Online-MegazineInterview

MORGOTH

Ihrer Zeit voraus

MORGOTH waren Anfang der Neunziger, zur Hochzeit des Death Metal, die Speerspitze der deutschen Bewegung. Nachdem die Band seit 1998 inaktiv war, hat man sich nun wieder zusammengefunden, um im Sommer einige Festivalshows zu spielen, unter anderem auf dem Rock Hard Festival. Wir sprachen mit Sänger Marc Grewe direkt nach einer der letzten Proben vor dem Auftritt.

Marc, gib uns doch bitte einen kleinen Rückblick, wieso es mit MORGOTH damals zu Ende gegangen ist!

»Im Sommer 1996 kam „Feel Sorry For The Fanatic“ heraus und schon beim Songwriting haben wir gemerkt, dass das Album nicht mehr viel mit dem zu tun hat, was wir vorher gemacht haben. Wir hatten schon bei „Odium“ leichte Spannungen in der Band, weil wir unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, in welche Richtung es gehen sollte. „Feel Sorry…“ ist aber nach wie vor ein ehrliches Album. Wir hätten einfach „Cursed 2“ einspielen können, aber das war nicht unser musikalischer und künstlerischer Anspruch.
Wir sind mit dem Album als Vorband von Die Krupps getourt und haben versucht, neue Leute mit dem Sound anzusprechen. Das ist uns leider nicht gelungen. Die Platte hat gute Kritiken bekommen und war in sämtlichen Soundchecks immer unter den Top 5, doch leider hat sich das nicht in den Verkäufen wiedergespiegelt. Nach der Krupps-Tour haben wir dann resigniert. Wir haben uns nie offiziell aufgelöst und gesagt „Das war es!“, sondern es war mehr ein stiller Untergang.«

Ihr habt mit „Odium“ ein Album veröffentlicht, das damals in Teilen der Presse, vor allem aber bei vielen Fans durchgefallen ist. Blickt man heute zurück, sprechen viele dieser Kritiker viel positiver über das Album. Wart ihr vielleicht einfach eurer Zeit voraus?

»Ja, das höre ich von vielen Leuten. „Odium“ war kein reiner Death Metal mehr: Wir haben versucht zu experimentieren und andere Wege zu gehen. Viele Leute wollten und sind diesen Weg dann aber nicht mitgegangen. Ich kann das auf der einen Seite verstehen. Wenn man eine Lieblingsband hat, dann will man natürlich, dass sie immer so klingt wie auf der ersten Platte. Aber man sollte eine Band verstehen, die nicht auf der Stelle treten, sondern sich musikalisch verwirklichen möchte. Das haben wir mit „Odium“ getan.
Bei den letzten beiden Konzerten sind jetzt viele Leute zu mir gekommen, die gesagt haben: „Hey, die 'Odium' fand ich früher echt scheiße, aber jetzt, wo ich sie im Vorfeld noch mal angehört habe, klingt sie richtig geil und innovativ.“«

Ärgert dich das ein wenig, wenn du sowas jetzt hörst?

»Naja, nein, es ist schön zu hören, dass man schon damals was Innovatives gemacht hat, auch wenn es die Leute nicht zu würdigen wussten. Aber wenn die Leute sagen, dass wir 1993 unserer Zeit voraus waren, dann muss man das so akzeptieren. Mittlerweile sehe ich das eher als Kompliment, denn offensichtlich waren wir schon in jungen Jahren innovativ und wollten andere Wege gehen.«

Was war der Anlass, nun eine „Reunion“ durchzuführen?

»Anfang Juni 1991 kam die „Cursed“ raus, also genau vor 20 Jahren. Während der Insidious-Disease-Interviews im letzten Jahr haben mich einige Leute gefragt, ob wir nicht Bock hätten, mit MORGOTH ein oder zwei Shows zu diesem Jubiläum zu spielen. Das hatte ich kategorisch verneint, weil schon damals klar war, dass Rüdiger (Hennecke, Schlagzeug, -ch) und Carsten (Otterbach, Gitarre, - ch) keinen Bock auf die Sache haben. Allerdings kamen dann immer mehr Anfragen, daher ging mir das ständig durch den Kopf. Weil ich, wie Sebastian (Swart, damals Bass, heute Gitarre, - ch), in Berlin wohne und wir uns häufig privat sehen, habe ich ihn gefragt, was er davon hält. Sebastian war sofort von der Idee begeistert und wir haben gesagt, dass wir mit Harry (Busse, Gitarre, - ch) auf jeden Fall noch eine weitere Person von damals dabei haben möchten. Insofern hing alles von Harry ab. Er hat aber sehr schnell zugesagt, da er heiß darauf war.«

Kannst und möchtest du darauf eingehen, wieso Carsten und Rüdiger keine Lust auf die „Reunion“ hatten?

»Die beiden waren immer der Meinung, dass man „Tote besser ruhen lassen“ sollte, und auch ich war mir immer unschlüssig, ob die Welt überhaupt Reunions braucht. Ich denke, wenn man das wirklich aus reinem Herzen und aus Spaß macht und nicht alles nur aus Geldgründen stattfindet, dann ist eine Reunion durchaus legitim. Von vielen Fans kam immer wieder die Bitte, dass wir doch noch ein Konzert oder eine Tour spielen sollten. Bei Rüdiger und Carsten war es aber so, dass sie das von vornherein kategorisch abgelehnt haben. Man merkte, das Feuer war nicht da und zudem ist Rüdiger beruflich sehr eingebunden und bei Carsten ist es ähnlich. Es war also klar, dass die beiden nicht mit dabei sein würden. Eine Reunion kam für uns immer nur mit den fünf alten Mitgliedern in Frage, aber wir haben mit den beiden gesprochen und sie finden es okay, dass wir zwei neue Leute in der Band haben.«

Um euch auf die Festival-Shows vorzubereiten, spielt ihr vorher kleinere Clubshows. Wie sind diese verlaufen? Wie war es, das erste Mal wieder als MORGOTH auf der Bühne zu stehen?

»Das ist so ein bisschen wie Fahrrad fahren: Wenn man es länger nicht gemacht hat, ist man die ersten paar Meter sehr wackelig, aber dann kommt die Stabilität wieder und nach kurzer Zeit fühlt es sich an, als ob man nie eine Pause gemacht hätte. Klar mussten wir erst mal wieder etwas reinkommen. Ich hatte zwar mit Insidious Disease ein paar Shows gespielt aber die anderen standen wirklich seit 15 Jahren nicht mehr auf einer Bühne. Und dafür ist es sehr gut gelaufen, denke ich.«

Was sind eure Pläne mit der „Reunion“? Diesen Sommer einige Festivals spielen oder erwartet uns ein neues Album?

»Jetzt zu diesem Zeitpunkt kann ich das nicht beantworten. Wir haben bis jetzt nur diese beiden, kleinen Shows gespielt, die sehr schön waren und uns alle euphorisiert haben. Nichtsdestotrotz konzentrieren wir uns jetzt auf die anstehenden Festivals. Die Zeit danach hängt davon ab, wie die Konzerte jetzt verlaufen werden, wie die Reaktionen auf uns sind und wie die Chemie innerhalb der Band ist. Wir sind sehr froh, dass wir mit Marc (Reign, Schlagzeug, - ch) und Sotirios (Kelekidis, Bass, - ch) zwei Personen gefunden haben, die menschlich zu uns passen und zudem gute Musiker sind. Dass man zusammenfindet und einen guten Draht zueinander hat, ist für eine eventuelle Zukunft sehr wichtig. Im Moment ist alles super. Wir haben gerade geprobt und es knallt einfach. Wir arbeiten nicht an neuen Stücken, sondern konzentrieren uns auf die Liveshows im Sommer. Wenn wir danach alle meinen, dass wir neue Songs schreiben wollen, dann machen wir das. Aber wir setzen uns nicht unter Druck und sagen, bis zum Winter müssen wir ein Album im Kasten haben.«

Ihr konzentriert euch bei den jetzt anstehenden Shows auf das Material von „Cursed“. Was kriegen wir noch zu hören?

»Wir spielen hauptsächlich Sachen von „Cursed“, weil das nun für das Jubiläum am meisten Sinn macht. Wir werden aber auch Songs der ersten beiden EPs und ein paar Songs von der „Odium“ spielen. Songs von der „Feel Sorry For The Fanatic“ werden nicht dabei sein, weil die jetzt nicht in das Konzept passen, was wir ausgearbeitet haben.«

Nächstes Wochenende spielt ihr bei uns auf dem Rock Hard Festival. Habt ihr euch dafür etwas Besonderes einfallen lassen? Und wenn ja, magst du hier vielleicht einen kleinen Hinweis darauf geben?

»Etwas Besonderes, in dem Sinne, dass wir uns am Ende der Show in die Luft sprengen, wird es nicht geben (lacht). Wir freuen uns wahnsinnig, auf dem RHF spielen zu dürfen. Wir haben 1990 auf dem ersten RHF in Lichtenfels gespielt, insofern ist es etwas ganz Besonderes für uns, dass wir nach so langer Zeit fast auf den Tag genau wieder bei euch spielen. Wir haben dem Rock Hard sehr viel zu verdanken! An der Popularität von MORGOTH, besonders in Deutschland, hat das Rock Hard einen riesengroßen Anteil. Als Frank Albrecht so ein bisschen von einer möglichen Reunion Wind bekommen hat und ich mit ihm telefoniert habe, war es von Seiten des Rock Hard fast selbstverständlich, dass wir dieses Jahr auf dem Festival spielen müssen. Das fand ich natürlich toll, denn es ist eben nicht selbstverständlich, dass man eine Band, die nach fast 15 Jahren wieder aus dem Reich der Toten zurückkehrt, auf dem RHF spielen lässt. Insofern sind wir mehr als dankbar dafür, dass wir die Chance bekommen.
Aber falls wir tatsächlich etwas Spezielles geplant haben sollten, kann ich das jetzt natürlich nicht verraten. Da müsst ihr schon zum Festival kommen und selber gucken (lacht).«

Kommen wir zum Abschluss noch einmal kurz auf dich persönlich zu sprechen. Du bist seit einiger Zeit musikalisch mit Insidious Disease wieder am Start. Wo war Marc Grewe nach MORGOTH und vor Insidious Disease? Hast du dir eine komplette Auszeit von der Musik genommen?

»Nachdem wir die Band damals auf Eis gelegt hatten, bin ich nach Berlin gezogen, um hier beim Film zu arbeiten. Was geklappt hat, denn mittlerweile bin ich Aufnahmeleiter. Mit Sebastian zusammen habe ich hier in Berlin so kleine „Kellercombos“ gehabt, was nur aus Spaß war und mit MORGOTH nichts zu tun hatte. Es war ein Hobby, um neben dem Beruf das Musikmachen nicht ganz aufzugeben.«

Sollte das mit MORGOTH wieder konkrete Züge annehmen und in Richtung neues Album gehen, hättest du aufgrund deines Berufes als Aufnahmeleiter überhaupt Zeit, beides zusammen zu machen?

»Das geht schon, da ich den Job freiberuflich mache und man als Aufnahmeleiter nicht das ganze Jahr über arbeitet. Klar, wenn ein Film ansteht, dann habe ich 12-14 Stunden Arbeit pro Tag, aber nach vier bis sechs Wochen ist der Film im Kasten und dann hat man wieder Zeit. Die letzten drei Monate habe ich zum Beispiel in Australien als Goldgräber gearbeitet (lacht).«

Wie bitte? Das musst du mir näher erzählen!

»Auf der ganzen Welt steigen gerade die Preise für Edelsteine und -metalle ins Unermessliche und in Australien gibt es unwahrscheinlich viele Rohstoffe, so dass dort gerade alles boomt, was mit Minen zu tun hat. Und im Winter ist filmmäßig immer relativ wenig los, wenn man nicht gerade GZSZ im Studio machen möchte. Ein Freund von mir hat in Australien ein kleines Geschäft für Diamantbohrer und wohnt in der Gegend von Perth, weil dort so viele Goldminen und Aluminium verarbeitende Industrie sind. Als er mich gefragt hat, ob ich zu ihm kommen und ihm bei seinem Geschäft helfen könnte, habe ich spontan zugesagt. Deswegen war ich jetzt drei Monate unten und habe sozusagen meine Brötchen damit verdient, dass ich Diamantbohrer zu den Goldgräbern in die Wüste gefahren habe.«

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