Online-MegazineInterview

SONS OF THE ARK

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 03/18

SONS OF THE ARK

Wenn eine Band ihren Namen einem Song der Kieler Punk-Urgesteine SMOKE BLOW entnimmt, welche Musik zocken die Jungs dann wohl? Wenn ihr auf „melancholischen Progressive Rock irgendwo zwischen Tool und Pink Floyd“ getippt habt, dann liegt ihr goldrichtig. Bis auf den Herkunftsort haben SONS OF THE ARK mit ihren Namensgebern sonst nicht viel gemein – doch das tut der Qualität der Musik beim besten Willen keinen Abbruch, schließlich sind die Kieler nicht umsonst zum Tipp des Monats unter den Eigenproduktion in Rock Hard Vol. 370 gekürt worden. Lest im Interview mit Bassist Frank, wer oder was die SONS OF THE ARK eigentlich sind und wie die Band mit dem Weltschmerz umgeht, der ihrer Musik zugrunde liegt.

Moin Frank! Erst einmal herzlichen Glückwunsch, dass ihr Tipp des Monats geworden seid. Wie habt ihr auf die Auszeichnung reagiert und was war euer erster Gedanke?

»Danke, wir sind natürlich überwältigt ob dieser Resonanz, so ein Feedback fühlt sich immer ziemlich gut an und unser erster Gedanke war: „Was geht hier denn ab?“ Der zweite Gedanke war dann gleich: „...eigentlich machen wir doch nur Musik!“«

Ihr habt mit „Thirteen Waves“ gerade euren ersten Langspieler veröffentlicht. Nachdem Kollege Hendrik Lukas eure Platte in höchsten Tönen gelobt hat, interessiert mich doch, wie die Resonanz zu eurem Debütalbum bisher ausgefallen ist.

»Bisher recht positiv... bei euch im Rock Hard Tipp des Monats, im FUZE waren wir unter den fünf Schönheiten der Ausgabe, auf musikreviews.de bekamen wir 14 von 15 Punkten und Online-Redakteur Michael Haifl von streetclip.tv schwärmte in seiner Rezension gar vom „Rockalbum des Jahres 2017“. Aber auch die Resonanz in unserem lokalen Umfeld, bei Livegigs usw. ist bisher ganz positiv. Man muss dazu natürlich sagen, dass wir uns durch unseren Amateurstatus in einem noch sehr kleinen Wirkungskreis bewegen. Und uns Küstenbewohnern sagt man ja eine gewisse Gelassenheit und Bodenständigkeit nach, die uns einerseits bei allen guten Kritiken nicht die Bodenhaftung verlieren und uns andererseits relaxt nach vorne schauen lässt, so nach dem Motto: „Mal schauen, was so passiert!“«

Wenn man den Infos eurer Facebookseite Glauben schenken darf, habt ihr euch bereits 2011 gegründet. Weshalb habt ihr so lange gebraucht, euren atmosphärischen Progressive Rock auf ein vollständiges Album zu bannen?

»Das liegt daran, dass wir trotz unseres Amateurstatus einen Superlativ für uns beanspruchen können: Wir sind die langsamste Band der Welt (haha)! Aber im Ernst: Das ist in erster Linie den in den Anfangsjahren ständigen Besetzungswechsel geschuldet, in der jetzigen Formation spielen wir erst seit Anfang 2015 zusammen. Bis dahin war es ein ständiges Kommen und Gehen von Musikern, mal passte es menschlich nicht, mal spieltechnisch und immer wenn wir soweit waren, ins Studio zu gehen, stieg jemand aus und wir mussten Termine verschieben und neue Musiker suchen. Solche Dinge werfen dich als Band natürlich immer zwei Schritte zurück, während du einen nach vorne machst. Zwischendurch kamen auch Gedanken auf, alles hinzuschmeißen und aufzuhören. Aber letztendlich haben wir weitergemacht, teilweise nur zu dritt, und es dann doch geschafft, unseren ersten Longplayer aufzunehmen.«

Wie kam der Bandname zustande?

»Inspiriert ist der Name von unseren Kieler Lokalmatadoren Smoke Blow. Auf deren letzten Album „The Record“ gab es einen Song mit dem Titel „Lost Son Of The Ark“. Das Bild vom „Lost Son“, der sich alleine fühlt, ausgestoßen und trotz allem Unbill immer wieder aufsteht und weitermacht, ließ uns auf die Suche gehen und wir fanden den Begriff „Sons Of The Ark“, der in alten wissenschaftlichen Abhandlungen auftauchte und der besagt, dass viele große Kulturen des Altertums unabhängig voneinander von einer Arche sprachen, die die Menschen auf diesen Planeten gebracht hat. Ein Begriff also, der die ewige Frage beinhaltet: Woher kommen wir?«

Welche Inspiration liegt dem Albumcover und dem Titel zu Grunde?

»Das Wichtigste war für uns, dass das Betrachten des Covers dasselbe Gefühl erzeugen sollte, wie das Hören unserer Musik. Gleichzeitig sollte das Cover den Bandnamen und die zentralen Themen unserer Texte transportieren: Sinnsuche, Liebe, Zweifel, Vergänglichkeit... die ständige Ambivalenz des Lebens. Das war ein langer Weg des Ausprobierens bis wir am Ziel waren, wir saßen manchmal Stunden vor irgendwelchen Entwürfen, hörten dabei unsere Songs, verwarfen die Entwürfe wieder und so weiter. Zur grafischen Umsetzung möchten wir gar nicht viel mehr erklären, wir finden es immer viel interessanter, wenn jeder auf seine Art das Cover interpretiert und für sich das herauszieht, was für ihn wichtig ist. Man könnte sich ja zum Beispiel die Frage stellen: Ist die Sphäre auf dem Cover für den unter ihr stehenden Menschen eher bedrohlich oder schützend?«



Zur Veröffentlichung eurer ersten EP wart ihr noch als Eleven, Curtis Caulfield, Alfred S. Fortin, Ethan S. Doe und Daniel S. Leary unterwegs. Woher kam der Sinneswandel, die Pseudonyme abzulegen und sich mit euren bürgerlichen Namen zu präsentieren?

»Haha, ja, die Pseudonyme! Am Anfang hatten wir die Idee, das ganze Projekt zu einem konzeptionellen Kunstwerk zu machen, sprich: Wir sind die Sons Of The Ark, verloren auf diesem Planeten und immer auf der Suche, woher wir kommen usw., dazu passten die Pseudonyme sehr gut. Während der Aufnahmen merkten wir aber, eher unbewusst, wie intensiv wir mit diesen Songs verbunden waren, wieviel von unseren Gedanken und individuellen Erfahrungen sich in den Lyrics widerspiegelten. Da wurde uns klar: Das ist kein konzeptionelles Kunstwerk, das sind wir. Somit war es nur eine logische Konsequenz, unsere Echtnamen in die CD zu setzen.«

Ihr zockt sehr atmosphärischen und emotionalen Progressive Rock, verliert euch aber im Gegensatz zu manch anderen Genrekollegen nicht ständig in unzugänglichen 7/8 Rhythmuseskapaden und schwer verdaulichen Riffs. Stehen Stimmung und Emotionen bei eurem Songwriting stets im Vordergrund?

»Auf jeden Fall! Das Gefühl ist für uns immer das Wichtigste. Man braucht beim Songwriting zwar gelegentlich den Kopf, um die Gefühle zu sortieren, nachdem dann aber alles mit Hilfe von Riffabfolgen, Noten, Rhythmus usw. sortiert ist, muss das Gefühl, die Emotion immer noch da sein, sie muss für uns immer das tragende Element bleiben. Ich glaube, dass in vielen Bereichen, auch in der Musik, Kopf und Herz auf verschiedenen Wellenlängen senden und empfangen. Das, was der Kopf sendet, kann das Herz nicht empfangen und umgekehrt. Und da du von 7/8-Takt sprichst: Im Refrain von 'Deep Down Below' verwenden wir einen 7/8-Takt. Wir sagen den Leuten immer, das ist unser progressiver Einschlag, da wir uns selbst gar nicht als so progressiv empfinden.«

Ihr beschreibt euren Sound als kompromisslos kooperativ, verbogen gradlinig und draufgängerisch emotional. In einigen Reviews werden auch Vergleiche mit Pink Floyd und Tool herangezogen. Wie muss ich mir bei solchen Eindrücken euer Plattenregal vorstellen?

»Selbstverständlich findest du in unseren Plattenregalen auch Pink Floyd und Tool, unsere musikalischen Vorlieben sind da aber sehr viel breiter gefächert. In unseren Plattensammlungen findest du aus fast jeder Stilrichtung etwas, das geht von Metal und Punk über Rock, Indie, Alternative bis hin zu Pop, Dub, Elektronica oder auch Folk und Singer/Songwriter, sogar Klassik wirst du hier und da finden. Ab einem gewissen Alter oder besser gesagt: je länger man Musik hört und macht, desto mehr verliert man sein Schubladendenken und dann braucht man die Einordnung von Musik in Stilrichtungen eigentlich nur noch, um die Sachen im Plattenladen zu finden oder um Musik jemand anderem zu beschreiben, zum Musikmachen braucht man sie nicht mehr.«

Was sind eure Einflüsse? Welche Alben landen bei euch derzeit regelmäßig auf dem Plattenteller?

»Unsere musikalischen Einflüsse sind ebenfalls sehr vielfältig, da einerseits unsere musikalische Sozialisierung aufgrund der Altersunterschiede in der Band in verschiedenen Jahrzehnten stattgefunden hat, andererseits wir alle fünf neben denselben Sachen auch Musik hören, die der andere gar nicht hört. So können sich diese teilweise verschiedenen Vorlieben beim gemeinsamen Songwriting „befruchten“ und so etwas Neues entstehen lassen. Vielleicht ist es das, was unsere Musik ausmacht, zumindest ein Teil davon. Aktuell drehen sich auf meinem Plattenteller die neuen Scheiben von Long Distance Calling, Manchester Orchestra und Bush, bei Hauke sind es Sachen wie die Dap-Kings und Kenny Rogers, Hans hört gerade viel Steph Cameron und Joe Bonamassa, bei Sascha laufen die Counting Crows rauf und runter und Maik hört neben Karnivool und Dredg gerade New-Jazz-Sachen.«

Drei der Songs auf „Thirteen Waves“ waren bereits auf eurer selbstbetitelten EP zu hören, welche einen guten Vorgeschmack auf euren sehr melancholischen und besinnlichen Sound gab. Wie hat sich die Musik auf den anderen zehn “Wellen“ eures Albums im Vergleich zu euren Anfängen entwickelt?

»Das ist schwer zu sagen, wir sehen da verschiedene Entwicklungen, die aber im Gegensatz zueinander stehen. Während einige neue Songs des Albums wie 'Sway' oder 'Everything Beautiful Ends' einen leichten Metal-Einschlag zeigen, sind andere wie 'Some Time' etwas poppiger geworden als die Songs auf unserer Demo-EP. Was wir auf „Thirteen Waves“ verstärkt eingesetzt haben, sind verschiedene Stilmittel wie mehrstimmiger Gesang, dezente Keyboardsounds und einen Kinderchor, die sich aber oft erst im Studio entwickelt haben und aus der jeweiligen Stimmung entstanden sind.«

Ihr habt neulich ein Lyric-Video zu eurem Song 'Ferry To The World' veröffentlicht. Wie viel Wert legt ihr auf eure Texte?

»Unsere Texte sind für uns sehr wichtig. Text und Musik sollten im Idealfall nicht nur eine Einheit bilden und dieselben Emotionen transportieren, sie sollten auch gesungen ein gutes Klangbild ergeben, das genau diese Emotionen abbildet, wenn nicht sogar verstärkt. Das ist nicht immer ganz einfach: Für vier Zeilen haben wir bei einem Song mal zwei Wochen gebraucht, bis sie so standen, dass wir zufrieden waren. Es war ein ständiges Aufgeschreibe, Ausprobieren und wieder Verwerfen, aber wenn am Ende das herauskommt, was man sich ungefähr vorgestellt hat, hat sich die Mühe immer gelohnt.«

Inhaltlich hangelt ihr euch meist von einem Grauton zum anderen, allerdings ohne dabei im Selbstmitleid und Weltschmerz zu ertrinken. Wie persönlich sind eure Texte und was tut ihr, um im Privaten nicht in einem Sumpf aus Melancholie und sinnbefreiter Kontemplation zu versinken?

»Ich glaube, wenn wir nicht unsere Musik machten und Texte schrieben, würden wir in Melancholie versinken. Die Musik ist für uns die beste Form, all unsere Gedanken und Zweifel, die Unsicherheiten des Lebens betreffend, zu kanalisieren, gleichzeitig aber das Gefühl zu haben, dass es die Möglichkeit der Entscheidung, ob wir Musik machen oder nicht, nicht gibt. Ich selber habe das in den Jahren gemerkt, in denen ich aus vorgeschobenen Gründen keine Musik gemacht habe. In dieser Zeit hatte ich oft das Gefühl, kurz vorm Durchdrehen zu stehen oder – wie du sagst – im Weltschmerz zu versinken. Es gab für mich dann keine Entscheidung, es gab nur den einen Weg: wieder Musik machen. Ich glaube, gerade weil wir alle das machen, was wir machen, unseren Gedanken und Zweifeln eine Form geben, die ihnen Bahn bricht, sind wir im Privaten und auch Nicht-Privaten ziemlich lustige Jungs... für norddeutsche Verhältnisse (lacht)!«

www.sonsoftheark.de

www.facebook.com/Sons-of-the-Ark-301993829879453

 

Pic: Eva Maria Diener

 
 

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