Online-MegazineInterview

KÄRBHOLZ

Hinterwäldler mit Herz

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Nach dem großen Charterfolg „Karma“ liefern KÄRBHOLZ mit „Überdosis Leben“ einigermaßen überraschend das wohl härteste Album ihrer Karriere ab. Nachdem wir schon bei dem Lauschangriff im September einige Fragen klären konnten, bitten wir nun, mit der fertigen Platte in den Ohren, Gitarrist Adrian Kühn zum Gespräch.

Adrian, die neue Platte ist ziemlich hart geworden. Das ist interessant, weil man nach eurer letzten, sehr erfolgreichen Platte „Karma“ hätte denken können, dass ihr weiter in eine entspannte und poppige Richtung gehen würdet. Was war der Auslöser, so ein hartes Album zu schreiben?

»Genau das war so ein Punkt, über den wir uns Gedanken gemacht haben. Nachdem die Platte so erfolgreich war, haben sich viele Leute vielleicht nicht gewünscht, aber erwartet, dass wir die Kanten abschleifen und danach softer und polierter klingen. Vor dem Songwriting zur neuen Platte haben wir uns dann gedacht, dass es doch viel spannender wäre, wenn wir eben nicht den „logischen Nachfolger“ schreiben. Da hat sich dann herauskristallisiert, dass wir wieder zu unserem „musikalischen Trio“, sprich Bass, Gitarre und Schlagzeug, zurückkehren wollen. Zusammen mit den Texten sind wir dann immer in die rauere Schiene abgedriftet, dem wir uns dann ergeben haben, da die Musik immer aus dem Bauch kommen muss. Aus diesem Entstehungsprozess ist dann die Scheibe entstanden.«

Schön, dass du die Texte ansprichst, die ja ein bisschen im Gegensatz zur Musik eine sehr positive und optimistische Stimmung verbreiten. Für wie wichtig hältst du in der heutigen Zeit, die ja immer wieder von negativen Nachrichten überschattet wird, so eine positive Grundhaltung?

»Ich halte das für total wichtig! Das sind Sachen, die mir selber Spaß machen, und ich möchte mich auch nicht immer mit Negativem umgeben, vor allem nicht, wenn ich es selber steuern kann. Melancholie und Nachdenklichkeit gehören zu jedem von uns, da kann sich selbst der Hartgesottenste nicht von freisprechen, aber letztendlich muss was positives daraus wachsen. Da steht auch eine persönliche Geschichte hinter: Ich bin in der Zeit, in der wir die Platte geschrieben haben, gerade 30 geworden, was ich ziemlich blöd fand. Ich habe da auch mit einigen Leuten gesprochen, denen es ähnlich ging, und daraus sind dann die Texte entstanden. Es gab genau diese Nachdenklichkeit, an der ich aber gewachsen bin und woher auch die Hoffnung kommt, die am Ende immer in den Lyrics durchscheint.«

Die zeigen auf jeden Fall, dass du nicht in negative Stimmung wegen deines Geburtstags fällst, sondern zum Beispiel im Titeltrack die Haltung „Ich will noch mehr, die 30 ist noch nicht das Ende!“ auftaucht.

»Ganz genau! Man steht vor einer Hürde, über die man erst mal kommen muss, aber einfach stehen bleiben ist nicht die Lösung. Die Frage ist dann: „Wie komme ich drüber?“ Das geht nur mit Eigenleistung und der absoluten Überzeugung für die eigene Sache, und dann ist die 30 eben doch keine so hohe Mauer, wie ich am Anfang dachte. Also ich glaube, ich bin drüber gekommen (lacht).«

Es klingt auf jeden Fall so! Auf „Überdosis Leben“ habt ihr mit Franziska Kusche, Lenny von Endseeker und Alex Suck (Vogelfrey) drei Gäste. Wolltet ihr von vornherein euren Sound weiter ausreizen oder hat sich das während des Songwritings ergeben?

»Bei der „Karma“ haben wir das ja getan, indem wir mit Orgel, Slide-Gitarre usw. gearbeitet haben. Das wollten wir dieses Mal nicht haben, weil wir auf die Live-Situation geschaut haben, aber bei einigen Nummern hat sich das angeboten. Bei 'Perfekt Unperfekt' zum Beispiel war der Text schon so gut wie fertig und auch schon als Duett geschrieben. Ganz am Anfang habe ich das mit dem Torben zusammen gesungen, aber das war schon ein bisschen merkwürdig, deswegen musste eine Frauenstimme dazu. Torben und Franzi haben dann noch die dritte Strophe dazugeschrieben. Die anderen beiden Gäste haben sich während der Produktion in Hamburg ergeben. Bei 'Evolution Umsonst' hatten wir schnell das Gefühl, dass dem eine andere stimmliche Klangfarbe gut tun würde. Wir hören so härtere Musik zum Teil auch, und als wir dann in Hamburg auf einem Endseeker-Konzert waren, hat uns die Stimme sofort gut gefallen und wir haben Lenny gefragt, ob er mitmachen will.
Den Alex kannten wir vorher nicht persönlich, aber wir sind beim gleichen Verlag, wodurch der Kontakt entstanden ist. 'Kinder aus Hinterwald' ist eben so ein Country-Song, da musste einfach eine Geige rein.«

In der Nummer erwähnt ihr ja mehrere Berufe, unter anderem als letztes Dachdecker, was Torben ja von Beruf ist. Wer von euch ist denn Schmied oder Mechaniker?

»Der Stefan (Wirths, Bassist, mab) ist von Beruf tatsächlich Industriemechaniker, der Schmied bin in gewisser Weise ich, weil ich mir in der Schulzeit ein paar Kröten beim Schmied dazuverdient habe. Jetzt bin ich – Schande über mein Haupt – Grafiker, aber das versuche ich vor meinen Dorfkumpeln geheim zu halten und mache mir immer ein bisschen Altöl an die Finger (lacht). Im Ernst: Es ist natürlich keine Schande, dass ich keinen handwerklichen Beruf ergriffen habe, aber dass sind die Leute, mit denen wir uns umgeben. Der Sohn von dem Schmied, bei dem ich damals gearbeitet habe, ist immer noch ein guter Kumpel von uns, Torben ist Dachdeckermeister und hat einige Angestellte hier im Ort usw. Es ist einfach sehr handwerklich geprägt hier.«



Wie sehr erdet einen das, wenn man nach so einer Tour nach Hause kommt und die Oma von nebenan kneift dir in die Wange und sagt: „Du bist aber groß geworden!“?

»Es ist großartig, weil es überhaupt keine Rolle spielt, was wir machen. Du kommst nach einer Tour nach Hause, hast vielleicht zehn Konzerte vor zehntausend Fans gespielt, und bist einfach wieder der Typ vom Land. Die Leute fragen vielleicht mal, wie denn die Tour war, aber ansonsten ist das kein Thema. Das ist einfach großartig, um wieder runter zu kommen und sich auch bewusst zu machen, dass es kein Normalzustand ist, vor tausend Leuten zu stehen, sondern hier ein Leben wie jeder andere zu führen.«

Ich finde, das merkt man euch auch an.

»Es ist uns auch wichtig, sich das bewusst zu machen. Natürlich prägt das einen, aber ich habe zum Beispiel einem guten Kumpel, mit dem ich schon seit Jahren befreundet bin, gesagt: Wenn dir auffällt, dass sich irgendwas dahingehend bei mir verändert, musst du mir das sofort sagen! Für uns ist es das Wichtigste, normal zu bleiben.«

Bei der Listening-Session gab es noch den Titel 'God Save The Sin', der jetzt aber nicht auf dem regulären Album ist. Wo ist er hin?

»Der ist als Bonustrack in der Boxset- und soweit ich weiß auch bei der digitalen Version, das heißt wenn man die Vinyl-Scheibe kauft und den Download-Code einlöst, bekommt man den Song ebenfalls. Wir haben uns echt schwer getan, einen Bonustrack auszusuchen und wenn es nach den Verkaufsstellen gegangen wäre, hätten wir fünf Bonustracks anbieten müssen. Letztendlich ist die Wahl dann auf die Nummer gefallen, die am Anfang sogar ein Single-Kandidat war.«

Das Cover ist recht abstrakt, gut zu erkennen sind aber die von Pfeilen getroffenen Herzen, die eine Art Kleeblatt formen. Was hat dieses Zeichen mit dem Titel „Überdosis Leben“ zu tun?

»Erstmal bist du einer der wenigen, der die Herzen erkennt (lacht). Das ist natürlich ein Zeichen für das Leben, und die Pfeile sind dementsprechend dann die Überdosis, was ja eigentlich bei allem etwas gefährliches ist, außer eben beim Leben. Ich glaube, so lange man das Leben nicht als eine Flasche Whisky interpretiert, die man sich täglich reinkippt, sondern dass man es auskosten und in allen Zügen erfahren will, ist eine Überdosis davon nicht schädlich.«



Im Video zum Song lauft ihr dann aber vor recht ominösen Gestalten davon. Was repräsentieren die?

»Na ja, das sind dann eben die Sachen, die eine Überdosis Leben zu etwas gefährlichem machen. Die personifizerten Versuchungen, die aber jeder für sich selbst identifizieren muss.«

Zum Abschluss noch eine Frage zum anderen Video, dass ihr zu 'Ich kann es nicht ändern' gedreht habt. In dem Making-Of ist euer Drummer Henning häufig der „Klassenclown“. Täuscht der Eindruck oder ist er der „Beauftragte für Blödsinn“ in der Band?

»Ja, aber er hat sich selbst beauftragt (lacht)! Es ist lustig, dass du das so siehst, denn wenn es jemanden gibt, der das verkörpert, dann ist das der Henning. Natürlich hat auch er seine ernsten und nachdenklichen Momente, aber er verstellt sich da nicht und ist einfach so!«


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