Online-MegazineInterview

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»Ich bin nicht die Merch-Frau«

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Als Frau in einer Männerdomäne hat man es selten leicht. DIEMONDS-Sängerin Priya Panda gehört zu der kleinen Gruppe von Frauen im Metal-Genre. Im Interview verrät die Fronterin der kanadischen Sleaze-Metal-Combo, ob sie mit Vorurteilen zu kämpfen hat und berichtet vom neuen Album „Never Wanna Die“.

Im September ist euer neues Album „Never Wanna Die“ erschienen. Der Vorgänger „The Bad Pack“ kam schon 2012 raus. War es geplant, dass so viel Zeit dazwischen liegt?

»Das war nicht wirklich unser Plan, es passierte einfach. Nach der Veröffentlichung von „The Bad Pack“ sind wir erst mal lange getourt. Außerdem brauchten wir Zeit, um durch unsere Höhen und Tiefen zu gehen.«

Wie fällt das Feedback zu „Never Wanna Die“ bisher aus?

»Ziemlich gut. Wir erreichen mehr Leute damit, weil das Album zugänglicher ausfällt. Und das, obwohl es eigentlich härter ist.«

Ich habe den Eindruck, dass es musikalisch zwar mehr zur Sache geht, die Lyrics und der Gesang allerdings melodischer sind.

»Da stimme ich dir voll zu. Man soll bei unseren Songs mitsingen können. Als Sängerin und Musikerin achte ich sehr auf Lyrics. Deshalb habe ich mir viel Zeit genommen, um sinnvolle Texte zu schreiben, die viele Themen behandeln. Die Leute sollten sich mit dem, was wir durchgemacht haben, identifizieren können.«

Was hat es mit dem Titel des Albums auf sich?

»Das Album ist unseren ehemaligen Bandmitgliedern gewidmet, die viel zu früh verstorben sind (gemeint sind Vassil „Vaggy“ Mester, Paul „Cuzo“ Mancus, Alan „Yeti“ Riches – bm). Es fiel uns schwer, einfach weiter zu machen. Auch deswegen dauerte es, bis „Never Wanna Die“ erschienen ist. Aber Musik hilft, die Wunden verheilen zu lassen. Man muss mit dem Verlust leben und versuchen, das Beste aus seinem eigenen Leben zu machen.«

Habt ihr darüber nachgedacht, aufzuhören?

»Natürlich. Wir haben nie ohne sie Songs geschrieben, haben nie ohne sie gespielt. Aber dann schrieben wir weiter Musik, um das zu verarbeiten. Sie hätten auch nicht gewollt, dass wir aufhören. Und jetzt erreichen wir mehr Leute, die auch jemanden verloren haben. Wir können sie mit unseren Erfahrungen und unseren Songs trösten und auffangen.«

Welcher Song von „Never Wanna Die“ ist dein persönlicher Favorit?

»Live ist das definitiv 'Forever Untamed'. Keine Ahnung, warum. Ich mag die Gesangsmelodie und den Text ziemlich gern. Ansonsten 'Ain't That Kinda Girl', das ist eine Hymne für alle Außenseiter in der Schule oder auf der Arbeit, für die schwarzen Schafe in jeder Familie. Wir halten zusammen! Der Song bedeutet mir einfach sehr viel.«

Wann kommt ihr auf Europatour?

»Hoffentlich Anfang nächsten Jahres. Wir würden gut nach Europa passen. Ich möchte da unbedingt hin!«

Übernachtet ihr eher im Hotel oder im Tourbus?

»Wir sind tatsächlich noch nie in einem Bus getourt … Leider. Wir fahren mir einem kleinen Van und campen dann. Aber das macht auch total Spaß. Vom Komfort her würde ich jetzt Hotel sagen. Aber ein Tourbus ist schon ein Ziel für uns!«

Was für Erfahrungen hast als Frau in einem Männer-dominierten Business gemacht?

»Manchmal vergisst man das einfach. Aber es gibt immer wieder eigenartige Situationen. Wir kamen zum Beispiel mal in einem Club an und die Betreiber sagten zu mir: „Hier kannst du dein Merch aufbauen.“ Und ich nur so: „Äh, danke, aber ich spiele in der Band. Ich bin die Sängerin, nicht die Merch-Frau.“ Die Jungs müssen nie ihre Pässe zeigen, ich dagegen schon. Das sind allerdings nur Kleinigkeiten, die mir nichts ausmachen. Ich mache das, was ich will. Und seit ich im Alter von zwölf Jahren auf die ersten Konzerte gegangen bin, ist mir klar, dass da mehr Männer als Frauen rumrennen.«

Hast du dann oft mit Vorurteilen zu kämpfen? So nach dem Motto: „Du bist eine Frau, du kannst keine harte Musik machen!“

»Ein paar Leute glauben das vielleicht. Aber mal ehrlich, wir haben 2015, da sollte das scheißegal sein. Für so etwas will ich mich nicht rechtfertigen müssen. Es sollten einfach mehr Frauen zu Konzerten kommen, Instrumente spielen und etwas über Musik lernen.«

Wer sind deine weiblichen Vorbilder in- und außerhalb der Musikszene?

»Meine Großmutter war immer ein großes Vorbild für mich. Sie hat mich großgezogen und dank ihr habe ich immer zu anderen starken Frauen aufgeschaut.
Musikalisch gehört Doro Pesch zu meinen Vorbildern.«

Hast du Tipps für junge Frauen, die auch in einer Band spielen wollen?

»Sie sollten sich andere Combos anschauen und von denen lernen. Außerdem hilft es immer, mit lokalen Bands abzuhängen. Touren ist super wichtig – einfach rausgehen und spielen. Aller Anfang ist hart. Ich war zuerst sehr nervös und es hat gedauert, bis ich auf der Bühne aus mir rausgehen konnte. Und das ist nicht abhängig davon, ob man ein Mann oder eine Frau ist.«

Mitte November erscheint das neue Video von DIEMONDS zu 'Ain't That Kinda Girl'.

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