Online-MegazineInterview

BUCKCHERRY

Im Herzen Europäer

BUCKCHERRY gehören in ihrem Heimatland, den Vereinigten Staaten von Amerika, mittlerweile zu den ganz großen und angesagtesten Rockbands des Landes. Der Erfolg überrollt die Band quasi. Hierzulande ist die Band eher einem erlesenen Kreis bekannt, der große kommerzielle Durchbruch und die Eroberung des Mainstreams ist der Combo noch verwehrt geblieben. Mitte Februar wurde ihr neues und sehr erwachsenes Album „Confessions“ veröffentlicht und wir sprachen mit Gitarrist Keith Nelson unter anderem darüber, ob nun auch in unseren Breitengraden der Durchbruch gelingen kann.



Keith, ich möchte, dass du mir deine größte Todsünde beichtest!

»Uff… Hm, was uns alle wohl in die größten Schwierigkeiten bringt ist „Lust“.«

Okay, jetzt ohne blöde Witze: Euer neues Album „Confessions“ dreht sich thematisch um die sieben Todsünden der christlichen Religionslehre. Euer Sänger Josh Todd hat alle Texte des Albums geschrieben. Hat er die thematische Ausrichtung des Albums vorher mit euch besprochen?

»Klar hat er das vorher mit uns besprochen. Er und ich haben im Vorfeld darüber geredet, dass wir ein Album über die sieben Todsünden machen wollen. Josh arbeitete bereits an einem Konzept, in dem er seine persönliche Geschichte anhand dieser sieben Todsünden erzählt, und es passt alles ineinander. Wir haben alle mehrmals ausführlich über die Thematik gesprochen und es machte für jeden von uns Sinn.«

Kannst du dich denn mit seinen Texten identifizieren?

»Ich denke, jeder Mensch kann sich damit identifizieren. Wir sind alle auch von Zeit zu Zeit introvertiert und wenn wir über unser Leben nachdenken, stellen wir fest, dass diese sieben Todsünden absolut unser Verhalten beeinflussen.«

Wie entstehen denn bei BUCKCHERRY die Songs? Kommst du bereits mit einem kompletten Song in den Proberaum oder hast du zwar fertige Riffs parat, der einzelne Song entsteht aber in Zusammenarbeit mit der gesamten Band?

»Es gibt da keinen vorgegebenen Weg. Normalerweise habe ich ein paar Ideen ausgearbeitet, mit denen ich dann zu Josh gehe. Er bekommt dann bereits ein Gefühl für die Musik und wie sie auf ihn wirkt und beginnt, erste Textentwürfe auszuarbeiten. Damit gehen wir dann zu den anderen Bandmitgliedern und schreiben das Lied gemeinsam zu Ende.«

Also ist jeder an jedem Song irgendwie beteiligt.

»Genau. Solange nicht jeder irgendwie etwas zu einem Song beigetragen hat, fühlt sich das Stück für uns auch noch nicht fertig an.«

„Confessions“ ist erst vor wenigen Tagen erschienen. Hast du schon Zahlen bekommen, wie gut sich das Album in den ersten Wochen verkauft hat?

»Passenderweise habe ich gerade eben die Zahlen für die US bekommen und wir sind in die Top-20 eingestiegen! Das ist toll und fühlt sich wirklich gut an. Unsere Plattenfirmen hier in den USA und in den anderen Teilen der Welt unterstützen uns absolut. Wir werden die nächsten zwei Jahre ziemlich ausgedehnt in der ganzen Welt touren und das Album vorstellen, könnten also nicht zufriedener sein.«

In eurem Heimatland, den USA, seid ihr bedeutend größer als hier in Deutschland bzw. in Europa. Hast du irgendeine Vermutung, wieso das der Fall sein könnte? Funktioniert Rock hier einfach nicht so gut?

»Ich denke nicht, dass das irgendwas mit der Musik zu tun hat, sondern damit, wie oft wir bei euch touren konnten. Wir wissen das und es ist auch völlig logisch, dass wir mehr Fans in Europa bekommen, desto öfter wir bei euch touren. Seit einiger Zeit konzentrieren wir uns sehr stark auf Europa und wollen unsere Fanbasis bei euch vergrößern. In den Staaten sind wir deswegen so erfolgreich, weil wir hier seit vielen Jahren regelmäßig auf Tour sind.
Wir wissen die europäischen Fans sehr zu schätzen, denn sie sind weltweit einzigartig. Die Fans in Deutschland sind echte Hardcore-Rocker und wir haben mit euch immer eine großartige Zeit gehabt!«

Vielen Dank! Aber was macht uns in deinen Augen denn weltweit so einzigartig?

»Naja, wenn du hier in den Staaten tourst, dann kennen die Leute hauptsächlich die Songs von dir, die auch im Radio laufen. In Europa kennen die Fans hingegen das komplette Album und für uns als Künstler ist das ein viel befriedigenderes Gefühl. Bei euch singen die Leute nicht nur die Singles mit und das ist wirklich, wirklich toll!«

Das könnte daran liegen, dass bei uns im Radio so gut wie keine harte Musik gespielt wird, ihr in den Staaten aber zig Rock-Radiosender habt, besonders eure ganzen Campus-Radios.

»Ja, dass eure Radiovielfalt viel kleiner als bei uns ist, haben wir auch schon gemerkt. Bei euch lernen die Leute hauptsächlich über Plattenkritiken oder Interviews auf Onlineseiten oder in Magazinen eine neue Band kennen. Wenn sie das dann anfixt und sie sich das Album kaufen, werden daraus meistens viel loyalere Fans, weil sie dein gesamtes Werk mögen und nicht nur die Hits. Und für uns als Künstler ist das natürlich viel schöner.«

Selbstverständlich ist eure Heimat der wichtigste Markt für euch, aber wenn man dich so reden hört klingt das danach, dass ihr mit dem neuen Album Deutschland und ganz Europa erobern wollt?

»Definitiv. Unser Plan ist es, im Sommer für ein paar Festivals und Club-Konzerte zu euch zu kommen und daran arbeiten wir gerade. Klar ist Amerika wichtig für uns, aber wir machen schon so lange Musik, dass wir genau wissen, dass wir uns darauf nicht konzentrieren dürfen. Wir schätzen unsere europäischen Fans sehr!
Was viele Leute aber nicht verstehen ist, dass eine Tour in Europa für eine amerikanische Band nicht nur sehr teuer, sondern logistisch auch sehr schwierig ist. Aber ich denke, ihr merkt, dass ihr uns absolut wichtig seid, denn in den letzten paar Jahren waren wir öfter bei euch, als in den letzten zehn Jahren davor.«

Keith, bitte gib uns doch deinen ehrlichen Eindruck vom neuen Album und erzähle mir jetzt keinen „Das beste Album, das wir je gemacht haben“-Kram. (zwinkert) Bist du zufrieden mit „Confessions“? Würdest du gerne etwas anders machen, wenn du zurückgehen und es korrigieren könntest?

»Ich bin wirklich stolz auf das neue Album. Als wir fertig waren, habe ich Josh und die anderen angesehen und gesagt: „Ob das Album sich zehn Mal oder zehn Millionen Mal verkauft, ich bin wirklich stolz darauf!“

Weißt du, hier in den USA liegt ein sehr hoher Druck auf jeder Band, Hits zu schreiben, die als Single veröffentlicht und im Radio gespielt werden können. Und es war mir sehr wichtig, dort quasi als Gegenpol ein Statement zu setzen und ein wirklich komplettes, in sich geschlossenes Album abzuliefern. Das ist uns gelungen und darauf bin ich wirklich stolz.
Ich liebe es, wie Josh seine persönliche Geschichte auf „Confessions“ erzählt. Das war nicht leicht für ihn, denn er ist inhaltlich schon sehr tief gegangen und hat so viele Gefühle in seine Texte gesteckt. Und ich bin auch echt stolz darauf, dass wir uns nicht wiederholt haben. Klar hätten wir ein zweites 'Crazy Bitch' oder 'Lit Up' schreiben können (Anm. d. Verf.: Hit-Singles in den US – ch), aber dessen haben wir uns geweigert. Wir haben die Platte gemacht, die wir machen wollten, unsere Platte. Und darauf bin ich stolz.«
 


'Gluttony' tritt mächtig Arsch und ist nicht nur der Opener des Albums, sondern auch der schnellste und härteste Song auf „Confessions“. Viele andere Songs wie 'Sloth' oder 'Pride' sind deutlich relaxter und manchmal sogar fast schwermütig und mit 'Dreaming Of You' findet man sogar eine waschechte Akustik-Ballade. Hat sich das so ergeben oder war es eure Absicht, das Album mit einem Knall zu eröffnen, um danach eure weichere, emotionalere Seite zu zeigen?

»Als wir alle Songs fertig hatten, haben wir uns an die Reihenfolge auf dem Album gemacht. Wir wollten 'Gluttony' an den Anfang setzen, um die Platte für unsere Fans mit einem echten Arschtritt zu beginnen.
Wir sind so vielfältig, dass wir Songs wie 'Gluttony' oder 'Seven Ways To Die' oder auf der anderen Seite eben auch Tracks wie 'Dreaming Of You' und 'Sloth' im Programm haben. Um uns zu verstehen, muss man beide Seiten erleben, das Dunkle und das Helle, das Aggressive und das Schwermütige, ansonsten fehlt etwas. Ich selber höre Rock, Blues, Metal, Punk und alles hat Einfluss auf mein Gitarrenspiel genommen. Es ist einfach schön in einer Band zu sein, mit der man 'Gluttony' und 'Dreaming Of You' auf demselben Album veröffentlichen kann.«

Keith, gibt es noch etwas, das du ergänzen möchtest oder das noch ungesagt geblieben ist?

»Eigentlich nicht, wir haben alles Wichtige angesprochen. Ich bin wirklich stolz auf „Confessions“ und was wir mit dem Album erreicht haben. Ich liebe meinen Bassisten und meinen Schlagzeuger, denn egal was sie spielen, es groovt immer. Und zwischen unserem anderen Gitarristen Stevie D. und mir ist einfach eine total gute Chemie. Außerdem denke ich, dass es momentan im gesamten Rock 'n' Roll keinen besseren Frontmann als Josh gibt. Mit diesen Leuten gemeinsam in einer Band zu sein, Platten aufnehmen und die Welt bereisen zu dürfen… Hey, ich habe einfach den besten Job der Welt!«
 
Na, wenn das mal kein perfekter Schlusssatz ist. Keith, vielen Dank für das Interview!
 
 
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