Online-MegazineInterview

PSYCHOPUNCH

Fünfzehn Jahre Jazzclub

PSYCHOPUNCH

Seit mittlerweile fünfzehn Jahren kredenzen uns PSYCHOPUNCH eine Mischung aus Punk Rock, Glam Metal und Rock ‘n’ Roll. Die Schweden zeigen sich selbst überrascht, dass sie immer noch aktiv sind, wie Sänger/Gitarrist Jarmo im Gespräch zu Protokoll gibt. Zudem steht er Rede und Antwort, warum es bei PSYCHOPUNCH keine Skandale gibt und das neue Album „Smakk Valley” härtetechnisch noch einen Schritt weiter als der Vorgänger geht.

Psychopunch - Smakk ValleyJarmo, der Grundtenor zu eurem letzten Album war, dass ihr wieder härter geworden seid. Ich finde, dass „Smakk Valley“ diesen Weg konsequent weitergeht, dabei aber zeigt, dass ihr nach wie vor ein Händchen für eingängige Melodien habt.

»Das hast du gut erkannt. Wir haben uns im Vorfeld darüber unterhalten, in welche Richtung das Album gehen soll. Die erste Überlegung war, einfach ein weiteres PSYCHOPUNCH-Album zu machen. Irgendwann kam der Gedanke auf, härtere Songs zu schreiben und sie auf die Platte zu packen. Jeder von uns war der Meinung, dass das eine gute Idee wäre, also haben wir in die Richtung komponiert. Herausgekommen ist ein Album, das sowohl harte, als auch verschiedenartige, langsame und melodische Songs beinhaltet, die wir in dieser Form noch auf keinem Album hatten.
Auch was den Sound angeht, sind wir sehr zufrieden. Es klingt irgendwie live und man kann dennoch alle Instrumente gut heraushören. Also eigentlich sind wir rundum zufrieden mit dem Album (lacht).«

Einige der Songs von „Smakk Valley“ weisen sogar leichten Pop-Appeal auf. Wollt ihr euch neue Fan-Schichten erschließen?

»Nicht so wirklich. Wir wollten einfach das bestmögliche Album aufnehmen (lacht). Wobei ich aber auch gerne zugebe, dass wir in der Tat ein paar sehr eingängige Melodien auf dem Album verbraten haben. Wenn wir dadurch neue Fans gewinnen sollten, ist mir das sehr recht. Geplant war das aber nicht.«

Songs wie 'Sitting By The Railroad' und 'Dead By Dawn' haben auf der anderen Seite eine leicht melancholische Atmosphäre, wohingegen 'Emelie' Country-Flair versprüht. Hast du so was beim Komponieren im Hinterkopf?

»Nein. Das passiert einfach. Mit der Entstehung von 'Emelie' verhält es sich so, dass wir viel Country hören. Dadurch kam die Idee auf, eine Art Country/Punk-Rock-Song zu schreiben. Zwar gibt es auch melancholische Country-Songs, doch das stand hier nicht im Vordergrund. 'Sitting By The Railroad' habe ich lustigerweise für ein anderes Projekt von mir geschrieben, aber die Psycho-Jungs fanden die Nummer so gut, dass wir sie auf “Smakk Valley” gepackt haben. Vielleicht kommt diese gewisse Melancholie auch von der langen Pause, die wir mit der Band eingelegt hatten. Das aktuelle Album haben wir bereits letztes Jahr aufgenommen und brennen nun darauf, endlich auf Tour gehen zu können.«

Psychopunch - JarmoWas habt ihr in den letzten drei Jahren denn so getrieben?

»Nach der letzten Tour habe ich zwar direkt wieder angefangen neue Songs zu schreiben, habe mir dann aber, wie die anderen Jungs auch, eine Pause von PSYCHOPUNCH gegönnt und ein Side-Projekt gegründet. Die anderen sind ebenfalls in verschiedene Projekte involviert, so dass wir uns erst einmal darauf konzentriert haben. Auf der einen Seite war es ganz cool, einfach mal zu relaxen und was anderes zu machen. Andererseits kam nach einer gewissen Zeit auch Frust auf, weil wir mit PSYCHOPUNCH weiter machen wollten. Als es dann soweit war, kam noch hinzu, dass wir uns sehr intensiv mit dem Songwriting und der Aufnahme des Albums beschäftigt haben. So was kostet freilich auch noch Zeit. Aber jetzt ist die Platte draußen und wir werden dieses Jahr mehr Shows spielen, als jemals zuvor.«

Schon in knapp vier Wochen geht es wieder auf Tour. Mit V8 Wankers, The New Black, ´77, Supercharger und Bembers habt ihr euch ein nicht gerade schwaches Vorprogramm ausgesucht. Magst du es, dich mit so starken Supportbands jeden Abend zu messen?

»Ich würde nicht sagen, dass wir uns mit diesen Bands messen. Wir geben sowieso jeden Abend alles. Es macht aber verdammt viel Spaß, mit guten Supportbands zu spielen, weil sie dich animieren, selbst eine noch bessere Show zu bringen (lacht). Wir verstehen uns mit den anderen Bands zudem sehr gut. Mit den V8 Wankers zum Beispiel haben wir schon oft zusammen gespielt, das sind coole Typen.«

Momentan ist es sehr beliebt mit vielen Bands auf Tour zu gehen, um möglichst viele Fans zu den Konzerten zu locken und so die Kosten einer Tour besser zu decken. Lohnt sich so eine Package-Tour für euch?

»Das kann ich dir gar nicht sagen, da es in dieser Form für PSYCHOPUNCH das erste Mal sein wird. Deshalb wird das auch interessant zu sehen, ob wir damit genug Knete herausbekommen. Du hast aber Recht, es ist gerade sehr angesagt, solche Touren zu spielen. Die Fans scheinen diese Mini-Festivals sehr zu mögen. Hoffen wir das Beste und gucken, wie es läuft.«

Andererseits sind aber auch zum Teil etliche Fan-Stimmen laut geworden, die sich über genau diese Dinge monieren und nach deren Meinung der Headliner dabei nicht lang genug spielt.

»Das ist sicherlich die andere Seite der Medaille. Wir werden die Hälfte der Tour nicht mit allen fünf, sondern lediglich mit drei Bands bestreiten. Dann spielen wir auch längere Sets.«

Man kann euch stilistisch mit der Mixtur aus Punk, Glam Rock und Country-Elementen nicht so wirklich einordnen. Siehst du deine Band eher in der Nähe der Ramones oder Mötley Crüe?

»Puh, schwierige Frage. Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht (lacht). Wir lieben natürlich die Ramones und ihre wunderbare Arbeit. Da hast du mich echt erwischt (lacht). Lass uns einfach sagen, wir spielen eine Mixtur aus den Ramones und Mötley Crüe, ok?«

Klar. Welche Bands hörst du dir denn privat an?

»Oh, ich höre privat viel Musik und die Band hat dementsprechend viele Einflüsse. In den Player kommt bei mir beispielsweise gerne Social Distortion, Green Day, Motörhead oder AC/DC und sehr viel Country. Unser Drummer hingegen ist der Metalhead in der Band, der sich auch neueres Zeug wie Mastodon oder dergleichen anhört. Du willst jetzt bestimmt noch wissen, woher der Glam-Rock-Einfluss in unserer Musik kommt, oder (lacht)?«

PsychopunchDas siehst du richtig.

»Unser Gitarrist, der früher unser Bassist war, hört fast nur Glam Rock.
Das dürfte den Stilmix unserer Band erklären…«

…der euch, meiner Meinung nach, auf dem neuen Album bislang am besten gelungen ist.

»Finde ich, ehrlich gesagt, auch. Joe (ex-Gitarrist – cb) ist nicht länger in der Band, was mit persönlichen Dingen zusammenhängt. Da unser Bassist auch noch ein guter Gitarrist ist, haben wir ihn ermutigt einige Gitarrensoli auf dem Album zu spielen. Durch den komplett unterschiedlichen Stil der beiden hat die Platte zusätzlich an Farbe gewonnen. Ich hatte es vorhin ja schon einmal erwähnt, dass wir uns dieses Mal mit dem Album viel Zeit genommen haben, um die einzelnen Instrumente richtig in Szene zu setzen. Da ist es logisch, dass die verschiedenen Einflüsse hier stärker als in der Vergangenheit zum Tragen kommen.«

Wie wichtig sind dir die Lyrics?

»Hahaha, auch das kann ich dir nicht sagen. Wir wollten von Beginn an keine politische Band sein und es gibt genug Bands, die solche Themen besser verarbeiten, als wir es tun würden. Naja, die Lyrics sind insofern wichtig, als dass wir hoffen, dass die Fans sich in ihnen wiedererkennen oder zumindest sich mit ihnen identifizieren können. Die Texte handeln von Autos, Girls, unglücklichen Liebesbeziehungen und so weiter. Wir bekommen viele Mails von Fans, die schreiben wie sehr sie die Texte in bestimmten Situationen berühren und das macht uns stolz.
Von daher sind die Lyrics natürlich wichtig. Dass wir in unseren Texten viele Klischees bedienen, ist uns trotzdem klar. Aber wenn sie zum Song passen, ist das optimal.«

In einem Interview wurde vor ein paar Jahren einmal gesagt, dass es in Schweden nur noch zwei relevante Punk-'n'-Roll-Bands gibt. The Bones und euch. Wie sieht es diesbezüglich denn mittlerweile aus?

»Es gibt eine Menge neuer Bands, die aber vornehmlich Metal spielen.
Oder Gruppen wie Graveyard, die fantastische Musik machen, mit unserem Stil aber eher wenig zu tun haben. Ich denke, es beläuft sich immer noch auf The Bones und uns, die die Fahne des Rock 'n' Roll hochhalten. Die Szene ist aber auch kleiner als in Deutschland. In manchen Städten ist die Szene recht groß, in anderen dagegen gar nicht. Das liegt auch am Mangel an Clubs. In unserer Stadt ist beispielsweise nur ein einziger übrig geblieben.«

In einigen Rezensionen wurde euer Image, beziehungsweise euer Stil kritisiert und euch vorgeworfen, dass ihr damit nur Trittbrettfahrer seid. Wie reagierst du auf solche Kritik?

»Gar nicht, denn diese Leute haben Unrecht. Wir sind wesentlich besser.
Leute führen diese Kritikpunkte auf unser erstes Album zurück, was am Cover liegt. Es stammte damals aus dem Internet und wir wollten es unbedingt verwenden. Leider fehlte dafür die Genehmigung, also haben wir erst mal in die Röhre geguckt. Irgendwann kam meine Idee von einem Pin-Up-Girl auf den Tisch und der Rest der Band war von der Idee ebenfalls angetan. Diesen Stil haben wir über die Jahre beibehalten und finden es nach wie vor sehr cool. Außerdem hat diese Art der Motive einen hohen Wiedererkennungswert und jeder, der in einen Plattenladen geht, weiß, wenn er sie sieht, dass es sich um ein PSYCHOPUNCH-Album handelt.«

Psychopunch

Ihr seid nicht gerade als Skandalband bekannt und habt auch nur wenige Line-up Wechsel zu verzeichnen. Ist das für eine echte Rock 'n' Roll Band nicht etwas langweilig?

»Hahahaha…keine Ahnung. Wir hatten bislang immer Spaß (lacht).
Witzigerweise haben wir momentan erneut einen Wechsel im Line-up und die Leute fragen mich immer, ob wir uns mit unseren Ex-Mitgliedern immer noch verstehen. Die Antwort lautet: ja, natürlich. Warum auch nicht? Wir hatten kurz nach Weihnachten eine Party bei mir, zu der auch alle Ex-Mitglieder eingeladen waren. Einige unserer Freunde haben zuerst gestaunt, dass wir uns mit den Leuten noch verstehen, aber, hey, warum nicht? Wir sind ja nicht im Streit auseinander gegangen und verstehen uns immer noch sehr gut, wie man an dieser Party sehen konnte. Wir haben nie jemanden aus der Band geworfen. Es waren immer persönliche Gründe, die die einzelnen Bandmitglieder veranlasst haben, PSYCHOPUNCH zu verlassen.«

Also habt ihr keine Leichen im Keller?

»Nein, tut mir leid. Vielleicht kann ich dir nach der nächsten Tour mehr dazu sagen (lacht).«

Kein Ding. Lass uns doch einmal über fünfzehn Jahre PSYCHOPUNCH reden. Hast du erwartet, dass es die Band so lange gibt?

»Nein, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Wir sind selbst sehr überrascht, dass wir es schon auf zehn Platten gebracht haben. Irgendwie verging die Zeit wie im Flug. Wir sind sehr glücklich, dass wir schon so lange zusammen Musik machen können und immer wieder nette Leute bei den Shows treffen. Es gibt so viele coole Dinge, die wir schon erlebt haben und die ich nicht missen möchte. Dazu gehört sicherlich auch der Deal bei SPV. Wir wollten schon lange zu diesem Label und freuen uns riesig, dass es nun endlich geklappt hat. Die positiven Dinge überwiegen klar, wobei auch wir einige unschöne Sachen erlebt haben und beispielsweise öfter um unsere Gage beschissen wurden.«

Das bringt mich direkt zu der Frage, wo du PSYCHOPUNCH in weiteren fünfzehn Jahren siehst. Wie sieht eure Zukunft aus?

»Wir werden in verdammten Jazzclubs auftreten und Jazz spielen (lacht).
Momentan steht erst einmal die aktuelle Tour an erster Stelle. Außerdem ist das erste von drei Videos veröffentlicht und wir arbeiten zum ersten Mal in unserer Karriere an einem Kurzfilm. Dazu veröffentlichen SPV im Laufe des Jahres eine Vinylbox mit den ersten vier Alben und einigen Goodies. Alles Weitere wird die Zukunft zeigen. Ansonsten hoffen wir, auch in fünfzehn Jahren noch zusammen Musik zu machen. So wie es momentan läuft, kann es gerne weiter gehen. Wir proben mehr als jemals zuvor und haben viel Spaß zusammen.«

 

 

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