Online-MegazineInterview

BROTHER FIRETRIBE

Hail To False Metal

BROTHER FIRETRIBE

Echter Metal? Falscher Metal? Zumindest dem Speed Metal dürften BROTHER FIRETRIBE sich nicht zugehörig fühlen. Stolze sechs Jahre haben die finnischen Melodic-Rocker sich mit ihrer neuen Platte „Diamond In The Firepit“ Zeit gelassen – nicht zuletzt, weil Gitarrist Emppu Vuorinen auch bei einer gewissen Combo namens Nightwish in die Saiten haut. Druck macht also offenbar doch nicht die schönsten Diamanten, weshalb Sänger Pekka Ansio Heino nach dem Saunabesuch gut gelaunt und äußerst entspannt einen chilligen Plausch mit uns hält, in dem neben Sammy Hagar und Eddie Van Halen auch grottenschlechte Filme und fröhliche Black-Metaller eine wichtige Rolle spielen.

Hi Pekka, was machst du gerade? Bist du im Promotion-Stress?

Pekka lacht: »Ich war gerade in der Sauna, ich bin also total tiefenentspannt!«

Na dann können wir ja gleich ans Eingemachte gehen! Was hat es denn mit dem Intro eures neuen Albums auf sich? Das klingt meiner Meinung nach ziemlich schräg – fast so, als wäre es eher aus Versehen auf der Platte gelandet.

»In gewisser Weise stimmt das sogar! Als wir ins Studio gingen, stimmten wir unsere Instrumente und spielten uns ein bisschen warm. Irgendwie landete das auf Band, und als wir dann überlegten, was für ein Intro auf die Platte kommt, hatte einer von uns die Idee, genau diesen Clip zu nehmen.«

Ich stelle es mir ziemlich schwierig vor, die nötige Zeit für BROTHER FIRETRIBE zu finden, da du auch bei Leverage am Mikro stehst und euer Gitarrist Emppu Vuorinen vor allem als Saitenschwinger bei Nightwish bekannt ist.

»Ganz klar, das ist eine Herausforderung, weil wir alle ziemlich beschäftigt sind. Am meisten betrifft das aber Emppu mit Nightwish. Andererseits war das ja schon immer so bei uns – wir kennen es gar nicht anders und kriegen irgendwie alles unter einen Hut.«

War die Mehrfachbelastung auch der Grund, weshalb es sechs Jahre gedauert hat, bis ihr den Nachfolger eures Albums „Heart Full Of Fire“ veröffentlicht habt?

»Nach unserer „Heart Full Of Fire“-Tour stand eine Nighwish-Welttournee an, soweit ich mich erinnere. Wir beschlossen also, mit BROTHER FIRETRIBE eine Pause einzulegen. Ehrlich gesagt hatten wir aber nicht geplant, dass die Pause so lang wird. Sechs Jahre, das ist ja fast wie bei Def Leppard! Aber die Zeit flog einfach an uns vorbei, wir konnten kaum glauben, wie schnell das ging.  Tomppa Nikulainen (Keyboard) und ich schreiben bei BROTHER FIREBTRIBE die Songs, und wir trafen uns ab und zu, um einen oder zwei Tracks zu schreiben – oder eben auch nicht. Wir hatten keinen vorgegebenen Zeitplan und somit auch überhaupt keinen Druck. Als wir dann aber doch irgendwann sechs Songs zusammen hatten, wachten wir auf, und uns wurde klar, wie viel Zeit ins Land gezogen war. Wir dachten: 'Holy shit', und fingen an, wieder ernsthaft am Songwriting zu arbeiten – was natürlich zur Folge hatte, dass wir NOCH langsamer vorankamen (lacht).«

Auf „Heart Full Of Fire“ gab es einen Gastbeitrag von Sängerin Anette Olzon (ex-NIGHTWISH). Habt ihr euch auf für „Diamond In The Firepit“ Verstärkung ins Studio geholt?

»Wir haben diesmal kein Duett aufgenommen, aber ein guter Freund von uns, Antony Parviainen, hat alle Backing Vocals eingesungen. Er war der Frontmann von Machine Men und ist ein verdammt guter Sänger. Dann haben wir diesen Coversong auf dem Album ('Winner Takes It All' von Sammy Hagar – am). Beim Original gibt es im Mittelteil einen richtig abgefahrenen Bass-Part, den Eddie Van Halen spielte. In unserer Version zockt diesen Teil Anssi Kela, ein unglaublicher finnischer Musiker, von dem aber selbst hier nicht viele Menschen wissen, was für ein Hammer-Bassist er ist.«

Da wir gerade bei Sammy Hagars 'Winner Takes It All' sind: Ist es bei euch inzwischen zur Tradition geworden, auf jeder Platte einen Coversong unterzubringen?

»Ja, aus irgendeinem Grund hat das bei uns tatsächlich Tradition. Auf dem ersten Album war es 'Mighty Wings' von Cheap Trick – aus dem „Top Gun“-Soundtrack. Für „Heart Full Of Fire“ coverten wir 'Chasing The Angels' von Mike Reno. Das macht uns einfach Spaß, und wir spielen gern Songs aus dieser bestimmten Zeit, und aus dem Soundtrack-Universum. Der Film „Winner Takes It All“ (deutscher Titel: „Cross Riders – Teufelskerle auf heißen Maschinen“, 1987 – am) ist echt scheiße, aber der Soundtrack ist große Klasse, und den Song habe ich schon als Kind geliebt.«

Lass uns mal ein bisschen über die Lyrics auf „Diamond In The Firepit“ reden. Ihr habt so viele Songs über Liebeskummer und Herzschmerz, scheint aber als Menschen doch ein ziemlich positiver, fröhlicher Haufen zu sein. Wie genau passt das zusammen?

»Hm, gute Frage! Uns ist das gar nicht aufgefallen, bis das Album fertig war und wir es uns anhörten. Ich sah mir die Lyrics an, bevor wir sie an die Plattenfirma schickten, und dachte: 'Heilige Scheiße, was ist denn hier los?' (lacht). Das war wirklich nicht meine Absicht. Aber auch, wenn ich über Liebeskummer und gebrochene Herzen singe, hat die Musik immer einen positiven Unterton. Das liegt an unserer Einstellung, das Leben zu genießen und das Beste aus allem zu machen. Wir haben so viel Spaß, wenn wir zusammen sind, und das spiegelt sich natürlich in unserer Musik wieder. Die Stücke handeln allesamt von schönen, aber auch schwierigen Liebesbeziehungen. Als Musiker komme ich viel herum, lerne viele Leute kennen und höre ihre Storys, die mich zu solchen Texten inspirieren, Natürlich fließen auch meine eigenen Erfahrungen mit hinein. Das wird dann alles vermischt zu einer Geschichte, mit der die Hörer sich hoffentlich identifizieren können.

Ganz offensichtlich sind wir keine politische Band, auch wenn es ein Glück ist, dass es solche Bands gibt, die die Welt verändern wollen. Die Welt braucht solche Bands. Aber wir wollen die Leute in erster Linie unterhalten und sie aufmuntern. Es gibt schon genug schlimme Dinge, die man erfährt, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt. Das wollen wir nicht auch noch in unsere Songs hineinbringen. Unsere Songs haben ja auch einige positive Aspekte: Es geht um Veränderungen und darum, Dinge hinter sich zu lassen.«

„Veränderung“ ist ein gutes Stichwort. Einige Kritiker werfen euch vor, dass ihr euren musikalischen Stil im Laufe der Jahre kaum verändert habt. Was setzt du dem entgegen? Muss eine Band deiner Meinung nach überhaupt ihren Stil verändern?

»Jeder hat natürlich seine Meinung, und ich respektiere das. Aber sagen wir mal so: Es interessiert mich nicht so sehr. Die Musik, die aus uns rauskommt, kommt eben aus uns raus. Wir denken nicht großartig darüber nach, wie wir unsere Songs schreiben – wir tun es einfach ganz spontan. Das kommt alles von Herzen – was ja auch einer der wichtigsten Gründe ist, überhaupt Musik zu machen. Wenn wir jetzt anfangen würden, unseren Stil zu verändern, dann wäre das ein Fake. Wir haben nicht das Bedürfnis, unsere Musik zu verändern.«

Beständig ist bei euch auch das Thema Feuer, das sich nicht nur in eurem Bandnamen und etlichen Songtiteln wiederfindet, sondern auch im Namen eures neuen Albums „Diamond In The Firepit“.

»Ja, „Fire“ ist eben ein cooles Wort! Der Albumtitel entstand, als ich mit einem Freund in meiner Küche saß und wir über gute Namen nachdachten. Irgendwie kamen wir dann auf „Diamond In The Firepit“. Man sagt ja, dass ein Diamant noch heller strahlt, wenn er aus einer Feuergrube kommt. Und unser Diamant lag sechs Jahre lang in der Feuergrube, also muss er wirklich verdammt hell strahlen (lacht)!«

Euer erstes Album allerdings trug kein Feuer im Titel. Ihr habt euer Debüt „False Metal“ getauft – ich vermute mal als mehr oder weniger dezenten Seitenhieb auf Manowars Lieblingsspruch „Death To False Metal“. Was meinst du, gibt es wirklich „falschen“ Metal?

»Ach, das war einfach nur ein Scherz. Ich respektiere Manowar, und ich höre sogar ihre Musik. Ich kann wirklich nichts Schlechtes über sie sagen. Diesen Slogan, den sie da hatten, kannte ich schon in jungen Jahren, und als wir mit BROTHER FIRETRIBE unser Debütalbum veröffentlichen wollten, kam uns in den Sinn, dass unsere Musik möglicherweise genau das ist, was Manowar als „False Metal“ bezeichnen würden – also nannten wir es so, mit einem Augenzwinkern versteht sich. Was die Musik angeht, glaube ich nicht, dass es so etwas wie „richtig“ oder „falsch“ überhaupt geben kann. Es gibt keinen „falschen“ Metal, Rock oder Pop. Wenn dich irgendein Song berührt, dann steh' einfach dazu! Darum geht es doch in der Musik.«

Gerade in Finnland gibt es viele Black-, Death- und Dark-Metal-Bands. Habt ihr als Melodic-Rocker einen schweren Stand in eurer Heimat?

»Natürlich ist die Metalszene in Finnland sehr stark. Ich würde sogar sagen, Finnland ist eines der wichtigsten Länder, was Metal angeht, und ich finde das wirklich gut. Auch deshalb nimmt man ja von unserer Band Notiz, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob wir wirklich Teil dieser Szene sind. Aber wenn ich mir das Publikum bei unseren Konzerten mal anschaue, dann sehe ich da Black-Metal-Fans mit Corpsepaint, die ein Lächeln im Gesicht tragen – und das sieht schon ziemlich witzig aus. Und genau neben diesen Typen rockt eine schicke Lady im Kostüm, die aussieht, als wäre sie geradewegs vom Büro zu unserem Konzert gekommen. Nicht zu vergessen der Kerl im Deep-Purple-Shirt mit seinem Bierbauch. Das Spektrum unserer Fans ist ziemlich weit gefächert, und das finde ich toll. Ich glaube, die Leute sehen uns als Farbklecks in dieser düsteren, grauen Welt.«

Werdet ihr in absehbarer Zeit auf eine Tour in die große weite Welt, insbesondere in den deutschsprachigen Raum, aufbrechen?

»Wir arbeiten daran! (Er lacht) Diese Band ist einfach immer so verdammt spät dran, deshalb werden wir auch nur auf einigen finnischen Sommerfestivals und dem  Firefest in Nottingham (UK) spielen. Nach dem Sommer allerdings wollen wir alles daran legen, so viel wie möglich zu touren!«

 

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Pics: Ville Juurikkala (Promo)

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