich denke ein Tape entschleunigt alles etwas. Und sind wir doch mal ehrlich, CD kann doch fast jeder (lacht).«

Wo seht ihr die Vorteile einer Kassette? Glaubt ihr, dass sie als eine Art „Liebhaber-Medium“ zurückkommen wird?

»Ich denke, dass die Kassette bereits als „Liebhaber-Medium“ zurückgekehrt ist. Viele Bands, vor allem natürlich im Underground, gehen wieder zurück zu den Wurzeln. Rein technisch gesehen, ist die Kassette natürlich allen anderen Medien klar unterlegen, aber sie hat vor allem eines: Flair. Wir sind alle keine 20 mehr und haben die Tape-Trading-Zeiten aktiv mitgemacht. Dieses nostalgische Gefühl beim Einlegen einer Kassette, vergleichbar mit dem auflegen einer Platte, ist durch nichts zu ersetzen. Selbst junge Leute kaufen sich wieder vermehrt Tapedecks, was ich richtig gut finde und durchaus als Gegentrend zu dieser fürchterlichen Download-Mentalität verstanden werden kann. Es spricht auch nichts gegen eine CD! Wir haben uns halt für den etwas zeitintensiveren Weg als MC-Release entschieden. Wir überspielen übrigens jedes Tape per Hand. Wir legen da genau das Herzblut rein, das viele Metalfans in ihr Hobby auch investieren. Am Ende des Tages sind wir doch alle einfach Metalheads, egal ob wir mit damit unser Geld verdienen, oder es dafür raushauen (lacht).«

Euer Name, der Song 'Vigo von Homburg Deutschendorf' und auch der EP-Titel beziehen sich auf den Hauptantagonisten in „Ghostbusters II“. Was macht gerade diesen Charakter bzw. den Film so interessant für euch?

»Wir sind alle große Ghostbusters-Fans! Im Prinzip entstand das alles, nachdem der Song 'Vigo Von Homburg Deutschendorf' entstanden ist. Doom und Ghostbusters, das passt einfach (lacht). Wir hatten damals noch keinen Bandnamen und auch die EP war noch ohne Titel. Als dann auch der Bandname mit LORD VIGO gefunden wurde, war es nur logisch die EP „Under Carpathian Sun“ zu nennen. Was uns jetzt genau an dem Film so fasziniert, kann ich gar nicht genau sagen, er ist halt einfach gut! Jedoch zeigen sich in der Szene, in der sich Ray komplett verschuldet und das komplette Erbe seiner Vorfahren in sein Projekt steckt, eklatante Parallelen zu unserem Dasein als Musiker (lacht).«

Dein Helm ist so wichtig, dass er auf eurer Bandcamp-Seite sogar als Instrument geführt wird. Was hat es damit auf sich?

»Ja der Helm – man könnte natürlich anführen, dass der Helm so schwer ist, dass er meinen Kopf automatisch beim Singen in eine Position drückt, in der ich super hohe Töne treffe und dass er mein Gehirn beim Schreiben der Lyrics von der Außenwelt abschirmt. Man könnte aber auch sagen, dass wir uns selbst nicht zu ernst nehmen (lacht). Das bedeutet aber nicht, dass wir unsere Musik nicht ernst nehmen! Da hört der Spaß dann auf. Ich finde es immer etwas seltsam, wenn Leute nicht über sich selbst lachen können. Uns liegt es fern, irgendwelchen Klamauk in unsere Musik einzubauen, wir sind da ernsthaft bei der Sache und wollen keinen Nonsens produzieren! Aber keiner von uns geht zum Lachen in den Keller, wobei wir in einem Keller proben und von daher eigentlich doch zum Lachen dahin gehen...«

Wie sieht eure Zukunft aus? Arbeitet ihr schon am Debüt-Album?

»Ja, wir sind gerade mit Labels in Kontakt, die „Under Carpathian Sun“ mit zwei oder drei neuen Tracks als vollwertiges Album veröffentlichen wollen. Noch ist aber nichts in trockenen Tüchern. Für einen Vinyl-Release gibt es aber noch kein Angebot. Zeitgleich haben wir alle Songs für ein weiteres Album fast fertig und nehmen diese momentan auf. Es kann also durchaus sein, dass innerhalb eines Jahres zwei Alben veröffentlicht werden – falls sich dafür ein passendes Label findet. Wir werden demnächst auch ein Line-up für Livegigs zusammenstellen. Ich hoffe also, wir sehen uns bei dem ein oder anderen Gig!«




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