Online-MegazineInterview

PSYCHOPUNCH

Girls, Bier und Melancholie

PSYCHOPUNCH

In siebzehn Jahren Bandgeschichte sind die schwedischen Punkrocker PSYCHOPUNCH ihrem Stil treu geblieben und liefern regelmäßig Alben samt charakteristischen Artworks mit sich räkelnden Pin-up-Girls und bunten Retroschlitten ab. Frontmann JM gab uns Auskunft zur neuen Platte „Sweet Baby Octane“, ist - typisch skandinavisch - jedoch nicht der Wortreichste.

JM, wie haben sich eure beiden neuen Bandmitglieder Walle und Magnus in der jüngsten Zeit bei euch eingelebt? Gab es musikalische Differenzen beim Songwriting für das neue Material?

»Unsere beiden vorigen Mitglieder waren nicht mehr motiviert, das Touren mitzumachen und wollten sich auf andere Dinge im Leben konzentrieren. Wir brauchten einen neuen Bassisten, also haben wir Walle acht ältere Songs gezeigt, die wir normalerweise live spielen. Mit unserem neuen Gitarristen Magnus war es das gleiche. Es hat mit beiden sehr gut geklappt und war sehr einfach. Die Arrangements stammen zwar nach wie vor größtenteils von unserem Schlagzeuger Jocke und mir, aber jeder von uns war an den Ideen beteiligt.«

Ihr habt dieses Mal sehr viel Wert auf Variation innerhalb des Albums gelegt. Es sind zwei Gastsängerinnen zu hören, es gibt eine Coverversion und manchmal sticht ein gewisser Country-Vibe hervor.

»Genau, das war unsere Absicht. Wir haben versucht, Dinge auszuprobieren, die wir vorher noch nicht gemacht haben. Diese Social-Distortion- oder Country-Einflüsse hört man beim Song 'When You're Out Of Town', zu dem Julia Mörtstrand die Chorus-Harmonien beigesteuert hat.«

Habt ihr eine persönliche Verbindung zu Country in der traditionellen Spielart?

»Ja vielleicht ein bisschen (lacht). Wir hören uns alle Arten von Musik an und es gibt definitiv einige großartige Country-Songs, aber es ist eben nur ein Teil unsere Sounds. In Schweden gibt es natürlich auch Bands, die diesen Sound spielen, aber wir kümmern uns nicht besonders darum.«

Den ersten Videoclip 'Forever And A Day' habt ihr im Studio mit Clare von Stitch aufgenommen, die ansonsten als Vintage-Model in Deutschland arbeitet. Wie habt ihr euch kennengelernt?

»Vor über einem Jahr haben wir ein Video zu einem älteren Song aufgenommen, der künftig noch in einer Vinylbox erscheinen soll. Dort haben wir Clare zum ersten mal getroffen und es kam die Idee auf, dass Clare ein Duett mit mir machen könnte. Wir wollten daraus aber keine klassische Ballade machen, sondern ein Rock-Duett. Ich denke, dass der Song sehr gut geworden ist und wir hatten auch jede Menge Spaß im Studio hier in Västerås.«

Sind in Zukunft weitere Kooperationen mit ihr geplant? Es würde vom visuellen Konzept her gut zu euren Artworks passen.

»Wir hätten kein Problem, weiterhin mit ihr zu arbeiten. Auf ein paar Shows der kommenden Deutschland-Tour im März wird sie dabei sein.«

Deutschland war in der Vergangenheit immer eins eurer bevorzugter Tourziele. Habt ihr eine spezielle Verbindung zu unserem Land?

»Wir haben viele Freunde in Deutschland und außerdem sind Västerås und Kassel Partnerstädte. Von dort kamen auch die Leute, mit denen wir zum ersten mal in Deutschland zusammengearbeitet haben. Wir fahren auch gern nach Deutschland, wenn wir nicht mit der Band unterwegs sind.«

Viele Deutsche suchen die Idylle der schwedischen Natur. Meint ihr, es gibt andere, negative Seiten der schwedischen Gesellschaft, die man nur kennt, wenn man dort wohnt? Früher habt ihr in 'The Black River Song' in melancholischem Grundton über eure Heimatstadt gesungen.

»Ich weiß es nicht. Nun, es gibt verschiedene Gebiete in der Stadt. Manche werden eben mehr mit Alkoholikern oder Brennpunkten für Drogengeschäfte in Verbindung gebracht. In anderen Ecken hat man wiederum mehr Freunde. Es ist quasi eine gespaltene Stadt, aber die meisten Menschen kennen sich trotzdem untereinander. Wir haben 140.000 Einwohner, aber das Zentrum ist ziemlich überschaubar. Alle Clubs und Bars liegen im selben Stadtbezirk, so dass man viele Leute trifft, wenn man am Wochenende dort hingeht.«

Die schwedische Regierung unterstützt kleine Bands und deren Proben aber auch nach wie vor finanziell, richtig?

»Ja, es gibt eine Art Starterkampagne. Man muss ein Formular ausfüllen, das man nach jeder Probe einschickt und dann ein bisschen Geld dafür bekommen kann. Wir sind aber nun schon seit Ewigkeiten dabei und haben das Glück, in der Innenstadt einen eigenen Proberaum zu besitzen.«

Lass uns noch ein paar mehr Besonderheiten von „Sweet Baby Octane“ sprechen. Über eure zweite Gastsängerin Julia Mörtstrand findet man keinerlei Informationen. Wer ist sie?

»Haha, sie ist noch ein junges Mädchen, gerade 19 Jahre alt. Wir hatten eigentlich ein anderes Mädel dafür angedacht, die aber krank geworden ist. Wir brauchten also spontan einen Ersatz. Ich habe eine Bekannte von mir gefragt, ob ihre Tochter Interesse daran hat. Sie ist dann völlig unvorbereitet ins Studio gekommen, hatte so etwas vorher noch nie gemacht und kannte keinen von uns. Das Ergebnis war total klasse, wir sind wirklich happy und dankbar, dass sie uns geholfen hat. Es war natürlich anders als mit Clare, wo wir zusammen in ein Mikro gesungen und dabei Bier getrunken haben (lacht).«



Es gibt auch einen Cover-Song auf „Sweet Baby Octane“, den ich erst gar nicht als Fremdkomposition erkannt habe, da er hier nicht so bekannt ist. 'Punkrocker' stammt von der schwedischen Band Teddybears.

»Eigentlich wollten wir ein Rolling-Stones-Cover aufnehmen, aber unser Producer Pelle hatte dann die Idee mit 'Punkrocker'. Wir mussten uns dann überlegen, wie wir es im PSYCHOPUNCH-Stil interpretieren. Hast du das Original angehört? Es war sehr populär hier in Schweden.«

Ja, es gibt zwei Versionen, eine davon mit Iggy Pop als Sänger. Ihr hättet auch direkt mit ihm zusammen das Cover aufnehmen können, oder?

»Es hätte uns nicht gestört (lacht), ja. Aber ich denke, dass wir auch so eine recht coole Version des Songs aufgenommen haben.«

Ihr wart schon häufiger mit den V8 Wankers unterwegs und bestreitet auch eure nächste Deutschland-Tour mit ihnen. Liegt die Entscheidung dazu bei euch selbst?

»Nein, das kommt darauf an, was zwei Booking-Agenturen und unsere Plattenfirma miteinander vereinbaren. Die V8 Wankers und Psychopunch werden die ganze Tour fahren und dabei jeweils zur Hälfte von Kitty In A Casket aus Wien und The Carburetors aus Oslo begleitet. Vorher spielen wir hier in Schweden noch ein paar Gigs zum Release des Albums.«

 

www.psychopunch.rocks

www.facebook.com/Psychopunch