Online-MegazineInterview

TIGHTLAND

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 01/17

TIGHTLAND

Die Progressiv-Rocker TIGHTLAND aus Wuppertal sind mit ihrem Debütalbum „Marmeladium“ in Rock Hard Vol. 356 zur „Eigenproduktion des Monats" gekürt worden. Die hochprofessionelle Produktion, die musikalischen Fähigkeiten der Protagonisten und das ausgereifte Songmaterial boten Gründe genug, Malte Beckamp (b.), Pat Pawelt (dr.), Markus „Stonie“ Stein (g.), Carsten Hausberg (keys) und Dirk „BoVie“ Bovensiepen (v.) auf den Zahn zu fühlen und sich aus erster Hand erklären zu lassen, was es mit der Band und dem Erstlingswerk auf sich hat.

Ihr habt in Rock Hard Vol. 356 den Titel "Eigenproduktion des Monats" abgeräumt. Wie fühlt man sich mit so einem Erfolg im Rücken?


Malte: »Nach der Erstveröffentlichung einer CD ist man natürlich gespannt auf jegliche Reaktionen von außen. Als die Mail reinkam, dass unsere Scheibe "Eigenproduktion des Monats" im Rock Hard wird, dachten wir erst an eine Verarsche. Dass dem nicht so ist, freut uns natürlich um so mehr und zeigt uns, dass wir musikalisch wie auch technisch ein solides Fundament für TIGHTLAND gesetzt haben. So eine fette Auszeichnung von einer Institution wie dem Rock-Hard-Magazin zu bekommen, da fühlt man sich echt sehr geehrt. Vielen Dank!«


Seit wann gibt es TIGHTLAND eigentlich?


Malte: »Im Grunde besteht die Band seit dem Jahr 2008, wobei Stonie und Pat die einzigen sind, die von Anfang an dabei sind. Bovie, Carsten und ich kamen erst 2011 bzw. 2012 dazu. Es hat zwar lange gedauert, bis wir uns gefunden haben, aber dafür läuft es menschlich und musikalisch absolut harmonisch.«


Der Sound auf „Marmeladium“ ist wirklich hervorragend. Wo und unter welchen Bedingungen habt ihr die Scheibe aufgenommen?


Malte: »Dankeschön, wir haben auch unzählige Stunden in die Feinheiten gesteckt! Wir arbeiten viel in unserem eigenen Tonstudio, welches in unseren Proberaum integriert ist und von uns selbst gebaut wurde. Dort sind auch die Studiosongs aufgenommen und gemixt worden. Die Live-Songs waren mehr ein Zufallsprodukt. Der Konzertmitschnitt war einfach zu geil, um ihn nicht zu verwerten. Wir legen Wert darauf, dass unsere Songs auch live spielbar und „handmade“ bleiben. Gleichwohl benutzen wir moderne Komponenten wie Loops, E-Drums und Backingtracks an Stellen, wo sie den Song besser machen. Step by Step haben wir in bezahlbares, gutes Equipment investiert und mit unserem Gitarristen Stonie haben wir einen Berufs-Tontechniker an Bord, was natürlich vieles vereinfacht. Dazu haben wir beim Mastering-Kollegen Eroc (EMR), ein exzellentes sogenanntes STEM-Mastering bekommen, was „Marmeladium“ echt eine komplette Liga weiter nach oben geschossen hat. Einfach Hammer, was der macht (bei Joachim H. Ehrig alias Eroc handelt es sich um den Mitbegründer und ehemaligen Schlagzeuger der Krautrocklegende Grobschnitt, der seit langen Jahren als erfolgreicher Produzent tätig ist und als Experte in Sachen Mastering/Re-Mastering einen hervorragenden Ruf genießt – sg).«

Nicht minder stark ist das Coverartwork. Wer und was steckt hinter dieser Idee?


Malte: »Die Grundidee haben wir gemeinsam entwickelt und sie weist einen inhaltlichen Bezug zu „Marmeladium“ auf. Zudem ist es ein echter Glücksfall, dass wir mit Christian Hausberg einen tollen Grafiker an Bord haben, der unseren Input professionell, inhaltlich behutsam und modern umsetzt und sehr geile eigene, kreative Ansätze beisteuert. Er hat uns mehrere Male im Proberaum besucht, um sich ein Bild von uns und unserer Musik zu machen. So ist es ihm gelungen, ein perfekt auf unsere Idee abgestimmtes Artwork zu gestalten. „Marmeladium“ steht sinnbildlich für die Musik, Ideen und Emotionen, die jeder von uns mitbringt. Visuell hat Christian es dann so festgehalten, dass der „Jam“ aus der Konserve auf der Rückseite der CD-Hülle ins Innere fließt. Wohin, dass sieht man eigentlich erst richtig, wenn man das Digipak aufmacht.
Das Motiv soll eigentlich auch nur erahnen lassen, wohin die Reise geht und beschreibt unsere Gefühle, wenn wir zusammen Musik machen. Es gibt diesen berühmten „Aha-Effekt“, wenn einem klar wird, dass man gerade etwas ganz Besonderes geschaffen hat. Das kennen viele Musiker! Songwriting und Jammen lösen in einer funktionierenden Band einfach totale Zufriedenheit und Glücksgefühle aus.«




Wie läuft bei euch der Songwritingprozess ab? Gerade lange und komplexe Stücke wie 'Deep Jungle' oder 'Heavy Marmelade' entstehen ja bestimmt nicht mal eben im Vorbeigehen.


Malte: »Da sagst du was! Mal eben und im Vorbeigehen entstehen bei uns recht selten Songs. Wir haben die Angewohnheit, zusammen viel zu improvisieren. Da gibt es zum Beispiel eine minimalistische Idee, die aus einer Tonabfolge, einem Sound vom Keyboard oder einem bestimmten Rhythmus bestehen kann. An dieser wird dann immer weiter gefeilt und gebastelt, so dass in diesem Stadium bereits viele Passagen entstehen, die später in unsere Stücke einfließen. Wir schneiden jede Probe mit, so dass nichts vergessen wird. Diese Sessions werden dann nach und nach ausgewertet. Parts daraus werden so lange hin und hergeschoben, bis wir ein fettes Arrangement haben, welches uns überzeugt. Von daher verläuft das Songwriting bei uns mächtig „basisdemokratisch“, aber eben auch langwierig. Wahrscheinlich liegt in unserem Archiv an die 3-4 Stunden Material herum, das darauf wartet, verwertet zu werden. Also, da kommt sicher noch einiges von uns. Und es wird auch nicht weniger, denn wir sind Gott sei Dank sehr kreativ.«


Wo liegen eure musikalischen Wurzeln? Welche Bands/Musiker haben euch nachhaltig beeinflusst?


Malte: »Wir haben teilweise einen Altersunterschied von gut 20 Jahren. Dementsprechend liegen die Wurzeln in den Achtzigern, aber auch in den Neunzigern. Natürlich wachsen Wurzeln weiter, so auch bei uns.«


Bovie: »Ich bin in der Zeit der Keyboards aufgewachsen. Bands wie Icehouse, Saga, Marillion, Pink Floyd, Alan Parsons haben mich inspiriert. Songs mit Seele und Herz, nicht der ganze Mainstream. Ein Song muß noch berühren, mich auf eine Reise mitnehmen und zeitlos sein.«


Malte: »Marillion? ...sagte mir nichts. Ich glaube, das ist auch ein besonderer Punkt unserer Einflüsse und Wurzeln, die bei uns eben ganz unterschiedlich sind. In den späten Neunzigern, als ich das erste Mal mit Rockmusik in Berührung kam, waren gerade Guano Apes in den Charts. Durch Rage Against The Machine und Tool habe ich mir überhaupt erst den Bass umgeschnallt, und als sich der Horizont immer weiter öffnete, kamen Bands wie Nine Inch Nails und seit einigen Jahren auch Progressive Rock à la Steven Wilson dazu.«

Stone: »Mich haben Gitarristen wie Eddie van Halen, Mark Knopfler, Angus Young, John Petrucci und Steve Rothery beeindruckt und berührt. Nicht wegen ihres technischen Könnens, sondern wegen ihres Ausdrucks und ihrem unverkennbar eigenen Ton. Mir ist wichtig, dass Songs eine packende Melodie haben. Früher habe ich viel U2, a-ha, Dream Theater bis hin zu Metallica und Grunge gehört. Ups, klingt schräg und bunt, aber so ist es nun mal. Heute mehr Porcupine Tree und ähnlich modern progressives Zeugs und jaaa, natürlich seit Jahrzehnten alles von Marillion.«

Carsten: »Beeindruckt und damit auch beeinflusst haben mich sicherlich Queen, Marillion, Phil Collins, Coldplay, Live, Ed Kowalcyk und aktuell Steven Wilson. Harmonien, fetter Sound, atmosphärische Flächen, tolle Gesangslinien und Hooklines sowie alles Neuartige interessieren mich, weshalb die Grenzen der Musikstile gerne verschwimmen dürfen. Der Song muss stimmig sein. Deswegen ist TIGHTLAND in seiner untighten Stilfestlegung die perfekte Band für mich.«

Pat: »Geprägt haben mich Nirvana und Pearl Jam. Das waren die großen Helden. Als ich dann mit dem Schlagzeug anfing, wollte ich unbedingt so spielen können. Da ich aber nur den 4/4- Rhythmus konnte und leider nie Unterricht hatte, gestaltete sich die ganze Sache recht schwierig. Als mir Stonie dann noch zeigte, was Marillion für eine extrem geile Band ist, bekam ich ein echtes Problem. Spiel mal die Rhythmen von Ian Mosley nach. Das war eine Herausforderung. Aber nach 27 langen Jahren des Übens klappt das mittlerweile doch recht ordentlich. Porcupine Tree, insbesondere deren Drummer Gavin Harrison, Steven Wilson und The Pineapple Thief sind weitere Favoriten von mir. Ich höre wirklich viel Musik und alles querbeet. Da sind auch Jazz- und Popsachen dabei. Hauptsache, der Beat stimmt. So hat sich mein Stil aus den unterschiedlichsten Einflüssen entwickelt.«


Wie sehen eure Planungen für die nahe Zukunft aus? Wie steht es um eure Live-Aktivitäten? Kann man euch in der nächsten Zeit on stage erleben?

Malte: »2017 wird mit unserem Album in der Tasche die Prog-Rock-Szene aufgemischt. Am 18.02.2017 spielen wir ein Progressive-Rock-Festival in Velbert in einer geilen Location, einer umfunktionierten Kirche. Das passt und wird sicher fett. Zur Zeit sind wir fleißig dabei, neue Songs zu komponieren. Das Ganze werdet ihr 2017 sicherlich live zu hören bekommen. Dazu wird es wohl auch reine Download-Releases von neuen Songs geben. Wir haben jedenfalls einiges in Planung. Aktuelle Infos veröffentlichen wir regelmäßig unter www.tightland.de oder auf Facebook. Übrigens verlosen wir unter den nächsten 200 Likes zehn CDs unseres Albums.«



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