Online-MegazineInterview

VREID

Harte, militante Disziplin

VREID

Die Norweger VREID werden am 14. September 2012 mit einer Show im Oberhausener Helvete in ihre diesjährige Europa-Tour starten. Mit im Gepäck sind die Landsmänner Mistur sowie die niederländischen Symphonic-Metaller Carach Angren. Wir haben uns vorab mit dem Bassisten und Bandgründer Jarle „Hváll“ Kvåle unterhalten, der von seinen musikalischen Wurzeln, der Arbeit mit VREID und der Veröffentlichung des neuen Albums im nächsten Jahr erzählt.

Hvall, in Kürze geht ihr zusammen mit Carach Angren (welche Einherjer ersetzen werden) und Mistur auf Europa-Tournee. Wie passen diese drei Bands zusammen?

»Was uns zu einem guten Tour-Paket macht, ist die Vielfalt und der Charakter der einzelnen Bands. Alle haben eine starke Identität und liefern Killer-Shows ab. Das ist ein Paket, das man keinesfalls verpassen sollte.«

Wie sieht dieser Tage die Black-Metal-Szene in Norwegen aus und wie passen VREID da hinein?

»Wir waren niemals Teil irgendeiner Szene und wir sehen uns selbst auch nicht als Black-Metal-Band.«

Eure Musik scheint mit verschiedensten Elemente zu experimentieren und vereint Eigenschaften unterschiedlicher Genres miteinander. Kannst du uns etwas über eure musikalischen Wurzeln erzählen?

»Ich sehe unsere Musik als Resultat von insgesamt drei Zeitabschnitten:
Der Seventies-Rock ist das Rückgrat unserer Musik und stellt auch das Genre dar, das ich am meisten konsumiere: Bands wie Alice Cooper, Kiss, Iggy & The Stooges, David Bowie, Motörhead, Black Sabbath und Judas Priest. Dann gibt es den Achtziger-Metal, das ist die Musik, mit der ich aufgewachsen und von der ich seit meinen Teenager-Jahren besessen bin: Metallica, Sepultura, Death, Slayer, Pestilence, und so weiter. Die dritte Periode ist die des norwegischen Black Metal. In der Welle der Neunziger haben auch angefangen zu musizieren. Erwähnenswert sind Emperor, Darkthrone, Burzum, Enslaved und Immortal.«

Euer fünftes und aktuelles Album habt ihr ganz einfach “V” genannt. Klar, das ist die römische Ziffer für fünf und der erste Buchstabe eures Bandnamens, aber hat das irgendeine tiefere Bedeutung?

»Der Titel symbolisiert eine ganze Menge für mich und natürlich gehören diese beiden Dinge auch dazu. Aber es ist ein offener und monumentaler Titel und ich bevorzuge es, dass sich die Hörer ihre eigenen Gedanken darüber machen.«

Mit dem „1184“ hast du dir dein eigenes Aufnahme-Studio eingerichtet, in welchem du auch mit anderen Bands an deren Musik arbeitest. Nimmst du dort hauptsächlich Metalbands auf, oder arbeitest du auch mit anderen Musikrichtungen?

»Das ist etwas, das für mich nicht mehr im Vordergrund steht. Ich bin zwar offen, auch mit anderen Bands zu arbeiten, aber meistens beschäftige ich mich im Studio mit meinen eigenen Dingen. Ich arbeite an jedem Aspekt der Band (sei es Musik, Lyrics, Artwork, Booking, Management, Merchandise etc.). Ich bekomme also meinen Anteil und will momentan gar nicht mit anderen Bands im Studio zusammenarbeiten.«

Mit dem Sänger deiner früheren Band Windir, der im Jahr 2004 viel zu jung gestorben ist, warst du sehr eng befreundet. Drei der vier VREID-Mitglieder waren damals auch bei Windir. Siehst du die derzeitige Bandstruktur als freundschaftlich an, oder kann jeder ganz einfach ersetzt werden (wie Ese im Jahr 2010)?

»Ich sehe uns als Familie und eigentlich sind wir das auch. Ich bin Stures Cousin und Strom und Steingrim sind auch verwandt. Jetzt spielen wir bald seit 20 Jahren zusammen und unsere Beziehung beruht auf mehr als nur der Band. Diese Leute sind meine besten Freunde und neben meiner Familie die Menschen, die mir am nächsten stehen. Es war nicht leicht Ese zu ersetzen, aber glücklicherweise war Strom bereit die Fackel weiter zu tragen. Ese ist noch immer einer meiner besten Freunde und ich empfehle allen, sein neues Projekt Slegest ( http://www.facebook.com/slegest) anzuhören.«

Eure Lyrics beschäftigen sich oft mit historischen Ereignissen, Kriegen und Kämpfen. Auch euer Bandname beruht auf diesem Kontext. Woher kommt die Faszination für solche Themen?

»Ich bin seit meiner Kindheit an Geschichte interessiert. Geschichte ist das Rückgrat unserer Lyrics und Kriegs-Themen waren drei Alben lang unser zentrales Konzept. Auch für “V” und das bevorstehende Album ist Geschichte ein wichtiger Faktor, aber der Fokus liegt nicht direkt auf den Weltkrieg-Ereignissen wie auf den vorigen drei Alben.«

Eure Songs sind teilweise in englischer und teilweise in norwegischer Sprache gehalten. Trägt Sprache für dich zum Hörerlebnis eines Songs bei? Was ist ausschlaggebend dafür, ob du dich für die eine oder die andere Sprache entscheidest?

»Es handelt sich wohl eher um ein Bauchgefühl. Auf den ersten zwei Alben haben wir die Sprachen gemischt, aber das gefällt mir nun nicht mehr so gut. Ich will jedes Album in einer Sprache aufnehmen. Das letzte Album war also englisch, aber das heißt nicht, dass das nun so bleiben muss. Ich beginne immer damit, ein paar Zeilen in beiden Sprachen zu verfassen und dann folge ich meinem Gefühl, für welche ich mich entscheide.«

Laut eurer Facebook-Seite habt ihr bereits mit den Aufnahmen für euer neues Album begonnen. Werdet ihr auf den kommenden Shows schon Material davon präsentieren? Was erwartet uns - und wann wird das neue VREID-Album erscheinen?

»Wir haben gerade die Gesangslinien aufgenommen. Etwa 90 Prozent der Aufnahmen sind schon fertig. Nach der Tour werden wir den Rest machen und mit dem Mix starten. Das Album wird Ende Februar 2013 erscheinen. Ihr könnt ein Killer-Album erwarten! Es ist schwierig zu beschreiben, weil wir gerade mitten im Fertigstellungsprozess sind, aber für mich klingt es unverbraucht und heavy as hell. Es ist zwar ein vielschichtiges Album, aber es ist trotzdem sehr direkt und aggressiv. Es wird sich zeigen, wie es wird, aber ich habe ein sehr gutes Gefühl dabei. Das ist eines der besten Gefühle für mich - und der Grund, warum ich Musik mache. Und ja, wir haben Pläne einige neue Songs schon live zu testen.«

Du hast mit VREID schon einige Male in Europa und auch in Nordamerika getourt. Kürzlich wart ihr sogar in Indien. Wo würdest du sonst gerne mal auftreten?

»In Indien war alles ein bisschen anders. Das war ein schräger aber sehr interessanter Ort. Ganz anders als unsere Welt hier. Nordamerika war gut und die Leute dort sind extrem freundlich und enthusiastisch. Europa war auch immer gut zu uns. Deutschland ist das Land, in dem wir die meisten Shows gespielt haben und meistens bekommen wir auch eine sehr gute Reaktion von dort. Ich freue mich auch schon darauf in Ländern zu spielen, in denen wir vorher noch nicht waren, wie Kroatien und Italien.«

Deine Band tourt ziemlich häufig und ihr veröffentlicht regelmäßig neue Alben. Wie kommt ihr mit dieser Kombination klar? Gibt es noch Zeit für irgendetwas anders neben der Musik?

»Disziplin. Verdammt harte, militante Disziplin! VREID nimmt den Großteil unserer Zeit ein, aber alle Mitglieder haben auch noch Familie und Arbeit und manchmal kann das schon ganz schön schwer werden. Aber wir sind keine Band die nur halbherzig bei der Sache ist. Man gibt 100 % oder lässt es bleiben. Neben der Familie und VREID gibt es nicht mehr viel Zeit für irgendwas. Ich versuche meine Freizeit in der Natur zu verbringen. Dort liegt der Schlüssel zur geistigen Gesundheit.«

Mit welchen Bands (aktiv oder nicht) würdest du gerne mal die Bühne teilen?

»Alice Cooper, Metallica, oder den wiederformierten Sepultura.«

 

http://www.vreid.no/