Online-MegazineInterview

LUNAR SHADOW

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 02/16

LUNAR SHADOW

A. Vornam (Gesang), Max "Savage" Birbaum (Sologitarre), K. Hamacher (Gitarre), S. Hamacher (Bass) und J. Zehner (Schlagzeug), so heißen sie laut der schnöden offiziellen Bezeichnung auf Facebook. Doch in Wirklichkeit sind sie Triumphatoren, die mit ihrer Band LUNAR SHADOW zu den hoffnungsvollsten Talenten des deutschen, traditionellem Metal zählen. Der barbarische Max stand Rede und Antwort, wobei er seine Leidenschaft für den Metal untermauerte und wie auch bei den Facebook-Einträgen einen waffenstarrenden Wortschatz einsetzte.

Eure Scheibe „Triumphator“ wurde gerade in der Februar-Ausgabe des Rock Hard zum "Demo des Monats" gewählt. Was ging in euren Köpfen vor, als diese Nachricht bei euch eingeschlagen ist?

»Jeder Künstler freut sich über Anerkennung aus erlesenem Munde. Das ROCK HARD ist eine wichtige Institution im deutschen Blätterwald und eine der wenigen, tatsächlich lesbaren Zeitschriften. Wenn ich mir einige der ehemaligen "Demo des Monats"-Bands so ansehe, sind wir dort in guter Gesellschaft. Ihr dürft also weiterleben. Möge Yag-Kosha Euch beschützen.«

Die ersten Aufzeichnungen unter dem Namen LUNAR SHADOW, die man ermitteln kann, stammen aus dem Frühjahr 2015. Wie habt ihr es geschafft, innerhalb so kurzer Zeit eine derartige musikalische Reife zu entwickeln, die man auf „Triumphator“ nachhören kann?

»Drei der vier Songs auf „Triumphator“ stammen bereits aus dem Jahr 2013. Wir haben diese lange Zeit nur instrumental gespielt, bis uns Mitte 2014 dann Alex "Thothlex-Nam" Vornam am Gesang zugeflogen ist und wir diese endlich aufnehmen konnten. Letztlich sind die Songs meine persönliche Vision von Heavy Metal. Ich schaue nicht auf andere Bands. Dass die EP ganz gut ankommt, bestärkt mich nur weiter in meinem Kurs.«

Sonderlich viel ist über LUNAR SHADOW in der Tat nicht bekannt. Ergo: Was gibt es ansonsten über die Bandgeschichte zu sagen?

»Die Bandhistorie ist meines Erachtens nicht wirklich relevant. Gegründet habe ich LUNAR SHADOW bereits zu meiner Schulzeit um 2008 herum, ich brauchte aber einfach lange, um die passenden Mitstreiter zu finden. LUNAR SHADOW begann erst Mitte 2014 im kompletten Line-up wirklich zu existieren.«

Dennoch seid ihr keine Teenies mehr, sondern dürftet schätzungsweise Mitte Zwanzig sein. In welchen Bands habt ihr zuvor Erfahrungen gesammelt?

»Zeit ist relativ und existiert nicht wirklich. Unser Bassist spielt nebenbei noch bei Koile, einer angeproggten Death-Metal-Band. Der Mann an den Kesseln spielt noch bei Rotovathor, Alex singt noch bei Senex, einer Stoner-Band. L'unar Shadow, c'est moi. Ich habe nie woanders gespielt.«

Warum habt ihr euch bei LUNAR SHADOW für traditionellen Metal entschieden? Stand für euch die stilistische Ausrichtung der Band sofort fest?

»Ja. Mir gefällt der Großteil des Outputs heutiger, junger Heavy-Metal-Bands nicht. Ich wollte das ändern.«

Welche Bands fungieren als Vorbilder für euch?

»Hier muss ich die alten (!) In Flames nennen, von denen ich meine Liebe zu Twin-Gitarren habe. Dissection, auf Grund unerschütterlicher Macht. Solstice wegen ihrer Epik. Judas Priest, weil es eben Judas Priest ist und nicht besser geht, und Manowar bis 1988, denn sie wussten, dass es im Heavy Metal ums kämpfen geht, kämpfen und gewinnen.«

Sehr wichtig für eure Musik ist die enorm kreative, sehr melodische Gitarrenarbeit. Wer hat denn da Pate gestanden? Auf Grund des optischen Eindrucks, den du bei mir hinterlassen hast, würde ich ja auf den jungen Michael Schenker tippen, aber man soll sich ja nicht von Äußerlichkeiten leiten lassen.

»Den Schenker-Vergleich höre ich gerade zum ersten Mal. Ich mag UFO und die Michael Schenker Group, aber beide sind keine Einflüsse. Wie oben erwähnt stammt meine Leidenschaft für Gitarrenmelodien seltsamerweise weniger von üblichen Verdächtigen wie Iron Maiden, sondern von In Flames, Dissection oder auch At The Gates. Ich bin damit groß geworden.
Verwechselt werde ich optisch übrigens meist mit Olof von Enforcer, für den ich mich auf eurem "Rock Hard Festival" sogar schon mal – nicht ganz nüchtern – ausgegeben habe. Neben zahlreichen von mir geschriebenen Autogrammen unter falschem Namen stand ich auch auf einmal im Backstagebereich rum, bis Enforcer dann etwas verdutzt vor mir standen. Man kennt sich aber, wir haben gelacht. Das hätte ich vermutlich besser nicht erzählt, aber egal.«

Optisch habt ihr euch auf die "Sword & Sorcery"-Ecke eingeschossen, wie man am Cover eurer EP oder euren Shirtdesigns nachvollziehen kann. Schlagt ihr auch textlich diese Richtung ein?

»Auf unserer EP sind die Texte absichtlich so gehalten, ja. Ich bin ein Verehrer von Tolkien, Howard, Lovecraft oder Clark Ashton Smith, es lag also nahe. Auf unserem Debüt wird es dann etwas tiefer, nachdenklicher, obgleich wir auch noch ein paar Songs über Monster haben, keine Sorge.«

Live kommt eure Musik noch eine ganze Ecke leidenschaftlicher rüber, wie ich mich beim „Harder Than Steel“-Festival überzeugen konnte. Geben euch die Bühnenbretter einen ganz besonderen Kick?

»Kick, Kick. Durchaus, aber anders, als du vermutlich meinst. Ich spiele nicht besonders gerne live und muss mich erst einmal orientieren. Irgendwann bin ich dann in meiner eigenen, kleinen Welt; da ist es schön. Zweifellos geben einem die Fans aber viel zurück, sie treiben dich an, es gibt nur dich und sie. Du bist dort oben und herrschst mit eisernem Zepter. Sie sind die Infanterie, bereit für den Krieg. Ich mag das. Doch, das mag ich tatsächlich.«

Habt ihr schon Kontakt zu Plattenfirmen aufgenommen – und vielleicht sogar Antwort bekommen? Es gibt mittlerweile doch einige Labels, die sich dem traditionellen Metal verschrieben haben.

»Wir haben einige Anfragen bekommen, ja. Einige davon gefallen mir auch ausnehmend gut. Ich möchte hier noch nicht konkret werden, wir werden sehen.«

Ihr habt mir erzählt, dass ihr an neuen Songs arbeitet. Ergo: Wann habt ihr genug Material zusammen, dass wir mit einem Full-Length-Album von LUNAR SHADOW rechnen können? Gibt es schon konkrete Pläne für die nächsten Aufnahmen?

»Unser Debütalbum ist fertig geschrieben. Ich habe einen Titel, ich habe das Artwork. Ich würde am liebsten sofort ins Studio gehen, muss mich aber auch ein wenig nach den anderen richten. Sie haben nun einmal so was wie ein Privatleben, soziale Kontakte, all diesen Unsinn. Ich habe nur die Band. Das Album wird hoffentlich noch dieses Jahr erscheinen. Sommer oder Herbst.«

LUNAR SHADOW befinden sich ja quasi noch im Larvenstadium. Was können wir denn von euch erwarten, wenn ihr euch mal zu einem metallischen Schmetterling verwandelt habt? Oder anders formuliert: Welche Ziele habt ihr euch – von den oben erwähnten Aufnahmen abgesehen – mit der Band gesetzt?

»Ich bin nicht ehrgeizig. LUNAR SHADOW ist keine Touring-Band, nicht nur, weil es berufstechnisch von Seiten der anderen gar nicht möglich wäre, sondern weil ich auch gar keine Lust darauf habe. Ich möchte unser Debütalbum aufnehmen. Unsere Fans überzeugen und neue dazugewinnen. Etwas schaffen, das den Menschen etwas bedeutet. Ausgewählte Konzerte und Festivals spielen. Geld kann man mit dieser Musik anno 2015 nicht verdienen, da mache ich mir keine Illusionen. Ich möchte etwas hinterlassen und die Welt verbrennen.«

Falls sich jemand genauer mit euch beschäftigen will: Ist "Triumphator" noch erhältlich und wenn ja, wo kann man die Scheibe erstehen?

»Ja, wir haben noch CDs, die Beschäftigungswilligen sollten sich aber vielleicht etwas sputen, viele sind es nicht mehr. Wir haben einen Onlineshop, den Link findet man auf unserer Facebook-Seite, man kann aber auch einfach eine Drohmail an lunarshadow@web.de schreiben.«

Gibt es sonst noch etwas, das ihr hinzufügen wollt?

»Hört mehr Borrowed Time. Death to life.«

 

www.facebook.com/lunarshadowband

www.lunarshadow.bigcartel.com