Online-MegazineInterview

STORMWARRIOR

Fischköppe und Muschelschubser

Bands wie Wolfchant nähern sich aus dem Pagan-Lager dem Power Metal an. STORMWARRIOR dagegen hatten schon immer heidnische, nordische Texte, mit Humppa-Gedudel und anderen akustischen Ärgernissen aber nie was am Hut. Die Hamburger verkörpern nicht nur den Sound ihrer Stadt. Irgendwo zwischen Melodic Speed Metal und schlichtem Heavy Metal haben sie allen Spöttern zum Trotz ihre eigene Nische gefunden. Bandgründer Lars Ramcke stellte sich unseren Fragen.

Lars, du hast Skandinavistik studiert und müsstest langsam damit fertig sein. Oder hast du auf das andere Pferd Audio-Engineering gesetzt?

»Ja, ich musste das „Skandinavistik/Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie“-Studium leider abbrechen bzw. konnte es nicht offiziell zu Ende bringen. Da wurde das dann mit der Musik irgendwann einfach zu umfangreich. Das führt man dann eher im privaten Rahmen weiter, dafür kann man sich aber mittlerweile an einer recht ansehnlichen Büchersammlung zu diesem Thema erfreuen, die zu gewissen Teilen bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und einige mittlerweile sehr selten gewordene Ausgaben umfasst. Irgendwann sah ich einfach mehr Chancen in der Musik, als später im besten Falle als Übersetzer beim NDR für eine Dokumentation über Moorleichen o.ä. zu arbeiten! Ich bin da aber nach wie vor hinterher und verfolge auch die archäologischen Entwicklungen im nordischen Raum. Dadurch, dass ich die Engineering-Richtung auch noch mitgenommen habe, hat man, was die Bandarbeit angeht, schon wesentlich mehr Freiheiten, als wenn man sich jedes Mal in ein Studio einmieten müsste.«

Nordisch-heidnische Themen waren von Anfang an Bestandteil von STORMWARRIOR.

»Aus dem einfachen Grunde, weil sie einen Teil unserer Herkunft und Kultur darstellen. Das Christentum kann uns die Zusammenhänge in der Natur nicht erklären, und wenn man sich unsere heutige Kultur hier oben mit all ihren Bräuchen, Sichtweisen, Bauernregeln, Schnacks etc. mal genauer anschaut und diese kleinen christlichen Verfärbungen abschürft, gelangt man an vielen Stellen relativ schnell zu einem heidnischen Kern, da die Kirche es einfach nicht geschafft hat, obwohl sie es mit aller Kraft versuchte (und dies teilweise sogar heute immer noch probiert), die heidnische Kultur aus den Leuten „herauszuzwingen“. Dass das heutige Norddeutschland einst dänisch war und die Mentalität sich z.B. südlich der Elbe eher von der unseren unterscheidet, als es nördlich des Danewerks der Fall ist, das ist denke ich hinreichend bekannt. Und dass wir „Fischköppe“ oder „Muschelschubser“ sowieso ein wenig anders ticken, weiß auch jeder, haha! Aber wir haben eben unsere heidnische Weltanschauung und den direkten Bezug dazu, und warum sollten wir da jetzt plötzlich über irgendwatt anneres Texte schreiben, nur weil einige andere Bands mal kurz in der Edda gestöbert haben?! Dazu sollte man sich übrigens auch noch mal ins Gedächtnis rufen, dass die Sagas aus der Edda zwar die Nordische Mythologie zum Inhalt haben, jedoch genauso wie die Nordischen Sagen erst nach jahrhundertelanger mündlicher Überlieferung von christlicher Hand niedergeschrieben wurden. Und wie das Christentum bzw. genauer gesagt die Kirche mit der Historie umgeht, ist denke ich auch jedem bekannt. Es wird immer geschrieben, dass unsere Texte über die „Nordische Mythologie“ verfasst seien. Das ist so aber nicht ganz richtig. Wir haben bisher vielleicht drei oder vier Texte gemacht, die Bereiche aus der Mythologie direkt zum Thema hatten. Ansonsten geht es bei uns eher um die heidnische Sicht- bzw. Denkweise oder Weltanschauung, in welcher die Nordische Mythologie lediglich eine Art Überbau darstellt, oder um heidnische Bräuche oder historische Begebenheiten.«

Ein Konzeptalbum ist „Heathen Warrior“ nicht.

»Trotzdem gibt es eine gewisse Art von Überbau. Auf dem Cover ist ja nicht ohne Grund Odin zu erkennen, wie er -bildlich gesprochen - aus alter Zeit herangebraust kommt, um uns alte vergessene oder verloren gegangene Kunde erneut zu überbringen. Jeder Song hat seinen eigenen Bezug zu Odin. Sei es, indem Odin als Repräsentant der alten Zeit verstanden wird, sozusagen als Symbol für die heidnische Sichtweise, als Teil der Natur auf dieser Welt zu sein und seinen täglichen Kampf auszufechten (damals eben der reine Kampf ums Überleben, heutzutage wohl das „Sich-nicht-unterkriegen-lassen“ in der Gesellschaft und das Streben nach Freiheit in eigentlich jeder Zeitperiode). Oder sei es die Betrachtung heidnischer Bräuche, die von der Kirche verwurstelt wurden, jedoch heutzutage, genauso wie damals in vorchristlicher Zeit, einen ähnlichen Stellenwert im Volke haben und deren Kern seit jeher derselbe geblieben ist, egal ob da jetzt ein Kreuz drauf plakatiert wurde oder nicht. Die meisten Lyrics spielen also augenscheinlich in der vorchristlichen Zeit, aber wie eben aufgezeigt, kann man natürlich genauso gut die Kernaussagen auch in der heutigen Zeit wiederfinden, wenn man nur bereit ist, danach zu suchen. Für manche Leute ist das dann eben nichts weiter als „Heidenkitsch“ oder „Pseudo-Pathos“, für mich ist genau das Teil meines derzeitigen Verständnisses von Heavy Metal!«

Was bedeuten dir in dem Zusammenhang Bathory und ihre epischen Alben?

»Auch wenn manche Leute behaupten mögen, Quorthon hätte „einigen Müll produziert“, besteht ja wohl keinerlei Zweifel daran, dass „Hammerheart“ definitiv zu den besten Alben aller Zeiten gehört. Man kann vielleicht versuchen, an die epische Klasse von Alben wie „Blood Fire Death“, „Hammerheart“ oder „Twilight Of The Gods“ annähernd heranzukommen, es wird einem aber nie ganz gelingen können.«

Wirst du dir das neue Vinyl-Boxset kaufen?

»Ja.«

Rein von der Thematik her passt ihr perfekt auf eins der aus dem Boden sprießenden Heidenfeste. Würdet ihr euch unter den ganzen metseligen Pagan-Horden als alte Holsten- und Jack-Daniel´s-Verhafter wohlfühlen?

»Ich denke schon. „Metbrauerei“ wäre jetzt vielleicht ein wenig hoch gegriffen, aber seit einiger Zeit kann ich zumindest eine eigene „Met-Herstellungsecke“ im Studiokeller mein Eigen nennen. Ich bin also ein „Meter“, wie Torfrock es damals so treffend formulierten, haha! Met kommt übrigens auch äußerst gut im heißen Zustand als Hustensaft- oder Wick-Medinait-Ersatz über die Lippen. Ist sogar etwas billiger und schmeckt wesentlich besser.«

Der Einsatz von Keyboards wie in ´The Ride Of Asgard´ wäre doch zu Demozeiten ein Verstoß gegen das HM-Reinheitsgebot gewesen, richtig? Gehört es zum Älterwerden, solche Scheuklappen abzunehmen?

»Ja, ja, ja, ich weiß, so wie man damals sein barbarisches Gebrüll in Richtung Waldesgrenze geschmettert hat, so kommt es dann Jahre später zurück und säbelt einem den Kopp ab, haha! Hast ja recht. Ich wollte es damals auch nicht wahrhaben und hab mich z.B. auch tierisch darüber aufgeregt, wenn die Leute „mittleren Semesters“ im Hamburger Ballroom ohne Kutte umherliefen und nicht zu jedem 80er-Jahre-Kultsong jedes Mal aufs Neue ihre spärlich gesäte Mähne im Takt umherschleuderten. Gut, im Gegensatz zu den meisten von damals trage ich meine Kutte auch heute noch, wenn auch nicht mehr jeden Tag zu jeder Uhrzeit. Und ja, da muss ich dann auch mal den Leuten von damals ein wenig recht geben, man wird etwas älter, und da werden dann auch mal die Scheuklappen ein wenig durchsichtiger. Hätte ich früher nie für möglich gehalten! Musikalisch gesehen kann ich aber nach wie vor reinen Gewissens behaupten, dass der Kern der Musik immer noch reinster Heavy Metal geblieben ist und dass die Keys nach wie vor keine der Hauptrollen in den Songstrukturen innehaben.«

Ihr führt zu einem gewissen Maß weiter, was Helloween bis zur „Judas“-EP ausgemacht hat. Freedom Call überzuckern das, was in der Kiske-Phase passierte, und sind manchmal cheesiger als „Chameleon“. Siehst du sie als Bruderband an, oder überwiegen die Unterschiede?

»„Chameleon“ war doch klasse, findest du nicht? „Windmills of steele“... Aber im Ernst, den Jungs von Freedom Call sind wir in den letzten Jahren immer mal wieder auf diversen Festivals übern Weg gelaufen, und es ist auf jeden Fall immer wieder lustig, mit denen ein Bierchen zu trinken, vor allem wenn man sich „zufällig“ gerade in Spanien auf einem kleinen Festival trifft und keiner vorher wusste, dass der andere dort auch spielt! “Wie... Ihr hier...?“ Das sind auf jeden Fall alles hochkarätige Musiker, und die haben definitiv einiges aufm Kasten, aber - nix für ungut, Chris! - es ist definitiv nicht meine Musik. Die „Keeper...“-Alben waren mir ja eigentlich schon zu viel.«

Rock´n´Rolf hat damals seinen Schneider Indianer-Joe endorst – hat er euch einen guten Uniformschneider empfohlen, dem ihr die Treue haltet?

»Nein, das schneidern wir uns nach guter alter Manier noch mit den eigenen Händen zusammen. Da bluten dann halt irgendwann die Finger vom Vernieten, aber das ist dann eben so. Da muss man durch als Lurch, wenn man ein Sturmwurm werden will.«

Mal ganz ehrlich: ´Fyre & Ice´ ist vom Titel her einem Running-Wild-Song von „Blazon Stone“ sehr nahe, vom Riffing her ´Renegade´. Überlegt ihr manchmal, solche Songs deswegen auszumustern?

»Text und Titel stammen von Yenz, und was Running Wild angeht, ist er da ähnlich bewandert, wie es mir beim Pagan Metal ergeht. Da konnte ich also nicht viel machen. Okay, ich hab mich aber zugegebenermaßen vielleicht auch nicht gerade dagegen gewehrt. Vielleicht ist der Song ja auch in einer unterschwelligen Art als Verneigung und Danksagung für geleistete Werke in eine gewisse Richtung zu verstehen. Was das Riffing angeht, bin ich eigentlich beim Spielen aus einem ganz anderen Song heraus dabei gelandet. Außerdem gibt es da wesentlich schlimmere Finger. Ist ja nicht so, dass wir jetzt zum dritten Male ´Rapid Fire´ eins zu eins aufgenommen hätten.«

Magst du eigentlich Kürbis?

»Kürbis-Ingwer-Suppe schmeckt ganz gut. Ich hab einmal Kürbisbier probiert, das geht gar nicht. In Cover-Artworks gefallen mir explodierende Kürbisse, aus denen ein Fangface entspringt, am besten. Falls du darauf hinauswolltest...«

 

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