Online-MegazineInterview

PORTRAIT

Heavy Metal hat Priorität

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Wenn Primordial zur Release-Show von „When Greater Men Have Fallen“ nach Essen laden, dann kann nur mit ordentlichen Krachern im Vorprogramm zelebriert werden: Neben dem schweizerischen Wucht-Duo Bölzer haben sich auch die schwedischen Heavys von PORTRAIT die Ehre gegeben, im ausverkauften Turock die Bühne zu rocken. Nach der Show haben wir uns die beiden Gitarristen Christian und David für ein Interview vorgeknöpft...

Christian, David, wie läuft's? Ihr seid dieses Jahr quer durch Europa getourt, natürlich auch durch Deutschland – habt ihr schon mal in Essen gespielt?

Christian: »Ja, wir haben tatsächlich schon mal in Essen gespielt. Ich meine das war 2012, als wir Evile supported haben. Ich muss aber sagen, dass das Publikum heute um einiges cooler war als damals. Das war heute eine ganz andere Atmosphäre... Und das sagt ziemlich viel über den Gig vor zwei Jahren aus, haha.«

Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Primordial, seid ihr Fans der Band?

Christian: »Große Fans sind wir eigentlich nicht, aber...«

David: »Naja, als ich jünger war, habe ich total viel Primordial gehört und sie 2009 auch mal auf dem Party.San Open Air gesehen und fand es ziemlich gut!«

Christian: »Eigentlich hat uns Alan (Averill, Primordial-Fronter - mm) einfach gefragt, ob wir Bock hätten, gemeinsam mit Bölzer den Opener zu machen. Er dachte, das ergäbe ein cooles Billing und das fanden wir auch, und darum sind wir nun hier.«

Und wie fühlt sich das an, die Release-Show zu eröffnen?

Christian: »Natürlich fühlt sich das sehr gut für uns an, vor allem, weil es eine besondere Chance ist. Die Leute, die wir nämlich normalerweise vor uns stehen haben, haben weniger mit extremen Metal am Hut. Darum freuen wir uns neue Welten zu entdecken.«

Kürzlich habt ihr ja selbst eine Split-EP mit euren schwedischen Kumpels von Ram veröffentlicht. Unter anderem findet man darauf ein Ram-Cover eines PORTRAIT-Songs und ein PORTRAIT-Cover eines Ram-Songs, da liegt die Vermutung nahe, dass diese Idee einerseits auf Freundschaft und andererseits auf gegenseitiger Anerkennung beruht, oder?

Christian: »Absolut. Diese Anerkennung bezieht sich aber nicht nur auf die Musik, die wir machen, wir teilen nämlich auch die gleiche Einstellung was Heavy Metal an sich angeht. Du musst wissen, die Haltung der meisten Metaller in Schweden unterscheidet sich sehr von unserer. Wir haben also nur wirklich wenig Leute, mit denen wir uns verbunden fühlen und Ram sind einige davon.«

Neben der Split habt ihr dieses Jahr auch euer drittes Album „Crossroads“ veröffentlicht. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass man eure Musik mit den klassischen Metal-Bands der Achtziger in Verbindung bringt und auch, dass Mercyful Fate und King Diamond eine wichtige Inspiration für euch sind...

Christian: »Klar, viel von der Musik, die in den Achtzigern veröffentlicht wurde, hat uns stark inspiriert, aber ich habe da einen etwas anderen Blick drauf, als die meisten Leute in der Szene. Viele Leute und vor allem die Medien haben ihren Fokus in den Neunzigern eher auf Grunge oder Melodic-Death und so gelegt, aber alles was Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger entstand, hat auch in den Neunzigern weiter gelebt. Deswegen sehe ich das Ganze nicht gerne als Retro-Zeug, ich denke, wir können Heavy Metal immer noch weiterentwickeln.«

Ist Inspiration durch andere Musiker für das von dir angesprochene Weiterentwickeln von Heavy Metal denn wichtig, gar notwendig, oder was denkt ihr darüber?


David: »Ich persönlich denke, als Musiker und generell als kreativer Mensch ist Inspiration unumgänglich. Gerade wenn du mit einem so speziellen Genre wie Heavy Metal aufwächst, entwickelst du automatisch eine Vorliebe für bestimmte Gitarristen, Sänger, Bassisten und so weiter. Ich meine, wie willst du etwas kreieren, ohne durch irgendetwas inspiriert zu sein?«

Das sehe ich auch so. Aber wo ist dann für euch die Grenze zwischen Inspiration und Kopie?

David: »Eine Kopie ist, wenn du bewusst eine Idee klaust und sie genauso umsetzt, wie jemand vor dir. Eine Inspiration ist, wenn du daraus etwas Eigenes schaffst, oder mit einer kleinen Note deiner Lieblingsband Tribut zollen willst.«

Christian: »Wichtig ist, dass, obwohl wir durch verschiedene andere Bands inspiriert sind, immer auf der Suche nach einem eigenen Sound sind. Wir wollen einen speziellen PORTRAIT-Sound kreieren. So etwas war für die Genies in den Siebzigern und Achtzigern natürlich leichter, weil es vor ihnen noch nicht viel gab. Heutzutage ist es etwas schwieriger aus der Masse herauszustechen, aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.«

Ich habe über euch gelesen, dass ihr mit PORTRAIT dem klassischen Metal die dunkle Energie zurück bringen wollt. Was ist damit gemeint?

Christian: »Damit sind viele Dinge gemeint, die wir in Musik heutzutage vermissen und deswegen gerne zurück bringen würden. Insgesamt ist einfach das gewisse Etwas an Power und Authentizität gemeint. Heutzutage gibt es so viele Bands, die sich einfach nur ein Image aufbauen, hinter dem allerdings nichts steckt. Das ist alles so oberflächlich und ohne Tiefe. Aber genau das wollen wir mit PORTRAIT anders machen.«

Was muss denn ein Riff oder Heavy Metal allgemein haben, damit es diese Power hat und euch fasziniert?

David: »Das ist natürlich eine sehr individuelle Frage, die wir nicht im gesamten Namen von PORTRAIT beantworten können. Ich zum Beispiel konzentriere mich vor allem auf die Gitarrenparts eines Songs, während Christian am Gesamtbild interessiert ist. Wenn das Lied ein cooles Solo hat, interessiert es mich nicht, wenn dafür der Gesang scheiße ist.«


Christian: »Ja, ich finde es auch schwierig zu erklären, was ein gutes Riff ist, weil es so verschieden sein kann. Es kann einfach schön sein, oder rau, kurz, oder lang oder alles gleichzeitig – vor allem kann es aber die gleichen Gefühle wecken und das finde ich interessant. Es kann auf so viele unterschiedliche Weisen klingen, aber es packt dich irgendwie immer auf die gleiche Art.«

Welche Rolle hat Heavy Metal denn in eurem Leben? Ist es eher ein Hobby oder ein Lebensgefühl?

David: »Heavy Metal ist definitiv nicht nur ein Hobby oder so etwas. Ich denke, in der gesamten Szene gibt es genug Leute, für die dieses Genre nur ein Wochenend-Ding ist. Als Accept zum Beispiel letztens an einem Dienstag in Schweden gespielt haben, kam einfach niemand, den ich kannte, dort hin. Aber so bin ich nicht, ich würde wahrscheinlich sogar noch zum Accept-Gig gehen, wenn sie am Tag der Beerdigung meiner Mutter spielen würden!«

Christian: »Und auch PORTRAIT selbst ist natürlich viel mehr als nur Musik oder ein Hobby für uns. Irgendwie ist es das Wichtigste in unserem Leben geworden.«

David: »Absolut, ich sage gerne, dass das reale Leben mehr mein Hobby und Heavy Metal meine oberste Priorität ist, haha!«

Na dann verratet uns mal eure nächsten Pläne mit PORTRAIT!

David: »Wir werden nächstes Jahr zwischen dem letzten Januar-Wochenende und dem ersten Februar-Wochenende in Irland und England touren. Die letzte Show wird in London sein, wo wir wieder die Show für Primordial eröffnen dürfen.«

Christian: »Außerdem werden wir auch wieder auf einigen Festivals spielen, unter anderen auf dem Bang Your Head! und wir arbeiten auch schon an neuem Material für ein weiteres Album, das wir hoffentlich irgendwann im nächsten Jahr aufnehmen können.«

 

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