Online-MegazineInterview

AURA NOIR

Hörbar hässlich

AURA NOIR

Aura Noir sind eine der Konstanten im Black Metal, ein Urgestein ohne große Qualitätsschwankungen. Das hat sich auch mit dem neuen Album „Out To Die“ nicht geändert. Wir sprachen mit Gitarrist/Sänger Aggressor.

„Out To Die“ ist jetzt seit ca. einem Monat erhältlich. Wie sind die Reaktionen bisher?

»Insgesamt läuft es sehr, sehr gut. Wir haben einen Haufen Reviews bekommen, so viele, wie noch nie zuvor. Diejenigen, die ich gelesen habe, waren alle gut oder sehr gut. Ich denke, es könnte kaum besser sein.«

Gab es auch schlechte Reviews?

»Ich habe zumindest keine gesehen.«

Würde es dich denn kümmern, wenn irgendwer „Das Album ist total kacke!“ schreiben würde?

»Um ehrlich zu sein, ich würde da keine großen Gedanken dran verschwenden. Jeder hat seine Meinung, und es ist nur natürlich, dass verschiedene Ansichten aufeinander treffen, wenn du viele Fans hast und viele Reviews geschrieben werden. Damit rechnest du ja im Vorfeld. Diesmal läuft es sehr, sehr gut.«

Die Bandmitglieder leben in verschiedenen Städten, Blasphemer sogar in Portugal. Würde das Album musikalisch anders klingen, wenn ihr alle in derselben Stadt wohnen würdet?

»Nicht wirklich, denke ich. Es klappt ja auch so sehr gut. Wir haben ihn ungefähr viermal einfliegen lassen, um Sessions in Appollyons Keller durchzuführen. Der wohnt irgendwo in den Bergen, wir waren also nicht abgelenkt und haben einfach nur zusammen Musik geschrieben.«

Meiner Meinung nach stecken viel Rock’n‘Roll und Punk in „Out To Die“. Siehst du das auch so?

»Absolut! Wir alle haben Punk-Einflüsse, und Punk ist ja sowieso einer der Haupteinflüsse für Metal. Diesmal steht es halt noch etwas mehr im Vordergrund, die ganze Attitüde ist aggressiver.«

Appollyon und du, ihr habt verschiedene Gesangsstile. Wie entscheidet ihr, wer welchen Song singt?

»Das ist ein organischer Prozess, etwas, das unser Instinkt nebenbei entscheidet. Es ist Teil unseres Sounds, zwei verschiedene Sänger in der Band zu haben. Das ist halt was anderes, als nur einen Frontmann zu haben.«

Die Produktion von „Out To Die“ ist ziemlich roh, aber trotzdem gut hörbar. Was sollte eine gute AURA NOIR-Produktion haben?

»Eine gute AURA NOIR-Produktion sollte das Hässliche der Musik bewahren und sie gleichzeitig hörbar machen. Ich denke, wir haben jedes Mal unsere Ziele und Vorbilder, die von Album zu Album variieren. Dieses Mal waren wir beim Erreichen dieser Ziele sehr erfolgreich, und denke mal, das schaffen wir nächstes Mal wieder (lacht).«

Eure Gitarren klingen ein bisschen nach Sunlight-Studio.

»Das kann gut sein, da habe ich jetzt gar nicht so genau drauf geachtet. Wir gehen immer sehr natürlich an die Findung des besten Sounds heran. Du hast immer die sehr anstrengende Aufnahme, aber für den Sound sind Mix und Mastering genauso wichtig, da muss man viel Arbeit reinstecken.«

Auf dem Cover habt ihr Skelette und diese gefolterte Knochenkonstruktion, die ein bisschen wie die Freiheitsstatue aussieht. Das war nicht beabsichtigt, oder?

(lacht) »Kann sein. Nein, mal ernsthaft, wir haben uns nicht zu viele Gedanken über die Bedeutungen des Covers gemacht, es muss einfach nur zur Musik passen. Wir haben da einen Künstler an der Hand, der unsere Musik sehr gut kennt. Er hat es super hin bekommen, unsere Musik in seiner grafischen Arbeit und seiner Farbgebung umzusetzen.« 

Eure Texte sind ziemlich klischeehaft. Habt ihr bei all den Klischees überhaupt Platz, euch persönlich auszudrücken, oder muss es wieder einfach nur zur Musik passen?

»Naja, die Texte kommen bei uns immer zum Schluss. Wir schreiben sie erst in der Nacht, bevor wir den Gesang aufnehmen. Das Wichtigste ist das Gesamtbild der Musik, und das, was sie im Hörer auslöst. Der Text ist halt Teil der Musik. Ich meine, wir schreiben ja keine Folksongs, bei dem der Text das Wichtigste ist. Es geht eher darum, die Musik in ihrer Gesamtheit zu unterstützen. Deshalb gibt es so viele Klischees in den Texten, die zu dem Stil und dem Sound passen, den wir entwickelt haben.« 

Dann gilt für den Titel „Out To Die“ vermutlich dasselbe?

»Ja, natürlich, der Titel ist letztendlich die Überschrift für die Texte des Albums. Der Drummer von Gehenna aus Norwegen hat übrigens auch zwei Texte beigesteuert, die gut zu dem Titel gepasst haben.« 

Ihr spielt dieses Jahr auf dem Hell's Pleasure und dem Wacken Open Air. Was magst du lieber, kleine familiäre Festivals oder Riesenveranstaltungen?

»Wir haben schon auf vielen verschiedenen Festivals und in vielen verschiedenen Umfeldern gespielt. Sogar auf Hochzeiten sind wir schon aufgetreten. Auf einer Beerdigung haben wir noch nicht gespielt, aber das wäre auch mal geil. Natürlich bevorzugen wir gut organisierte Festivals mit gutem Billing, bei denen einfach alles läuft. Aber unterm Strich machen wir nur unser Ding, und wir machen es so gut wie möglich. Am Ende des Tages ist ein gutes Publikum halt ein gutes Publikum. Wir treffen da wohl irgendeinen Nerv. Ich bevorzuge das Live-Spielen gegenüber dem Nicht-Live-Spielen, also werde ich das immer tun, und das Umfeld ist dabei zweitrangig.« 

Ist schon eine Headlinertour geplant?

»Wir arbeiten gerade dran. Erst einmal werden wir ein paar Shows in Großbritannien spielen, und im Herbst steht dann eine Europa-Tour an. Wir freuen uns da schon sehr drauf.« 

Du bist ja schon eine Weile in der Szene unterwegs. Gibt es immer noch junge Bands, die dich wegblasen?

»Ja, es gibt da ein paar norwegische Bands, die sehr gut sind. Zum Beispiel Deathhammer, Nekromantheon oder Obliteration, deren Musik ist fantastisch.«

Nervt es dich, wenn euch die Leute als eine Art Allstar-Projekt sehen? Auf eurem Cover ist ja wieder so ein Sticker mit der Aufschrift:„With members of Immortal, Mayhem, Virus and Ava Inferi“.

»Mich haben diese Sticker eh immer gestört. Ich denke nicht, dass wir sie noch brauchen, deshalb stehen sie uns im Weg. Wir sind jetzt seit 20 Jahren unterwegs, wir haben uns selbst einen Namen gemacht.« 

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

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26.05.2017
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