Online-MegazineInterview

GUILD WARS 2: Gildenkriege mal anders

Jedes Jahr im Mai ist es soweit: Mehrere zehntausend Rollenspiel-, Tabletop- und Mittelalterbegeisterte strömen zur Role Play Convention (RPC) in die Kölnmesse. Sturmtruppler machen die Laufgänge unsicher, Cosplayer belagern das Forum und auf dem Freiluftgelände tummeln sich LARPer, soweit das Auge reicht. Nerdalarm deluxe, könnte man sagen. Wir waren vor Ort und haben uns NCsofts kommenden Online-Rollenspiel-Kracher GUILD WARS 2 angeschaut.

Vor gut sechs Jahren gingen Arena.Net und NCsoft mit GUILD WARS neue Wege: Nach einem einmaligen Kaufpreis war das Online-Rollenspiel komplett kostenfrei spielbar. Keine Abogebühren, (zumindest für einige Jahre) kein Itemshop, keine versteckten Kosten. Zwar wurde GUILD WARS nicht wie erhofft der WORLD OF WARCRAFT-Killer, verkaufte sich aber trotzdem seit Start mehr als sieben Millionen Mal und wird nach wie von einer relativ großen Anhängerschar regelmäßig gezockt. Und weil das Konzept so erfolgreich war, soll sich in GUILD WARS 2 nichts daran ändern: keine Monatsgebühren. Punkt. Dafür dieses Mal aber eine persistente Spielwelt (im ersten Teil der Serie war man maximal in Achtergruppen in abgetrennten Bereichen unterwegs), ein neues Klassensystem, mehr spielbare Rassen, Welt-gegen-Welt-PVP und und und. Die Versprechungen der Entwickler hören sich für Fans des ersten Teils fast zu schön an, um wahr zu sein, dennoch können wir nach dem ersten Hands-on auf der GamesCom im vergangenen Jahr bestätigen: Mit GUILD WARS 2 kommt Großes auf uns zu.

Community-Manager Martin Kerstein ließ sich im Gespräch zwar nach wie vor keinen Veröffentlichungstermin entlocken, versorgte uns aber mit allerhand anderen Infos. Statt dem bekannten Zweiklassensystem aus dem Vorgänger setzt man in GUILD WARS 2 auf eine einzige Charakterklasse, da die zweite Klasse sowieso immer irgendwie überflüssig gewesen ist. Auch auf reine Heiler wird in Zukunft verzichtet. Zu Lasten der Komplexität soll das nicht gehen, denn von nun an ist jeder Charakter mit zehn statt bisher acht Fertigkeiten ausgestattet, die sich auch während einer laufenden Quest wechseln lassen: Fünf sind von der gewählten Waffe abhängig, ein Skill dient der Selbstheilung, drei sind so genannte Utility-Skills und dienen je nach Vorliebe unter anderem zur Unterstützung der anderen Spieler. Der letzte Fertigkeitenslot ist für einen besonders mächtigen Elite-Skill reserviert. Durch Traits lässt sich der Charakter weiter spezialisieren.
Neue Wege geht man auch beim virtuellen Tod: Laut Martin Kerstein soll der Tod keine Strafe, sondern eine Erfahrung sein. So geht der Charakter nach dem entscheidenden Treffer erst einmal in eine Art Letztes-Gefecht-Modus über, in dem er nochmal ordentlich austeilen kann. Erledigt man in den folgenden Augenblicken einen Gegner, kommt eine Selbstheilung zum Einsatz, und die Schlacht geht weiter. Falls nicht, stirbt man, kann aber durch jeden beliebigen Spieler an Ort und Stelle ohne Wartezeit wiederbelebt werden. Reißen alle Stricke, geht es automatisch zurück zu einem Wiederbelebungspunkt. Der nervige Sterbemalus aus dem Vorgängerspiel wurde komplett abgeschafft.
Abgeschafft wird auch der Begriff des „Endgame“: In vielen MMORPGs levelt man seinen Charakter bis zur maximalen Stufe auf und versteht anschließend erstmal gar nix mehr, weil sich das Spielprinzip grundlegend ändert. In GUILD WARS 2 möchten die Entwickler neue Wege gehen und versprechen ein gleichbleibendes Spielerlebnis von der ersten Stufe an. Dem Spieler ist es dabei komplett freigestellt, wie er seinen Charakter formen möchte. Man kann das Höchstlevel sowohl im PVP als auch im PVE ohne Probleme erreichen.

NCsoft haben mit GUILD WARS 2 ein ambitioniertes Projekt in der Mache, das mit seinen Innovationen genau zum richtigen Zeitpunkt erscheinen könnte. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Entwickler ob der Fülle an Versprechungen nicht verzetteln. Bisher sieht es jedoch aus, als würde ein echter Kracher auf uns zukommen.